Drei Tage durch die Schweiz (Teil 1b m. 42 B.) (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 07.03.2017, 17:51 (vor 3302 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer Tour kreuz und quer durch die Schweiz. Wir sind noch immer beim ersten Reisetag und waren im ersten Teil von Konstanz über die Seelinie und die Rheinfallbahn nach Zürich gefahren und haben die Sihltalbahn besucht.

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Nach der Rückkehr aus dem Sihlwald sind wir jetzt wieder am Hauptbahnhof Zürich. Weiter geht es nun mit einem RegioExpress nach Lenzburg. Der Zug besteht aus einem Doppelstock-Pendelzug der S-Bahn Zürich.

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Die Fahrt von Zürich nach Lenzburg dauert knapp 20 Minuten, dabei überqueren wir unterwegs die Reuss. Dem Fluss werden wir später in Luzern nochmals begegnen sowie am dritten Reisetag in Göschenen.

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In Lenzburg verlassen wir den Zug. Das Gebäude rechts ist der Bahnhof mit den Durchgangsgleisen, durch eine Straße getrennt befindet sich auf dem Bahnhofsvorplatz der Bahnsteig der Seetalbahn. Wir steigen aber noch nicht gleich in den Zug der Seetalbahn, sondern wollen eine kleine Pause in Lenzburg einlegen.

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Lenzburg hat eine nette Altstadt, Wahrzeichen ist das Schloss Lenzburg aus dem 11. Jahrhundert, das sich auf dem Schlossberg über den Dächern der Stadt erhebt.

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Der Chlausbrunnen auf dem Metzgplatz ist der älteste erhaltene Brunnen der Stadt, er stammt aus dem Jahr 1572.

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Doch nun zur Seetalbahn mit ihren ungewöhnlichen Fahrzeugen. Die Bahnlinie von Lenzburg nach Luzern ist normalspurig, sie wurde ursprünglich auf der Landstraße trassiert und ähnelt in den Ortsdurchfahrten mitunter einer Straßenbahnstrecke. Im Laufe der Zeit wurde die Bahnstrecke zwar neben die Straße verlegt, abschnittsweise ist der Abstand zur Straße aber so gering, dass sich die Lichtraumprofile von Bahn und Straße überschneiden. Für die Strecke wurden deshalb eigens spezielle Gelenktriebwagen mit schmalem Wagenkasten beschafft. Die RABe 520 sind 35 Zentimeter schmaler als die üblichen GTW, sie verkehren als S 9 auf dieser Strecke.

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Das Seetal ist ein breites Tal zwischen Lenzburg und Luzern, das durch zwei Seen geprägt ist. Aus der Talebene erhebt sich der markante Staufberg mit der Staufbergkirche. Links der Bahnstrecke verläuft die Landstraße, wir sind hier im Bereich des „Sonderprofils Seetal“.

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Den Ort Beinwil am See habe ich mir für einen Zwischenstopp ausgesucht. Hier schauen wir noch dem Zug nach, der in Straßenlage über einen Kreisverkehr weiterfährt. Solche Trassierungen kennt man sonst üblicherweise von Schmalspurbahnen, die einen kürzeren Bremsweg haben. Eine hohe Unfallhäufigkeit mit Todesopfern brachte der Bahn früher den makabren Beinamen „Kundenmetzger“ ein.

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Der Bahnhof liegt oberhalb des Sees, für Touristen wie uns ist jedoch bestens vorgesorgt. Ein schluchtähnlicher Fußweg...

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...führt hinab zum Ufer des Hallwilersees. Der Hallwilersee ist der größere der beiden Seen im Seetal.

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Seit 1883 hat die Gemeinde Beinwil einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Bis 1999 ging von hier noch eine Zweigstrecke nach Beromünster aus. Weiter geht nun die Fahrt oberhalb des Halwilersees, auch diese Etappe gehört noch zu der nur mit Schmaltriebwagen zu befahrenden Sonderprofilstrecke.

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Am Südende des Hallwilersees wechselt die Bahnstrecke auf die andere Talseite, ab hier gilt auch wieder das normale Streckenprofil. Während sich nun links das Schloss Heidegg über dem Seetal erhebt, folgt rechts mit dem Baldeggersee das nächste Gewässer.

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Die Strecke führt nun hinab nach Emmenbrücke und Luzern, dabei bietet sich ein Blick in Richtung Pilatus-Massiv.

