Lokschaden in km 13,6 (kleiner nachweihnachtlicher Bericht) (Allgemeines Forum)

Turbonegro, Dienstag, 29.12.2009, 14:38 (vor 6042 Tagen)

Hey ihr alle,
es freut mich, dass euch meine beiden Berichte gefallen haben und so großen Zuspruch gefunden haben. Daher hab ich mich entschieden noch einen dritten Teil zu schreiben. Auch dem Vorschlag, die Berichte in die Kategorie Reiseberichte aufzunehmen, wie „fabs“ vorschlug, hab ich nichts dagegen. Und dank der vielen Gute-Besserung-Wüsche, dem ekligen Gesundheitstee meiner Frau und den vielen gemalten Bilder meiner kleinen Tochter geht’s mir wieder gut.
Und daher dachte ich, ich schreibe noch einen dritten Teil über meinen Beruf, über den des Fahrdienstleiters und diesmal eine Störung, wie mir sie im Spätsommer passiert ist.

Dieser Bericht ist für alle gedacht, die immer sofort schreien, sobald ihr Zug mehr als 1,5 Min Verspätung hat und wahrscheinlich ein Stellwerk noch nie von innen gesehen haben und die, die sich einfach nur ein bisschen auch dafür interessieren und nicht nur für das rollende Material.

Dieser kleine Bericht ist nicht für Eisenbahner gedacht, die sich in der Materie auskennen, der Bericht ist so einfach wie möglich geschrieben ;).
Wobei dieses Mal das auf Grund der Sachlage nicht so einfach war.

Auf Grund des Datenschutzes sind die Bahnhofsnamen, die Namen der Mitarbeiter und die Zugnummern durch fiktive Namen ersetzt.


Eine ganz normale Spätschicht im Stellwerk Münchstadt hat gerade die hektische Phase erreicht, es wird 16:30 und damit Hauptverkehrszeit. Noch einmal zur Erinnerung:
Der Bahnhof Münchstadt liegt an der zweigleisigen Hauptstrecke Großburg – Bachheim. In Münchstadt zweigt außerdem die eingleisig Nebenbahn nach Hinterwald ab. Der Bahnhof hat zwei durchgängige Hauptgleise (1 und 2), dass Ausweichgleis 3 und das Stumpfgleis 1a sowie ein Ausweichgleis 4 ohne Bahnsteig. Des Weiteren zweigen vom Gleis 4 noch zwei Anschlussgleise in die nahe Fabrik und zum Schrotthändler ab. Der Bahnhof wird vom Spurplanstellwerk Mf der Bauart Sp Dr S 60 gesteuert.
Den ganzen Tag war es mir schon komisch vorgekommen. Keine nennenswerten Verspätungen, keine Techniker, der Chef hatte auch Urlaub und stört nicht, alles in bester Ordnung. Auch der Güterzug 48398 war erstaunlich pünktlich und fuhr mit gerade einmal 4 Minuten Verspätung in Richtung Bachheim.
Doch wie es an solchen Tagen kommen musste, klingelte kurz nach der Durchfahrt des Zuges der GSM-R Zugfunk und der 48398 meldet sich: „Grüß dich Kollege, “ meint der Tf. „Du, ich steh in km 13,6, mir ist grad der Hauptschalter raus gefallen, ich muss mal eben nachschauen, irgendwas stimmt an meiner Lok nicht.“ Jaja, denk ich, schau mal eben und will gerade meinen Bachheimer Kollegen anrufen, als mein Blick auf dem Stelltisch erstart. Scheiße, denk ich, die Kiste steht ja mitten in der Einschaltstrecke des Bahnübergangs (BÜ) im km 14,0. Nicht mehr lang und der Zeitüberschreitungsmelder hupt.
Auf Grund einer Anweisung ist gilt dieser BÜ auch bei einer Zeitüberschreitung als gestört. Zum Glück nähert sich kein Zug aus Bachheim. Also gleich den Bachheimer Fdl anrufen: „Fahrdienstleiter Bachheim“ – „Ja, Münchstadt ist hier, du, der 48398 ist auf der Einschaltstrecke des BÜ 13,6 stehen geblieben und ich bekomm gleich eine Störungsmeldung“, sag ich und höre in diesem Augenblick die Hupe. „Alles klar“, meint Bachheim routiniert, „dann gebe ich dem nächsten Zug mal einen Befehl mit!“
Zur Sicherheit sperr ich mir noch das Zentralblocksignal 34 vor dem betroffenen BÜ und bringe die Merker BUE an. Kurze Zeit später meldet der Bachheimer den Regionalexpress ab. „Fahrdienstleiter Bachheim, Zugmeldung, Zug 23134 in Bachheim mit Befehl 8 ab 43.“ Ich wiederhole und entsperre das Blocksignal 34.
Im Befehl 8 steht sinngemäß, dass vor dem BÜ zu halten ist und weiter gefahren werden darf, wenn der BÜ gesichert ist. Die Sicherung geschieht durch den Tf.

