Der Mittwochsbahnhof, Teil 2.1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 14.12.2016, 18:00 (vor 3386 Tagen)

Moin.


Abkürzungen sind schön. So schön, daß eine kleine Stadt tief im Süden Niedersachsens (so tief im Süden, daß das bahnamtliche Betriebsstellenkürzel nichtmal mehr mit einem H anfängt) sie sogar in ihrem offiziellen Namen trägt. Ursprünglich hieß diese Stadt Münden. Das führte irgendwann zu Verwechslungen mit Minden oder gar München. So beschloß die Stadt, da sie im Königreich Hannover lag, ihren Namen in Hannoversch Münden zu ändern. Das sollte bis 1990 so bleiben. Da beschloß der offenbar ein wenig sprechfaule Rat, die Stadt zum 1.1.1991 in Hann. Münden umzubenennen. Das geschah auch. Zu klären wäre, ob die Einheimischen nicht vielleicht doch einfach nur Münden sagen.
Die Eisenbahn ging voran, sie führt schon seit etwa 1909 den Bahnhof als Hann Münden. Denn die 1891 durchgeführte Änderung des Bahnhofsnamens von Münden zu Münden (Hannover) führte auch zu Verwechslungen. Ich schreibe einfach nur Münden. Denn Hannoversch Münden ist zu lang und Hann. Münden klingt für meinen Geschmack doof.


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In Münden halten pro Stunde und Richtung zwei Züge. Die teilen sich auf drei Unternehmen auf. Die stündliche Regionalbahn-Verbindung zwischen Göttingen, Eichenberg, Münden und Kassel wird durch Cantus mit Flirt-Triebwagen bedient. Die beiden RE-Linien fahren zweistündlich. Das ist zum einen Abellio mit seinen Talent2-Triebwagen, die zwischen Kassel, Münden, Eichenberg, Leinefelde, Halle und Bitterfeld verkehren, zum anderen DB Regio. Die Dieseltriebwagen der Baureihe 642 fahren zwischen Erfurt, Döllstädt, Bad Langensalza, Leinefelde, Eichenberg, Münden und Kassel. Ein wenig verkompliziert wird das Ganze dadurch, daß Cantus in Kassel generell den Hauptbahnhof anfährt, die beiden anderen jedoch Wilhelmshöhe bedienen - Ausnahme wiederum ist die den Hauptbahnhof anfahrende in Kassel übernachtende Abellio-Leistung.

Zwei ist auch die Zahl der Bahnstrecken, die in Münden zu beachten sind. Denn hier endet die Halle-Kasseler Bahn, sie schließt an die Hannöversche Südbahn an.
Die Hannöversche Südbahn, der Name deutet es schon an, ist ein wenig älter. Denn heutzutage spricht man von Hannoversch, sofern man nicht falschlicherweise gleich Hannoveraner sagt. Der Begriff ist aber Menschen und Pferden vorbehalten. Aber wir schweifen ab. Die Südbahn ist die Verbindung von Hannover nach Süden. Über Elze, Kreiensen, Northeim, Göttingen und Münden führt sie nach Kassel. Das jedoch so lange wie möglich auf hannoverschem Territorium. Die Eröffnung erfolgte in vier Abschnitten: Am 1. Mai 1853 zwischen Hannover und Alfeld, am 1. Juli 1854 weiter bis Göttingen, am 8. Mai 1856 nach Münden. Am 23. September 1856 folgte der Abschnitt von Münden nach Kassel. Somit war die Strecke komplett. Zwischen Hannover und Göttingen wird die Südbahn heute weithin als Teil der alten Nord-Süd-Strecke wahrgenommen. Zwischen Göttingen und Münden ist die von der Landkarte verschwunden, zwischen Münden und Kassel wird sie als Teil der Halle-Kasseler Bahn wahrgenommen.

Die Geschichte der Halle-Kasseler Bahn hatte ich im Portrait der Stationen Arenshausen und Eichenberg schon beschrieben. Es ist zu ergänzen, daß der Abschnitt Eichenberg - Münden zusammen mit der Fortsetzung nach Kassel seit dem Winterfahrplan 1964 (25. September) offiziell elektrisch betrieben wird. Das sollte Auswirkungen auf die direkte Strecke Göttingen - Münden haben. Die verlief, wie erwähnt, im Königreich Hannover und nahm somit mehr Rücksicht auf die Grenzen als auf die Topographie. Das war ein Problem. Denn während Göttingen auf 150 Metern Höhe liegt und Münden auf 123, so beträgt dieser Wert für Dransfeld 300 Meter. Somit war die Trassierung über Dransfeld kurven- und steigungsreich, der Abschnitt ist auch als Dransfelder Rampe bekannt. Spätestens mit der Elektrifizierung über Eichenberg verlor die Strecke den Großteil der Verkehre. Zurück blieben ein paar Nahverkehrszüge, die verkehrten noch bis 1980. Anschließend begann der Abbau der Teilstrecke Göttingen - Dransfeld. Bis Januar 1991 diente die Strecke Münden - Dransfeld noch dem Güterverkehr, danach nur noch die Teilstrecke bis Oberscheden. Am 9. Oktober 1995 wurde auch diese Teilstrecke offiziell stillgelegt. Das bedeutendste Bauwerk auf der Dransfelder Rampe war der Volkmarshäuser Tunnel. Wer dorthin will, folgt bitte diesem Link. Der gesamte Streckenverlauf ist im Luftbild noch gut nachzuvollziehen, Teile dienen heute als Radweg. Einige Reste im Mündener Stadtgebiet werden wir in diesem Beitrag sehen.


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Schnipp.


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