Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (2/8 | 44 B.) (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 17.10.2017, 19:23 (vor 3077 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen der französischen Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Im ersten Teil waren wir durch die Schweiz nach Frankreich gefahren und hatten die Côte Bleue besucht.

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Wir schreiben den zweiten Reisetag, am frühen Morgen waren wir von Carry-le-Rouet nach Marseille gefahren. Am Bahnhof Marseille-Saint-Charles setzen wir den Reisebericht nun fort.

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Auch hier gibt es eine großzügige Übergangszeit auf den nächsten Zug, so dass wir eine Runde um den Bahnhof drehen können. Die repräsentative Freitreppe vor dem Bahnhof (l'Escalier de la gare Saint Charles) ist eine Sehenswürdigkeit für sich, die 104 Stufen werden von Skulpturen verschiedener Künstler gesäumt. Aber nun wieder hinauf zum Bahnhof, mittlerweile sollte das Abfahrtsgleis für den Intercity in Richtung Bordeaux bekannt gegeben sein.

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Der Intercity hat eine stattliche Länge, bis zum Foto mit Lok wollen 12 Wagen abgelaufen sein. Wir fahren mit bis Nîmes, die Fahrt dorthin dauert eine gute Stunde.

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Zunächst gibt es bei der Fahrt durch das Stadtgebiet von Marseille nochmals einen Blick auf die Küste, dann folgt der Étang de Berre, eine Meeresbucht, die nur durch einen schmalen Kanal mit dem Meer verbunden ist und zugleich als größter Binnensee Frankreichs gilt.

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Auf einem Felsen über dem Tal des Étang de Berre liegt das mittelalterliche Dorf Miramas le Vieux. Beim nächsten Bild fahren wir über die Rhone und dann ist auch bald schon Nîmes erreicht.

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Nîmes ist eine alte Römerstadt und hat heute rund 150.000 Einwohner. Hier haben wir knapp zwei Stunden Zeit für eine Stadterkundung; vom Bahnhof aus laufen wir durch die Esplanade Charles de Gaulle ins Zentrum, geprägt ist der Platz vom Fontaine Pradier.

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Amphitheater, Fluchtburg, Stierkampfarena und Festivalbühne für Rammstein – der römische Bau aus den Jahren 90 bis 120 nach Christus hat schon verschiedenste Nutzungen erfahren.

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Der weitere Weg durch die Altstadt führt uns zwischen Uhrturm und der Kathedrale Notre-Dame-et-Saint-Castor...

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...zum Maison Carrée, einem römischen Tempel aus dem Beginn des 1. Jahrhunderts.

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Dieses Gebäude ist etwas jünger, der Bahnhof Nîmes wurde 1843 eröffnet. Und im Gegensatz zum Amphitheater und dem römischen Tempel gibt es hier sogar ein Innenbild.

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Doch, das ist ein Intercity! Bis wenige Tage vor unserer Reise fuhr der „Cévenol“ während der Sommersaison noch als lokbespannter Zug, allerdings hatte das mit unserer Urlaubsplanung nicht gepasst, zumal wir aus verschiedenen Überlegungen die andere Sommertour zwischen Ostsee und Salzkammergut vorgezogen hatten. Und ich muss sagen, dass ich auch mit dem Triebwagen gut leben kann, denn die Streckenbilder aus französischen Wagenzügen sind doch grenzwertig (siehe obige Bilder von der Fahrt Marseille-Nîmes).

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Wir fahren nun von Nîmes nach Clermont-Ferrand, die 303 Kilometer lange Cevennenbahn (Ligne des Cévennes) ist Teil der historischen Verbindung zwischen Paris und dem Mittelmeer. Die Cevennenbahn ist verbunden mit dem Namen „Le Cévenol“, das war ursprünglich ein besonderer Zug mit doppelstöckigem Aussichtswagen, der auf der Strecke fuhr. Die gut fünfstündige Fahrt durch die Cevennen, ein Teil des französischen Zentralmassivs, ist landschaftlich beeindruckend, entsprechend groß die Ausbeute an Streckenbildern. Hier zunächst die Fahrt im Tal des Gardon d’Alès...

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...und vom Viadukt von Chamborigaud...

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...gibt es einen Blick über das Tal des Luech.

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Am Bahnhof von Villefort erinnert ein Denkmal an den Bau der Strecke durch den Ingenieur und Eisenbahnpionier Paulin François Talabot. Die Strecke wurde im Jahr 1870 vollendet, die Jahreszahl 1995 dürfte demnach für das 125jährige Streckenjubiläum stehen.

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Kurz darauf geht es auf einem Viadukt über den aufgestauten Lac de Villefort...

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...und einige Minuten später folgt mit dem Lac du Rachas schon das nächste Gewässer. 1994 war übrigens ein Dieseltriebwagen der Baureihe 610 aus Deutschland zu Testfahrten zwischen Nîmes und Langogne unterwegs.

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Ich muss zugeben, dass ich etwas verwundert bin, als wir hier mitten in Frankreich auf zweisprachige Bahnhofsschilder stoßen. Tja, da muss ich wohl eine Bildungslücke offenbaren – aber nach etwas Googeln komme ich zu dem Schluss, dass das Okzitanisch sein wird, eine galloromanische Sprache, die im südlichen Drittel Frankreichs gesprochen wird und als Region- oder Minderheitensprache anerkannt ist, auch wenn sie nicht Amtssprache ist.
Unweit des Bahnhofs La Bastide-Saint-Laurent-les-Bains liegt der höchste Punkt der Strecke auf 1025 Metern über dem Meer.

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Die Cevennen sind nicht nur von bewaldeten Tälern geprägt, nun ändert sich das Bild und die Gleise führen über eine Hochebene. Wenig später passieren wir den tour de Concoules.

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In Langogne zweigt die "Ligne du Puy à Langogne" ab, die Bahnstrecke verband von 1912 bis 1981 die Cevennenbahn mit Le Puy-en-Velay. Ab Langogne beginnt auch das Herzstück der Cevennenbahn, die 67 Kilometer lange Trasse Gorges de l’Allier bis Langeac.

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Die Fahrt durch die Schluchten des Allier ist beeindruckend, ich habe längst aufgehört, die Tunnel und Viadukte zu zählen. Wikipedia spricht von 51 Tunneln und 16 Viadukten auf der Bergstrecke. Der Zug ist teilweise mit sehr gemächlichem Tempo unterwegs.

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Mit drei durchgehenden Zugpaaren ist der Verkehr auf der Cevennenbahn überschaubar und manche Orte wie der Weiler Chapeauroux wirken schon sehr verlassen. Das nächste Viadukt führt über den gleichnamigen Fluss, der hier in den Allier mündet.

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Über dem Ort Saint-Arcons-d'Allier ziehen dunkle Wolken auf, aber der spektakulärste Streckenabschnitt endet ohnehin bald, da ist das nicht weiter tragisch. Während des Halts im Bahnhof Langeac entdecke ich noch ein Werbeplakat für den Cévenol.

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Von Langeac bis Clermont-Ferrand sind es nun noch etwa hundert Kilometer. Einerseits ist das Wetter nun nicht mehr so toll, andererseits ist auch meine Aufnahmefähigkeit nach so einer Strecke langsam erschöpft und auch landschaftlich kann diese Etappe mit der Bergstrecke nicht mehr mithalten, deshalb endet nun der Reigen der Streckenbilder.

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Es geht gleich weiter...

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