Nach endlos wirkenden 6 Minuten meldet sich der Tf des Güterzugs 48398 bei mir. „Du ich bekomme die Lok nicht mehr fit, ich probiere noch ein wenig, aber das sieht schlecht aus. Ich glaub ich komme hier nicht mehr weiter.“
Na wunderbar, denke ich, denn gerade kommt die RB 23837 aus Großburg in den Bahnhof eingefahren. Na das ist ein Fall für den Zugdisponent in der BZ. „Münchstadt, Müller“, melde ich mich, „Kollege, wir haben folgendes Problem, der 48398 steht in km 13,6 und hat Lokschaden und kommt nicht mehr weiter, eingleisig können wir noch fahren!“ „Ok, ich organisiere eine Hilfslok und melde mich gleich wieder wie wir weiter verfahren“, antwortet mein Disponent.
Daraufhin rufe ich den Bachheimer wieder an und sperre das Gleis Münchstadt – Bachheim wegen des liegen geblieben Zugs mit den Worten „Gleis von Münchstadt nach Bachheim gesperrt“ und male meinen Sperrkaten ins Zugmeldebuch. Des weitern bringe ich eine Hilfssperre an der Zieltaste und den Merkhinweis X an.
Erneut klingelt der Zugdisponent bei mir. „Also wir haben entschieden, dass die Regionalbahn bei dir verendet und als 29090 wieder zurück nach Großburg im Plan des 23838 geht. Der 23838 endet in Bachheim und wendet dort. Dafür schickste mir den RE 23135 Gegengleis nach Bachheim“.
Also ausrufen, da fällt mir auf, dass der Gegenregionalexpress wegen der BÜ-Störung auch schon 6 Minuten später ist. Das hab ich ganz vergessen auszurufen, aber in so einem Fall geht die Sicherheit des Bahnverkehrs vor! Also die Durchsage, dass die RB endet und die Leute mit dem RE fahren sollen, der Abweichend von Gleis 3 fährt und dann hat der RE nach Großburg auch noch 6 Min. Verspätung. Die Ansage so schnell wie möglich runter gebrochen, denn der RE aus Bachheim kommt schon und hier muss ich noch die Einzelräumungsprüfung durchführen, da ich gleich Gegengleis fahren möchte.
So da es gerade so hektisch wird, kommt jetzt mal die Werbung, ähh nee, eine kurze Erklärung zum Gegengleisfahren, was die Bundesbahner immer noch als Falschfahren bezeichnen. Es gibt dabei drei verschiedene Möglichkeiten:
- die erste ist mit Befehl, der Tf erhält mittels Befehl am Ausfahrsignal vorbeizufahren und im Gegengleis in den nächsten Bahnhof zu fahren und dort je nach Zustand in den Bahnhof einzufahren oder davor zu halten
- die zweite Möglichkeit ist der SFB, der Signalisierte Falschfahrbetrieb, der Tf erhält am Ausfahrsignal Zs 8 und weis damit das er bis zur nächsten Zugmeldestelle Gegengleis fährt, dort erwartet ihn dann ein Signal, entweder Hp0, Zs1 oder Sh1
-die dritte und einfachste Möglichkeit ist der Gleiswechselbetrieb, wobei ganz einfach ohne irgendwelche Faxen mit Hauptsignal und Zs 6 aus- und wieder eingefahren wird.
In Münchstadt liegt die zweite Möglichkeit vor, das Fahren mit Zs 8.
