[FR] Zwei echte und eine falsche Metro [m. 35 B.] - Teil 1 (Reiseberichte)

JanZ, HB, Freitag, 19.08.2016, 18:37 (vor 3508 Tagen)
bearbeitet von JanZ, Freitag, 19.08.2016, 18:39

Der Feiertag am Montag und der baldige Verfall meiner Lufthansa-Meilen bewog mich letztes Wochenende zur dritten Bahn-Flugreise dieses Jahr. Vorher nicht geplant war, dass es auch die dritte Fahrt mit einem Nachtzug werden würde, aber dazu später mehr.

Mit dem pünktlichen ICE mache ich mich am Freitag nach getaner Arbeit auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Trotz Urlaubszeit und Freitagabend sind die Schlangen kurz, und so habe ich am Gate noch jede Menge Zeit. Der Flieger hebt auch pünktlich ab und bringt uns mit Blick u.a. auf den Genfer See in anderthalb Stunden nach Toulouse-Blagnac. Dort findet aufgrund der Sicherheitslage noch eine Einreisekontrolle statt, bevor ich mich auf den Weg zum Hostel machen kann. Dafür hatte ich ursprünglich die Straßenbahn vorgesehen, dann aber festgestellt, dass es mit dem Schnellbus nicht nur viel schneller, sondern auch ohne Umsteigen geht. Dafür nehme ich den stolzen Preis von 8 Euro gerne in Kauf, zumal es auch schon Mitternacht ist. Da die Rezeption schon geschlossen hat, habe ich mir vorher die Zugangscodes per E-Mail schicken lassen, den Zimmerschlüssel nehme ich aus einem Tresor am Eingang.

Am nächsten Morgen schlafe ich erst mal (fast) aus, frühstücke gemütlich in einem Café und mache mich dann auf den Weg zum ersten Programmpunkt, einer Besichtigung bei Airbus. Dafür nehme ich erst mal die Metro, die automatisch fährt und leider wegen der Bahnsteigtüren schwer zu fotografieren ist. Hier mal von den schlechten Fotos das beste:

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Weiter fahre ich diesmal mit der Straßenbahn, die wirklich lange braucht und außerdem durch sehr uninteressante Wohngebiete am linken Garonneufer fährt. Ob das Design der Straßenbahnwagen wie in Lyon und Marseille auch an irgendwas erinnern soll, weiß ich nicht, bei mir weckt es jedenfalls keine Assoziation.

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Von der Haltestelle zum Aéroscopia, einem Luftfahrtmuseum, von dem auch die Besichtigungen starten, laufe ich etwa 10 Minuten (in der Beschreibung standen 20) über ausgeschilderte, aber eher improvisiert wirkende Wege.

Die Besichtigung selbst ist sehr interessant: Wir werden mit dem Bus zur Besucherplattform in der A-380-Montagehalle gefahren und bekommen dort jede Menge Infos zu diesem Flugzeugtyp. Wie bei Airbus üblich, werden die Teile aus ganz Europa per Flugzeug, Schiff und Lkw nach Toulouse transportiert. Natürlich frage ich, ob man auch den Bahntransport in Erwägung gezogen hat, nach Aussage des Besucherführers sind dafür die Teile aber zu breit. Die Flugzeuge werden dann in Toulouse zusammengebaut und für den Einbau der Innenausstattung nach Hamburg geflogen. Abschließend bekommen wir wieder im Aéroscopia einen Film über Testflüge gezeigt.

