[AT] Von Wien nach Graz (insg. 22 B.) (Reiseberichte)

SEE 238, Mittwoch, 10.08.2016, 13:17 (vor 3517 Tagen)

Hallo zusammen,
nicht nur wegen der Landschaft, sondern auch aufgrund des Rollmaterials ist eine Reise nach Österreich lohnenswert – das habe ich im Mai dieses Jahres festgestellt und möchte nun einige meiner Impressionen teilen.
Über Anmerkungen, Fragen und Korrekturen freue ich mich.

Beste Grüße
SEE 238

[AT] Von Wien nach Graz

Los geht's am Flughafen Wien. Gleich zu Beginn der Reise erwartet mich eine kleine Enttäuschung: Der IC, mit welchem ich vom Flughafen zum Hauptbahnhof fahren möchte, beginnt heute außerplanmäßig erst am Hauptbahnhof. Doch eine alternative Verbindung ist schnell gefunden und so lerne ich statt der ÖBB-IC-Wagen die ÖBB-Baureihe 4020 kennen, was sich als sehr interessant entpuppt. Hinzu kommt, dass mittlerweile mit der Ausmusterung der Fahrzeuge begonnen wurde. Der Fahrgastraum versprüht ein wenig AKN-Flair (VT2E/VTA), wobei die wirklich gut gepolsterten Sitzbänke wiederum an n-Wagen erinnern. Neben Fahrzeugen mit einer grünen Wandverkleidung existiert auch eine orangene Variante.

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Nach einem Umstieg in einen Regionalzug in Richtung Payerbach-Reichenau (CityShuttle-Dosto) ist der Hauptbahnhof schließlich erreicht. Trotz der kleinen Verzögerung durch den IC-Entfall steht dank einer großzügigen Planung noch genügend Zeit für einen Besuch der ÖBB-Lounge zur Verfügung. Dieser stellt sich als sehr angenehmes Erlebnis heraus, da die Atmosphäre sehr gelungen ist. Im Vergleich zu DB Lounges wirkt sie nicht nur stilvoller, sondern auch weniger hektisch – nicht zuletzt aufgrund der überschaubaren Auslastung. Das Konzept der Selbstbedienungs-Theke scheint gut zu funktionieren und spricht mich sehr an. Alles ist sauber, aufgeräumt und ästhetisch präsentiert, das Angebot lässt keine Wünsche offen: Gebäck, salzige Knabbereien, diverse kalte und heiße Getränke, frisches Obst, freundliches Personal, ein schöner Ausblick, Zeitungen, Ruhe und freies WLAN.

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Nach dem angenehmen Aufenthalt geht es komfortabel weiter, und zwar mit dem Railjet 657 nach Graz Hbf. Die planmäßige Fahrzeit bis zur Endstation beträgt rund zweieinhalb Stunden.

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Das moderne FIS lässt keine Wünsche offen und zeigt neben Anschlüssen auch eine zwischenzeitliche Verspätung von wenigen Minuten zuverlässig an.

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Und weil es sich anbietet, bei der Gelegenheit einmal die Business Class im ÖBB-Railjet zu testen, tue ich dies auch. Wer weiß schon, wann die nächste Gelegenheit dazu besteht. Vorab war ich ob der Offenheit der Sitzgruppen zum Gang hin etwas skeptisch, doch aufgrund der Tatsache, dass es in diesem letzten Wagen des Zuges so gut wie keinen Durchgangsverkehr gibt, lässt es sich wirklich sehr gut reisen. Im Preis inkludiert ist ein Getränk sowie ein kleiner Snack, in diesem Fall kleine Salzbrezeln der österreichischen Traditionsmarke Soletti. Der Service am Platz erfolgt durch das „Henry am Zug“-Personal, welches auch Bestellungen aus der Speisekarte aufnimmt. Die Sitze an sich und das Beinteil sind separat verstellbar. In die Armlehne ist jeweils ein ausklappbarer Tisch idealer Größe integriert. Zusätzlich befinden sich Ablageflächen neben den Sitzen. Eine Standard-Sitzgruppe besteht aus drei Sitzen.

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Glücklicherweise spielt das Wetter mit und lässt die vorbeiziehende Landschaft vorrangig in leuchtenden Grüntönen erstrahlen.

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Da sich das gute Wetter bis zum Ziel Graz hält, möchte ich euch auch einige Eindrücke aus der zweitgrößten Stadt Österreichs mit euch teilen. Zunächst aber gibt es noch ein Foto aus der dortigen ÖBB-Lounge, die sich (noch) in einem anderen Stil als die am Wiener Hauptbahnhof präsentiert. Das Angebot ist jedoch übereinstimmend und die Auslastung ebenfalls angenehm gering. Im Gegensatz zur Lounge in Wien befindet sich der Empfangs- und Beratungstresen in einem separaten Raum.

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Moderne Architektur prägt das Bild am Grazer Hauptbahnhof.

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Blick vom zentralen Schloßberg (Eigenname, daher mit ß) über die Stadt. Er ist Teil des UNESCO-Welterbes Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg.

