Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut 6/6 m 72 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum letzten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch Deutschland und Österreich. Im fünften Teil waren wir von Kammer-Schörfling zu einer Tagestour gestartet und waren mit Vorchdorferbahn und Traunseebahn nach Gmunden gefahren, hier setzen wir den Reisebericht nun fort.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/074-Ostsee-Salzkammergut/74-000Karte.jpg)
Wir sind noch immer am sechsten Tag und hatten den letzten Teil mit einer Schiffsfahrt auf dem Traunsee beendet.
Hier auf dem Schiff machen wir jetzt weiter mit einem Blick auf das Stadtpanorama von Gmunden. Während der k. u. k. Monarchie diente der Ort als Sommerfrische und entwickelte sich zur Kur- und Tourismusstadt. Bei der Traunbrücke am rechten Bildrand hatten wir zuletzt die Baustelle für das Projekt „StadtRegioTram“ erkundet, nun folgen wir den Spuren des Bahnprojekts in der Altstadt westlich der Traun.
Im Kurpark gibt es einen Info-Waggon zum Projekt des Zusammenschlusses der Straßenbahn Gmunden mit der Lokalbahn Gmunden-Vorchdorf. Der Wagen aus dem Jahr 1912 war früher auf der Attergaubahn im Einsatz.
Aus dem Westen haben die Gleise bereits den Rathausplatz erreicht, hier sind noch Bauarbeiten im Gange. Wir folgen jetzt den Gleisen zum Franz-Josefs-Platz. Bis 1975 lagen zwischen dem Rathaus und dem Franz-Josef-Platz schon einmal Gleise, dann wurde dieser Straßenbahnabschnitt jedoch stillgelegt.
Am Franz-Josef-Platz befindet sich heute die Endhaltestelle der Straßenbahn Gmunden. Hier ist bereits eine neue Haltestelle für Bus und Bahn entstanden...
...wobei die Straßenbahn im Moment noch die Endhaltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat. Mit einer Streckenlänge von 2,3 Kilometern, fünf Triebwagen und fünf Mann Personal gilt die meterspurige Straßenbahn als kleinster Straßenbahnbetrieb der Welt mit ganzjährigem öffentlichem Verkehr. Mit GM 8 treffen wir auf das jüngste Fahrzeug der Flotte mit Baujahr 1961.
Seit dem Jahr 1877 hat Gmunden einen Bahnanschluss an der Salzkammergutbahn. Bei der Planung der Bahnstrecke war man in Gmunden darauf bedacht, die Kurgäste nicht durch Bahnlärm zu vergraulen und setzte auf einen zentrumsfernen Bahnhof. Das sollte sich als Fehler erweisen und so begann man mit der Planung einer Lokalbahn für den weiten Weg zwischen Bahnhof und Innenstadt. Außerdem wollte man die Elektrizität in die Stadt bringen, was erst durch einen weiteren Abnehmer in Form einer elektrischen Bahn wirtschaftlich wurde. 1894 nahm schließlich die Elektrische Lokalbahn Gmunden den Betrieb auf. Josef Stern selbst war bei Planung und Bau der Straßenbahn beteiligt und auch heute liegt die Betriebsführung noch bzw. wieder bei Stern & Hafferl. Die Bahn hat mehrere Einstellungsdiskussionen überstanden, heute erfüllt sie noch immer die Aufgabe als Bahnzubringer und ist in den örtlichen Verkehrsverbund integriert.
Beginnen wir also die Fahrt zum Bahnhof, links nochmals die neue Haltestelle für die geplante Durchbindung nach Vorchdorf. Das Projekt soll der Straßenbahn eine sichere Zukunft verschaffen, wobei damit als kleiner Wermutstropfen das Prädikat der kleinsten Straßenbahn verloren geht.
Die Straßenbahn verlässt nun die Seepromenade und führt durch die Einbahnstraße Kuferzeile, die Strecke steigt schon etwas an, dann folgt die Fahrt über die Alois-Kaltenbrunner Straße, hier gibt es eine Steigung von 10 Prozent, die der kleinen Bahn auch das Prädikat einer der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt einbringt.
Auf diesem Bild biegt die Straßenbahn schon in die neugestaltete Endhaltestelle beim Bahnhof ein. Früher befand sich die Haltestelle auf dem Bahnhofsvorplatz, nun liegt die Haltestelle parallel zu den Eisenbahngleisen mit kurzen Umsteigewegen.