Zusammen mit der Besichtigung hätte ich den Eintritt ins Aéroscopia zum reduzierten Preis bekommen. Den schenke ich mir aber und fotografiere nur ein paar Flugzeuge im Außenbereich:

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Dann erkunde ich lieber bei dem schönen Wetter noch ein bisschen die Stadt, hier ein paar Eindrücke:

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Am Sonntag trete ich dann die Tour mit der „falschen“ Metro an, der Ligne de Cerdagne in den Pyrenäen. Wegen ihrer leichten meterspurigen, mit Stromschiene angetriebenen Wagen wird sie im deutschen Sprachraum auch „Pyrenäen-Metro“ genannt, international ist sie aber als „Train jaune“ („gelber Zug“) besser bekannt. „Mein“ Zug dorthin ist für das regionale Sonderangebot „Tikémouv“ freigegeben. Ich verzweifle daran, dass der SNCF-Automat dieses nicht anbietet, bis ich schnalle, dass ich dafür an den speziellen TER-Automaten gehen muss. Meine Kreditkarte nimmt der Automat nicht an, Geldscheine auch nicht, zum Glück habe ich noch eine andere Karte mit, mit der es funktioniert.

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Dadurch erreiche ich den Zug gerade noch so, und es geht vorbei an der Altstadt von Foix mit Burg in die immer bergiger werdende Landschaft:

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Endstation ist Latour-de-Carol – Enveitg, der Grenzbahnhof zu Spanien, der für die dort zusammentreffenden Strecken in drei Spurweiten bekannt ist, von denen jede einen Höhenrekord im jeweiligen Netz aufstellt. Hier sieht man einen Zug von jeder Strecke: ganz links der Train jaune, rechts davon der Nachtzug aus Paris, dann die S-Bahn (Rodalies) nach Barcelona und ganz rechts noch ein französischer AGV.

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Der Rodalies fährt übrigens planmäßig in der selben Minute ab, in der der Zug aus Toulouse ankommt. Die örtliche Aufsicht ermöglicht aber den Umstieg und ärgert sich etwas über einen Fahrgast, der nicht wahrhaben will, dass das tatsächlich der Zug nach Barcelona sein soll.

In Latour-de-Carol habe ich anderthalb Stunden Aufenthalt, die ich hauptsächlich im „Bistrot de la Gare“ verbringe. Das Essen (Hähnchenfilets mit Pommes) ist zwar nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes.
Da mein Tikémouv nur bis hier gilt, muss ich für die Fahrt mit dem Train jaune ein neues Ticket kaufen. Der Automat kennt Villefranche-Vernet-les-Bains nicht, so dass ich mich am Schalter anstelle, der sinnigerweise acht Minuten vor Abfahrt des Zuges öffnet. Vor mir stehen natürlich einige Leute, die dieselbe Idee hatten, so dass ich erst zwei Minuten vor der Abfahrt drankomme. Auf meine Frage, ob der Zug warte, fragt der Mann hinter dem Schalter nur barsch, wo ich hinwolle. Letztendlich bekomme ich aber noch rechtzeitig mein Ticket bzw. genau genommen zwei davon:

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Also renne ich zu einem der offenen Wagen, den ich während der Wartezeit schon mal abgelichtet habe:

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Beim Einstieg helfen mir die Fahrgäste, die schon in meinem Abteil sitzen, denn der Öffnungsmechanismus ist mir auf die Schnelle zu kompliziert:

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„Sitzung zwingend“ werde ich künftig auch immer sagen, wenn es auf der Toilette mal wieder länger dauert … Und schon geht die dreistündige gemächliche Fahrt los. Interessant sind vor allem die Tunnel, in denen es teilweise kräftig von der Decke tropfte:

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Aber auch die Landschaft ist nicht zu verachten, und die Kurven teilweise ziemlich eng. Eng wird es ab Font-Romeu auch im Zug, ab hier fahren auch statt der sonst sagenhaften zwei im Sommer immerhin fünf Züge am Tag. Noch mehr Leute steigen in Mont-Louis – La Cabanasse ein, dazwischen liegt mit 1592 m der höchste Bahnhof des SNCF-Netzes. Der Höhepunkt im übertragenen Sinne folgt wenig später: die Schrägseilbrücke Pont du Gisclard.

