(ZM:) CH: malade Infrastruktur erfordert Streckensperrungen (Allgemeines Forum)
Blaschke, Montag, 08.05.2017, 20:28 (vor 3254 Tagen)
Hallöchen allerseits!
Ein einfach nur SCHOCKIERENDER Bericht:
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/13857042
Tausende gestrandete Passagiere und tagelanges Chaos: Es ist das SBB-Horrorszenario. Im März wurde es in Luzern real, nachdem ein Neigezug vor dem Bahnhof entgleiste.
Totaler Blödsinn. Alles lief doch super schnell super perfekt wieder an, habe ich hier im Forum gelernt. Kein Vergleich zu Dortmund, wo ja seit dem Unfall noch immer so gut wie gar nichts läuft.
Was in Luzern geschehen sei, könne man zwar noch nicht genau sagen, sagt Infrastrukturchef Phillippe Gauderon (...). Die Infrastruktur sei aber in Ordnung.
Natürlich ist sie das. Und dass man nicht weiß, was war, ist auch gelogen. Natürlich weiß man das in der Schweiz sofort. Wissen zumindest all die Schweizfreaks hier im Forum.
Anlagen im Wert von 12,4 Milliarden Franken gelten bei der SBB als «ungenügend» oder «schlecht» – das sind noch einmal 1,3 Milliarden Franken mehr als 2015. Es ist der höchste Wert seit Jahren – und er wird noch höher. Erst 2020 rechnet die SBB mit einer Stabilisierung.
Oder anders ausgedrückt: DIE INFRASTRUKTUR VERKOMMT! Kann aber gar nicht sein; auch nur eine üble Erzählung. Denn in der Schweiz ist alles immer perfekt - also kann da auch keine Infrastruktur verkommen!
Schon ab 2018 will die SBB das Angebot auf diversen Strecken reduzieren. «Die Reisenden müssen ab dann bis mindestens Ende 2020 mit Fahrzeitverlängerungen, Umleitungen und geplanten Zugsausfällen rechnen», schreibt die SBB in einem Bericht. Nun rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit, in der zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde. (...) Der Fahrplan 2018 dürfte als erster von mehreren Sperrungen gezeichnet sein.
Äh, das kann ja alles gar nicht sein! Hat da jemand die DB mit der SBB verwechselt? So blöd, Strecken zu sperren, wenn man baut, und Züge umleiten oder ganz zu streichen - das kann weltweit nur die DB. Darauf hat sie ein Monopol. Und jetzt wollen die Schweizer das auch so machen? Ist ja wohl ein Skandal. Oder eben alles nur erfunden und gar nicht wahr.
Und wie hier ganz übel Stimmung gemacht wird gegen die supertolle perfekte Schweiz, kann man zum Schluß noch anlesen:
Als im Januar 2016 im Teil Museumsstrasse des Zürcher Hauptbahnhofs eine Störung auftrat, wurden an einem einzelnen Tag über 233'000 Verspätungsminuten generiert.
233.000 Verspätungsminuten - ob unsere einheimischen Eisenbahnen das wegen einer einzelnen Störung wohl auch mal schaffen? Wahrscheinlich nicht - aber wahrscheinlich schreibt dann gleich noch einer: "Da sieht man mal, wie unfähig die DB ist!"
Ja, das ist natürlich alles übel. Aber nun, ernst nehmen wird das ohnehin keiner. Denn des Bahnfans-Grundgesetz-Artikel 1 lautet nunmal: "In der Schweiz ist immer alles perfekt!"
Und daran kann natürlich auch so eine primitive Hetz-Postille nicht dran kratzen!
In diesem Sinne möge die Gemeinde weiterjubeln. Blashi jubelt derweil auch - aber aus anderen Gründen.
Erfreute Grüße von
jörg
Mein Weltbild ist erschüttert
ICE-TD, Montag, 08.05.2017, 21:23 (vor 3254 Tagen) @ Blaschke
- kein Text -
(ZM:) CH: malade Infrastruktur erfordert Streckensperrungen
J-C, In meiner Welt, Montag, 08.05.2017, 21:29 (vor 3254 Tagen) @ Blaschke
bearbeitet von J-C, Montag, 08.05.2017, 21:34
Hallöchen allerseits!