Also zurück in die Hektik auf dem Stellwerk. Der RE aus Bachheim nach Großburg fährt gerade ein. Schnell auf den Schluss geschaut und dann wieder den Bachheimer ans Telefon hergeholt. Kurz und knapp schildere ich die Situation: „Also pass auf, der Zugdisponent hat gesagt, die beiden RB wenden auf die Gegenleistung und ich schick dir jetzt als nächstes den RE 23135 Gegengleis.“ „ Ja, erstaunlicherweise hat mich der Zugdisponent auch informiert“, antwortet zu meinem erstaunen der Bachheimer. „OK, dann führen wir das Gegengleisfahren ein“, fahre ich fort, „Ab 16:55 befahren die Züge der Richtung Münchstadt – Bachheim das Gegengleis, erster Zug ist der 23135.“ Bachheim wiederholt. „Dann mach ich gleich Zugmeldung, wir Zug 23135 im Gegengleis angenommen?“ - „Zug 23135 im Gegengleis ja!“ – „Zug 23135 im Gegengleis in Münchstadt voraussichtlich ab 59“. Bachheim wiederholt erneut. Bevor ich aber irgendwas fahren lasse, vermerke ich alles im Zugmeldebuch, also das Gegengleisfahren einführen, die Zugmeldung und die Annahme im Gegengleis sowie die vorher durchgeführte Räumungsprüfung. Außerdem bringe noch den Merkhinweis <- -> an. So jetzt mal den Lokführer des 23135 verständigen und gleich den BÜ-Befehl diktieren, da der BÜ ja immer noch gestört ist. Zwar heißt es immer, man solle im Störungsfall ruhig bleiben, aber langsam wird es stressig. Während dem Befehl diktieren klingelt Hinterwald und will Züge fahren lassen, den RE nach Großburg hab ich auch noch nicht abgemeldet und der Zugdiponent nervt auch schon wieder und die Ansagen am Bahnsteig waren bisher auch recht spärlich. Naja, eins nach dem anderen. Nachdem der 23135 seinen Befehl hat, stelle ich die Hilfsfahrstraße ins Gegengleis. Eine Hilfsfahrstraße ist eine Fahrstraße, bei der alles einläuft und auch die Festlegung kommt, aber kein Signal kommt. Immer noch klingeln Hinterwald und der Zugdisponent und auch Großburg klingelt jetzt und will wissen was eigentlich kommt.
Dennoch konzentriere ich mich auf die Zugfahrt, hab ich alles, Zugmeldung, ja, Befehl, ja, Fahrstraße, ja, Weichenlaufkette draußen, ja, Räumungsprüfung, ja, alles klar und erst jetzt gebe schalte ich Zs 8 ein und kümmer mich um die nervenden Anrufe, shit immer noch keine Durchsagen gemacht, doch der Zugdisponent hat schon die Hilfslok organisiert um den kaputten Zug rauszuziehen.
In Großburg parken tagsüber gern ein oder zwei Lokomotiven der Reihe 185 und eine solche schickt mir Großburg auch schon als 99798.
Also gleich mal Bachheim anrufen, doch zuvor rufe ich kurz und knapp die wichtigsten Informationen durch den Lautsprecher, für „meine Damen und Herren“ und „wir bitten um Verständnis“ habe ich keine Zeit, denn ich kann jetzt schon mal den Befehl vorbereiten, den die Hilfslok gleich bekommen wird, um als Sperrfahrt den kaputten 48398 zu entsorgen. Befehl 2, am Halt zeigenden Signal vorbei fahren, Befehl 5 Regelgleis rein und Gegengleis zurück, Befehl 9 auf Sicht fahren und Befehl 11, dass er die Unwirksamskeitstaste am Beginn der Einschaltstrecke des BÜs betätigen soll, des weiteren der Fahrplan für die Sperrfahrt.