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Fast anderthalb Stunden geht es noch durch die Berge, bis wir die östliche Endstation Villefranche-Vernet-les-Bains erreichen, wo sich auch das Bw des Train jaune befindet und ich einen kompletten Zug in gutem Licht „erlegen“ kann.

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Dort sehe ich auch die neuen Stadler-Wagen stehen, leider wird mein Foto nicht gut. 106 Jahre hat die Ligne de Cerdagne, auf der der Train jaune fährt, schon auf dem Buckel:

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Interessant am Normalspurteil des Bahnhofs sind die „caténaires inclinées“, eine Spezialität Südfrankreichs:

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Von hier nach Perpignan kaufe ich das Sonderangebot „Le Train à 1 Euro“ der ehemaligen Region Languedoc-Roussillon:

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Von dem so billigen Zug, der in Kürze abfahren soll, ist allerdings noch nichts zu sehen. Ein Blick auf den Abfahrtsmonitor gibt an, dass er als Bus fahren wird und der anwesende SNCFler auch den Grund dafür: Der für den Zug vorgesehene Tf hat ein haltzeigendes Signal überfahren und muss daher erst mal seine weitere Fahrtauglichkeit überprüfen lassen. Wegen der Urlaubszeit gibt es auch keinen Ersatzlokführer. Also geht es mit dem Bus weiter, die meisten Fahrgäste aus dem Train jaune sind ohnehin schon in ihre Autos gestiegen. Der Bus braucht natürlich viel länger als der Zug, da er von der Straße Abstecher zu allen Unterwegsbahnhöfen macht. So ist bei der Ankunft in Perpignan mein Anschluss-TGV über alle Berge. Da kein Personal mehr anwesend ist, kaufe ich mir sicherheitshalber einen Fahrschein für den nächsten (und letzten) Zug nach Toulouse, den Nachtzug nach Paris. Gleichzeitig ist es mit Abfahrt um 20.55 Uhr auch für diesen Tag der vorletzte Zug von Perpignan überhaupt. Das Einkaufszentrum mit Hotel im Bahnhofsgebäude nennt sich übrigens Centre del Món, „Mittelpunkt der Welt“ …

Im Nachtzug nehme ich auf dem gebuchten Ruhesessel Platz:

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Meine Fahrkarte will übrigens niemand sehen, ich bin gespannt, ob die SNCF sie mir zurück erstattet. Immerhin habe ich gestückelt und auch noch das „composter“ am Bahnsteig vergessen. Ohne weitere Komplikationen erreiche ich Toulouse-Matabiau fast zwei Stunden später als geplant, die Metro fährt auch noch.

[FR] Zwei echte und eine falsche Metro [m. 35 B.] - Teil 2

JanZ, HB, Freitag, 19.08.2016, 18:39 (vor 3508 Tagen) @ JanZ

Am nächsten Tag stehe ich deutlich vor meinen Zimmergenossen auf. Auch in der Stadt merkt man, dass Feiertag ist, nur am Bahnhof ist etwas mehr los. Vor der Abfahrt kaufe ich mir noch Proviant, die Flasche Wasser zu 2,60 Euro, und mache Bilder von meinem und dem nebenstehenden Zug:

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Mein Zug ist eine Doppeltraktion TGV Atlantique, wobei der hintere Zugteil als idTGV fährt, bei dem die Fahrscheinkontrolle bereits vor dem Einsteigen stattfindet. Interessanterweise ist am Zwischenhalt Montauban der Zustieg in diesen Teil nicht möglich. Der Zug fährt mit recht konstantem flottem Tempo über die Altstrecke am Canal du Midi entlang:

