Weissensteintunnel wird saniert. (Allgemeines Forum)
guru61, Arolfingen, Mittwoch, 15.02.2017, 09:44 (vor 3336 Tagen)
Hallo
Mal eine gute Nachricht:
https://www.srf.ch/sendungen/regional-diagonal/der-weissenstein-tunnel-wird-saniert
Der rund 4 Kilometer lange Weissensteintunnel von 1907, auf der Linie Münster- Solothurn wird saniert.
Lange stand er auf der Kippe, weil die Linie schlecht frequentiert ist. Umso erstaunlicher, dass der Entscheid im BAV nun zugunsten der Sanierung gefallen ist!
Der Weissenstein Tunnel ist übrigens der Einzige, der vom Publikum regelmässig betreten werden kann:
https://www.youtube.com/watch?v=uhTqSgGTUTw
Ideen die Linie aufzuwerten, sind durchaus da:
http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/zuglinie-zwischen-solothurn...
http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/solothurner-regierung-erfre...
Gruss Guru
CH: Subvensionswahnsinn....
Alphorn (CH), Mittwoch, 15.02.2017, 21:26 (vor 3336 Tagen) @ guru61
bearbeitet von Alphorn (CH), Mittwoch, 15.02.2017, 21:27
Ich kann die Freude von Guru nicht teilen.
So unangenehm die Schliessung des Tunnels für die Betroffen gewesen wäre (eine Busalternative müsste über den Pass fahren) - mit dem Geld hätte man an anderen Stellen viel mehr Nutzen generiert. Jetzt gibt man 85 Millionen für täglich 530 Reisende aus, das sind im Schnitt gerade mal 13 pro Zug. Der Kostendeckungsgrad liegt bei unter 20% - selbst für die in dieser Hinsicht grosszügige Schweiz ein abgrundtief schlechter Wert.
Eine kleine Rechnung: Die Sanierung soll 25 Jahre halten. Das macht pro Tag und Bahnpassagier hin und zurück für die Amortisation 35 Franken und für die Zinsen (0.5% angenommen) 4 Franken. Hinzu kommen die ganzen Betriebskosten. Der Passagier zahlt aber maximal 13 Franken für eine Tageskarte, von Abos ganz zu schweigen. Wachstum der Reisendenzahlen ist nicht zu erwarten, das Angebot wird ja nicht verbessert.
Ich finde, auch eine bahnfreundliche Politik muss auch mal zu Lokalinteressen nein sagen können. Denn gleichzeitig platzen in den Agglomerationen die S-Bahnen aus allen Nähten. Hier wäre das Geld viel besser angelegt gewesen.
CH: Subvensionswahnsinn....
Steffen, Mittwoch, 15.02.2017, 21:37 (vor 3336 Tagen) @ Alphorn (CH)
Wie kommt es denn, dass auf dieser Strecke so wenige fahren? Das ist doch für die Schweiz eine äußerst geringe Nachfrage?
--
![[image]](http://img.aachen-im-bild.de/brueckebelgien.jpg)
CH: Subvensionswahnsinn....
Alphorn (CH), Mittwoch, 15.02.2017, 21:53 (vor 3336 Tagen) @ Steffen
bearbeitet von Alphorn (CH), Mittwoch, 15.02.2017, 21:54
Wie kommt es denn, dass auf dieser Strecke so wenige fahren? Das ist doch für die Schweiz eine äußerst geringe Nachfrage?
Es ist einfach eine sehr dünn besiedelte Gegend, welche zudem noch auf verschiedenen Seiten der Sprachgrenze liegt. An der Strecke jenseits des Tunnels (von der Hauptstadt Solthurn aus) liegen
Gänsebrunnen 95 Einwohner
Corcelles BE 211 Einwohner
Crémines 529 Einwohner
Grandval 388 Einwohner
Moutier 7615 Einwohner
Moutier könnte man aber alternativ bedienen. Ein Zug über den weiter westlichen Grenchenbergtunnel könnte nach Spitzkehre in Lengnau schneller in Solothurn ankommen als die bisherigen Regionalzüge.
Meine Rechnung war übrigens noch deutlich zu optimistisch. Die Reisendenzahlen bezogen sich auf die gesamte Linie - und der Tunnel liegt ziemlich genau an der Sprachgrenze, also ist dort wohl die Auslastung am schlechtesten. Man darf also die Tunnelkosten pro Passagier ruhig noch einmal verdoppeln...
CH: Subvensionswahnsinn....