--Werbepause--

Lokschaden in km 13,6 (kleiner nachweihnachtlicher Bericht)2

Turbonegro, Dienstag, 29.12.2009, 14:40 (vor 6042 Tagen) @ Turbonegro
bearbeitet von Turbonegro, Dienstag, 29.12.2009, 14:40

Der Bachheimer meldet sich und meldet den Gegengleis gefahrenen Zug zurück, den ich gedanklich schon abgehakt hatte. Da die Hilfslok schon eintrifft vereinbare ich gleich die Sperrfahrt und melde sie auch gleich ab. Der Schweiß steht mir auf der Stirn, denn seit bald 30 Minuten hetze ich ununterbrochen von Telefon zu Telefon, ich komme mir vor, wie in einem Callcenter. Bachheim schickt mir wieder einen Zug, immer noch mit BÜ-Befehl, während die Hilfslok mit den liegen geblieben Zug kuppelt. Erneut klingelt der GSM-R Funk mit der erlösenden Nachricht, die Hilfslok kann endlich mit dem kaputten Zug zurückkehren, ich stimme zu und sag zum Lokführer, er solle sich melden, wenn er vor der Einfahrt steht. Denn der Zug kehrt auf Sicht zurück, wie lange dies dauert weiß man immer nie so genau. Dann noch mal eine Schrecksekunde, der Großburger meldet den nächsten Güterzug ab. „Als ob ich jetzt für so einen Scheiß platz hab“, fauche ich ihn an. Gleis 1 steht immer noch die RB 2 brauch ich zum fahren auf 4 muss der kaputte Zug rein und drei nutze ich gerade für die Züge nach Bachheim. Also umdisponieren, den Güterzug nach 3 rein und der nachfahrende RE muss sich halt solange vor der Einfahrt gedulden, bis der Gegenzug durch ist. Wunderbar! Toll gemacht! Ich ärgere mich darüber, dass der Großburger nicht mitgedacht hat und harre der Dinge die da kommen. Doch für Ärger bleibt keine Zeit denn die Sperrfahrt und der kaputte Zug verlassen die Einschaltstrecke und zu meiner Erleichterung geht die Zeitüberschreitungsmeldung weg. Puh. Keine BÜ-Befehle mehr, endlich, gleich mal den Bachheimer informieren, der sich ebenso freut und einem baldigen Störungsende entgegenfiebert. Und dann endlich: die Sperrfahrt meldet sich vor der Einfahrt, aber erstmal fahr ich noch die Züge wie ausgemacht, denn jetzt das ganze noch mal umzuändern hat keinen Sinn, also, der RE nach Großburg durch und gleich darauf, der RE nach Bachheim, der mittlerweile schon seit 5 Minuten am Einfahrsignal steht im Gegengleis nach Bachheim. So und jetzt ist mein kaputtes Baby dran. Also Einfahrt aus dem gesperrten Gleis nach 4 und bald schon sehe ich das knallige rot der 185 die den Güterzug reinzieht und höre erfreut wie der Tf die Sperrfahrt für beendet erklärt. So jetzt aufräumen. Sperrung aufheben, Gegengleisfahren beenden, Zugdisponent bescheid sagen, Merkhinweise und Hilfssperren abnehmen, den Block in Grundstellung bringen und endlich auch mal wieder Zeit für eine anständige Ansage haben. Bis aber wieder alles im Regelbetrieb läuft wird es noch eine Weile dauern. Die RE-Doppelstockzüge haben alle hohe Verspätungen gesammelt und erhalten Wendeverspätungen, auch die Regionalbahnen müssen erst wieder in den Plan eingeführt werden, da alles ja in Münchstadt und Bachheim gebrochen wurden aber auch nach ein paar Stündchen läuft wieder alles und ich kann meinem Kollegen von der Nachtschicht eine saubere Strecke übergeben.

So ihr Lieben, ich hoffe euch hat auch der dritte Teil „Arbeiten auf den Stellwerken“ gefallen.