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Kurz vor Bordeaux komme ich ein wenig mit meiner Sitznachbarin ins Gespräch: Sie wohnt in Paris, fährt aber nach Bordeaux, um dort ihren Urlaub fortzusetzen. Ihre Mutter war mit einer Frau aus Dieburg befreundet, daher kennt sie auch Aschaffenburg. In Bordeaux rechne ich angesichts des Andrangs am Bahnsteig damit, dass mein Nebenplatz wieder besetzt wird, aber ich habe Glück.
Hinter Bordeaux ist schon der Abzweig der LGV Sud Europe Atlantique zu erkennen, die 2017 eröffnet werden soll und von der ich bis dahin noch gar nichts wusste. Bis Paris halten wir nicht mehr, und es passiert auch nichts Besonderes, außer dass ich mir in der Bar ein Metroticket mit 30 Cent Aufschlag kaufe. Aber so spare ich mir das Schlangestehen am Automaten.

Der Weg vom Zug zur Metro am Bahnhof Montparnasse ist recht lang. Ich hatte überlegt, eine Verbindung mit Übergangszeit Montparnasse – Est von 40 Minuten zu nutzen. Mit etwas Beeilung hätte das wohl auch geklappt, aber es ist wohl besser, dass ich mir mehr Zeit genommen habe. So konnte ich als letzter aus dem TGV aussteigen und noch ein paar Fotos von der von Christian Lacroix entworfenen Inneneinrichtung machen. Weiß übrigens jemand, warum die Sitznummern umschaltbar sind?

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Meine Bilder von der Metro werden dagegen nichts, da sie kurz vor dem Halt noch zu schnell für meine Kamera ist. Im Gare de l'Est esse ich auch noch etwas, während sich gerade eine Kundin eine hitzige Diskussion mit dem Personal über eine angeblich zu scharfe Paella liefert.

Zehn Minuten vor der Abfahrt beschließe ich, unterwegs weiter zu essen und zum Bahnsteig zu gehen. Das ist auch gut so, denn die SNCF spielt wieder das Spiel „Zugteil am Prellbock leer und verschlossen“, das ich schon mal in Frankfurt erlebt habe. Vermutlich deswegen steht auch vor den Türen des offenen Zugteils noch eine Schlange von Fahrgästen, die sich auch die berühmten zwei Minuten vor Abfahrt trotz mehrmaligem Pfeifen des Zugchefs nicht auflöst.

Als dann endlich alle drin sind, geht es los. Leider habe ich einen Gangplatz gebucht, und es ist auch kein Fensterplatz mehr frei. Aber die LGV Est kenne ich ja auch recht gut. Zwischendurch schlafe ich eine Runde, werde aber rechtzeitig für den neuen Teil der Strecke wieder wach, der aber wie die meisten LGV recht uninteressant ist. An der Stelle, an der der schwere Unfall passiert ist, wird der Zug langsamer, an der Strecke selbst ist aber nichts zu erkennen. Kurz danach erreichen wir Straßburg und fahren dann über die Rheinbrücke wieder nach Deutschland. Den Aufenthalt in Karlsruhe nutze ich, um einen der neuen NET2012-Straßenbahnwagen abzulichten:

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Weiter geht es mit einem gähnend leeren ICE 1. Das Spannende daran ist wegen Bauarbeiten auf der Riedbahn die Umleitung über den westlichen Teil der Nibelungenbahn, den ich noch nicht kenne. FF erreichen wir mit +5, so dass der Anschluss an den IC nach Nürnberg ungefährdet ist. Der kommt pünktlich und mit einer 120, was beides für einen Rheinstreckenzug nicht selbstverständlich ist, fährt aber mit +5 weiter.

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Ich bekomme im zweiten Wagen von vorne noch einen Sitz mit freiem Nebenplatz, frage mich dann aber doch, ob die Lauferei für die paar Kilometer noch nötig war. Weiterhin mit +5 erreichen wir NAH, wo sich der Zug durch das Ausladen von Fahrrädern weitere +5 zuzieht. Ich dagegen steige auf meinen eigenen Drahtesel und radle nach Hause, da ich mal wieder nach der Abfahrtszeit des letzten Busses angekommen bin.