Ein einfach nur SCHOCKIERENDER Bericht:
Tausende gestrandete Passagiere und tagelanges Chaos: Es ist das SBB-Horrorszenario. Im März wurde es in Luzern real, nachdem ein Neigezug vor dem Bahnhof entgleiste.
Totaler Blödsinn. Alles lief doch super schnell super perfekt wieder an, habe ich hier im Forum gelernt. Kein Vergleich zu Dortmund, wo ja seit dem Unfall noch immer so gut wie gar nichts läuft.
Also in Meidling war ja vor 2 Wochen auch so ein Unfall. OE24 sprach sogar von einem schweren Zugunglück - es ist eine Regionalzug-Leerfahrt mit einem Railjet kollidiert am Bahnhof Meidling, die schlimmste Blessur war ein Handbruch... Und irgendwie sprachen alle Medien gleich von einem Zugunglück. Ist vielleicht auch positiv, wenn es nichts schlimmeres gibt...
Einen Tag später bin ich vorbeigefahren und von den Ausfällen an der S-Bahn wegen der eingeschränkten Durchlässigkeit abgesehen und dass ich noch den letzten beschädigten Wagen beim Vorbeifahren besichtigen durfte, waren die Auswirkungen nicht so dramatisch - dabei mussten durchaus Weichen und Gleise erneuert wurden. Und auch Stücke von Oberleitung.
Was in Luzern geschehen sei, könne man zwar noch nicht genau sagen, sagt Infrastrukturchef Phillippe Gauderon (...). Die Infrastruktur sei aber in Ordnung.
Natürlich ist sie das. Und dass man nicht weiß, was war, ist auch gelogen. Natürlich weiß man das in der Schweiz sofort. Wissen zumindest all die Schweizfreaks hier im Forum.
Ne, bin auch Schweizer aber ich hab keine Peilung...
Anlagen im Wert von 12,4 Milliarden Franken gelten bei der SBB als «ungenügend» oder «schlecht» – das sind noch einmal 1,3 Milliarden Franken mehr als 2015. Es ist der höchste Wert seit Jahren – und er wird noch höher. Erst 2020 rechnet die SBB mit einer Stabilisierung.
Oder anders ausgedrückt: DIE INFRASTRUKTUR VERKOMMT! Kann aber gar nicht sein; auch nur eine üble Erzählung. Denn in der Schweiz ist alles immer perfekt - also kann da auch keine Infrastruktur verkommen!
Da breche ich eine Lanze für die Schweiz. Da drüben ist ein sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr *irgendwann später* sehr dichter Verkehr sag ich dir. Wenn man da mal was baut, wird das schon stressig. Und die Gleise sind im Bahnland Schweiz nunmal schneller abgenutzt als im nichtganz-Bahnland Deutschland ;-)
Schon ab 2018 will die SBB das Angebot auf diversen Strecken reduzieren. «Die Reisenden müssen ab dann bis mindestens Ende 2020 mit Fahrzeitverlängerungen, Umleitungen und geplanten Zugsausfällen rechnen», schreibt die SBB in einem Bericht. Nun rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit, in der zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde. (...) Der Fahrplan 2018 dürfte als erster von mehreren Sperrungen gezeichnet sein.
Äh, das kann ja alles gar nicht sein! Hat da jemand die DB mit der SBB verwechselt? So blöd, Strecken zu sperren, wenn man baut, und Züge umleiten oder ganz zu streichen - das kann weltweit nur die DB. Darauf hat sie ein Monopol. Und jetzt wollen die Schweizer das auch so machen? Ist ja wohl ein Skandal. Oder eben alles nur erfunden und gar nicht wahr.
Das können die ÖBB auch. Glaub ich zumindest. Keine Bange ;-)
Und wie hier ganz übel Stimmung gemacht wird gegen die supertolle perfekte Schweiz, kann man zum Schluß noch anlesen:
Als im Januar 2016 im Teil Museumsstrasse des Zürcher Hauptbahnhofs eine Störung auftrat, wurden an einem einzelnen Tag über 233'000 Verspätungsminuten generiert.
