Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut 1/6 Fortsetzung (Reiseberichte)
So, hier sind wir schon in Schelklingen angekommen und das Objekt der Begierde steht auf Gleis 1 bereit: der MAN-Triebwagen aus dem Jahr 1961 als SAB-Sommerferien-Express nach Münsingen. Die Schwäbische Alb-Bahn (SAB) bietet die Verbindung in den Sommerferien montags bis freitags an – im Fahrplan als Regionalbahn ausgewiesen und mit normalen Fahrkarten wie dem Baden-Württemberg-Ticket nutzbar.
Im Schienenbus beginnt nun die Fahrt auf einem Teilstück der ehemaligen Verbindung Reutlingen-Schelklingen, die heute unter dem Namen Schwäbische Albbahn vermarktet wird und bei der sich noch viele Relikte der einstigen Nebenbahn der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen finden. Von Schelklingen geht es durch das Schmiechtal hinauf in das Biospährengebiet Schwäbische Alb.
Hier fahren wir durch das Dorf Hütten, auf einem Felsvorsprung thront eine Barockkapelle aus dem Jahr 1717 sowie eine Statue des Guten Hirten. Auch landschaftlich ist die Strecke mit Streuobstwiesen und den für die Region typischen Wacholderheiden reizvoll.
Wer urtypische ländliche Bahnstrecke sucht und Gefallen findet an einer gemütlichen Landpartie, bei denen statt Lärmschutzwänden noch Misthaufen den Blick aus dem Zugfenster prägen, der ist auf der Strecke wie hier bei der Ortsdurchfahrt durch Sondernach richtig.
Zwischen Sondernach und Münsingen führt die Strecke aus dem Schmiechtal hinauf auf die Albhochfläche mit einer Steigung von maximal 1:50.
Am Bahnhof Münsingen endet unser Ausflug mit der SAB. Die Strecke führt von hier noch weiter nach Kleinengstingen, wo einst eine Zahnradbahn den Albaufstieg von Reutlingen überwunden hat. Die sogenannte Echazbahn ist jedoch schon lange stillgelegt, so dass wir zur Weiterreise von Münsingen auf den Bus umsteigen und die Strecke nach Kleinengstingen für ein andermal aufsparen.
Bevor wir aber den Bus besteigen, drehen wir eine Runde durch Münsingen. Der 14.000-Einwohner-Ort auf der Schwäbischen Alb hat eine schmucke Altstadt, hier die alte Poststation.
Eine Quelle auf der ansonsten wasserarmen Alb speist den Marktbrunnen, in Zeiten der Wasserknappheit kamen die Einwohner benachbarter Dörfer des Wassers wegen in die Stadt.
Vorbei am alten Rathaus aus dem Jahr 1550 laufen wir zurück zum Bahnhof, wo der Bus nach Bad Urach abfährt. Wir fahren nun auf der Seeburger Steige von der Albhochfläche über den Albtrauf hinunter nach Bad Urach.
Gut zwanzig Minuten später haben wir den Busbahnhof von Bad Urach erreicht. Bevor wir wieder auf die Bahn umsteigen, haben wir auch hier Zeit für einen kleinen Stadtrundgang. Unweit des Bahnhofs begrüßt das Residenzschloss der Grafen von Württemberg die Besucher.
Im Zentrum rund um den spätmittelalterlichen Marktplatz mit dem Rathaus und Fachwerkhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert präsentiert sich Bad Urach als schwäbische Bilderbuch-Stadt.
Doch nun zurück an den Bahnhof. Das Empfangsgebäude wurde 1935 aus Seeburger Tuff errichtet, es wird heute jedoch anderweitig genutzt und hat keinen direkten Bahnanschluss mehr.
Durch eine Bundesstraße vom ehemaligen Empfangsgebäude getrennt, besteht der Bahnhof Bad Urach heute nur noch aus einem Bahnsteig mit Wartehäuschen. Bad Urach ist Endpunkt der Ermstalbahn, einer eingleisigen Stichstrecke von Metzingen nach Bad Urach. Im Jahr 1976 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr ein und die Strecke fiel in einen Dornröschenschlaf. Schließlich gründeten die Anliegergemeinden die heutige Erms-Neckar-Bahn AG, die die Strecke für eine D-Mark von der Bundesbahn erwarb. Seit 1999 besteht wieder regulärer Personenverkehr mit Regio-Shuttles der RAB. Dass die Strecke nicht im Eigentum der DB ist, bemerkt der Fahrgast an den Stationsschildern, deren Schriftart vom DB-Standard abweicht. Die Strecke führte einst noch knapp zwei Kilometer weiter zu einer Mühle, die im Güterverkehr bedient wurde. Jene Strecke war gleichzeitig als Bauvorleistung für eine Verlängerung nach Münsingen zur Schwäbischen Albbahn gedacht, welche allerdings nie gebaut wurde. Als der Bahnhof Bad Urach umgebaut wurde, legte man die neue Endstation jedoch so an, dass ein Weiterbau der Strecke nach Münsingen weiterhin möglich wäre. Statt eines Weiterbaus steht aktuell jedoch die Elektrifizierung der Ermstalbahn auf der Tagesordnung.
Vom Fuße der Schwäbischen Alb fahren wir nun durch das Tal der Erms nach Metzingen, wo die Ermstalbahn auf die Bahnstrecke Plochingen-Tübingen trifft. Die Regionalbahn ist bis Herrenberg durchgebunden, wir fahren allerdings nur bis Tübingen mit.
Mit Tübingen (oder Diebenga für die Einheimischen) ist nun die letzte Station für heute erreicht. Vom Bahnhof aus starten wir unsere Erkundung der Universitätsstadt am Neckar.
Bekanntestes Wahrzeichen und Fotomotiv: die Neckarfront. Dahinter der Turm der Stiftskirche.
Und wenn es irgendwo einen Turm zu besteigen gibt, bin ich dabei. Hier der Blick von der Stiftskirche über die Dächer der Stadt.
Doch, dieses Bild hat Bahnbezug: oberhalb der Bildmitte der Hauptbahnhof von Tübingen.
Ein weiteres klassisches Touristenziel ist der Marktplatz mit dem imposanten Rathaus und zahlreichen Fachwerkhäusern. Das Rathaus wurde 1435 erbaut und später aufgestockt, 1511 kam die astronomische Uhr hinzu und 1877 wurde die Fassade bemalt.
In Tübingen gibt es noch viele andere malerische Ecken, enge Gassen und historische Gebäude. Da wir hier ja aber in einem Bahnforum sind, wollen wir es nun für heute dabei belassen.
Und da es am nächsten Reisetag früh losgeht, machen wir jetzt an dieser Stelle auch Schluss. Nach dem heutigen Ausflug im Nahverkehr durch die württembergische Provinz, ist der nächste Reisetag dem Fernverkehr gewidmet und wir fahren über Umwege in die Hauptstadt – aber dazu dann mehr in den nächsten Tagen im zweiten Teil.
Viele Grüße
Tobias
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