GibmirZucker, Donnerstag, 16.02.2017, 00:57 (vor 3336 Tagen) @ Steffen
Wie kommt es denn, dass auf dieser Strecke so wenige fahren? Das ist doch für die Schweiz eine äußerst geringe Nachfrage?
Weil zwei Gründe, die zum Bau der Linie geführt haben, längst hinfällig geworden sind:
1. Elass gehört wieder zu Frankreich (vor 1918 wollte man die Züge nicht über Basel führen).
2. Knapp ein Jahrzehnt nach dem Bau der Strecke wurde der günstiger trassierte Grenchenbergtunnel eröffnet.
Zur Eingangsfrage: Natürlich kostet es viel. Ob eine bessere Auslastung der Strecke möglich ist (bis sich rumgesprochen hat, dass es wieder einen Seilbahn in Oberdorf gibt sowie evtl. positive Auswirkung der Wiedereröffnung der Strecke Delle-Belfort) weiss ich ja nicht. Andererseits, es ist eine nette schöne Strecke, die Fahrzeiten absolut konkurrenzfähig (im Vergleich zu Strasse über den Berg) und 85 Millionen kann man an auch witzloser verlochen (Armee, Kohäsionsmilliarden für Osteuropa, staatlich geförderte "Kunst", Entwicklungshilfe... jeder wird was finden, was ihm weniger gefällt).
Historische Anekdote: Die Anti-Deutschland-Strecke
Alphorn (CH), Donnerstag, 16.02.2017, 01:49 (vor 3336 Tagen) @ GibmirZucker
Weil zwei Gründe, die zum Bau der Linie geführt haben, längst hinfällig geworden sind:
1. Elass gehört wieder zu Frankreich (vor 1918 wollte man die Züge nicht über Basel führen).
Stimmt, die Strecke durch den Jura hatte damals eine gewaltige Bedeutung. Zu sehen war das am Grenzbahnhof auf französischer Seite, Delle - ich zähle hier mindestens 13 Gleise!
![[image]](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/47/Gare-de-Delle.jpg)
Als das Elsass wieder französisch wurde, konnte der Schweiz-Frankreich-Verkehr wieder über Basel abgewickelt werden und die Strecke wurde immer unbedeutender, 1990 wurde sie gar komplett geschlossen - 0 Gleise.
2006 wurde von der schweizerischen Seite ein stündlicher Pendelverkehr, der Bahnhof kam so immerhin wieder zu einem halben Gleis (1 Stumpfgleis). Man beachte den erhalten gebliebenen Schuppen links im Bild. Was für ein Niedergang! Das Bahnhofsgebäude war aussen und innen aber erstaunlicherweise schon in einem sehr guten Zustand, inklusive einen Cafe und kleinem Laden mit lokalen Erzeugnissen.
![[image]](http://i.imgur.com/DTo6o2u.jpg?1)
Jetzt aber wird wieder ausgebaut. Weil die LGV Rhin-Rhône in der Nähe durchführt, wird die Strecke wieder in Betrieb genommen; die Nordwestschweiz soll in Belfort Anschluss Richtung Paris erhalten (das Fahrplankonzept ist nach bisherigem Vernehmen allerdings nicht sehr überzeugend, nur Regionalzüge und schlecht auf die TGVs abgestimmt - das macht sie nur für den dünn besiedelten Jura interessant). Dafür wurde der Bahnhof jetzt wieder dreigleisig ausgebaut, siehe diesen Artikel. Der Schuppen scheint inzwischen abgerissen.
Historische Anekdote: Die Anti-Deutschland-Strecke
GibmirZucker, Donnerstag, 16.02.2017, 14:42 (vor 3335 Tagen) @ Alphorn (CH)
Jetzt aber wird wieder ausgebaut. Weil die LGV Rhin-Rhône in der Nähe durchführt, wird die Strecke wieder in Betrieb genommen;
Wird Solothurn-Paris theoretisch (bei denkbar guten Anschlüssen) denn schneller über Moutier-Delle als über Basel? Wenn das der Fall wäre, hätte man ja den Tunnel mit Mitteln des HG-Anschlusses Schweiz sanieren können, aus dem Topf wurde ja allerhand finanziert, das wirklich nur am Rand mit HG-Verkehr zu tun hat.
Neue Strecke mit beschränktem Nutzen
Alphorn (CH), Donnerstag, 16.02.2017, 21:48 (vor 3335 Tagen) @ GibmirZucker
Wird Solothurn-Paris theoretisch (bei denkbar guten Anschlüssen) denn schneller über Moutier-Delle als über Basel? Wenn das der Fall wäre, hätte man ja den Tunnel mit Mitteln des HG-Anschlusses Schweiz sanieren können, aus dem Topf wurde ja allerhand finanziert, das wirklich nur am Rand mit HG-Verkehr zu tun hat.