233.000 Verspätungsminuten - ob unsere einheimischen Eisenbahnen das wegen einer einzelnen Störung wohl auch mal schaffen? Wahrscheinlich nicht - aber wahrscheinlich schreibt dann gleich noch einer: "Da sieht man mal, wie unfähig die DB ist!"
Jup, weißte wieso? Weil das auch bedeutet, dass eine Menge Leute mit der Bahn fahren in der Schweiz. Also muss das bisher doch gelaufen haben...
Ja, das ist natürlich alles übel. Aber nun, ernst nehmen wird das ohnehin keiner. Denn des Bahnfans-Grundgesetz-Artikel 1 lautet nunmal: "In der Schweiz ist immer alles perfekt!"
Ja eh! Ich hoffe aber, die ÖBB, die seit einiger Zeit "immer in Bewegung" sind, kommen mal zu Potte und übertreffen mal die SBB - wäre auch mal was.
Und daran kann natürlich auch so eine primitive Hetz-Postille nicht dran kratzen!
Dafür braucht man keine Hetz-Postille, dafür braucht man nur dessen Kommentare. Lies dir einfach nur die Kommentare unter Artikeln der Presse oder des Kuriers, die die ÖBB betreffen.
Kannst dir ein Bingo-Spiel aus den Begriffen "7 Milliarden Subventionen", "Pensionen", "Beamten", "Geldverbrenner", einer Anspielung auf eine angeblich krasse Zugehörigkeit zur SPÖ und natürlich die allseits beliebte "Freunderlwirtschaft" zusammenstellen.
In diesem Sinne möge die Gemeinde weiterjubeln. Blashi jubelt derweil auch - aber aus anderen Gründen.
Weil du dich auf meine Antwort freutest? :-)
Erfreute Grüße von
jörg
Baba.
PS: Just auf der Nordbahn, wo ich das Wochenende pendel, werden gerade die Gleise erneuert. In der Woche entfallen deswegen 2 Regionalzughalte.
Wird da aber auch mal Zeit, die Gleise sind auf der Nordbahn bei den ÖBB... ned so gut. In Tschechien dann aber top. :-D
--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Nachschlag:
J-C, In meiner Welt, Montag, 08.05.2017, 21:41 (vor 3254 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Montag, 08.05.2017, 21:44
Der erwähnte Unfall in MEidling war nebenbei noch nichtmal wegen schlechter Infra verursacht. Es wurde viel eher ein rotes Signal überfahren seitens des Regionalzugführers.
Bei den ÖBB fordert man es sonst ziemlich heraus, da machen sich gerne mal die Güterwagen selbstständig in letzter Zeit...
...aber es passiert nichts. Die Medien sind deprimiert, dass es nicht kracht, da muss man schon darüber schreiben, wenn ein Railjet mal eine Raucherpause einlegt!
So sad. Total losers.
Ok ok, es gab mal einen Kabelbrand. Und der war auch so heftig, der ganze Hauptbahnhof Linz war am genannten Tag lahmgelegt.
Allerdings ging es am nächsten Tag dann auch wieder.
Also wirklich sad.
--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Von nichts kommt nichts
Reservierungszettel, KDU, Montag, 08.05.2017, 22:44 (vor 3254 Tagen) @ Blaschke
Wie war das noch mit der Schweiz: http://www.ice-treff.de/index.php?id=474744
Wenn du Standing in Schweizer Blättchen blätterst bekommt die DB das auch mit und will dich dann auch kostengünstig da hin bringen - selber schuld ;)
Geniale Antwort!
oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Dienstag, 09.05.2017, 07:47 (vor 3253 Tagen) @ Reservierungszettel
Wie war das noch mit der Schweiz: http://www.ice-treff.de/index.php?id=474744
Wenn du Standing in Schweizer Blättchen blätterst bekommt die DB das auch mit und will dich dann auch kostengünstig da hin bringen - selber schuld ;)
Ich frage mich nur noch, ob man die Mail kommt, um den Beförderungsfall quer durch die Republik transportieren zu können (Demonstration der eigenen Leistungsfähigkeit) oder um diesen außer Landes schaffen zu können (Ablenkung von eigenen Problemen)?
Wobei in meinem Fall ersteres gilt, zur Zeit habe ich keinen Grund zur Klage, was die Bahnfahrerei angeht. Und auch die SBB fuhren bei meinem letzten Besuch in der Schweiz zu meiner vollen Zufriedenheit.