Danke für den Bericht!

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Freitag, 19.08.2016, 19:05 (vor 3508 Tagen) @ JanZ

- kein Text -

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Wer ist kundig auf folgenden Baureihen:
101, 103, 110, 111, 112, 120, 139, 140, 141, 143, 150, 151, 155, 181.2, 218, 225, 233, 362, 420, 472, 601, 605, 624, 628, 643 und 644?
Richtig: Bender!

Tack så mycket!

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 19.08.2016, 19:35 (vor 3508 Tagen) @ JanZ

:-)

Merci

462 001, Taunus, Freitag, 19.08.2016, 20:33 (vor 3508 Tagen) @ JanZ

Vielen Dank, sehr schöner Bericht:)

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

[FR] Zwei echte und eine falsche Metro [m. 35 B.] - Teil 2

EK-Wagendienst, EGST, Samstag, 20.08.2016, 17:34 (vor 3507 Tagen) @ JanZ

Weiß übrigens jemand, warum die Sitznummern umschaltbar sind?

Du kannst einen Sitzplatz in Fahrrichtung buchen, und entsprechend sind dann die Platznummern.

Da die Zugreihung in Frankreich nicht vorher bekannt ist, kommt es auch nicht zu
"Zug fährt heute in umgekehrter Reihung"
Der Wagenstand wird ja erst kurz vor der Abfahrt angezeigt, und dann kann man sehen wo sein Wagen heute fährt.
Wäre auch mal was für Deutschland, nur kann man sich dann nicht vorher drauf einstellen.

[FR] Zwei echte und eine falsche Metro [m. 35 B.] - Teil 1

EK-Wagendienst, EGST, Samstag, 20.08.2016, 17:43 (vor 3507 Tagen) @ JanZ

Meine Fahrkarte will übrigens niemand sehen, ich bin gespannt, ob die SNCF sie mir zurück erstattet. Immerhin habe ich gestückelt und auch noch das „composter“ am Bahnsteig vergessen. Ohne weitere Komplikationen erreiche ich Toulouse-Matabiau fast zwei Stunden später als geplant, die Metro fährt auch noch.

Damit bist Du ohne gültige Fahrkarte gefahren.

Deine abgebildeten Fahrkarten sind aber alle schon als nicht erstattbar gekennzeichnet (remboursement).

Nach dem Verkehrstag in Frankreich eine Fahrkarte zurück geben, ist schwierig, DU musst nachweisen, das sie nicht genutzt wurde.

Ich habe eine in diesem Jahr zurück gegeben, ging nur weil ich ein Mail hatte, dass der Zug nicht verkehrt, den Mailausdruck dazu, haben sie mit an die Fahrkarte geheftet.

Gruß

FR: Ligne de Cerdagne

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Samstag, 20.08.2016, 17:55 (vor 3507 Tagen) @ JanZ

Am Sonntag trete ich dann die Tour mit der „falschen“ Metro an, der Ligne de Cerdagne in den Pyrenäen. Wegen ihrer leichten meterspurigen, mit Stromschiene angetriebenen Wagen wird sie im deutschen Sprachraum auch „Pyrenäen-Metro“ genannt, international ist sie aber als „Train jaune“ („gelber Zug“) besser bekannt.

2007 war ich auch noch mit diesem Zug unterwegs.
Allerdings Anreise ab Paris, mit dem "train de nuit", Zugteile nach Port Bou, Luchon und LTdC-E. Besondere Merkmale:

1. Spiraltunnel ("tunnel hélicoidal de Saillens"), 1752 m lang, 66 m Höhenunterschied
2. Puymorenspass, höchste normalspurige Strecke Europas, Höhe 1600 m.

