Bahnfahrt Rom-Stuttgart: Reisebericht (m14B) (Reiseberichte)

bendo, Sonntag, 28.05.2017, 19:54 (vor 3211 Tagen)

Hallo zusammen,

vergangenen Donnerstag kamen meine Freundin und ich von einer Kurzreise (4 Nächte) aus Rom zurück. Im Zusammenhang mit dieser Reise bat ich Euch bereits hier um Unterstützung. Der Gedanke war, den Hinweg per Flugzeug, den Rückweg per Bahn durchzuführen. Mit dem Ziel eines HGV-Erlebnisses, sowie der Fahrt durch den GBT sollte es die Fahrstrecke Rom-Mailand-Zürich-Stuttgart sein und war für mich wesentlicher Bestandteil der Gesamtreise (was daher entsprechenden Aufwand und Kosten rechtfertigt). Als Verbindung habe ich eine Fahrt mit insgesamt lediglich zwei Umstiegen (Milano, Zürich), sowie einer Nonstop-Relation Rom-Milano, d.h. 560km ohne Zwischenhalt, ausgesucht. Die Städte Florenz und Bologna wurden jeweils durchfahren.

Die kostengünstigste Form der Buchung war in unserem Fall tatsächlich die Buchung eines Hotels, inklusive Hin- und Rückflug, dabei den Rückflug verfallen zu lassen, und die Bahnfahrt oben drauf zu buchen! Tatsächlich haben wir keine Variante gefunden, bei der uns ein Hotel mit einfachem Flug günstiger gekommen wäre! Die Buchung der Bahnfahrt erfolgte bis Zürich über Trenitalia, Zürich-S über die Bahn. Der Buchungsprozess ist über Trenitalia klasse: Die platzscharfe Reservierung per Grafik wurde mir für beide Relationen, bzw. beide Züge (Rom-Mailand: ETR1000, Mailand-Zürich: ETR610) angeboten. Die italienischen HGV-Züge Frecciarossa (ETR500, ETR1000) bieten 4 Wagenklassen an. Meine frühe Buchung ließ einigermaßen kostengünstige Angebote in der „Business-class“ (die zweite Klasse; entspricht etwa der ersten Klasse der Bahn) zu. Auch für den Abschnitt Zürich-Stuttgart gönnten wir uns unter Nutzung des Sparpreis Europa die 1. Klasse.

Nun zum eigentlichen Bericht:

Zu Rom: Viele Menschen, viel Lärm, viele Steine! Es gibt sicher viel zu berichten. Ich beschränke mich hier auf bahnspezifische Themen (und gebe natürlich bei speziellen Fragen Auskunft).

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Interessantes vom Hinflug: Teile der Baustelle um die NBS Wendlingen-Ulm: Hier in Fotomitte: Baustelle der Filstalbrücke. An deren südlichem Ende sind die Portale des Steinbühltunnels zu sehen.

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Die Abschnitte der Albhochfläche: Das südliche Portal Steinbühltunnel (Bildecke, links unten), der bereits fertig gestellte, und wieder begrünte Tunnel Widderstall, der im Bau befindliche Tunnel Merklingen. Nach einem weiten Bogen verschwindet die Bautrasse hinter einem kurzen Stück Wald (Bildecke rechts, oben). Dies ist der Tunnel Imberg.

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Der letzte Abschnitt der Albhochfläche, bevor die Trasse im nördlichen Portal des Albabstiegstunnels verschwindet.

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Rom von oben: Bahnhof Termini und das Kolosseum. Termini ist auch Fahrziel des „Leonardo-Express“, einem speziellen Flughafen-Zubringerzug. Die 14€, einfache Fahrt, sind zwar nicht günstig, auch nicht in sonstigen Zeitkarten des ÖPNV enthalten, aber ziemlich alternativlos. Strategisch günstig wählten wir auch unser Hotel: Nähe des Bahnhofs Termini, mit vielen Bus- und zwei Metrolinien. Und hier kommen wir zu einem echten Mangel: Verglichen mit anderen Großstädten hinken die Römer in Sachen ÖPNV hinterher: Wenig Metro und desinformativer Busverkehr! Auch wenn sich ein Ausbau des U-Bahn-Netzes aufgrund möglicherweise noch weiter vorhandenen antiken Schätzen als problematisch darstellt, sind insgesamt drei Metrolinien sehr wenig. Alternativ gibt es eine Vielzahl an Buslinien. Kenne ich mich nicht aus, gibt es üblicherweise mehrere Möglichkeiten um an die gewünschte Information zu gelangen: Stadtpläne mit eingezeichneten Linien, (schematische) Karten an Haltestellen, dergleichen als Onlinekarten oder mittlerweile gute Apps zum ÖPNV fürs Smartphone. Niente! Auf Drängen händigte mir irgendwann mal ein Angestellter eine Art Stadtplan aus, auf dem wenigstens an diversen Stellen (teilweise (!) Haltestellen), Nummern von Buslinien notiert waren. In mühevoller Sucharbeit nach dem Prinzip „Malen-nach-Zahlen“ konnten so Linien zusammengestellt und der Plan genutzt werden. Irgendwann klappte dies auch ganz gut, bis dahin waren gefühlt zwei Schuhsohlen runter…