Das Thema derzeit entspannt sehende Grüße,
Dirk
--
Wer ist kundig auf folgenden Baureihen:
101, 103, 110, 111, 112, 120, 139, 140, 141, 143, 150, 151, 155, 181.2, 218, 225, 233, 362, 420, 472, 601, 605, 624, 628, 643 und 644?
Richtig: Bender!
Besser als Lafas...
Alphorn (CH), Dienstag, 09.05.2017, 00:15 (vor 3254 Tagen) @ Blaschke
Natürlich nicht begeisternd, aber war absehbar.
Die Alternative wäre, Langsamfahrstellen einzuführen, wie es in Deutschland oft geschieht. Das geht aber in der Schweiz sehr schlecht, denn erstens wird die Fahrzeit durch die ITF-Knoten weitgehend vorgegeben und zweitens sind viele Einspurstrecken nur für einen ganz bestimmten (vorher festgelegten) Fahrplan ausgebaut worden, d.h. nur an den Kreuzungsstellen existiert eine Doppelspur.
Man könnte auch im Schneckentempo ohne Unterbrüche zu renovieren und im Schadensfall eine Lafa einführen. Dann sind mir vorher angekündigte Sperrungen/Verlangsamungen lieber, wenn dadurch eine schnellere und billigere Erledigung der Bauarbeiten möglich wird und wenn so lange Strecken, nicht nur eine einzelne Schadensstelle, dauerhaft saniert werden.
Leserbrief dazu
moonglum, Hagen, Dienstag, 09.05.2017, 07:27 (vor 3253 Tagen) @ Blaschke
Dazu ein Leserbrief von einem Leser Michel am 9.5. um 6:10 Uhr:
"Danke Herr Meyer
Bravo Herr Meyer! Gratuliere Ihnen dass Sie mit der SBB auch geschafft haben den Unterhalt zu vernachlässigen wie bei der DB. Sie bleiben sich wenigstens Ihrer Linie treu...."
Und da fällt mir ein:
Und ist nicht eine der Stützfiguren der Elvetino, Frau K.S. auch eine "Deutsche"?
Was ist da los bei den Almbauern?
Den verwirrten Kopf erst einmal mit Kaffee erweckend....
Schönen Tag!
--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.
https://adobe.ly/2PMZyEV
Leserbrief dazu
guru61, Arolfingen, Dienstag, 09.05.2017, 12:24 (vor 3253 Tagen) @ moonglum
Dazu ein Leserbrief von einem Leser Michel am 9.5. um 6:10 Uhr:
"Danke Herr Meyer
Bravo Herr Meyer! Gratuliere Ihnen dass Sie mit der SBB auch geschafft haben den Unterhalt zu vernachlässigen wie bei der DB. Sie bleiben sich wenigstens Ihrer Linie treu...."Und da fällt mir ein:
Und ist nicht eine der Stützfiguren der Elvetino, Frau K.S. auch eine "Deutsche"?Was ist da los bei den Almbauern?
Den verwirrten Kopf erst einmal mit Kaffee erweckend....
Schönen Tag!
Falsch:
Es müsste heissen, Danke Herr Weibel
Dass Sie seit ihrem Amtsantritt 1997 den planmässigen Unterhalt der Gleise bis zu 75% zurückfuhren (nachzulesen, mit Grafik in der Schweizer Eisenbahnrevue 1/2015).
Danke Herr Weibel, dass sie kein einziges Grossprojekt aufgegleist haben, nur die Eingeweiht, die ihre Vorgänger aufgegleist haben.
Danke Herr Meyer, dass sie die Duschdoris auf diesen Manko hingewiesen haben und die Versäumnisse ihres Vorgängers nun proaktiv angehen; dass sie den Unterhalt wieder kochgefahren sind.
Vielen Dank, dass Sie den Mut hatten, für die FABI Vorlage zu kämpfen, bei der der Bestand Priorität hat.