Endstation ist Latour-de-Carol – Enveitg, der Grenzbahnhof zu Spanien, der für die dort zusammentreffenden Strecken in drei Spurweiten bekannt ist, von denen jede einen Höhenrekord im jeweiligen Netz aufstellt. Hier sieht man einen Zug von jeder Strecke: ganz links der Train jaune, rechts davon der Nachtzug aus Paris, dann die S-Bahn (Rodalies) nach Barcelona und ganz rechts noch ein französischer AGV.

Der AGV fährt in Italien, sie heisst dort .italo.
Du meinst wohl den AGC, in Deinem Fall einen Z 27500 der TER Midi-Pyrenées. Ich hatte so einem Zug der TER Languedoc-Roussillon (Perpignan-Narbonne) und fand den Triebwagen sehr angenehm.

Gibt es dort inzwischen Stundentakt ("cadencement"), ggf. Stundentakt mit Lücken?

Da mein Tikémouv nur bis hier gilt, muss ich für die Fahrt mit dem Train jaune ein neues Ticket kaufen.

Oh ja, sowas hatten wir auch. Mit Interrail war der Zug damals zuschlagpflichtig. Ist er inzwischen ein normaler TER geworden?

Also renne ich zu einem der offenen Wagen, den ich während der Wartezeit schon mal abgelichtet habe:

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Diese sind zu bevorzugen. Ich war auch in so einem Wagen.
Der Triebwagenführer macht auch in der Sensation mit. Er liess manchmal den Zug von der Schwerkraft fortbewegen. Achterbahnfeeling also.

Fast anderthalb Stunden geht es noch durch die Berge, bis wir die östliche Endstation Villefranche-Vernet-les-Bains erreichen...

Wir waren damals auf einen Regionalzug umgestiegen. Es war ein Z 7500:

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So ist bei der Ankunft in Perpignan mein Anschluss-TGV über alle Berge.

Wir hatten auch Pech. Unser train jaune fuhr eine Stunde später ab, somit verpassten wir den RegionalExpress, der uns in Perpignan den Anschluss nach Toulouse schaffen sollte (ein Corail-Zug).

...kaufe ich mir sicherheitshalber einen Fahrschein für den nächsten (und letzten) Zug nach Toulouse, den Nachtzug nach Paris. Gleichzeitig ist es mit Abfahrt um 20.55 Uhr auch für diesen Tag der vorletzte Zug von Perpignan überhaupt.

Wir waren 13:30 in Perpignan. Satte 3 Stunden fuhr dort nichts, ausser ausreservierte TGVs (auch Duplexe). Erst 16:45 konnten wir wieder losfahren. Wir erreichten die letzte Verbindung nach Bordeaux, das war ein Corail Téoz für den wir eigentlich reservieren sollten. Der Schaffner nahm uns Gott sei dank doch mit.

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Übliche Corail-Sitze. Französischer Fernverkehr abseits der Rennstrecken. OK, aber DB-IC ist besser.
So sah mein Corail Téoz aus:

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Es war damals ein besserer Corail. Jetzt heissen alle Corailzüge "Intercités".
@alle: wemnn in Frankreich, unbedingt mal damit fahren, bevor das nicht mehr geht!
Die Wagenzüge sollen nämlich auf Triebwagen umgestellt werden!


Merci beaucoup, amicalement,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Vielen Dank - und Fragen zum Train Jaune

TD, Samstag, 20.08.2016, 18:21 (vor 3507 Tagen) @ JanZ

Vielen Dank für den schönen Bericht! Ich habe demnächst auch ein Tour in die Pyrenäen auf meinem Plan und will ebenfalls den Train Jaune besuchen - da steigern die Bilder die Vorfreude nochmals.
Kannst Du etwas zum Sitzplatz sagen, ist links oder rechts besser oder macht das im offenen Wagen keinen großen Unterschied?
Benötigt man für den offenen Wagen eigentlich einen spezielle Fahrkarte (Aufschlag, Reservierung o.ä.)?

