Der Mittwochsbahnhof, Teil 6 (35 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 18.01.2017, 17:44 (vor 3353 Tagen)

Moin,

wer ins einstige Maczków will, muß im Ort Emmeln den Zug verlassen. Individualreisende können dann zu Fuß gehen oder auf den Bus warten. Die Züge halten um viertel vor und viertel nach, der Bus kommt normalerweise zur halben Stunde (mit Bedienungslücke zwischen Sonnabend 13:30 und Montag 6:58 Uhr). Der bringt einen in zehn Minuten in die Stadt, die etwa fünf Kilometer vom Bahnhof entfernt liegt. Der heißt wie die Stadt: Haren (Ems).


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Ems. Emsland. Tief im Westen Niedersachsens, die Emslandstrecke ein Strich von Süd nach Nord. Seit 1855 fahren hier Züge. Bekannt wurde die Gegend durch die letzten Dampfloks der Bundesbahn. Dann kamen Dieselloks, 1978 wurde die Strecke elektrifiziert. Allerdings hatte ein Kläger ein Problem mit der parallelen Bahnstromleitung, so dass der elektrische Betrieb nördlich von Salzbergen erst zum Winterfahrplan 1980/1981 aufgenommen werden konnte.

Seit einem Jahr wird der Regionalverkehr durch die Westfalenbahn bedient, ihre Flirts sind stündlich zwischen Münster, Rheine, Leer und Emden unterwegs. Ab und an geht es weiter nach Emden Außenhafen, die Kursbuchtabelle dorthin wurde seit Übernahme der Strecke durch die Westfalenbahn nicht mehr gesehen. Fern- und Güterverkehr passieren Haren ohne Halt.


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Die eigentliche Stadt Haren liegt westlich der Bahnstrecke. Um das Jahr 1000 herum wurde ein Hof des Klosters Corvey erwähnt, 1304 eine Burg. Bekannt ist Haren für seine Reedereien mit über 200 hier beheimateten See- und Binnenschiffen. Ferner befindet sich hier der Emslanddom, eine etwas zu pompöse Kirche, 105 Jahre alt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Haren für drei Jahre polnisch. Innerhalb der britischen Besatzungszone wurden 6.500 km² von der polnischen Exilregierung verwaltet. Knapp 50.000 Polen lebten hier, neben Soldaten waren es mehrheitlich ehemalige Häftlinge der Lager im Emsland. Haren wurde zunächst in Lwów umbenannt, da die meisten der neuen Bewohner aus den polnischen Ostgebieten um Lemberg und Stanislau kamen. Auf sowjetischen Druck hin erfolgte die Umbenennung der Stadt in Maczków nach General Stanisław Maczek (1892-1994), der mit seinen Truppen viele dieser Lager befreit hatte. Schon ab Ende 1945 gab es Bestrebungen, dass die polnische Bevölkerung nach Polen zurückkehren sollte. Manche taten dies, andere gingen ins Exil. Im Herbst 1948 war die polnische Zeit vorbei. Auf der Seite der Stadt Haren finden sich weitergehende Informationen. Vor Ort ist ein Dokumentationszentrum geplant, wie die Lokalzeitung schreibt (die aber irgendwie keine Links auf ihre Seite mag).


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1 Zurück ins Jahr 2016. Fuhr die DB mit vier Doppelstockwagen, setzte die Westfalenbahn einen vierteiligen Flirt ein. Die Bahnsteige sind ziemlich neu. Früher mußte wohl bei Zughalten Ri. Leer der Zugverkehr Ri. Rheine unterbrochen werden.


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2 Die Fußgängerbrücke. Man sieht noch den Platz des Bahnsteiges an Gleis 2.


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3 Der barrierefreie Zugang führt in die Siedlung östlich der Gleise.
Noch weiter östlich befindet sich die Wehrtechnische Dienststelle 91. Das krachte und rumste während meines Besuches ziemlich ordentlich.


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4 Das Empfangsgebäude.