Was ich mit der Trilogie erreichen möchte:

- Den Beruf des Fahrdienstleiters und seiner Tätigkeit ein Bisschen beschreiben, der leider im Hobbyeisenbahnertum oft untergeht.
- Zum allgemeinen Verständnis beitragen.
- ABER VORALLEM: Diesen Hobbyeisenbahnern, die grundsätzlich alles besser wissen und im Zug bei einer Standzeit von 2 Sekunden vor einem haltzeigenden Signal schon ein Verschwörung gegen sich, die Bahn und die Menschheit vermuten und Fdl, Zugdisponent, BuPol, Netzko und Frau Merkel anrufen müssen (woher die immer die Nummern haben, würde mich mal interessieren), mal zeigen, dass auf Stellwerken und in Lokomotiven nicht nur Idioten arbeiten (ich erinnere mich an eine Diskussion letztens hier, wo wir pauschal abgestempelt wurden). Wenn man alles beachtet, dauert es eben ein bisschen

Ich wünsche noch einen guten Rutsch und ein schönes und erfolgreiches Jahr 2010.

Ganz grosses Kino! DANKE

DiH, Dienstag, 29.12.2009, 15:13 (vor 6042 Tagen) @ Turbonegro

Vielen Dank für den interessanten und unterhaltsamen Bericht.

Da habe ich hier glatt mit dem Fdl mitgefiebert....


Guten Rutsch & allen Kollegen einen ruhigen und sicheren Dienst!

Dirk

Unwirksamkeitstaste

sflori, Dienstag, 29.12.2009, 16:39 (vor 6042 Tagen) @ Turbonegro

Vielen Dank für den spannenden Bericht ! :-)

Ich hätte noch eine Frage, vielleicht kannst Du mir helfen ?

Was hats denn mit der Unwirksamskeitstaste auf sich ? Ist das ein Schlüsselschalter draußen an der Strecke ? Wie lange schaltet sie denn den BÜ unwirksam ? An welchen BÜs gibts die denn ?

Ansonsten schließe ich mich DiH an und wünsche alles Gute für 2010 ! :)


Bye. Flo.

Unwirksamkeitstaste

fabs, Braunschweig, Dienstag, 29.12.2009, 17:03 (vor 6042 Tagen) @ sflori

Moin!
Ich musste noch nie eine UT bedienen, aber es handelt sich um eine Schlüsseltaste an der Strecke, die vor dem Einschaltkontakt liegt und diesen unwirksam schaltet.
Mit details kann ich leider nicht dienen.

Ich bitte darum, meine Aussagen ggf. zu korrigieren.

Viele Grüße
fabs

--
Es gibt Dinge im Leben, die dich schnell aus der Bahn werfen können!
Zugbegleiter zum Beispiel...

Unwirksamkeitstaste

Talent, Dienstag, 29.12.2009, 18:01 (vor 6042 Tagen) @ fabs

Nabend,

wirklich ganz große Klasse deine Berichte ... sind wirklich Buchreif :)

Kenne auch einen Fahrdienstleiter auf einem mechanischem Stellwerk auf einer eingleisigen Strecke mit einem ungefähren 20 Minunten Takt, der auch oft ins Schwitzen kommt bei Kreuzungen und Störungen usw. Jedoch muss dieser keine Ansagen machen, was bei dir bei dem Stress eine zusätzliche Belastung sein wird.

Also wirklich Hut ab...!

Gruß

Schreib doch mal ein Buch

101-Fan, Köln, Dienstag, 29.12.2009, 19:29 (vor 6042 Tagen) @ Turbonegro


So ihr Lieben, ich hoffe euch hat auch der dritte Teil „Arbeiten auf den Stellwerken“ gefallen.

Ja, sehr sogar! Bitte mehr davon!

Was ich mit der Trilogie erreichen möchte:

- Den Beruf des Fahrdienstleiters und seiner Tätigkeit ein Bisschen beschreiben, der leider im Hobbyeisenbahnertum oft untergeht.
- Zum allgemeinen Verständnis beitragen.
- ABER VORALLEM: Diesen Hobbyeisenbahnern, die grundsätzlich alles besser wissen und im Zug bei einer Standzeit von 2 Sekunden vor einem haltzeigenden Signal schon ein Verschwörung gegen sich, die Bahn und die Menschheit vermuten und Fdl, Zugdisponent, BuPol, Netzko und Frau Merkel anrufen müssen (woher die immer die Nummern haben, würde mich mal interessieren), mal zeigen, dass auf Stellwerken und in Lokomotiven nicht nur Idioten arbeiten (ich erinnere mich an eine Diskussion letztens hier, wo wir pauschal abgestempelt wurden). Wenn man alles beachtet, dauert es eben ein bisschen

Ich weiss, ich mache mich jetzt mal so richtig unbeliebt, aber das nehme ich in Kauf. Aber ich als Hobbyeisenbahner finde es eigentlich immer sehr spannend, wenn eben nicht alles nach Plan geht.
Ihr Bahner macht schon einen super Job!