Viele Grüße

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Sammelantwort

JanZ, HB, Sonntag, 21.08.2016, 22:44 (vor 3506 Tagen) @ JanZ

Danke für euer Interesse!

EK-Wagendienst:
Danke für deine Auskunft. Also buche ich z.B. immer Platz 33, der in Fahrtrichtung ist, und kurz vor Abfahrt entscheidet die SNCF dann je nach Wagenreihung, welches Platz 33 ist? Das ist in der Tat eine praktische Sache, ebenso wie die dynamischen Wagenstandsanzeiger. Ich hoffe, dass der Test in Berlin Südkreuz positiv verläuft. Gibt es die da übrigens nur an bestimmten Bahnsteigen? Ich habe sie gesehen, meine Schwester trotz aufmerksamer Suche nicht.

Was meine Fahrkarte betrifft, so war mir schon klar, dass meine TGV-Fahrkarte nicht umbuch- oder erstattbar ist, aber welches Vorgehen sieht die SNCF in so einem Fall wie meinem vor? Pech gehabt, weil Sonderangebot gebucht oder weil Fahrkarte gestückelt? Einfach auf gut Glück mitfahren und riskieren, dass man im letzten Zug nicht mitgenommen wird? Ich werde auf jeden Fall mal hinschreiben, schlimmstenfalls habe ich halt 33 Euro in den Sand gesetzt.

Oscar:
Danke auch dir für deine Ergänzungen. Du hast natürlich recht, AGC (Autorail Grande Capacité) und nicht AGV. Zwischen Toulouse und Foix wird im Stundentakt mit Lücken, werktags sogar im Halbstundentakt gefahren. Bis Latour-de-Carol fahren die Züge nur alle zwei Stunden mit Lücke zwischen 13 und 17 Uhr. Soweit ich weiß, ist der Train jaune ein ganz normaler TER, allerdings mit relativ hohem Grundpreis. Ob Interrail auch gilt, weiß ich allerdings nicht.

TD:
Zwischen links und rechts habe ich keinen großartigen Unterschied feststellen können. Allenfalls hat man rechts bei Zugkreuzungen einen besseren Blick auf die Gegenzüge. Die offenen Wagen kosten nichts extra. In meinem Fall kam noch nicht mal jemand zum Kontrollieren, dürfte unterwegs auch schwer sein :-).

Reaktion der SNCF

JanZ, HB, Freitag, 23.09.2016, 22:15 (vor 3473 Tagen) @ JanZ

Wegen meiner Extrakosten durch den Zugausfall hatte ich ja an die SNCF geschrieben. Diese hat mir nun heute geantwortet und mir einen "Bon Voyage" (was witzigerweise sowohl "Gute Reise" als auch "Reisegutschein" bedeutet) über 30 Euro geschickt. Eine Erstattung in Bargeld wäre mir lieber gewesen, aber besser als nichts. Weiß jemand, ob man diese Gutscheine auch online einsetzen kann? Der Text dazu schweigt sich darüber aus.

Reaktion der SNCF

JanZ, HB, Samstag, 24.09.2016, 16:12 (vor 3472 Tagen) @ JanZ

Wegen meiner Extrakosten durch den Zugausfall hatte ich ja an die SNCF geschrieben. Diese hat mir nun heute geantwortet und mir einen "Bon Voyage" (was witzigerweise sowohl "Gute Reise" als auch "Reisegutschein" bedeutet) über 30 Euro geschickt. Eine Erstattung in Bargeld wäre mir lieber gewesen, aber besser als nichts. Weiß jemand, ob man diese Gutscheine auch online einsetzen kann? Der Text dazu schweigt sich darüber aus.

Wie ich inzwischen herausgefunden habe, ist der Gutschein nicht online einsetzbar :-(. Da muss ich mal meine Kontakte in Frankreich aktivieren, denn ich glaube nicht, dass ich innerhalb des nächsten Jahres eine Fahrkarte an einem SNCF-Schalter kaufen werde.

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