Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut 4/6 m 54 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum vierten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch Deutschland und Österreich. Im dritten Teil waren wir an der Darßbahn unterwegs und sind mit dem IC „Lübecker Bucht“ von Fehmarn nach Nürnberg gefahren. Nun starten wir in den fünften Reisetag.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/074-Ostsee-Salzkammergut/74-000Karte.jpg)
Tag 5: Nürnberg – Plattling – Gotteszell – Viechtach – Gotteszell – Plattling – Passau
Für den heutigen Tag haben wir ein abwechslungsreiches und wie ich denke interessantes Programm zusammengestellt, bei dem wir zwei mir noch unbekannte Strecken befahren können, die im Ausflugsverkehr bedient werden. Von Plattling möchten wir mit der waldbahn nach Gotteszell fahren und einen Abstecher zur Wanderbahn im Regental unternehmen. Dann soll es weitergehen mit der waldbahn nach Grafenau, mit dem Bus nach Freyung und von dort mit der Ilztalbahn nach Passau.
Zunächst starten wir von Nürnberg mit einem ICE nach Plattling. Im ICE-T fahren wir durch die Oberpfalz, dann über die Donau nach Regensburg.
Nach der Fahrt durch die Ebene des Gäubodens erreichen wir Plattling, wo wir vom ICE auf ein Regio-Shuttle der waldbahn wechseln.
Die Bayerische Waldbahn überwindet von Deggendorf am Fuße des Bayerischen Waldes bis nach Gotteszell eine Höhendifferenz von rund 230 Metern, hierzu wurde die Strecke mit einer doppelten Kehrschleife um über neun Kilometer verlängert.
In Gotteszell verlassen wir den Zug, hier zweigt die Bahnstrecke nach Viechtach ab. Wobei bis zur Weiterfahrt noch Zeit bleibt, um die Umgebung zu erkunden. Der Ort Gotteszell liegt abseits der Bahnstrecke, wir laufen stattdessen etwas bergauf und lassen von Köckersried den Blick über den Bayerischen Wald schweifen.
Bis wir an den Bahnhof zurückkehren, ist dort auch unser nächster Programmpunkt eingetroffen: der blaue Zug der Wanderbahn im Regental.
An ausgewählten Fahrtagen findet auf der Strecke von Gotteszell nach Viechtach ein Ausflugsverkehr mit einem historischen Esslinger Triebwagen nebst Steuerwagen statt. Hier der Steuerwagen VS28 aus dem Jahr 1956. Betrieben wird der Ausflugsverkehr vom Verein Wanderbahn im Regental.
Die Strecke führt zunächst durch die offene Landschaft des oberen Teisnachtals. Der reguläre Personenverkehr auf der Strecke wurde 1991 eingestellt, seither gab es nur noch Güterzüge und Leerfahrten zu den Werkstätten in Viechtach sowie Sonderzüge. Seit September 2016 gibt es einen zweijährigen Probebetrieb zur Reaktivierung der Strecke im Personenverkehr. Während unseres Besuchs sind die Bauarbeiten an den Haltestellen für den Probebetrieb schon weit fortgeschritten.
Ab Teisnach beginnt nun der idyllische Teil der Strecke durch das Regental, die Strecke verläuft weite Abschnitte direkt am Fluss.
Der Haltepunkt Gstadt blieb von der Modernisierung verschont und präsentiert sich naturnah.
Nach knapp 25 Kilometern ist der Endbahnhof Viechtach erreicht. Die Gleise enden hier in Sichtweite an einem Prellbock, ursprünglich führte die Strecke weiter bis Blaibach an der Bahnstrecke Cham-Lam.
Auch am Bahnhof Viechtach sind Bauarbeiten im Gange. Bis zur Rückfahrt bleibt nun eine Stunde Zeit zur Erkundung der 8.000-Einwohner-Gemeinde.
Geprägt wird das Ortsbild von der Stadtpfarrkirche St. Augustinus, die Rokokokirche wurde 1763 vollendet. Jenseits der Kirche erstreckt sich der Stadtplatz.
Es geht gleich weiter...
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Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut - Fortsetzung
Nun aber zeitig zurück an den Bahnhof – denn diesmal will ich einen Fensterplatz auf der „richtigen“, flusszugewandten Seite.