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5 Brückenbild.


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6 Abwärts.


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7 Die Wartehalle ist laut Aushang „ab sofort” geschlossen.


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8 So sieht es vorm Bahnhof aus. Geradeaus die Bahnhofstraße.


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9 Bushaltestelle und Güterschuppen. Jetzt heißt es warten. Und warten. Und warten. Etwa zehn Minuten nach der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit kam dann endlich der Bus. Levelink ist einer der vielen Privatunternehmer, der in einer der drei Busverkehrsgemeinschaften im Emsland unterwegs ist.


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10 Harens Rathaus.


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11 Nun ja. Das Stadtzentrum präsentiert sich modern und gesichtslos. Vielleicht bin ich auch nur falsch gegangen. Während der polnischen Zeit richtete außerdem ein Hochwasser Schäden an.


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12 Der „Emslanddom”. Die ursprüngliche mittelalterliche Kirche wurde in den 1850ern durch einen Neubau ersetzt. Der wiederum wurde von 1908 bis 1911 durch den heutigen Kirchenbau ersetzt, wobei der Kirchturm des Vorgängerbaus erhalten blieb. Auf dem Luftbild kommen die Dimensionen besser rüber.


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13 Die Kirche einer Kleinstadt auf dem Land. Haren mitsamt Ortsteilen hat um die 24.000 Einwohner.


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14 Ein Denkmal für die, die auf See geblieben sind. in der Seefahrerstadt im Binnenland.


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15 Das Kirchlein von hinten.


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16 Schiffahrtsmuseum und Kirchtürme.


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17 Außenexponat des Museums, hier mehr Informationen.


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18 Der Haren-Rütenbrock-Kanal ist 13,5 Kilometer lang. Er führt von Haren zur niederländischen Grenze.


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19 Ems und Dom. Im Gegensatz zum Stadtzentrum sind ein wenig außerhalb auch ältere Bauten in großer Zahl erhalten.


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20 Der Bus hat uns zurück zum Bahnhof gebracht. Er hat gewendet und fährt jetzt zurück nach Haren.


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21 Wir schauen vom Bahnübergang auf den Bahnhof...


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22 ...und in die Gegenrichtung. Die Kilometer werden ab der hessischen Grenze bei Warburg gezählt. Aktuell ist diese Kilometrierung aber erst ab Soest in Gebrauch.


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23 Erinnerung an alte Zeiten.


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24 Versuch einer Vorderansicht des Empfangsgebäudes.


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25 Bahnsteigbild.


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26 Auch ET 405 war alleine unterwegs.


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27 Da fährt er weiter.


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28 Die örtliche Apotheke wirbt mit der guten alten Zeit, als sie noch ordentlich an Atemwegserkrankungen verdiente.


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29 Die Kirche.


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30 Nach Haren.


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31 Zum Bahnhof.


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32 Die Bahnhofseckgaststätte.


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33 Der gleisseitige Eingang ins Empfangsgebäude. Das Schild entspricht keiner Norm.


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34 Die gebürtige 110 433 ist seit 2015 an die Enercon-Bahn vermietet.


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35 Ein paar Minuten verspätet erreicht ET 401 als führende Einheit einer Doppeltraktion den Bahnhof.


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Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Vielen Dank für den schönen und informativen Bericht!

heinz11, Mittwoch, 18.01.2017, 20:36 (vor 3353 Tagen) @ Sören Heise

- kein Text -

Der Mittwochsbahnhof, Teil 6 (35 Bilder)

Blaschke, Mittwoch, 18.01.2017, 21:07 (vor 3353 Tagen) @ Sören Heise

Hallo!

Das Warnschild an der Treppe auf Bild 3 gefällt mir. Demnach besteht erhöhte Rutschgefahr ja nur bei Temperaturen UNTER dem Gefrierpunkt. Bei 0 Grad Celsius oder 1 oder 2 kann man also völlig gefahrlos umherlatschen. TOP!