Gruss Guru
Denkfehler in der schweizerischen Ausbaustrategie
Re 8/12, Winterthur, Dienstag, 09.05.2017, 17:46 (vor 3253 Tagen) @ guru61
bearbeitet von Re 8/12, Dienstag, 09.05.2017, 17:46
Dass Meyer nun die Versäumnisse seines Vorgängers auszubügeln beginnt, finde ich natürlich positiv. Dass dabei der Bestand vor Neubauten Priorität geniessen soll, scheint mir ein verhängnisvoller Denkfehler. Beide Komponenten sollten einander ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Schwierigkeiten, beim Bestand einen hinreichenden Unterhalt hinzukriegen, resultieren ja nicht nur aus Geldmangel, sondern auch aus dem Mangel an geeigneten Zeitfenstern für diese Arbeiten. Allgemeiner und abstrakter gesagt: Die Rückstände im Unterhalt sind eine Folge der bis an die Grenzen des Möglichen (und darüber hinaus) getriebenen Netzauslastung. Ursachenbekämpfung würde hier heissen, auf hochbelasteten Korridoren eben schneller als bisher auch zu Kapazitätsausbauten (durch Neubau) zu schreiten.
--
Denkfehler in der schweizerischen Ausbaustrategie
guru61, Arolfingen, Mittwoch, 10.05.2017, 05:19 (vor 3252 Tagen) @ Re 8/12
Dass Meyer nun die Versäumnisse seines Vorgängers auszubügeln beginnt, finde ich natürlich positiv. Dass dabei der Bestand vor Neubauten Priorität geniessen soll, scheint mir ein verhängnisvoller Denkfehler. Beide Komponenten sollten einander ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Schwierigkeiten, beim Bestand einen hinreichenden Unterhalt hinzukriegen, resultieren ja nicht nur aus Geldmangel, sondern auch aus dem Mangel an geeigneten Zeitfenstern für diese Arbeiten. Allgemeiner und abstrakter gesagt: Die Rückstände im Unterhalt sind eine Folge der bis an die Grenzen des Möglichen (und darüber hinaus) getriebenen Netzauslastung. Ursachenbekämpfung würde hier heissen, auf hochbelasteten Korridoren eben schneller als bisher auch zu Kapazitätsausbauten (durch Neubau) zu schreiten.
Hallo
Der Denkfehler ist eher bei der Aussage, dem fehlen der nötigen Fenster:
Sowohl bei der NBS, wie auch bei GBT und Lötschberg sind verbindliche Zeitfenster für den Unterhalt vorgesehen und werden genutzt. Ich erlebe das viel in Olten, denn das Zeitfenster ist bis 05.55 Uhr. Und ich fahre mit dem Zug 05.57 nach Bern
Dass man auf der NBS aus Kostengründen auf das Schleifen der Schienen verzichtete, und sie nach 9 Jahren bereits auswechseln muss(te)n (nachzulesen bei Mosers "Praxisbuch Fahrbahn") ist vollumfänglich den "Sparbemühungen" zuzuordnen!
Was man ganz klar sehen muss ist, dass die Neubauten in Zukunft einiges mehr kosten werden, als alte Tunnels: Während man den Gotthardtunnel von 1882 bis ca 1920 betreiben konnte und dann infolge der Elektrifikation eine Sanierung nötig war, muss im LBT nach 15 Jahren die "Haustechnik" ersetzt werden.
Von den Kosten der alle paar Jahre zu ersetzenden Komponenten von GSM-R und ETCS- Komponenten ganz zu schweigen.
Mir ist lieber, ein paar Jahre Klotzen, und dann normal weiter zu fahren, als eine Dauerbaustelle zu haben.
Was übrigens nichts neues ist, wie in einer der letzten Eisenbahn Revues nachzulesen ist, wo die Erfahrungen der SOB im Bereich vernachlässigter Unterhalt aufgezeichnet werden.
Streckensperrungen sind übrigens nichts neues:
Weinfelden Wil
Laufental
https://www.thurbo.ch/fileadmin/user_upload/www.thurbo.ch/streckensperrungen/Sperrung-T...
https://www.thurbo.ch/reisen/perfekt-informiert/streckenunterbrueche/
https://www.zg.ch/behoerden/volkswirtschaftsdirektion/amt-fur-offentlichen-verkehr/erne...
https://www.nzz.ch/article95EDD-1.314330
https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/sbb-strecke-solothurn-oens...