Hier wäre es sogar noch recht passend gewesen, schliesslich wird Delle-Belfort extra für den TGV-Anschluss gebaut, aber diese Route lohnt sich nicht ab Solothurn.
Zuerst 5 Minuten Umsteigezeit in Belfort. Mit dem Auto braucht man von Belfort bis Delle 26 Minuten, ich gehe mal optimistisch von etwa der gleichen Zeit für die künftige Zugfahrt aus. Dann folgen noch 100 Minuten mit R und ICN bis Solothurn, mit einem Umstieg. Die Alternative via Basel hingegen dauert insgesamt 103 Minuten, mit einem Umstieg weniger.
Das realistische Einzugsgebiet ist also nur der Jura, und das ist ein ziemlich geringes Potential. Bei Neuenburg hat man eine bessere Lösung: Da schaffen spezielle RE den Anschluss an den TGV. Kein Umstieg und deutlich schneller als die Regionalbahnen. Aber dafür war wohl im ziemlich armen Kanton Jura kein Geld bzw. nicht genug Nachfrage da.
Immerhin sollte die Strecke für Delle-Belfort Grenzpendler interessant sein.
Historische Anekdote: Die Anti-Deutschland-Strecke
Steffen, Donnerstag, 16.02.2017, 15:04 (vor 3335 Tagen) @ Alphorn (CH)
Danke für Eure Antworten!! Die Gegend ist mir völlig fremd; ich habe erstmal geschaut, wie es da so aussieht (Berge und Siedlungen). Eine Meinung bilde ich mir deshalb besser nicht...
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![[image]](http://img.aachen-im-bild.de/brueckebelgien.jpg)
CH: Subvensionswahnsinn....
guru61, Arolfingen, Donnerstag, 16.02.2017, 07:54 (vor 3335 Tagen) @ Alphorn (CH)
Ich kann die Freude von Guru nicht teilen.
So unangenehm die Schliessung des Tunnels für die Betroffen gewesen wäre (eine Busalternative müsste über den Pass fahren) - mit dem Geld hätte man an anderen Stellen viel mehr Nutzen generiert. Jetzt gibt man 85 Millionen für täglich 530 Reisende aus, das sind im Schnitt gerade mal 13 pro Zug. Der Kostendeckungsgrad liegt bei unter 20% - selbst für die in dieser Hinsicht grosszügige Schweiz ein abgrundtief schlechter Wert.
Sorry, die Busalternative fährt nicht über den Pass, sondern nach Oensingen, durch die Klus, die des öfteren im Stau steht.
Ausserdem:
Wir gehen in Richtung einer 10 Millionen Schweiz:
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/13785724
Kannst du mir mal sagen, wo die Leute wohnen sollen?
Vergleiche hier mal die Siedlungen der 6 Millionen Schweiz von 1968:
http://www.avenir-suisse.ch/6046/die-schweizer-bevolkerung-wachst-vor-allem-durch-zuwan...
und der 8 Millionen Schweiz von 2016:
rechts kannst du Zeitreise Kartenwerke angeben:
https://map.geo.admin.ch/?topic=ech&lang=de&bgLayer=ch.swisstopo.pixelkarte-far...
Mit der Sanierung für 25 Jahre verbaut man sich nichts. Dannzumal wird man wieder schauen müssen. Mit der Sanierung ist auch der Auftrag verbunden, dass die Linie über 30% kommen wird.
Und ich glaube, dass dies auch möglich ist.
Andereseits müssten, nach Deinen Kriterien noch einige Bahnen weiter geschlossen werden:
https://www.nzz.ch/schweiz/17-bahnlinien-koennten-auf-busbetrieb-umgestellt-werden-1.18...
Und nach den BAV Richtlinien: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Zugstrecken-mit-schlechter-Auslastung-Das-...
müssten dann auch einige S Bahn Linien dran glauben:
http://files.newsnetz.ch/upload//1/8/18770.pdf
Am Sonntag haben wir über die Steuerreform II abgestimmt. Diese hätte den Kanton Solothurn netto 126 Millionen pro Jahr gekostet.
https://www.so.ch/fileadmin/internet/fd/fd-ksta/pdf/USRIII/USRIII_Pr%C3%A4sentation_Ums...
Guggsch Seite 34.
Wenn wir solches ansehen, dann sind die 85 Millonen, nicht mal das Nasenwasser!
Gruss Guru