Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (2/5 m 49 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundreise. Im vorherigen Teil waren wir über die Berninabahn und mit dem Frecciarossa nach Rom gefahren. Heute steht nur eine kurze aber interessante Bahnfahrt auf dem Programm, vom vatikanischen Bahnhof fahren wir nach Albano Laziale.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/071-Vatikan-Triest/71-000Karte.jpg)
Tag 2: Vatikanstadt – Albano Laziale - Rom
Die heutige Bahnfahrt ist etwas speziell, das fängt schon damit an, dass die Fahrkarten nur bei den vatikanischen Museen gebucht werden können. Wir haben online das Paket „Vatican By Train – Vatican Full Day“ gebucht und finden uns pünktlich morgens um acht Uhr mit unserem Voucher am vatikanischen Museum ein. Am Ticketschalter erhalten wir das Tagesprogramm, die Eintrittskarte fürs Museum, einen Audio-Guide und die Bahnfahrkarte. Ich hatte ja nun schon Fahrkarten in unterschiedlichsten Formen, Farben und Papierqualitäten...
...aber ein Aufklebe-Button ist eine Prämiere und Rarität für die Fahrkartensammlung. Entsprechend geadelt haben wir nun zwei Stunden Zeit, um auf eigene Faust bzw. mit dem Audio-Guide die vatikanischen Museen zu erkunden.
Durch die Galleria delle Carte Geografiche (Galerie der Landkarten) wandeln wir zur Sixtinischen Kapelle. Da ich mich an das Fotografier-Verbot in der Sixtinische Kapelle halte und wir hier ja auch nicht in einem Vatikan-Forum sind, belassen wir es bei diesen zwei Belegbildern aus den päpstlichen Sammlungen.
Dann wird es langsam Zeit, dass wir dem Wegweiser zum Treffpunkt am Giardino Quadrato folgen.
Der rechteckige Park Giardino Quadrato vor der Vatikanischen Pinakothek steht allen Museumsbesuchern offen, in der Gruppe verlassen wir nun diesen kleinen Teil der Grünanlagen und beginnen einen Rundgang durch die Vatikanische Gärten (Giardini Vaticani).
Die Gartenanlagen rund um den vatikanischen Hügel nehmen mehr als die Hälfte des Staatsgebiets der Vatikanstadt ein, für uns ergibt sich so eine ungewohnte Perspektive auf den Petersdom.
Die vatikanischen Gärten bestehen aus Rasenflächen, Beeten, Hecken und Wäldern, aber auch kunstvolle Brunnen aus unterschiedlichen Epochen wie der Adlerbrunnen (Fontana dell'Aquilone) aus dem Jahr 1620 finden sich hier. Im Hintergrund das Kloster Mater Ecclesiae, in dem der emeritierte Papst Benedikt XVI lebt.
Und noch ein Blick vom Vatikanhügel zur Kuppel des Petersdoms und dem Governatoratspalast (Palazzo del Governatorato), dem Sitz der Staatsverwaltung der Vatikanstadt.
Wahrscheinlich sitzt jetzt so mancher Leser des Reiseberichts vor Bildschirm oder Display und fragt sich, was das alles in einem Bahnforum soll und wann denn endlich mal ein Zug kommt. Keine Sorge, jetzt ist es gleich so weit, denn die letzte Station des Rundwegs lautet...
...Stazione Ferroviaria. Der Bahnhof Città del Vaticano liegt innerhalb der Mauern des Vatikans, die Gleise des Kopfbahnhofs sind zugleich das komplette Streckennetzt der vatikanischen Staatsbahngesellschaft Ferrovia Vatican.
Um die für das Rangieren erforderliche Gleislänge zu erreichen, wurde in den Marmor des vatikanischen Hügels ein knapp 100 Meter langer Stumpftunnel gebaut. Die Antennen im Hintergrund gehören zum Studio von Radio Vatikan.
Mit dem Lateranvertrag aus dem Jahr 1929 wurde die Vatikanstadt von Italien als Staat anerkannt und der Vatikanstadt das Recht eingeräumt, einen Bahnanschluss an das italienische Eisenbahnnetz zu errichten. Mit den Arbeiten wurde noch 1929 begonnen, 1932 rollte der erste Zug in den Vatikan.
