Der Mittwochsbahnhof, Teil 11.1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 22.02.2017, 17:26 (vor 3316 Tagen)

Moin und willkommen zum elften Teil dieser Serie. Mit Hameln steht eine etwas größere Stadt auf dem Fahrplan. Die Altstadt mit Rattenfängern und Fachwerkhaus ist touristisch zu bedeutend, als daß ich mich auf den langen Weg dorthin aufgemacht hätte. Denn der Bahnhof liegt tief im Osten, wo die Sonne verstaubt. Äh nein, das war falsch.


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Richtig ist hingegen, daß Hameln durch die Nordwest- und die Deutsche Bahn bedient wird. Die erstgenannte fährt mit Lint-Triebwagen aus dem niedersächischen Fahrzeugpool die Linie Hildesheim - Elze - Hameln - Löhne - Bünde. Nach Bünde ist sie nur im Berufsverkehr unterwegs, ansonsten besteht mo-fr ein stündliches Zugangebot. An Wochenenden und Feiertagen wird zwischen Hameln und Löhne nur ein Zweistundentakt angeboten.
DB Regio fährt die elektrischen Züge. Das ist zum einen die stündlich und nur im Berufsverkehr fahrende S51 (Hameln - Hannover - Seelze), die nicht überall hält. Hauptlinie ist die S 5. Zwischen Hannover Flughafen und Hameln fährt sie halbstündlich. Weiter nach Bad Pyrmont - Altenbeken - Paderborn besteht ein Stundentakt, bis Pyrmont durch ein paar wenige Zusatzzüge ergänzt. Zum Einsatz kommen die Baureihen 424 und 425. Ob letztere bei der hiesigen S-Bahn überhaupt eigene Umlaufpläne hat, weiß ich gar nicht.


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Die beiden Bahnstrecken Hannover - Altenbeken und Elze - Löhne kreuzen sich niveaugleich östlich des Empfangsgebäudes. Somit gibt es im Bahnhof zwei Hausbahnsteige und auf jeder Seite einen Mittelbahnsteig, alle in Kurvenlage. Mit der Altenbekener Strecke werden wir uns heute in zwei Wochen näher befassen müssen, die Streckengeschichte verspätet sich daher voraussichtlich um vierzehn Tage.

Die Bahnstrecke Elze - Löhne wurde durch die zum Strousberg-Imperium gehörende Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft gebaut und am Stück eröffnet: Am 19. Mai 1875 für den Güter- und wenige Wochen später, am 30. Juni, für den Reiseverkehr. 1881 ging die Bahngesellschaft an die Preußischen Staatseisenbahnen. Die anfangs eingleisige Strecke wurde 1902 zwischen Elze und Hameln sowie 1908-11 im weiteren Verlauf zweigleisig ausgebaut. Seit etwa 1990 wird sie nur noch eingleisig betrieben. Im Dezember 2006 konnte die Reisezeit um eine halbe Stunde verkürzt werden, zuvor gab es in Hameln und Rinteln ziemlich lange Aufenthalte. Aktuell begegnen sich die Züge in Elze, Hameln und Vlotho.
Immer wieder geistert ein erneuter zweigleisiger Ausbau und eine Elektrifizierung der Strecke durch die Gegend. Denn sie wäre eine ideale Umgehungsstrecke für den Güterverkehr, durch die der Knoten Hannover und die stark belastete Strecke Wunstorf - Minden entlastet werden würden. Dagegen gibt es vor Ort natürlich auch schon Widerstand.

Komplett war das Eisenbahnnetz um Hameln zwischen 1897 und 1980. Denn in diesem Zeitraum gab es eine dritte Bahnstrecke in Hameln, die nach Bielefeld. Anfangs war es eine Bahnstrecke von Lage nach Hameln. Die Eröffnungsdaten: Lage - Lemgo 8. Juli 1896, Lemgo - Barntrup 2. November 1896 und Barntrup - Hameln 30. Oktober 1897. Der Westabschnitt folgte einige Jahre später: 1. Oktober 1903 Lage - Oerlinghausen und 1. Oktober 1904 Oerlinghausen - Bielefeld. Am anspruchsvollsten waren die Weserbrücke und der im Westen anschließende Klüttunnel, hier einige Zeilen. Die Brücke wurde im April 1945 gesprengt, erst im Dezember 1949 konnte sie wieder in Betrieb genommen werden. Mit dem Sommerfahrplan 1980 endete der Reiseverkehr zwischen Hameln und Lemgo, ferner auch der Güterverkehr zwischen Hameln und Kl. Berkel - dem nächsten Bahnhof. Somit waren Weserbrücke und Klüttunnel außer Betrieb. Zum 31. Mai 1985 endete auch zwischen Kl. Berkel und Aerzen der Güterverkehr, 1994 folgte der Abschnitt bis Barntrup. Der östliche Abschnitt ist mittlerweile komplett abgebaut. Am 28. Juli 2007 wurde der Reiseverkehr von Lemgo über einige 100 Meter bis Lemgo-Lüttfeld verlängert. Der Abschnitt Lemgo - Barntrup wurde 2001 durch die Verkehrsbetriebe Extertal übernommen. Er ist mittlerweile die einzige Anbindung ihrer Stammstrecke ans restliche Schienennetz.