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/kanton/Pendler-muessen-den-Bus-nehmen;art1238...
Also nur alter Wein in neuen Schläuchen
Gruss Guru
Denkfehler in der schweizerischen Ausbaustrategie
Re 8/12, Winterthur, Mittwoch, 10.05.2017, 06:50 (vor 3252 Tagen) @ guru61
Der Denkfehler ist eher bei der Aussage, dem fehlen der nötigen Fenster:
Sowohl bei der NBS, wie auch bei GBT und Lötschberg sind verbindliche Zeitfenster für den Unterhalt vorgesehen und werden genutzt.
Dass Zeitfenster vorgesehen sind und genutzt werden, bestreite ich ja gar nicht. Die Frage bleibt aber, welche Kosten damit verbunden sind - bei den Unterhaltsarbeiten selber und bei der Organisation des Verkehrsablaufs. Ich habe vor ein paar Jahren in der SER gelesen, dass das eben gerade am Gotthard nur knapp und mit viel Murks gelingt. Ob inzwischen doch noch günstigere Lösungen gefunden werden konnten, kann ich nicht sagen.
Dass man auf der NBS aus Kostengründen auf das Schleifen der Schienen verzichtete, und sie nach 9 Jahren bereits auswechseln muss(te)n (nachzulesen bei Mosers "Praxisbuch Fahrbahn") ist vollumfänglich den "Sparbemühungen" zuzuordnen!
Lass ich gelten. Hier wäre die Streckenkapazität zweifellos verfügbar gewesen, um die Unterhaltsarbeiten aufzufangen. Somit ist die Vernachlässigung in diesem Fall als Managementfehler zu betrachten - allerdings zum grössten Teil nicht mehr in die Ära Weibel fallend ;)
Was man ganz klar sehen muss ist, dass die Neubauten in Zukunft einiges mehr kosten werden, als alte Tunnels: Während man den Gotthardtunnel von 1882 bis ca 1920 betreiben konnte und dann infolge der Elektrifikation eine Sanierung nötig war, muss im LBT nach 15 Jahren die "Haustechnik" ersetzt werden.
Das scheint mir eine etwas andere Problematik und beim LBT überdies vielleicht schon eher ein Sonderfall. Wieviel kostet denn die Bahntechnik pro Kilometer Neubaustrecke heute?
Von den Kosten der alle paar Jahre zu ersetzenden Komponenten von GSM-R und ETCS- Komponenten ganz zu schweigen.
Da sollten mit der Zeit die Preise runterkommen. Andernfalls müsste man über eine Ablösung dieser Technologie nachdenken.
Mir ist lieber, ein paar Jahre Klotzen, und dann normal weiter zu fahren, als eine Dauerbaustelle zu haben.
Einverstanden, aber gerade dies gelänge eben mit einer etwas entspannteren Kapazitätssituation viel leichter. Der Weltmeistertitel in Netzauslastung ist genauso ein Kraftakt wie Geschwindigkeitsrekorde.
Streckensperrungen sind übrigens nichts neues:
Ich bin nicht partout gegen Streckensperrungen. Ich sage nur, und ganz unabhängig von der Art der Unterhaltsorganisation: Dass Meyer so grosse Mühe hat, die (geerbten und anfänglich auch noch selber verursachten) Altlasten abzutragen, könnte sehr wohl auch mit der überspannten Auslastung einiger Netzteile zusammenhängen.
--
Denkfehler in der schweizerischen Ausbaustrategie
guru61, Arolfingen, Mittwoch, 10.05.2017, 12:42 (vor 3252 Tagen) @ Re 8/12
Dass Zeitfenster vorgesehen sind und genutzt werden, bestreite ich ja gar nicht. Die Frage bleibt aber, welche Kosten damit verbunden sind - bei den Unterhaltsarbeiten selber und bei der Organisation des Verkehrsablaufs. Ich habe vor ein paar Jahren in der SER gelesen, dass das eben gerade am Gotthard nur knapp und mit viel Murks gelingt. Ob inzwischen doch noch günstigere Lösungen gefunden werden konnten, kann ich nicht sagen.