Die Rückfahrt:

Am Donnerstagmorgen hatte ich nun plötzlich doch etwas Bammel, ob die 30min Aufenthalt in Milano wohl der italienischen Pünktlichkeit genügen würden. Recht wichtig war doch der Anschluss in Richtung Zürich. Sorge umsonst, Abfahrt war pünktlich um 8:00 Uhr! Erstaunlich finde ich hierbei doch die hohe Frequenz an HGV-Zügen: Alle 15min bricht ein HGV-Zug in Richtung Milano auf! Tlw. mit, tlw. ohne Unterwegshalte in Florenz und/oder Bologna.

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Unter der Flagge des Anbieters NTV verkehrt der AGV (".italo"), die ETR500/ETR1000 („Frecciarossa“) unter Trenitalia.

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im ETR1000 präsentierte die gebuchte „Business-class“ eine komfortable und geräumige Reiseatmosphäre! Wandfensterplätze gibt es auch nicht :-) Ein Getränk und Knabberzeugs sind im Fahrpreis inbegriffen.

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An der Decke befinden sich Bildschirme, die allerlei Informationen zeigen, ähnlich wie wir es mittlerweile von redesignten ICE (und dem 407er) kennen.

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An Bord gibt es Free-Wifi und die Möglichkeit zu Fahrtinformationen. Sehr ähnlich dem ICE-Portal.
Die Fahrt führt dann von Rom aus Nonstop nach Milano Centrale, jeweils mit Durchfahrt der Städte Florenz und Bologna. Der rund 260km lange Abschnitt Rom-Florenz führt bei Vmax=250km/h durch idyllische Mittelgebirgslandschaft. Florenz-Bologna könnte als U-Bahn durchgehen: Bei Vmax=300km/h liegen die 85km Fahrstrecke fast komplett im Tunnel! Die folgenden, gut 200km bis Milano Centrale liegen dagegen fast völlig tunnelfrei in der Poebene, entlang der Autobahn. Auch hier gilt Vmax=300km/h.

Exkurs:
Hier hatten wir bereits darüber diskutiert: Auf Nachfrage bei der Zugchefin wurde mir bestätigt, dass eine Anhebung der Geschwindigkeit auf 350km/h vorgesehen ist. Als Datum wurde mir „demnächst“, bzw. der „16. Juni 2017“ genannt. Aber Achtung: Keine gesicherte Quelle, und beim Datum war sich die Dame nicht sehr sicher!

Mit kleiner Verspätung von knapp 10min kamen wir in Milano an. Der ETR610 nach Zürich konnte gut erreicht werden.

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Dieser ETR610 fuhr unter italienischer Flagge (die SBB lässt denselben Zug auf derselben Strecke ebenfalls verkehren) pünktlich um 11:25 Uhr Richtung Zürich ab.

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Auch hier erwartete uns eine einwandfreie, komfortable erste Klasse. Allerdings: Getränke etc. waren hier nicht im Fahrpreis inbegriffen.

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Auch im ETR610 finden sich Deckenbildschirme. Fahrtinfos gibt es allerdings recht selten, meistens Werbung.

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Die Fahrt führte durch tolle Alpenlandschaften. Hier z.B. über den Seedamm von Melide...

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...oder hier mit dem Blick in Richtung Bellinzona. Auf diesem Bild ist auch bereits die aufgeständerte Zufahrt zum zukünftigen Ceneribasistunnel zu sehen.
Die Fahrt durch den neuen Gotthard-Basistunnel wurde in vier Sprachen vorab angekündigt. Die Durchfahrt selbst verlief in rund 20min relativ unspektakulär.
Nach Unterfahrung des Alpenhauptkamms ging es ebenso reizvoll entlang des Vierwaldstätter-Sees Richtung Zürich. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es um 16:35 Uhr weiter auf dem letzten Abschnitt nach Stuttgart.

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Toll natürlich der Ausblick auf den Rheinfall aus dem IC.
Auch das folgende Neckartal bei Rottenburg ist sehr idyllisch. Nach den zurückliegenden 1000km empfand ich die letzten 2h dann jedoch eher als zähes Gezuckel ;)

Fazit:
Es war eine sehr komfortable Fahrt (auch die Buchung!), tolle Landschaften und interessanter HGV! Die knapp 1100km sind für einen Bahnfan als Flugalternative dringend zu empfehlen! Rom, jetzt beispielhaft genannt, ist nicht nur ein per Luftweg weit entfernter Punkt, sondern ein mit der Heimat per Landweg verbundener Ort. Das ist natürlich nichts Neues – zum wirklichen Begreifen gehört die Fahrt aber dazu :-)

Viele Grüße, bendo


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