Zurück nach Hameln: Das Empfangsgebäude wurde nach einem Brand 1921 bis 1925 leicht verändert wieder aufgebaut. 2001 wurde es durch die örtlichen Stadtwerke übernommen und saniert. Auch Hamelns Bahnsteige präsentieren sich modern, was das Fotografieren nicht unbedingt erleichtert. Es sind aber doch einige Aufnahmen zustande gekommen, so daß ich für dieses Portrait aus 99 Stück auswählen kann.

Das war ein wenig viel Text für die Forensoftware. Geht gleich weiter.

Der Mittwochsbahnhof, Teil 11.2 (40 Bilder)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 22.02.2017, 17:27 (vor 3316 Tagen) @ Sören Heise

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1 Lassen wir zunächst 648 185 gen Hildesheim weiterfahren.


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2 In der Streckenverzweigung die Spitze des Empfangsgebäudes. Wegen Sonnenstand war das nur im Schutze des Daches festzuhalten.


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3 Dieweil wartet auf Gleis 1 425 278 auf die Abfahrt nach Seelze. Der schön kurze bahnsteiggleiche Anschluß wurde nicht als Anschluß durchgesagt. Da fehlt wohl die Anpassung der Mindestumsteigezeit.


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4 Seitliche Ansicht des Bahnhofsplatzes. Was dessen Benamung betrifft so reiht sich Hameln ein in die lange Liste der Städte, die den Bahnhofsplatz Bahnhofsplatz nennen.


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5 Eher zu stark gegenlichtig der Blick gen Südwesten. Die Linkskurve führt gen Emmerthal. Rechts ging es einst nach Bielefeld.


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6 Südlich der Gleise, vorm Hefehof, ein Bahnübergang.


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7 424 010 und 424 014. Auf den Gleisen 1 bis 3 steht fast immer mindestens ein S-Bahn-Fahrzeug herum. Die S 51 auf Gleis 1 nur zehn Minuten, Gleis 2 und 3 sind je Stunde etwa 40 Minuten lang besetzt.


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8 Mit nur einer S-Bahn.


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9 Im Empfangsgebäude. Oben im 1. Stock ist viel Platz. Die üblichen Verdächtigen (Fahrkartenverkauf, Bäcker, Klo, Buchhandel) sind eine Etage tiefer.


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10 Blick zum Eingang.


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11 Richtung Hess. Oldendorf. Da war mal mehr Bahnsteig.


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12 In die andere Richtung gibt es noch welchen.


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13 Während hinten die S-Bahn mit 424 030 vorne kommt...


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14 ...schleicht vorne 152 092 in die Gegenrichtung.


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15 Die gemeinsame Strecke vom Bahnsteiggleis 5 aus gesehen.


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16 Richtung Bahnhofshalle geschaut.


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17 Wie gehen erstmal auf Bahnsteig 6/7.


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18 Da war nichts los, so daß es bei dieser Ansicht des Empfangsgebäudes bleibt.


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19 Der andere Personentunnel führt zum Bahnsteig 2/3.


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20 Richtung Hannover. Links das Stellwerk mit Rattenfänger dran, dahinter der Güterschuppen. Rechts ahnt man den Lokschuppen mehr als daß man seine Rundung sieht.


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21 Der Text zum Bild 2 war wohl nicht so ganz passend.


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22 Bahnsteigbild.


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23 Ansicht in der Gegenrichtung. 424 032 wartet auf den Zugteil aus Paderborn.


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24 Der sollte gerade kurz vor Lügde sein.


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25 Gehen wir mal kurz raus.


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26 Zuvor den Kopf um 180° gedreht und dann gleich nochmal.


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27 Der Bahnhof von außen. Das ÖPNV-Angebot im Kreis hat einen einheitlichen Außenauftritt. Mittlerweile ist auch der Stadtverkehr Bad Pyrmont integriert.


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28 Südlich des Bahnhofs, gleich hinter der Bahnbrücke der Bahnübergang der Hafenbahn. An ihr befindet sich die Firma Kaminski, die Güterwagen repariert.


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29 Das Gleis steigt zum Bahnhof hin an.


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30 Auf dem Kreisel vorm Bahnhof hat es sich eine Ratte gemütlich gemacht.


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31 Zur Dokumentation.


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32 Innenansicht.


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33 Schon wieder eine S-Bahn auf Gleis 2.


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34 Auf Gleis 3 wird der Zugteil aus Paderborn erwartet.