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Auf dem Berg befindet sich u. a. der Uhrturm, das Wahrzeichen von Graz.

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Blick in eine andere Richtung.

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Die Anlagen auf dem Berg, der 123 Meter über dem Grazer Hauptplatz liegt, sind sehr gepflegt und mit Liebe zum Detail begrünt.

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Das Grazer Rathaus.

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Eine Gasse in der schönen Grazer Altstadt.

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Die hier leider geschlossene Murinsel (Baujahr 2002, eröffnet 2003 im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres).

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Der Uhrturm auf dem Schloßberg im Abendlicht.

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Mein persönliches Fazit: Graz ist eine Reise wert und die ÖBB sind mir – nicht nur aufgrund dieser Reise – sehr sympathisch.

Österreich-Anekdote

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Mittwoch, 10.08.2016, 13:56 (vor 3517 Tagen) @ SEE 238

Danke für den Bereicht, SEE 238,

dieses Bild hier

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erinnert mich an eine Begebenheit vor einigen Jahren, als wir mit genau so einem Wagen vom Flughafen nach Wien in die Stadt fuhren.

Die Bahn war nur marginal voller als auf dem Bild, lediglich mit dem Rücken zur Kamera auf der nächstgelegenen Sitzbank saß ein Pärchen, dessen Gepäck den zusätzlich zu sehenden Einzelplatz blockierte. Irgenwdo unterwegs stieg ein Herr mittleren Alters, anscheinend ohne jede körperliche Einschränkung ein, und begann eine große Diskussion mit dem Pärchen, deren Kernargument "I mog aba do sitzn!" war. Weiter begründet hat er es nicht, lediglich lautstark gepöbelt, bis er irgendwann wieder ausstieg, ohne "do sitzn" zu können. Er fuhr glaube ich nur eine oder zwei Stationen mit. Müßig zu erwähnen, daß die wenigen anwesenden Fahrgäste herzhaft losprusteten, kaum daß der Mann aus dem Wagen verschwunden war.

Von diesem einen Zeitgenossen nicht auf alle Österreicher schließende Grüße,
der Colaholiker

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Österreich-Anekdote

SEE 238, Mittwoch, 10.08.2016, 14:56 (vor 3517 Tagen) @ Colaholiker

Danke für den Bereicht, SEE 238,

Gern!

dieses Bild hier […] erinnert mich an eine Begebenheit vor einigen Jahren, als wir mit genau so einem Wagen vom Flughafen nach Wien in die Stadt fuhren.

Ich sage es immer wieder: Eine solche Art der Unterhaltung bekommt man nur im Zug geboten!

[AT] Von Wien nach Graz (insg. 22 B.)

agw, NRW, Mittwoch, 10.08.2016, 14:45 (vor 3517 Tagen) @ SEE 238

Und weil es sich anbietet, bei der Gelegenheit einmal die Business Class im ÖBB-Railjet zu testen, tue ich dies auch. Wer weiß schon, wann die nächste Gelegenheit dazu besteht. Vorab war ich ob der Offenheit der Sitzgruppen zum Gang hin etwas skeptisch, doch aufgrund der Tatsache, dass es in diesem letzten Wagen des Zuges so gut wie keinen Durchgangsverkehr gibt, lässt es sich wirklich sehr gut reisen. Im Preis inkludiert ist ein Getränk sowie ein kleiner Snack, in diesem Fall kleine Salzbrezeln der österreichischen Traditionsmarke Soletti. Der Service am Platz erfolgt durch das „Henry am Zug“-Personal, welches auch Bestellungen aus der Speisekarte aufnimmt. Die Sitze an sich und das Beinteil sind separat verstellbar. In die Armlehne ist jeweils ein ausklappbarer Tisch idealer Größe integriert. Zusätzlich befinden sich Ablageflächen neben den Sitzen. Eine Standard-Sitzgruppe besteht aus drei Sitzen.

"Drei Sitze"? Ist das so? Ich dachte, drei Sitze wären die Ausnahmen an den Business-Bereichsenden und das Standardabteil hat vier Sitze? Vielleicht täusche ich mich auch.

Bei der DB gibt es im ICE3 ja auch Viererabteile, aber auch nur, weil dort die Innenaufteilung des Wagens so gestaltet wurde.

[AT] Von Wien nach Graz (insg. 22 B.)

SEE 238, Mittwoch, 10.08.2016, 14:50 (vor 3517 Tagen) @ agw

"Drei Sitze"? Ist das so? Ich dachte, drei Sitze wären die Ausnahmen an den Business-Bereichsenden und das Standardabteil hat vier Sitze? Vielleicht täusche ich mich auch.

Stimmt, danke für den Hinweis! Wobei: Eigentlich kann man gar nicht von „Standard“ sprechen, da es zwei Dreier- und zwei Viererabteile gibt. Hinzu kommen zwei Einzelsitze im Durchgangsbereich zur First. Manche Erinnerungen verblassen doch schneller als erwartet… ;)

Bei der DB gibt es im ICE3 ja auch Viererabteile, aber auch nur, weil dort die Innenaufteilung des Wagens so gestaltet wurde.