Ob die Apotheke früher übrigens wirklich ordentlich an Atemwegserkrankungen verdient hat? Sind die Leutchen da nicht einfach früher hops gegangen und gut war's?! ;-)


Einer der Ansager war früher immer klasse. "Harenems hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiier Harenems."


Schöne Grüße von

jörg

Der Mittwochsbahnhof, Teil 6 (35 Bilder)

heinz, Berlin Stadtbahn, Donnerstag, 19.01.2017, 07:00 (vor 3353 Tagen) @ Blaschke

Jörg, alter Krümelkacker,

Das Warnschild an der Treppe auf Bild 3 gefällt mir. Demnach besteht erhöhte Rutschgefahr ja nur bei Temperaturen UNTER dem Gefrierpunkt. Bei 0 Grad Celsius oder 1 oder 2 kann man also völlig gefahrlos umherlatschen. TOP!

Lies doch mal richtig: Rutschgefahr besteht immer, aber unter dem Gefrierpunkt erhöht sie sich noch. Was bedeuten würde, dass man auch bei +35° C im Schatten mit Rutschgefahr rechnen sollte. Nur eben nicht erhöht. Eher erniedrigt.

Grüße,
Heinz

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In Saarbrücken Hbf kann mit Anschluß nicht gerechnet werden.

Donnerstagsdanke für den Bericht und den Beitrag!

GUM, Donnerstag, 19.01.2017, 10:23 (vor 3353 Tagen) @ Blaschke

Danke Euch beiden!

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Der Mittwochsbahnhof, Teil 6 (35 Bilder)

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Donnerstag, 19.01.2017, 09:16 (vor 3353 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

3 Der barrierefreie Zugang führt in die Siedlung östlich der Gleise.
Noch weiter östlich befindet sich die Wehrtechnische Dienststelle 91. Das krachte und rumste während meines Besuches ziemlich ordentlich.

Das erinnert mich an der Fahrradfahrt von Wunstorf nach Nienburg zum dortigen Finanzamt. In Höhe Langendamm gab es ohne Vorwarnung eine hübsche Detonation, die mich vor Schreck fast in den Graben fahren lies. Bei 22 km/h nicht ganz ungefährlich. Als Wehrpflichtiger konnte man wenigstens mit Platzpatronen zurückschießen, sofern keine Ladehemmung vorlag...

9 Bushaltestelle und Güterschuppen. Jetzt heißt es warten. Und warten. Und warten. Etwa zehn Minuten nach der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit kam dann endlich der Bus. [...]

Die Uhren gehen auch relativ weit im Süden wohl schon anders. Ein Fahrer von Edzards (Esens) sagte mir, das Busse mit bis zu 10 Minuten nach Plan pünktlich sind. Bei der Stadtbahn würde man zumeist vom Folgetakt "angeschoben".

Asonsten vielen Dank für den Besuch eines Bahnhofes samt Stadt, die bisher nur aus dem Zug kenne.

Grüße,

Dirk

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Wer ist kundig auf folgenden Baureihen:
101, 103, 110, 111, 112, 120, 139, 140, 141, 143, 150, 151, 155, 181.2, 218, 225, 233, 362, 420, 472, 601, 605, 624, 628, 643 und 644?
Richtig: Bender!

Die Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 22.01.2017, 11:44 (vor 3350 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

ein wenig stärker verspätet als mein Abreisezug die Sammelantwort.

heinz11: Bittesehr.

Jörg: Da sieht man, wie unwichtig Haren ist, wenn das "hier" so betont wurde. ;-)

Heinz: Aha. Ich weiß nicht, ob es die Harener Treppe war. Aber irgendeine empfand ich bei Tempereturen weit im Plusbereich als recht rutschig. Da war nänmlich naß.

GUM: Bittesehr.

Dirk: Man kann die Stadt aus dem Zug sehen?!? ;-)
Ist halt ein anderer Menschenschlag da oben.


Viele Grüße
Sören

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