Man kann ganz sicher sagen, dass bei einer Totalsperre die Kosten geringes sind. Einerseits, weil man Maschinen einsetzen kann, die das Lichtraumprofil des einen Gleises überschreiten, zweitens, weil man sich die Absperrungen und Sicherheitsanlagen für den die Arbeitssicherheit sparen kann.
ist vollumfänglich den "Sparbemühungen" zuzuordnen!
Lass ich gelten. Hier wäre die Streckenkapazität zweifellos verfügbar gewesen, um die Unterhaltsarbeiten aufzufangen. Somit ist die Vernachlässigung in diesem Fall als Managementfehler zu betrachten - allerdings zum grössten Teil nicht mehr in die Ära Weibel fallend ;)
Der Weibel hat das verbrochen. Dass einem neu eintretenden Meyer, vom Personal, dass diesen Zustand mitgetragen hat, sofort gesagt wird, wo die Leichen im Keller liegen, ist wohl eher unwahrscheinlich. :-)
Tatsache ist aber, dass der Meyer das Thema angesprochen und aufs Tapet gebracht hat. Das hat der Duschdoris gar nicht gefallen.
Was man ganz klar sehen muss ist, dass die Neubauten in Zukunft einiges mehr kosten werden, als alte Tunnels: Während man den Gotthardtunnel von 1882 bis ca 1920 betreiben konnte und dann infolge der Elektrifikation eine Sanierung nötig war, muss im LBT nach 15 Jahren die "Haustechnik" ersetzt werden.
Das scheint mir eine etwas andere Problematik und beim LBT überdies vielleicht schon eher ein Sonderfall. Wieviel kostet denn die Bahntechnik pro Kilometer Neubaustrecke heute?
Der GBT ist der gleiche Sonderfall. Heute geht's nun mal nicht mehr, ein Löchlein in den Fels bohren, und alles ist gut.
Anlässlich einer Besichtigung konnten wir den Querschlag 170 besuchen. Wenn man bedenkt, was da alles drinsteht:
https://www.flickr.com/photos/r_walther/sets/72157634920702234/
Und dass man noch spezielle Türen hat, die Brandtauglich sein müssen, dann kann man sich das schon ausrechnen, was das etwa kostet.
Dass eine Tür eine wesentlich kleinere Lebensdauer hat, als der Tunnel, dürfte klar sein. Und damit sind noch nicht mal die grossen Entlüftungsanlagen mitgezählt.
Die Luft aus diesen Löchern 800 Meter nach oben zu transportieren dürfte doch einiges an Technik benötigen:
https://www.flickr.com/photos/r_walther/28602364020/in/album-72157672246215835/
https://www.flickr.com/photos/r_walther/28886527305/in/album-72157672246215835/
Von den Kosten der alle paar Jahre zu ersetzenden Komponenten von GSM-R und ETCS- Komponenten ganz zu schweigen.
Da sollten mit der Zeit die Preise runterkommen. Andernfalls müsste man über eine Ablösung dieser Technologie nachdenken.
Das muss man eh:
Während das Signum und die dazugehörige Elektronik in den Fahrzeugen ohne Probleme 40 Jahre und älter wurde, muss man heute alle paar Jahre die Technologie wechseln.
Die Funktechnologie fürs GSM wurde in den letzten 25 Jahren mindestens 3 Mal gewechselt: 1990 war das Natel B der Stand und das Natel C kam gerade auf. Nachher kam das Natel D und jetzt UMTS. Auch das wird in eher kürzerer Frist abgelöst werden und die Bahn mit dem GSM R muss mitziehen. Denn für veraltete Technologie gibt es bald keine Empfahgsgeräte mehr. Und die selber herzustellen, wäre zu teuer,.
Mir ist lieber, ein paar Jahre klotzen, und dann normal weiter zu fahren, als eine Dauerbaustelle zu haben.
Einverstanden, aber gerade dies gelänge eben mit einer etwas entspannteren Kapazitätssituation viel leichter. Der Weltmeistertitel in Netzauslastung ist genauso ein Kraftakt wie Geschwindigkeitsrekorde.
Was willst du machen? Die Politik, auch wenn sie es nicht sagt, geht auf eine 10 Millionen Schweiz zu.
Das heisst, dass entsprechend mehr Verkehr kommt. Das schleckt keine Geiss weg!