Und noch eine kleine Anregung für dich Turbonegro:
Wie wäre es, wenn du mal ein Buch schreiben würdest? Ich habe ein Buch von einem Zub, der beschreibt dort auch seinen Arbeitsalltag.
Solltest du dies tatsächlich mal machen, einen Käufer hättest du schon...


Ich wünsche noch einen guten Rutsch und ein schönes und erfolgreiches Jahr 2010.

Danke, wünsch ich dir auch.

--
Es grüsst aus Köln
Markus

Schreib doch mal ein Buch

GUB, Bremen, Dienstag, 29.12.2009, 19:50 (vor 6042 Tagen) @ 101-Fan

Ist das Buch von dem Zub den richtig veröffentlicht? oder hat er nur eins für dich geschrieben? Wenn nicht, wo könnt man solch ein Buch erwerben, das wär nämliche echt interessant!
Seiten, wo man Arbeitsgeschichten von Tf´s erfährt gibts ja zu hauf, dann gibts immer noch die Tf-Geschichten in der ein oder anderen Eisenbahnzeitschrift, aber von Fdl und Zub´s gibts nich so viel.
Eigentlich schade. Denn so ist es nicht möglich sich ein BIld davon zu machen, wie ein Alltag als Zub oder Fdl abläuft...
Mfg

Schreib doch mal ein Buch

101-Fan, Köln, Freitag, 01.01.2010, 19:00 (vor 6039 Tagen) @ GUB

Hallo GUB,

sorry, dass ich erst jetzt schreibe. Frohes neues Jahr erstmal.

So, nun zu dem Buch über den Zub. Also, das Buch heißt "In vollen Zügen unterwegs" von Ewald Rumm. Erschienen ist es 2002. ´
In der Inhaltsangabe auf der Rückseite heißt es:
"Die Ihnen hier vorliegenden Geschichten und Episoden sind bzw. waren Empfindungen, Eindrücke und persönlich Erlebtes aus meinem Eisenbahnerleben. Sie spiegeln nur wider, wie ich alles erlebt habe.(...)"

In dem Buch schreibt er unteranderem, wie er einen Sonderzug von Stuttgart nach Oberstdorf begleitet oder wie er den Tag erlebte, an dem der ICE in Eschede verunglückte.

Ist zwar nur 148 Seiten "dick" aber trotzdem ganz interessant.

--
Es grüsst aus Köln
Markus

Danke! (owt)

GUB, Bremen, Samstag, 02.01.2010, 12:37 (vor 6038 Tagen) @ 101-Fan
bearbeitet von GUB, Samstag, 02.01.2010, 12:37

Wünsche auch nachträglich ein Frohes Neues!

Danke!

Matze86, München, Mittwoch, 30.12.2009, 08:58 (vor 6041 Tagen) @ Turbonegro

Jetzt bin ich auch endlich mal zum Lesen gekommen.
Ein großes Dankeschön von mir und ebenfalls einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ganz toller Bericht; was sagst Du denn zu solchem Erlebnis?

moonglum, Hagen, Mittwoch, 30.12.2009, 10:40 (vor 6041 Tagen) @ Turbonegro
bearbeitet von moonglum, Mittwoch, 30.12.2009, 10:41

Stell Dir vor:
KBS 455 Köln - Opladen-Solingen Hbf- Haan - Gruiten - Wuppertal Vohwinkel - Wuppertal Hbf - Wuppertal Barmen - Wuppertal Oberbarmen - Schwelm - Entenhausen - Hagen Hbf.

