Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 3/3 Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 28.09.2016, 19:24 (vor 3464 Tagen) @ TD

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Nachdem wir auf der Hinfahrt sämtliche Unterwegshalte entlang der vorderen Höllentalbahn abgeklappert und Bahnhöfe und Orte erkundet haben, wollen wir auf der Rückfahrt durchfahren bis Titisee. Dafür wählen wir den n-Wagen im Zugverband, hier im Mehrzweckabteil können wir die Fahrt am offenen Fenster genießen ohne andere Fahrgäste zu stören.

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Bis zum Bahnhof Himmelreich führt die Strecke durch den breiten Talboden des Dreisamtals im Naturpark Südschwarzwald in Richtung des Höllentals.

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Nach dem Halt in Himmelreich beginnt das eigentliche Höllental, das der Bahnstrecke seinen Namen gab. Das Tal hieß früher Falkensteiner Tal; als die Franzosen im 17. Jahrhundert Freiburg eroberten und weiter in den Schwarzwald vorrückten, nannten sie das enge und düstere Tal Val d’enfer – Höllental.

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Die Strecke gewinnt nun an Höhe und führt am Berghang über den Dächern des Dorfes Falkensteig tiefer ins Höllental. Mit Bahnlinie und Bundesstraße hat das Tal eine wichtige Funktion im Ost-West-Verkehr mit einer hohen Verkehrsbelastung für die Anwohner.

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Das Gasthaus Zu den Zwei Tauben gilt als das älteste Gasthaus im Höllental, seine Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1744 zurückverfolgen. Als „Taubenwirtshaus“ war es damals Umspannplatz für Pferdekutschen und Herberge für Reisende und Händler.

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Während die Bundesstraße am Talgrund verläuft, folgen auf der Bahnstrecke drei kürzere Tunnel.

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Das tiefeingeschnittene Tal verengt sich nun schluchtartig. Die engste Stelle am Hirschsprung war ursprünglich nur neun Meter breit, die Klamm wurde im Zuge des Verkehrsausbaus später durch Sprengungen verbreitert. Um die engste Stelle des Höllentals, auch Höllenpass genannt, rankt sich die Hirschsprung-Sage. Ein Ritter der nahegelegenen Burg Falkenstein war auf der Jagd nach einem prächtigen Hirschen, der mit einem gewaltigen Sprung über die Schlucht seinem Verfolger entkommen sein soll.

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Mit einer Steigung von bis zu 1:18 war der Streckenabschnitt zwischen Hirschsprung und Hinterzarten bei der Eröffnung im Jahr 1887 die steilste Normalspur-Bahn in Deutschland. Dieser Streckenabschnitt war seinerzeit mit Zahnstangen ausgestattet. Erbaut wurde die Strecke von Robert Gerwig, der als Eisenbahningenieur auch Hochrheinbahn, Schwarzwaldbahn und Gotthardbahn geplant bzw. gebaut hatte. Im Zuge des technischen Fortschritts konnte ab 1933 auf die Zahnstangen verzichtet werden. Auf der Ravennabrücke überquert die Bahn nun die gleichnamige Schlucht. Der Hügel mit der Holzhütte ist der Galgenbühl, wo das Hochgericht des im Höllental herrschenden Sickingergeschlechts einst Todesurteile vollstreckte. Das örtliche Forstamt hat den zwischenzeitlich bewaldeten Hügel wieder abgeholzt um das Areal touristisch zu nutzen und Wanderern und Eisenbahnfans einen „visuellen Genuss“ auf die historischen Gebäude am Fuße des Galgenbühls und die Ravennabrücke zu ermöglichen.

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In kurzer Folge geht es jetzt durch den Ravennatunnel sowie zwei weitere Tunnel. Vom Beginn der Steilstrecke am Bahnhof Himmelreich bis zum Bahnhof Hinterzarten überwindet die Bahn auf 11,5 Kilometern eine Höhendifferenz von 430 Metern. Wir lassen das enge Tal nun hinter uns und erreichen eine offene Schwarzwaldlandschaft.

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Kurz vor Hinterzarten passieren wir den Jockeleshof. Der urige Schwarzwaldhof wurde 1704 errichtet, er steht unter Denkmalschutz und gilt als Zeugnis für die Lebens- und Wirtschaftsweise eines abgelegenen und einstmals autarken Bauernhofs im Hochschwarzwald, der auch über eine Mühle, eine Säge und eine eigene Kapelle verfügt.

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In Titisee verlassen wir den Zug, der weiter auf der Dreiseenbahn nach Seebrugg fährt. Nachdem wir Ort und See im ersten Teil des Reiseberichts schon besucht haben, steigen wir direkt um zur Weiterfahrt nach Donaueschingen. Die BR 611 ist ein seltener Gast in Titisee, wegen Bauarbeiten ist heute aber alles etwas anders und wir können von Titisee durchfahren bis Donaueschingen.

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Für fünf Kilometer geht es nun mit Diesel unter Fahrdraht nach Neustadt...

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...und vorbei am St.-Jakobus-Münster von Neustadt weiter auf die sogenannte Hintere Höllentalbahn.

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Das ist nun das letzte Bild der für den Schwarzwald typischen Nadelwälder, die Strecke gewinnt auf der Fahrt nach Rötenbach nochmals etwas an Höhe, bevor es dann sanft hinab geht Richtung Donaueschingen.

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Bei Löffingen geriet um 1740 ein erschöpfter Pilger in einen Schneesturm und gelobte, bei seiner Rettung ein Kreuz zu errichten. Tatsächlich wurde er wenig später von Holzfällern gefunden und gerettet. Dem Kreuz folgte später eine Holzkapelle und ein weiterer Steinbau, die heute als Witterschneekreuz bekannt sind.

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Und mit der Fahrt über die Baar sind wir am Ende des Reiseberichts angelangt. Von Donaueschingen geht es dann mit der Schwarzwaldbahn zurück an den Bodensee, aber diese Strecke habe ich ja schon in vielen meiner Reiseberichte erwähnt, so dass wir diesen Teil auslassen.

Ich bedanke mich für das Interesse und die Kommentare und Ergänzungen zu den bisherigen Teilen. Nach diesem Ausflug der Kategorie „Heimatkunde“ geht es irgendwann demnächst ins Ausland auf eine Tour Richtung Süden.


Viele Grüße


Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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