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35 Jetzt ist er dran, gleich geht es weiter.


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36 Wenig später kommt auf Gleis 1 die nächste S 51 an. 425 155 ist vorne, einer der einstmals für die Strecke nach Paderborn bestimmten Triebzüge.


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37 Ein seltsames Geräusch entpuppte sich als der Zug von Kaminski. Henschel 3087/1964, eine DHG 500 C. Sie ist seit Juni 2015 an Kaminski vermietet. Wer mehr über die 98 80 3605 210-4 D-DEBG erfahren möchte, ist bei rangierdiesel.de richtig.


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38 Aus Hildesheim kommt 648 181.


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39 Sein Ziel ist Bünde.


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40 Mit 648 186 kommt wenig später auch der Gegenzug.


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Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
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Der Mittwochsbahnhof, Teil 11.2 (40 Bilder) - Korrektur

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 22.02.2017, 17:42 (vor 3316 Tagen) @ Sören Heise

Korrektur zu Bild 37: 30857/1964.

Erster!

JanZ, HB, Mittwoch, 22.02.2017, 17:45 (vor 3316 Tagen) @ Sören Heise

Danke für den Bericht! Nach Hameln muss ich auch mal, aber das ist von hier aus leider etwas weit. Der Bahnhof ist ja wirklich hübsch, das wäre ein Fall für den Bahnhof des Jahres. Kannst du die Bilder 34 und 40 vielleicht noch verkleinern?

Zweiter!

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Donnerstag, 23.02.2017, 09:17 (vor 3315 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

zunächst vielen Dank für Hameln.

Zu den 424/425-Umläufen: Ich vermute, dass es derzeit keine Trennung gibt und falls doch, wird eifrig getauscht. Über einen längeren Zeitraum kommen in einem Zuglauf die verschiedenen Fahrzeugausführungen zum Einsatz. Subjektiv habe ich lediglich die Paderborn-425 öfter mal auf der S 2 gesehen. Für Gehbehinderte etwas blöd. Früher hat man wohl wegen Paderborn und der Strecke Hannover-Wolfsburg etwas mehr differenziert, aber das hat sich aus verschiedenen Gründen erledigt. Ein Modellbahner wusste übrigens, dass die Fahrzeuge stets nach Taufnamen eingesetzt werden. ;-))))

Kaminski ist einbe Besichtigung wert, wenn sich mal die Gelegenheit ergeben sollte.

Nach Hameln führte mich meine erste Klassenfahrt als Grundschüler. Absoluter Höhepunkt war eine "mitgebrachte" Magen-Darm-Grippe, die zunächst vermehrt die Schülerinnen außer Gefecht setzte. Meine Klassenlehrerin war von den zahlreichen nächtlichen Einsätzen arg gerädert. Heute nimmt sie es mit Humor, aber diese Ereignisse verbindet auch sie mit der Stadt.

Wobei ich die Altstadt sehr schön finde.

Vor vielen Jahren kam ich mit einem 628.4 aus Löhne in Hameln an. Nach kurzer Zeit hörte ich mehrfach Bremsgeräusche eines 628 und schließlich gab es einen leichten Ruck von vorne. Man hatte einen 628.2 vorgesetzt und nun waren ca. 5 (!) Personen mit dem Kuppeln beschäftigt. Allerdings harmonierten die beiden Triebwagen nicht besonders miteinander, so dass Hildesheim mit Verspätung erreicht wurde.

Soweit meine Erinnerungen zu Hameln (falls die jemand interessiert haben).

Viele Grüße,

Dirk

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Wer ist kundig auf folgenden Baureihen:
101, 103, 110, 111, 112, 120, 139, 140, 141, 143, 150, 151, 155, 181.2, 218, 225, 233, 362, 420, 472, 601, 605, 624, 628, 643 und 644?
Richtig: Bender!

Dritter!

Sören Heise, Region Hannover, Donnerstag, 23.02.2017, 19:30 (vor 3315 Tagen) @ oppermad

Moin,

danke euch.

Jan: Die Stadt ist ganz nett, den Bahnhof empfand ich jetzt nicht als spannend.
Die Bilder hat Steffen freundlicherweise verkleinert, nachdem ich den Fehler bemerkt hatte. Bei DSO werden die nämlich automatisch auf Bildschirmgröße reduziert und hier hatte ich keine Vorschau.

Dirk: Die Paderborn-425 hatten ja wenigstens eine Klapptrittstufe drin. Die "Wolfsburger" hatten die zeit ihrer hannoverschen Zeit nicht. Die Neulinge haben zwar keinen Spalt mehr, aber auch keine Spaltüberbrückung à la 424.
Ob ich Löhne - Elze jemals im 628 oder gar 624 gefahren bin oder die Erstbereisung erst per Eurobahn stattfand, weiß ich gar nicht mehr.


Viele Grüße
Sören

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