Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut - Fortsetzung (Reiseberichte)
Der Weg führt mich schließlich zum Bahnhof Lambach. Das repräsentative Empfangsgebäude erinnert an den früheren Glanz der Westbahn – heute umfahren Fernzüge den Bahnhof durch den nahegelegenen Kalvarienbergtunnel. Angefahren wird der Bahnhof von den Regionalzügen der ÖBB...
...sowie von Stern & Hafferl. Gleis 11 ist Ausgangspunkt für die Lokalbahn Lambach–Vorchdorf-Eggenberg, die auch als Vorchdorferbahn bekannt ist. Für die Fahrt auf der normalspurigen Strecke steht ET 20.111 mit Baujahr 1953 bereit. Der Triebwagen fuhr früher in Deutschland auf der Extertalbahn zwischen Barntrup in Nordrhein-Westfalen und Rinteln in Niedersachsen, 1969 wurde er mit der Einstellung des Personenverkehrs der Extertalbahn nach Österreich verkauft.
Die Lokalbahn wurde 1903 eröffnet und 1931 elektrifiziert. Bald schon nach dem Verlassen des Bahnhofs Lambach führt die Strecke über die Traun, dann folgt der Bahnhof Stadl-Paura. Von hier führt eine weitere Lokalbahn nach Gmunden, die Trauntalbahn wird im Personenverkehr jedoch nicht mehr befahren.
Die Fahrt durch das Traunviertel ist landschaftlich ohne große Highlights, wobei mir die Strecke vielleicht auch deshalb etwas eintönig vorkommt, weil es wieder regnet. Aber halt, eine Besonderheit gibt es: mit der Haltestelle Au begegnen wir dem kürzesten Haltestellennamen Österreichs.
Nach rund 16 Kilometern ist die Endstation Vorchdorf-Eggenberg erreicht, hier befindet sich auch die Hauptwerkstätte von Stern & Hafferl. Ein leichtes Blau am Himmel lässt mich für die weitere Fahrt auf freundlicheres Wetter hoffen. Hier der Triebwagen nach der Ankunft im Endbahnhof, dahinter steht ein aus Köln übernommener Triebwagen.
In Vorchdorf-Eggenberg treffen sich Vorchdorferbahn und Traunseebahn, wobei beide Bahnen eigene Bahnhofsgebäude haben. Hier der Bahnhof der Vorchdorferbahn. Auf dem Bahnhofsvorplatz steht die Skulptur „Spurwechsel“, die 2013 zum 110-jährigen Jubiläum der Vorchdorferbahn errichtet wurde und aus Fahrzeugteilen besteht. Die gekreuzten Achsen stehen für das Zusammentreffen von Schmal- und Normalspur, die Federn für die Dynamik der Bewegung und der Stromabnehmer für zukunftsweisende Energie.
Für die Weiterfahrt geht es nun auf einem Fußweg über die Gleisanlagen hinüber zum Bahnhof der Traunseebahn. Die Traunseebahn oder Lokalbahn Gmunden-Vorchdorf fährt auf Meterspur, deshalb ist ein Umsteigen in Vorchdorf-Eggenberg unvermeidlich.
Auch diese Strecke wird von Stern & Hafferl betrieben, seit 2016 sind hier neue Tramlink-Triebwagen unterwegs – wobei der Triebwagen Nr. 126 mittlerweile auf der Attergaubahn eingesetzt wird.
Die Strecke wurde 1912 eröffnet und war von Anfang an elektrifiziert. Das schmucke Bahnhofsgebäude von Eisengattern strahlt noch die Idylle der Lokalbahnzeit aus. Weiter geht die Fahrt durch die sanfte Landschaft des Alpenvorlands. Es folgt ein Bedarfshalt mit dem sonderbaren Namen „Karl z'Neuhub“. Ein Landwirt knüpfte die Abtretung seines Grunds für den Bau der Bahn an die Bedingung, hier einen Haltepunkt einzurichten und nach ihm zu benennen.