An folgenden Bahnhöfen ist es möglich, vorher zuckelnde RB zu überholen:

Opladen (RE auf Gleis 3)
Solingen (RE wiederum nebenan)
Gruiten (RE am Bahnsteig, IC(E) überholt mit HP2 auf dem Nebengleis
Vohwinkel (RE wiederum auf Gleis 4)
Wuppertal Oberbarmen (RE auf Gleis 4 rechts daneben)

Typische Situation: ICE der Linie Köln-Berlin fährt pünktlich in Köln los und erreicht Hagen Hbf mit plus 10 - plus 12.

Warum? Weil etwa ab Opladen bis Solingen eine RB nach Wuppertal vor uns her eiert oder aber (ggf. dazu) noch ein leicht verspäteter RE von Aachen nach Hagen-Dortmund ab Vohwinkel.

Und alle oben skizzierten Ausweichgleise, die ja auch manchmal benutzt werden, stehen zur Verfügung präsentieren sich gähnend leer. Aber glaubst DU, man nimmt diese Sch.... RB mal zur Seite? So lahmt der ICE teils mit Stop &Go hinterher....

.... und mit jener Verspätung im Gepäck, die bis Hannover nicht wirklich geringer wird, ist mit höchster Wahrscheinlichkeit der Anschluss ICE nach Hamburg weg....

Manchmal - ganz selten - wird die RB tatsächlich zur Seite genommen, manchmal eben. Aber warum nur manchmal?

Welche Gründe gibt es für so ein Entscheiden?

Bin gespannt.

Antworten zu Fragen

Turbonegro, Mittwoch, 30.12.2009, 14:38 (vor 6041 Tagen) @ Turbonegro

Danke an alle, denen meine drei kleinen Berichte gefallen haben.

Eine Unwirksamkeitstaste schält einen BÜ-Kontakt für einige Sekunden unwirksam; hat mit den Sperrfahrten zu tun, um BÜ-Störungen bei Arbeiten in der Einschaltstrecke zu verhindern, was genau passiert, weiß ich auch nicht, es ist in den örtlichen Richtlinien so vorgeschrieben, und deshlab mach ich das so. Leider gibt es in Deutschland sehr viele verschiedene BÜSA(BÜSA=Bahnübergangsicherungsanlagen), daher ist das Thema BÜ eine leidige Geschichte, weshalb Pauschalantworten auf das Thema BÜ sehr gefährlich sind.
Ich glaube echt, jeder BÜ ist anders :)

Zum Thema Buch schreiben, naja das kann ich in ca. 30 Jahren machen, wenn ich im Ruhestand bin und auch vorerst war das mal der letzte Teil, über was soll ich denn noch so schreiben. Allerdings endgültig ist nichts, vielleicht fällt mir noch was ein...

Zur Frage von moonglum möchte ich keine Aussage treffen, da ich mich weder in den Örtlichkeiten auf der Strecke noch in den innerbetrieblichen Bestimmungen der BZ Duisburg auskenne und pauschal irgend etwas rauszuproleten, aus dem Alter bin ich raus :)

Naja, soweit mal, vielleicht fällt mir irgendwann mal noch was ein, seither bitte ich um ein bisschen Gedult

Turbonegro

WOW und Danke für den Beitrag (owT)

GUM, Mittwoch, 30.12.2009, 15:57 (vor 6041 Tagen) @ Turbonegro

Sehr interessanter Bericht !

Lokschaden in km 13,6 (kleiner nachweihnachtlicher Bericht)

Frank Augsburg, Ansbach, Mittwoch, 30.12.2009, 23:21 (vor 6040 Tagen) @ Turbonegro

Servus Turbonegro,


daß ich mich über die 1,5 min Verspätung aufgeregt habe, ist schon lange her. Heute nur noch über 1,5 Std... Alles andere läßt mich ziemlich kalt.
Hut ab vor Dir und Deinen Kollegen, bei den Tf und Zub sage ich dasselbe ja auch seit einiger Zeit. Wenn Ihr alle Dienst nach Vorschrift machen würdet, könnte der Bahnverkehr eingestellt werden.
Von der Warte her ist mein Beruf (Schienenfahrzeugkonstrukteur) eher arm an Berichtenswertem.

Immer noch gute Besserung
und alles Gute für 2010
Viele Grüße von daheim in Ansbach
Frank

--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

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