Die Straßenbahn verkehrt im 30-Minuten-Takt abgestimmt auf den ÖBB-Fahrplan. Da es nur eine Linie gibt, gibt es keine Liniennummer, vielmehr wird die Straßenbahn als Linie G geführt, das G steht dabei schlicht für Gmunden. Von der Straßenbahn wechseln wir nun hinüber...
...zu den Gleisen der ÖBB. Während unseres Besuchs gibt es auf der Salzkammergutbahn Bauarbeiten mit Schienenersatzverkehr. Die Züge von und nach Attnang-Puchheim verkehren nur von bzw. bis Gmunden. Bevor die Fahrgäste aus dem Schienenersatzverkehr ankommen, können wir uns im bereitstehenden Zug schon ein Plätzchen sichern.
Der Südteil der Salzkammergutbahn würde mich schon auch interessieren und ist sicherlich auch landschaftlich reizvoll – allerdings verschieben wir eine Bereisung lieber auf ein andermal ohne Bauarbeiten. Der kurze Abschnitt von Gmunden bis Attnang-Puchheim hingegen ist nicht besonders spektakulär.
In Attnang-Puchheim war ich am Morgen schon umgestiegen, jetzt geht es wieder zurück nach Vöcklabruck. Hier habe ich auch die Möglichkeit, den für mich neuen Desiro ML der ÖBB kennenzulernen. Ich hatte den Zug bisher mit dem Namen cityjet in Verbindung gebracht, lese aber jetzt, dass dies der Markenname für Nahverkehrszüge sein wird und auch andere Fahrzeugtypen mit diesem Namen bzw. Design unterwegs sein sollen.
Nach der Ankunft in Vöcklabruck...
...geht es hinüber zum Stumpfgleis 21, wo ein Dieseltriebwagen der Reihe 5047 bereitsteht. Schade, wäre ich zwei Jahre früher hier gewesen, hätte ich hier mit den von Stern & Hafferl übernommenen Zweisystemtriebwagen 4855 noch besondere Exoten antreffen können. Die Bahnstrecke ist übrigens elektrifiziert, von daher wundert mich der Einsatz eines Dieseltriebwagens.
Die Bahnstrecke von Vöcklabruck nach Kammer-Schörfling ist eine eingleisige Stichstrecke, sie wurde 1882 als Lokalbahn eröffnet und wurde später verstaatlicht. Die Schwerpunkte der Kammerer Bahn lagen sowohl im Fremdenverkehr an den Attersee als auch im Güterverkehr für die örtliche Industrie. Im Volksmund wird die Strecke Kammerer Hansl genannt.
Bis Lenzing wird die Kammerer Bahn auch im Güterverkehr genutzt. Eine Anschlussbahn führt zum Werk der Lenzing AG, dem größten integrierten Zellstoff- und Viscosefaserwerk der Welt.
Wenig später ändert sich der Charakter der Strecke, anstelle von Großindustrie gibt es nun Nebenbahn-Flair bei der Fahrt durchs Grüne in Richtung Agertal. Kurz vor dem Erreichen des Endhaltepunkts quert die Strecke die Ager. Die Brücke über den Fluss ist der einzige größere Kunstbau der Strecke.
Nach gut acht Kilometern endet die Strecke am Haltepunkt Kammer-Schörfling. Auf dem historischen Tiefpunkt der Strecke verkehrte im Jahr 2001 gerade mal ein werktägliches Zugpaar und die Einstellung des Personenverkehrs stand im Raum. Durch das Land wurde die Stilllegung abgewendet und das Angebot wieder ausgebaut. Heute gibt es 9 Zugpaare, am Wochenende ruht der Verkehr jedoch. 2014 wurde ein neuer Endhaltepunkt im Kammer-Schörfling errichtet als kombinierte Bahn- und Bushaltestelle. Ein Denkmal erinnert daran, dass die Bahnstrecke ursprünglich noch 600 Meter weiter führte.
Der neue Endhaltepunkt liegt unmittelbar am Abfluss der Ager aus dem Attersee. Rechts der Ager liegt der Ort Seewalchen, links der Ort Schörfling mit dem Ortsteil Kammer. Mein Bruder ist noch nicht von der Tour mit dem Angelguide zurück...
Es geht gleich weiter...
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