Mit der Ankunft in Luzern ist unser heutiges Tagessoll erfüllt und wir treten die Heimreise an den Bodensee an. Den Voralpen-Express kannte ich zwar schon, aber die Strecke ist immer wieder herrlich, so dass wir als schönen Abschluss diese Variante wählen.

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Im Stadtgebiet von Luzern begegnen wir wieder der Reuss. Der Nölliturm am Flussufer ist Teil der historischen Stadtbefestigung. Weiter führt die Strecke am Ufer des Vierwaldstättersees.

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Hier sind wir schon einen See weiter am Zuger See, an dessen Südufer liegt der Ort Arth mit dem Bahnhof Arth-Goldau. Am dritten Reisetag werden wir auf dem Weg zur Rigi wieder in diese Gegend kommen.
Wenn auch aus dem Automaten, so gibt es im Gegensatz zu manch anderem Fernverkehrszug immerhin warme und kalte Getränke sowie Snacks.

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Das nächste Gewässer ist der Lauerzer See, hier am rechten Bildrand. Links die Gipfel des Bergmassivs der Mythen.

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Ausnahmsweise mal kein See: zwischen Rothenthurm und Biberbrugg fährt der Voralpen-Express durch eine Hochmoor-Landschaft, dann geht es hinab zum Zürichsee.

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Auf dem Seedamm von Rapperswil quert der Zug den Zürichsee, dann geht es im über acht Kilometer langen Tunnel unter dem Rickenpass von der Linthebene in das Toggenburg.

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Ein weiteres Highlight ist die Fahrt über das Sitterviadukt, das mit 99 Metern Höhe die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz ist. Bald darauf ist der Endbahnhof St. Gallen erreicht.

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Jetzt noch schnell ein Bild des Zugs nachgeholt, dann geht es auf dem Nachbargleis gleich weiter mit dem RegioExpress nach Konstanz. Mit einem GTW von Thurbo fahren wir nun hinab an den Bodensee und weiter auf der Seelinie nach Kreuzlingen.

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Zwischen Kreuzlingen und Konstanz queren wir die schweizerisch-deutsche Grenze. Der Bahnübergang rechts liegt in der Schweiz, der Bahnübergang links in Deutschland.

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Der RegioExpress fährt von Konstanz weiter nach Kreuzlingen, für uns endet die Tour aber hier in Konstanz mit einem Blick zum Hafen.

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Und damit sind wir am Ende der ersten Tour angelangt. In den nächsten Tagen brechen wir zur nächsten Rundfahrt auf, dann steht u.a. die BDWM auf unserem Plan.

Viele Grüße

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Drei Tage durch die Schweiz (Teil 1b m. 42 B.)

Regiosprinter, Dienstag, 07.03.2017, 21:57 (vor 3302 Tagen) @ TD

Hallo Tobias,

vieleln Dank für deine Eindrücke aus der Schweiz!
Das Kürzel "TD" steht inzwischen für hochwertige Reiseberichte...
Hier kommt es dir zu Gute, im südlichsten Zipfel Deutschlands zu wohnen.
Selbst von der Vorderpfalz aus brauche ich schon knapp drei Stunden, um erst mal Schweizer Boden zu erreichen. Ganz zu schweigen von Nebenbahnen, die nicht gerade an der Schweizer Grenze liegen.

Viele Grüße
Klaus

Danke

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Mittwoch, 08.03.2017, 08:46 (vor 3302 Tagen) @ TD

Moin,

die aufgemalten Füsse sind eine gute Sache. Die haben wir hier in Wuppertal auch, damit die Fußgänger den Weg zwischen Hbf und Schwebebahn/Innenstadt finden. Hier sind sie sogar zweifarbig, damit die Fußgänger nicht versehentlich umgkehren und dann doch nicht ankommen.

Das mit den schmaleren Fahrzeugen war mir nicht bekannt. Welch ein Glück, dass diese Strecke noch existiert. Und der Name "Kundenmetzger"... Wenn das so zutrifft, ist der Name auch "verdient", wenn auch gewöhnungsbedürftig.

Danke für Text und Bilder, immer wieder neue Erkenntnisse.

Viele Grüße,

Dirk

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Wer ist kundig auf folgenden Baureihen:
101, 103, 110, 111, 112, 120, 139, 140, 141, 143, 150, 151, 155, 181.2, 218, 225, 233, 362, 420, 472, 601, 605, 624, 628, 643 und 644?
Richtig: Bender!