Der Triebwagen VT07 wurde 1952 für die Bentheimer Eisenbahn gebaut, 1977 kam der Esslinger Triebwagen zur Regentalbahn nach Viechtach und prägte für lange Jahre den Verkehr auf der Strecke. Nach einer zwischenzeitlichen Abstellung wurde er aufgearbeitet und trägt wieder die Lackierung der Regentalbahn.
Jetzt werfen wir noch einen kurzen Blick auf das Betriebswerk der Regentalbahn, auch der Sitz des unter dem Markennamen „Die Länderbahn“ bekannten Unternehmens ist in Viechtach. Gegründet wurde das Unternehmen 1889 als AG Lokalbahn Gotteszell-Viechtach.
Damit sind wir nun abfahrbereit – aber der Triebwagen streikt. Das Team werkelt am Fahrzeug und ist sehr bemüht, es gibt Gratis-Wasser für die Fahrgäste und die Toiletten am Bahnhof werden geöffnet. Im Gegensatz zur Schiffscrew aus dem letzten Reiseberichtsteil kann ich dem Team der Wanderbahn hier keinen Vorwurf machen, auch wenn wir damit den Plan der Weiterfahrt zur Ilztalbahn begraben müssen.
Irgendwann ist der Fehler gefunden und behoben und die Rückfahrt entlang des Schwarzen Regens kann beginnen. Der Schwarze Regen ist ein Quellfluss des Regen, er fließt durch die Oberpfalz zur Donau.
Während andernorts in Zügen ein Alkoholverbot herrscht, gibt es in der Wanderbahn für die Fahrgäste eine Kostprobe regionaler Bärwurz- und Schnapsspezialitäten. Hier übrigens der urige Haltepunkt Nußberg-Schönau.
Der Haltepunkt Gumpenried-Asbach hingegen wird schon für den Probebetrieb hergerichtet und hat bereits ein neues Wartehäuschen erhalten.
Der Bahnhof Teisnach wurde zum Kreuzungspunkt ausgebaut und mit neuen Bahnsteigen für den stufenlosen Einstieg versehen.
Die Bahnstrecke hat zwei sehr unterschiedliche Gesichter, vorhin das dicht bewaldete Flusstal des Schwarzen Regen, nun ab Teisnach eine offene Wiesenlandschaft.
In Gotteszell endet unser Ausflug mit der Wanderbahn. Seit dem Jahr 1877 hat Gotteszell einen Bahnanschluss mit der Bayerischen Waldbahn von Plattling nach Bayerisch Eisenstein, 1890 kam die Strecke nach Viechtach hinzu.
Tja, schade nur, dass aufgrund der technischen Störung und der daraus entstandenen Verspätung der weitere Tourplan hinfällig ist und wir die Ilztalbahn bei dieser Reise nicht mehr besuchen können. Wohl oder übel fahren wir nun eben auf direktem Wege nach Passau und wechseln hierzu vom blauen auf den grünen Zug.
Mit der waldbahn geht es nun also durch den Bayerischen Wald wieder hinab...
...und über die Donau nach Plattling.
Mit dem DIX, dem Donau-Isar-Express, fahren wir von Plattling nach Passau. Die Strecke führt anfangs noch über den flachen Gäuboden...
...dann beginnt etwa ab der Burgruine Hilgartsberg die Fahrt entlang der Donau und über die Vils bei Vilshofen.
Früher als geplant sind wir nun in Passau und können noch ein paar Sonnenstrahlen in der Stadt genießen. Passau gefällt mir ausgesprochen gut, hier lässt es sich für den Rest des Tages aushalten.
Gut, bei einer „Dreiflüssestadt“ sind Gewässerbilder wohl unvermeidlich, hier zunächst der Blick über den Inn zur Altstadt mit der Kirche St. Michael, dann wechseln wir zur Donau.
Am Ufer der Donau mit Blick auf Veste Oberhaus und Veste Niederhaus warten wir, bis es ganz dunkel geworden ist und machen uns dann vorbei am Dom St. Stephan auf den Weg zum Hotel.
Und damit sind wir auch am Ende des vierten Teils angelangt. In den nächsten Tagen geht es im fünften Teil über die Grenze nach Österreich zu den Strecken von Stern & Hafferl.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Tobias
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