Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (Forts. Teil 3) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 21.10.2017, 17:43 (vor 3073 Tagen) @ TD

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Zurück in Clermont-Ferrand holen wir das Gepäck aus dem Hotel und machen uns dann gleich auf den Weg zum Bahnhof. Clermont-Ferrand liegt im Schatten des TGV-Netzes, der nächste Fernbahnhof ist in Lyon.

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Gut sechseinhalb Stunden dauert die Fahrt von Clermont-Ferrand nach Béziers, die ersten anderthalb Stunden bis Neussargues verbringen wir in einem Dieseltriebwagen. In der DB-Fahrplanauskunft ist der Zug als Interregio klassifiziert, die SNCF nennt ihn schlicht „Train“.

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Langsam bessert sich das Wetter und wir haben vom Zug aus noch einen Blick auf die Vulkanberge Chaîne des Puys, die die Auvergne prägen. Bis zum Bahnhof von Arvant fahren wir die gleiche Strecke zurück, auf der wir am Vortag aus Nîmes angereist sind, dann zweigt die Bahnstrecke nach Neussargues nach Westen ab.

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Zu Füßen des Château d'Aurouze führt die Strecke landschaftlich ganz reizvoll durch das Tal des Alagnon am Rande des Naturparks Volcans d’Auvergne.

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Der Zug endet in Neussargues, hier gibt es einen Korrespondenzanschluss mit einem Elektrotriebwagen nach Béziers. Der 2.000-Einwohnerort Neussargues war früher ein wichtiger Eisenbahnknoten, mit dem Wegfall von Verbindungen und Strecken hat der Bahnhof einen großen Teil seiner Bedeutung verloren.

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Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof von Neussarges fällt der Blick auf die Strecke von Clermont-Ferrand, im Hintergrund der Gebirgszug des Rocher de Laval.

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Die Bahnstrecke von Neussargues nach Béziers ist 277 Kilometer lang, die elektrifizierte Strecke trägt den Namen Ligne des Causses nach dem gleichnamigen Gebirge. Vor uns liegen nun knapp fünf Stunden Fahrt auf einer wunderschönen Strecke. Während die Cevennenbahn am Vortag auf weiten Etappen von Tälern und Wäldern geprägt war, hat die Ligne des Causses mit der offenen Landschaft einen ganz anderen Charakter. Hier passieren wir gerade das Château du Saillant.

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Das bedeutendste und bekannteste Bauwerk der Strecke ist das Garabit-Viadukt über den aufgestauten Fluss Truyère. Erbaut wurde die stählerne Brücke von Gustave Eiffel, mit einer Höhe von 122 Metern hielt der Garabit-Viadukt 25 Jahre lang den Rekord der höchsten Eisenbahnbrücke der Welt. Nur schade, dass man aus der Fahrgastperspektive den filigranen Bau gar nicht richtig erfassen kann.

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Noch heute wird hier Rinderzucht betrieben, schon früher war die Rinderzucht ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der unwirtlichen Region; dies war auch der Auslöser für den Bau des Garabit-Viadukts, denn so konnten die Rinder besser zu den Handelsplätzen transportieren werden.

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Mit dem Ort Aumont-Aubrac erreichen wir die Hochfläche des Aubrac, ein dünn besiedelter und abgelegener Landstrich. Den Namen Aubrac trug auch ein Zuglauf, der von Béziers über diese Strecke bis Paris verkehrte, teilweise taucht der Name auch heute noch für den verbliebenen Zuglauf bis Clermont-Ferrand auf.

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Auch der Ort Marvejols ist eingebettet in die Landschaft des Zentralmassivs, wie auf der Cevennenbahn fallen auch hier zweisprachige Bahnhofsschilder mit dem okzitanischen Ortsnamen auf.

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Die Ligne des Causses teilt ein ähnliches Schicksal wie die Cevennenbahn: beide Strecken führen durch tolle Landschaften und bieten grandiose Ausblicke, haben in den dünn besiedelten Regionen aber kaum Fahrgäste und sind zudem in Sachen Geschwindigkeit der Konkurrenz durch die Autobahn nicht gewachsen. Teilweise liegen die Orte recht weit von der Bahnstrecke entfernt und an vielen der Unterwegshalte findet kein Fahrgastwechsel statt. Die Ligne des Causses hat gerade noch ein einziges Zugpaar am Tag, da ist die Bahn im Alltag ohnehin nicht zu gebrauchen.

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Die Strecke folgt nun dem Fluss Lot und erreicht dann den Ort Sévérac-le-Château mit der weithin sichtbaren mittelalterlichen Burg.

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Der Fahrkomfort ist nicht der beste, es rumpelt und schaukelt – aber dafür entschädigt ein großes Kino vor dem Zugfenster mit den Kalkplateaus im Naturpark Grands Causses. Beeindruckend ist auch die Fahrt hinab nach Aguessac mit dem Blick zum Causse Noir. Der Name rührt von der dunklen Pinienbewaldung auf dem Plateau her.

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Normalerweise knipse ich keine Autobahnbrücken – aber beim Viaduc de Millau machen wir eine Ausnahme. Die längste Schrägseilbrücke der Welt wurde 2004 eingeweiht, sie ist mit Pfeilerhöhen von bis zu 343 Metern auch das höchste Bauwerk Frankreichs. Während die Brücke das Tal des Flusses Tarn in großer Höhe überspannt, geht es für uns direkt unten am Fluss entlang weiter.

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Auf der Fahrt passieren wir unzählige Tunnel und Brücken, so auch hier ein Viadukt bei Joncelets in den südlichen Ausläufern des Zentralmassivs.

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Die letzten Kilometer führen dann unspektakulär durch das Flachland nach Béziers und wir beenden damit den Besuch der Ligne des Causses. Es ist schon eine feine Sache, mit dem TGV ans Mittelmeer zu brausen – wer aber Zeit und Muße hat, abgelegene Landschaften und sehenswerte Bahnstrecken zu entdecken, dem sei der Umweg über Clermont-Ferrand und die Cevennenbahn oder die Ligne des Causses ans Herz gelegt.

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Heute nehmen wir in Béziers Quartier, zu den Sehenswürdigkeiten der 75.000-Einwohner-Stadt gehört die Kathedrale Saint-Nazaire, von hier hat man auch einen Blick über den Fluss Orb hin zu den Ausläufern des Massif Central.

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Nach Einbruch der Dunkelheit drehen wir noch eine Runde vorbei am Theater...

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...zu dem in Landesfarben illuminierten Rathaus und beenden dann den dritten Reisetag und damit auch diesen Reiseberichsteil.

Im nächsten Teil fahren wir von Béziers in die Pyrenäen zum train jaune auf der Ligne de Cerdagne, aber dazu dann mehr in den nächsten Tagen.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

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