Das neoklassizistische Empfangsgebäude wurde als Prachtbau ausgeführt, schließlich war geplant, hier auch glanzvolle Staatsempfänge abzuhalten. Stattdessen versank der Bahnhof jedoch in der Bedeutungslosigkeit und es fand lediglich Güterverkehr statt. Erst 1962 nutzte der damalige Papst Johannes XXIII den Bahnhof für eine Pilgerfahrt, seither war die Nutzung durch Personenzüge auf wenige Reisen der Päpste und auf externe Sonderzüge beschränkt. Erst Papst Franziskus hat mit der Öffnung der Sommerresidenz Castel Gandolfo auch dem vatikanischen Bahnhof wieder Leben eingehaucht, so dass nun seit September 2015 einmal wöchentlich wieder ein Personenzug vom Bahnhof Città del Vaticano abfährt.
Beim Bau der Bahnstrecke wurde ein Durchlass durch den vatikanischen Festungswall gebaut, der durch ein massives Stahltor gesichert ist. Die Oberleitung endet vor dem Eisenbahntor, der Triebzug fährt deshalb nur so weit in den Vatikan ein, dass der Stromabnehmer außerhalb der Mauer noch Kontakt zur Oberleitung hat.
Das Empfangsgebäude ist mit Travertin verkleidet, früher existierte auch eine Bahnsteigüberdachung. Schade, dass wir keinen Blick in das Gebäude werfen können, Wikipedia berichtet, dass die einst prächtige Empfangshalle durch eine Zwischendecke und ein Edel-Duty-Free-Shop für Angestellte und Bewohner verunstaltet sei. Der Vatikan hat keine eigenen Fahrzeuge und kein eigenes Bahnpersonal, dieses wird von der italienischen Bahn gestellt.
Zum Einsatz kommt ein Minuetto Jazz. Das Tor im Festungswall trägt das Wappen von Papst Pius XI, in dessen Pontifikat der Bau der Bahnanlagen fiel.
Natürlich hat unsere Fahrt auch eine Zugnummer, wir fahren über Roma San Pietro und Castel Gandolfo bis Albano Laziale.
Der Einstieg ist nur durch eine Tür möglich und im Zug werden den Fahrgästen mehr oder weniger die Plätze zugewiesen, d.h. es wird darauf geachtet, dass der Reihe nach alle Plätze besetzt werden und keine Plätze dazwischen frei bleiben.
Aus dem Zugfenster noch ein letzter Blick auf das massive Eisentor, dann verlassen wir diesen doch außergewöhnlichen und der Öffentlichkeit weitgehend verborgenen Bahnhof.
Auf der kurzen Fahrt bis zum Bahnhof Roma San Pietro können wir nochmals einen Blick auf die Kuppel des Petersdoms werfen. Die Vatikanischen Museen bieten noch ein zweites Angebot mit dem Namen „Vatican By Train – Castel Gandolfo Palace“ an, dieses umfasst nur die Bahnfahrt und die Besichtigung von Castel Gandolfo, nicht aber den Vatikan. Treffpunkt für diese Tour ist der Bahnhof Roma San Pietro, und so steigt hier nun jene zweite Gruppe zu. Ausgebucht bis auf den letzten Sitzplatz fährt der Zug dann durch das Stadtgebiet von Rom und weiter auf der Vorort-Strecke Richtung Albano Laziale.
Die Vatikanischen Museen und die Trenitalia geben sich wirklich Mühe, die Tour ist gut durchorganisiert und selbst das Fahrgastinformationssystem ist für die Zugfahrt entsprechend programmiert. Zudem gibt es automatische Ansagen zum Programmablauf in fünf Sprachen.
Am Haltepunkt Castel Gandolfo steigt die zweite Gruppe aus und besucht den Papstpalast, während wir weiterfahren bis zum Endpunkt der Strecke in Albano Laziale.
Albano Laziale liegt 25 Kilometer südöstlich von Rom in den Albaner Bergen. Auf der letzten Etappe fällt der Blick auf den Albaner See, die Stadt Albano Laziale liegt oberhalb des Sees auf einem Kraterrand.
In Albano Laziale endet die Bahnstrecke, der Sonderzug fährt auf Gleis 2 ein. Übrigens ist niemals ein Papst vom Vatikan mit dem Zug nach Castel Gandolfo gefahren, diese Strecke haben die Päpste mit Kutsche, Auto oder Hubschrauber zurückgelegt, Papst Franziskus will Castel Gandolfo gar nicht mehr als Sommerresidenz nutzen.
Es geht gleich weiter...
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