Die Modernisierung der Traunseebahn umfasst nicht nur die Fahrzeuge; am Haltepunkt Neuhub glänzt ein modernes Wartehäuschen.
Eine Besonderheit ist der Bahnhof Engelhof. Das brachliegende Gebäude steht unter Denkmalschutz und gehört zu den ältesten Bahnhöfen Österreichs. Er wurde 1834 erbaut für eine Pferdeeisenbahn, die Strecke Gmunden-Linz-Budweis war die zweite öffentliche Eisenbahnlinie auf dem europäischen Festland und diente dem Salztransport vom Salzkammergut nach Böhmen. Aus der Pferdeeisenbahn ging die normalspurige Trauntalbahn hervor, die heute jedoch nur noch im Güterverkehr und nur noch auf einem Teilabschnitt befahren wird. Die normalspurige Gleise der ÖBB sind bereits abgebaut. Trauntalbahn und Traunseebahn führten von hier früher auf einem Dreischienengleis gemeinsam nach Gmunden. Die Gleise verlaufen nun auf einer Gefällestrecke hinab nach Gmunden am Traunsee.
Der Seebahnhof Gmunden war früher Endstation der Traunseebahn. Die Strecke befindet sich jedoch im Umbruch und wurde bereits verlängert bis zum Klosterplatz von Gmunden, während unseres Besuchs sind Bauarbeiten für den Lückenschluss zur Straßenbahn Gmunden im Gange. Der alte Seebahnhof wurde abgerissen, die neue Haltestelle Seebahnhof befindet sich nun an den Durchgangsgleisen Richtung Klosterplatz. Den Rest der Strecke erkunden wir zu Fuß.
Die Gleise schwenken auf die Traunsteinstraße, seit 2014 ist die neue Verbindungsstrecke zum Klosterplatz in Betrieb. Wo lag denn der alte Seebahnhof – hier geradeaus?
Die Station Klosterplatz ist im Moment Endstation, 14,9 Kilometer ist die Traunseebahn von Vorchdorf bisher lang. Die Gleise enden einige Meter weiter hinter einer Baustellenabsperrung.
Im weiteren Verlauf wird die Strecke dann über die Traun führen, hierzu wird die Traunbrücke neu gebaut. Auch am Trauntor sind die Bauarbeiten schon im Gange.
Wir wollen aber nicht nur stur den Gleisen bzw. der Baustelle folgen, sondern auch die 13.000-Einwohner-Stadt Gmunden und den Traunsee erkunden. Ich glaube das ist die Reise mit den meisten Schiffsfahrten – aber nachdem sich das Wetter so erfreulich gebessert hat, entschließe ich mich zu einer kleinen Schiffsrundfahrt.
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Gmunden gehört das Seeschloss Ort, es liegt auf einer Insel im Traunsee. Dann folgt der Blick auf das Schloss Traunsee, es wurde 1872 bis 1875 vom Herzog von Württemberg als Sommervilla für seine Gemahlin Erzherzogin Maria Theresia erbaut und wird deshalb auch Schloss Württemberg genannt.
Der Traunsee wird vom Traunsteinmassiv und anderen Bergstöcken des Salzkammerguts umgeben, er ist der tiefste See Österreichs. Die Schiffsrundfahrt neigt sich nun dem Ende zu und die Weiterfahrt mit der Straßenbahn Gmunden steht als nächstes auf unserem Reiseplan. Allerdings ist dieser Teil des Reiseberichts jetzt schon recht lang geworden, von daher machen wir hier einen Schnitt.
In den nächsten Tagen folgte der sechste und letzte Teil mit der Straßenbahn Gmunden, dem Kammerer Hansl und der Rückfahrt an den Bodensee.
Viele Grüße
Tobias
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- Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut 5/6 m 64 B -
TD,
23.05.2017, 18:07
- Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut - Fortsetzung - TD, 23.05.2017, 18:08
- Vielen herzlichen Dank für den Reisebericht!
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heinz11,
23.05.2017, 22:31