Drei Tage durch die Schweiz

462 001, Taunus, Mittwoch, 08.03.2017, 21:11 (vor 3301 Tagen) @ TD

Nabend Tobias,

danke für die erste Runde Schweiz, ich freue mich schon auf die beiden weiteren:))


Gruß aus dem Taunus

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Drei Tage durch die Schweiz (Teil 1b)

Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 11.03.2017, 19:53 (vor 3298 Tagen) @ TD

Hoi TD,

Doch nun zur Seetalbahn mit ihren ungewöhnlichen Fahrzeugen. [...] Die RABe 520 sind 35 Zentimeter schmaler als die üblichen GTW, sie verkehren als S 9 auf dieser Strecke.

Die Bahnstrecke wird im Prinzip als Schmalspurlinie betrieben. Kurz vor dieser Anpassung ist man noch mit einem ICN die Strecke komplett abgefahren, so als Abschied vom Standard-Profil.

Die Wagenkastenbreite Seetal-GTW entspricht derer von Meterspur-GTW, einfach mit Normalspurdrehgestellen. Auch die Perronhöhen von 35 cm über Schienenoberkante ist Schweizer Meterspur-Norm. Dies bringt allerdings ein Problem mit den Durchbindungen in den Bahnhof Luzern und dem Behinderten-Gleichstellungsgesetz mit sich. Beim Refit innerhalb der nächsten Jahre muss ein Einstieg angehoben werden, um auch an den 55cm-Perrons einen ebenerdigen Einstieg zu ermöglichen. Ein Rollstuhlfahrer muss also in Luzern an 55 cm ohne Hilfe in den Zug kommen und irgendwo im Seetal an 35 cm diesen an der nächsten Tür wieder ohne Hilfe ebenerdig verlassen können. Das wird also ein etwas aufwändigeres Refit.

Eine hohe Unfallhäufigkeit mit Todesopfern brachte der Bahn früher den makabren Beinamen „Kundenmetzger“ ein.

Kollisionen mit Strassenfahrzeugen sind nach wie vor keine Seltenheit. Das schmalere Profil vermindert das Risiko seitlicher Streifkollisionen, nicht aber Frontalkollisionen, weil sich Strassenbenützer nicht korrekt verhalten.

Den Voralpen-Express kannte ich zwar schon, aber die Strecke ist immer wieder herrlich, so dass wir als schönen Abschluss diese Variante wählen. [...]
Wenn auch aus dem Automaten, so gibt es im Gegensatz zu manch anderem Fernverkehrszug immerhin warme und kalte Getränke sowie Snacks.

Die neuen VAE-Triebzüge ab 2020 werden auch solche Automaten haben: https://wwwstadlerrailcom-live-01e96f7.s3-eu-central-1.amazonaws.com/filer_public/f1/a9...
Mit diesen Zügen will die SOB auch direkten Fernverkehr ab Zürich HB-Zug und Basel SBB-Olten-Luzern über die gesamte Gotthard-Bergstrecke anbieten. Die entsprechenden Konzessionsverhandlungen mit dem BAV und den SBB sind derzeit am Laufen. Dann könnte die SOB ab 2021 wieder ein besseres Angebot auf der Gotthard-Bergstrecke bereitstellen, als wie das seit Dezember der Fall ist.

Jetzt noch schnell ein Bild des Zugs nachgeholt, dann geht es auf dem Nachbargleis gleich weiter mit dem RegioExpress nach Konstanz. Mit einem GTW von Thurbo fahren wir nun hinab an den Bodensee und weiter auf der Seelinie nach Kreuzlingen.

Ein Bild vor der Grossbaustelle. Jetzt ist da eine riesige Baugrube mit Hilfsbrücken und verkürzten Perronnutzlängen. Gegen Ende 2018 ist die ganze Bauerei in St. Gallen beendet.
Ab Dezember 2018 fährt dann auch der RE St. Gallen-Konstanz definitiv stündlich mit 16 Zugspaaren täglich. Dabei wird die Fahrlage wie die gesamte Seelinie ebenfalls um 15 Minuten verschoben, sodass man dann exakt 20 Minuten Umsteigezeit vom VAE zum RE oder umgekehrt haben wird. Eine Durchbindung des RE mit dem Seehas wird noch geprüft, für den in jenem Fall nötigen Fahrzeugmehrbedarf beim Seehas würden Basler Flirt RABe 521 verlegt.


Vielen Dank für die schöne Rundreise.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

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