Da kann man sie wirklich als (wie ich finde sehr angenehme!) Ausnahme bezeichnen.

[AT] Von Wien nach Graz (insg. 22 B.)

MFBM, Mannheim, Mittwoch, 10.08.2016, 21:53 (vor 3517 Tagen) @ SEE 238

Schöner Bericht, informativ und anschaulich dargestellt.

Sowohl das Design der Wiener Lounge, als auch die Architektur des Grazer Bahnhofes überraschen mich positiv. Obendrauf scheint auch Graz eine interessante Stadt zu sein.

[AT] Von Wien nach Graz (insg. 22 B.)

SEE 238, Samstag, 13.08.2016, 00:15 (vor 3515 Tagen) @ MFBM

Schöner Bericht, informativ und anschaulich dargestellt.

Vielen Dank für das Lob! Es freut mich, dass dir der Bericht gefällt.

Sowohl das Design der Wiener Lounge, als auch die Architektur des Grazer Bahnhofes überraschen mich positiv. Obendrauf scheint auch Graz eine interessante Stadt zu sein.

Ich kann das nur bejahen!

ÖBB 4020

hessenbahner, Donnerstag, 11.08.2016, 14:40 (vor 3516 Tagen) @ SEE 238

Ich finde den ÖBB 4020 als S-Bahn Triebwagen faszinierend.

Ich war 2008 in Wien, damals noch am Süd/Ostbahnhof am dortigen S-Bahn Tuhnnel.

Der 4020 hatte Hocheinstiege, 2 Türen pro Wagenteil, einen motorisierten Triebwagen, ein Mittelwagen und einen Steuerwagen. Sitze bequem wie ein Sofa, Großzügige Gepächablagen, sauber, eine molligwarme Heizung im Winter und es nennt sich S-Bahn!

Ja, die Ösis sind etwas behäbiger als wir, auch die S-Bahn. In Deutschlnd muss es bei S-Bahnsteigen 96 cm Bahnsteige geben, sonst kriegen die Leute Schnappatmung. Dann 3-4 Türen pro Wagenteil, und es gibt immer noch Stress und Hektik.

Und in Felix Austria?
Dieser klassische Triebwagen mit seinem Hocheinstieg und den 2 Türen pro Seite? Und was war? Es hat funktioniert! Die Leute haben die Türen freigehalten, man konnte erst aussteigen, dann sind die neuen Fahrgäste eingestiegen. Kein Stress, keine Hektik.

Dann fuhr der 4020 los, bräßig bis gemütlich und nicht S-Bahnmäßig. Da hab ich mich gewundert, was auch eine S-Bahn sein kann. Es war eine ganz andere Welt als der ET 420 oder die BR 423 hier in Deutschland.

Ich will den ÖBB 4020 nicht schlechtmachen, ganz und gar nicht, es war sogar eine angenehme Reiseerfahrung, gerade in Bezug auf die deutschen Maßstäbe einer S-Bahn. Und der 4020 ist bestimmt auch ein gut geeigneter Regionaltriebwagen bzw auf elektr. Nebenbahnen ideal geieignet gewesen zur Zeit seiner Entstehung.

ÖBB 4020

SEE 238, Samstag, 13.08.2016, 00:23 (vor 3515 Tagen) @ hessenbahner

Deine Faszination für den ÖBB 4020 kann ich nicht nur nachvollziehen, sondern auch teilen. Im Allgemeinen legen die ÖBB offensichtlich einen hohen Wert auf eine komfortable Innenausstattung ihrer Fahrzeuge – auch im Schnellbahn- und Regionalverkehr. Man vergleiche z. B. mal die neuen ÖBB-Cityjet-Züge mit einem durchschnittlichen deutschen LINT. Selbst die 1. Klasse im LINT kommt nicht an die Ausstattung des rein zweitklassigen Cityjets heran. Da ist der Maßstab in der Tat ein ganz anderer, was ich wirklich lobenswert finde.

Generell muss ich auch sagen, dass mir das Bahnreisen in Österreich sehr entspannt vorkam.

Da spiel ich mal den Maulwurf

J-C, In meiner Welt, Freitag, 11.05.2018, 11:13 (vor 2878 Tagen) @ SEE 238
bearbeitet von J-C, Freitag, 11.05.2018, 11:18

Denn gemütlich ist die Wiener S-Bahn tatsächlich. Da gibt es gerne mal Standzeiten, langsame Schleichfahrten... und auf der Stammstrecke fahren lokbespannte Doppelstockzüge.

Die Laufruhe schlägt die Wiener U-Bahn, vor allem die U1, um Längen. Man will da gar nicht mehr aussteigen :-)

Die Vorortelinie, bzw. S45 ist übrigens auch sehr gemütlich, wenngleich da fast nur E-Talente (4023) die Linie befahren.

Übrigens ziemlich romantisch war die Fahrt am frühen Morgen im 4020er zum Flughafen Wien. Das hat was...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

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