Ich bin nicht partout gegen Streckensperrungen. Ich sage nur, und ganz unabhängig von der Art der Unterhaltsorganisation: Dass Meyer so grosse Mühe hat, die (geerbten und anfänglich auch noch selber verursachten) Altlasten abzutragen, könnte sehr wohl auch mit der überspannten Auslastung einiger Netzteile zusammenhängen.
Die Auslastung wird von Der Politik bestimmt. Die sind die Besteller.
Guggsch mal den grafischen Fahrplan an zwischen Winterthur und Effretikon. Die Züge hat die Politik bestellt und der Brüttenertunnel wurde von der Politik zurückgestellt. Was soll die SBB nun sagen? S12 nur noch Stundentakt? Was glaubst du, was denn los wäre! :-)
Gruss Guru
(ZM:) CH: malade Infrastruktur erfordert Streckensperrungen
caboruivo, CH, Dienstag, 09.05.2017, 16:16 (vor 3253 Tagen) @ Blaschke
Moin, moin aus der schönen Schweiz nach Osnabrück
Ich weiss nicht, auf wessen Mist der Zusammenhang zwischen den beiden Entgleisungen und dem Nachholbedarf gebaut ist. Letzteres war schon lange bekannt, die Gründe wurden auch mehrmals ausdiskutiert.
Totaler Blödsinn. Alles lief doch super schnell super perfekt wieder an, habe ich hier im Forum gelernt. Kein Vergleich zu Dortmund, wo ja seit dem Unfall noch immer so gut wie gar nichts läuft.
Als einer, der an diesen Tagen Sonderschichten leistete, hat mich z.B. die Kritik der SER ein wenig genervt. Es war ein Jahrhundertfall, und da ist es logisch, dass nicht alles perfekt läuft. Alles theoretisch Geschaffene muss sich auch in der Praxis beweisen können.
In solchen Fällen gibt es genauso viele Bahnexperten wie Fussballtrainer, wenn die Nationalmannschaft an der WM ausgeschieden ist ;-)
Der von J-C erwähnte Fall Meidling ist von Luzern nur schon deshalb zu unterscheiden, dass der Bahnhof Luzern nur zwei Zufahrtsgleise hat und der Unfall auf einem der beiden passierte. Das zweite wurde dann zur Zufahrt und als Abstellort für Bauzüge genutzt. Hätte Luzern zehn Zufahrtsgleise gehabt oder wäre gar ein Durchgangsbahnhof gewesen, hätte es auch keine viertägige Totalsperrung gegeben.
Warum gibt es denn in Dortmund längere Einschränkungen nach der Entgleisung?
Was in Luzern geschehen sei, könne man zwar noch nicht genau sagen, sagt Infrastrukturchef Phillippe Gauderon (...). Die Infrastruktur sei aber in Ordnung.
Natürlich ist sie das. Und dass man nicht weiß, was war, ist auch gelogen. Natürlich weiß man das in der Schweiz sofort. Wissen zumindest all die Schweizfreaks hier im Forum.
Die Infra wird regelmässig geprüft und da war alles unter dem Grenzwert, d.h. noch lange nicht, dass alles in perfekter Ordnung war. Aber für das gibt es die SUST, die wird uns schon sagen, was der Grund in Luzern war.
In Bern war es ja infrastrukturseitig.
Als im Januar 2016 im Teil Museumsstrasse des Zürcher Hauptbahnhofs eine Störung auftrat, wurden an einem einzelnen Tag über 233'000 Verspätungsminuten generiert.
233.000 Verspätungsminuten - ob unsere einheimischen Eisenbahnen das wegen einer einzelnen Störung wohl auch mal schaffen? Wahrscheinlich nicht - aber wahrscheinlich schreibt dann gleich noch einer: "Da sieht man mal, wie unfähig die DB ist!"
Verspätungsminuten generieren sich aus der Anzahl betroffenen Passagiere multipliziert mit ihren Verspätungsminuten, je nach dem addiert man die einzelnen Multiplikationen, wenn nicht alle Passagiere dieselbe Anzahl Minuten hatte. Und da kommt man auf der S-Bahn Zürich mit rund 600'000 Fahrgästen täglich schnell auf hohe Zahlen.
Gruss
--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive