Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel | 5/7 m 60 B (Reiseberichte)

TD, Freitag, 29.07.2016, 19:10 (vor 3525 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum fünften Teil unserer kleinen Deutschland-Rundreise. Im letzten Teil hatten wir die Müglitztalbahn besucht und waren mit dem EC 378 von Dresden nach Binz gefahren.

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Tag 5: Binz – Sassnitz – Binz – Göhren – Peenemünde – Zinnowitz - Heringsdorf

Wer meine Reiseberichte verfolgt, hat bestimmt bemerkt, dass ich vorzugsweise Rundfahrten zusammenstelle. So bietet sich eine Fahrt an von Binz mit dem Rasenden Roland nach Göhren und von dort weiter mit dem Schiff nach Usedom. Das Schiff fährt allerdings nur einmal täglich am Abend, und so haben wir nun einen halben Tag „übrig“.

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Wir lassen das Gepäck somit zunächst in Binz und starten am „Großbahnhof“ (in Abgrenzung zum „Kleinbahnhof“ an der Schmalspurbahn) mit einem Flirt in Richtung Sassnitz.

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Der Zug fährt laut Fahrplan bis Lietzow, vom Zugbegleiter erfahren wir aber, dass der Zug nach 25 Minuten unter anderer Zugnummer weiterfährt nach Sassnitz. Eine knappe halbe Stunde im stehenden Zug zu sitzen, ist aber doch langweilig...

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…und so drehen wir eine Runde durch Lietzow . Der 250-Einwohner-Ort ist durch seine prominente Lage am Damm zwischen Großem und Kleinen Jasmunder Bodden sowie als Umsteigebahnhof bekannt. Die Regionalzüge aus Stralsund fahren alternierend nach Sassnitz und Binz, in die jeweils andere Richtung wird dann in Lietzow umgestiegen. Besonders viel zu sehen gibt es hier nicht – außer natürlich das Schloss von Lietzow, das man auch vom Zug aus gut sieht. Das Schloss hat übrigens durchaus einen gewissen Bahnbezug, denn der Baumeister der Bahnstrecke über den Lietzow-Damm ließ das Gebäude für sich als Villa erbauen nach einem Vorbild aus seiner schwäbischen Heimat.

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Dann werfen wir noch einen Blick über den Großen Jasmunder Bodden. Mein Bruder bedauert es, dass wir an der fischreichen Lagune keine Angelpause einlegen – aber er hatte bei unserer letzten Tour ja schon einen ganzen Angeltag in Hamburg.
Und weiter geht es mit dem uns schon bekannten Flirt nach Sassnitz, die viertelstündige Fahrt ist so ereignislos, dass ich davon nicht mal ein Bild habe...

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...und wir hier schon am Bahnhof von Sassnitz angekommen sind. Das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1937 steht heute unter Denkmalschutz. Schauen wir uns nun etwas in der Kur- und Hafenstadt um.

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Unser Rundgang führt uns zunächst zum Hafen. Bis zum Bau des Fährbahnhofs im benachbarten Mukran war der Hafen von Sassnitz ein wichtiger Fährbahnhof für den Güterumschlag auf der sogenannten Königslinie ins schwedische Trelleborg. Die Steilstrecke vom Bahnhof zum Hafen ist abgebaut, verbliebene Relikte stehen als Teil des Stadthafens unter Denkmalschutz. Eine geschwungene Fußgängerbrücke überspannt heute das Areal und ermöglicht einen Blick auf die Gleisreste und eine verbliebene Fährbrücke.

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Das Gebäude des Hafenbahnhofs beherbergt heute ein Museum sowie Gastronomie. Das schöne Wetter, das uns auf der Reise bisher begleitet hat, macht an unserem Ostsee-Tag leider eine Pause, bei Regen laufen wir nun an der Strandpromenade entlang.

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Zu einem Ostseebad gehört auch eine Seebrücke – und so baute man in den neunziger Jahren dieses Bauwerk. So ganz glücklich mit dem Seesteg sind die Sassnitzer allerdings nicht, denn da das Wasser hier zu flach ist, konnte nie ein Passagierschiff anlegen.

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Nun zurück an den Bahnhof von Sassnitz. Der Bahnhof wurde früher von den Fernzügen auf der Königslinie zwischen Deutschland und Schweden angefahren, mit dem „Saßnitz-Express“ (der Ortsname schrieb sich damals noch mit ß) von und nach München hoffte die DDR auf Deviseneinnahmen. Der Bahnhof wird heute lediglich vom „Hanse-Express“ aus Rostock oder Stralsund angefahren – und mit jenem Flirt fahren wir nun zurück.

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Von der Fahrt über die Insel habe ich jetzt keine weiteren Bilder, denn bei dem grauen Wetter gibt es keine vorzeigbaren Landschaftsbilder und den Flirt sowie den Umstieg in Lietzow hatten wir ja schon auf der Hinfahrt dokumentiert.

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Nach der Rückkehr an den DB-Bahnhof in Binz holen wir das Gepäck aus dem Schließfach und laufen durch den Ort vom Großbahnhof zum Kleinbahnhof. Auf der Strecke würde auch ein Bus oder die „Bäderbahn“ (eine Wegebahn auf der Straße) fahren, aber wir haben genügend Zeit für den Spaziergang. Hier nun der Kleinbahnhof, richtig eigentlich „Binz LB“ für Landesbahn.

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Wir fahren nun in den Osten der Insel nach Göhren auf die Halbinsel Mönchgut. Die Schmalspurbahn auf Rügen wurde ab 1895 abschnittsweise eröffnet, damals im Hinblick auf den Güterverkehr. Heute sind die Dampfzüge eine touristische Attraktion und das Publikum besteht überwiegend aus Urlaubern und Ausflugstouristen, zumal auf der Strecke nach Göhren der Bus schneller ist. Und so sind wir heute wohl die einzigen Fahrgäste, die mit Reisegepäck auf den Zug warten und diesen als Verkehrsmittel einer Deutschland-Rundfahrt nutzen.

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Die Rügensche Kleinbahn ist auch als „Rasender Roland“ bekannt, die aktuelle Markenbezeichnung ist „Rügensche Bäderbahn (RüBB)“. Die Lok mit der Betriebsnummer 99 1784-0 gehört zur DR-Baureihe 99.77–79 und wurde ursprünglich für die Schmalspurbahnen in Sachsen gebaut.

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Der erste Streckenabschnitt ab Binz führt kurvenreich über den bewaldeten Höhenrücken des Granitz, dann folgt ein Abschnitt durch die offene Landschaft Rügens.

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In Sellin quert die Bahnstrecke die Bundesstraße und verläuft nun einen weiten Abschnitt parallel zur Straße, beim Blick nach rechts ist der Selliner See zu sehen.

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Das Empfangsgebäude von Baabe macht einen etwas maroden Eindruck, wenn ich es richtig mitbekommen habe, wird mittlerweile an der Modernisierung gearbeitet.

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Auf der letzten Etappe nach Göhren verlässt die Trasse die Bundesstraße und führt nochmals durch ein Waldgebiet, dann ist bald die Endstation erreicht.

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Nach gut 13 Kilometern endet damit unser Ausflug auf Schmalspurgleisen. Der Bahnhof von Göhren befindet sich unweit der Uferpromenade, wobei das Ortszentrum oberhalb des Bahnhofs liegt.

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Der Schrägaufzug vom Bahnhof in den Ort ist außer Betrieb, aber so können wir uns vom Fußweg hinauf noch einen Blick über die Gebäude am Bahnhof verschaffen.

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Von der Anhöhe bei der Dorfkirche bietet sich ein weiter Blick über die Halbinsel Mönchgut. Allerdings wird es nun Zeit, dass wir uns auf den Rückweg hinab an die Küste machen, denn die einzige (direkte) Reisemöglichkeit am Tag zu verpassen, wäre ungeschickt.

Es geht gleich weiter...

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Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel | Fortsetzung Teil 5

TD, Freitag, 29.07.2016, 19:17 (vor 3525 Tagen) @ TD

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Blauer Himmel und Sonnenschein wären mir jetzt lieber, aber noch mehr Sorge macht mir der Seegang. Aber wer schon so manche Fahrt mit Neigetechnikzügen überstanden hat, wird doch vor ein paar Wellen nicht zurückschrecken.

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Mit einer Viertelstunde Verspätung erreicht die MS "Adler-Mönchgut" die Seebrücke von Göhren. Das Schiff startet morgens in Peenemünde und fährt über Göhren nach Binz, am Nachmittag geht es auf dieser Route wieder zurück.

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Etwa zwei Stunden dauert die Überfahrt von Rügen nach Usedom. Zunächst passieren wir das Nordperd, das Kap bildet den östlichsten Punkt der Insel Rügen. Weiter geht es entlang der Ostküste der Halbinsel Mönchgut und dann über den Greifswalder Bodden.

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Schließlich verlassen wir die offene Ostsee und fahren in den Peenestrom ein – bis zum Hafen Peenemünde ist es nun nicht mehr weit. Durch die ehemalige Heeresversuchsanstalt, in der die Wehrmacht Raketen vom Typ V2 baute, ist der Ort berühmt-berüchtigt.

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Links das stillgelegte Kohlekraftwerk, das für die Energieversorgung der Heeresversuchsanstalt errichtet wurde. Im ehemaligen Marinehafen liegt das sowjetische U-Boot U-461 als Museumsschiff. Überhaupt besteht Peenemünde zu einem großen Teil aus einer Museumslandschaft.

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Das Erbe der Heeresversuchsanstalt ist heute Teil des Historisch-Technischen Museums Peenemünde. Ohne den militärischen Hintergrund der Anlagen könnte man hier in Industrieromantik schwelgen.

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Das Museum hat jetzt am Abend schon geschlossen, und so können wir lediglich durch den Zaun einen Blick auf das Freigelände werfen, wo ein Peenemünder Triebwagen der ehemaligen Werkbahn steht. Wir folgen nun den Gleisen...

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...zum Haltepunkt Peenemünde, einem Endpunkt im Netz der UBB. Die Bahnstrecke im Nordwesten der Insel Usedom von Zinnowitz nach Peenemünde wurde zur Erschließung der Heeresversuchsanstalt errichtet und wurde als „Werkbahn Peenemünde“ bekannt. Die Strecke wurde 1941 elektrifiziert und später abschnittsweise auch zweigleisig ausgebaut. Die elektrischen Anlagen wurden nach dem Krieg als Reparationsleistungen abgebaut. Da Peenemünde lange Zeit weiterhin militärisches Sperrgebiet war, waren die Züge der Reichsbahn auf der Strecke nur ausgewähltem Publikum zugänglich.

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1992 beantragte die Reichsbahn die Stilllegung des gesamten Inselnetzes, was durch das „Projekt Usedom“ abgewendet werden konnte, so dass heute Dieseltriebwagen der UBB auf sanierter Strecke verkehren.

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Die viertelstündige Fahrt bis Zinnowitz verläuft ereignislos, dort besteht Anschluss an die Strecke von Wolgast nach Heringsdorf. In Heringsdorf wartet ein Hotelzimmer auf uns, aber wenn wir in Zinnowitz ohnehin umsteigen müssen, können wir hier auch gleich einen Zwischenstopp einlegen.

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Seit dem Jahr 1911 hat das Ostseebad Zinnowitz einen Anschluss an das Bahnnetz. Im Empfangsgebäude betreibt die UBB ein Reisezentrum, zudem ist das Heimatmuseum im Bahnhofsgebäude untergebracht.

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Wenn man den Wetterstatistiken glauben mag, spielt Zinnowitz in der Rangliste der sonnigsten Orte in Deutschland ganz weit oben mit – tja, Statistik halt.

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Die über 300 Meter lange Seebrücke trägt den Namen „Vinetabrücke“ in Anlehnung an die sagenhafte Stadt Vineta, die nach dem lasterhaften Verfall bei einem Sturmhochwasser untergegangen ist. Nach der Sage sollen noch heute die Glocken der untergegangenen Stadt aus den Tiefen des Meeres zu hören sein.

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Wer möchte, kann hier selbst auf Tauchstation gehen und nach der versunkenen Stadt Ausschau halten, als Touristenattraktion gibt es am Kopf der Seebrücke eine Tauchgondel, mit der man auf den Grund der Ostsee abtauchen kann – immerhin dreieinhalb Meter geht es hier in die Tiefe.

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Wie andere Ostseebäder ist auch Zinnowitz von der Bäderarchitektur geprägt. Nach einem Rundgang zwischen Strandpromenade und Zentrum machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof.

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Mit der UBB fahren wir nun nach Heringsdorf. Nachdem wir vor zwei Jahren schon auf einer anderen Rundreise in Heringsdorf waren, fällt der Reisebericht an dieser Stelle etwas kürzer aus.

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Bis wir in Heringsdorf angekommen und das Gepäck ins Hotel gebracht haben, ist es dunkel. Zum Abschluss dieses Reiseberichtsteils noch ein Bild von der Seebrücke in Heringsdorf, dann ist aber Schluss. In den nächsten Tagen folgt Teil 6, dann geht es mit dem UrlaubsExpress nach Köln und weiter auf der Eifelstrecke in den Südwesten.


Viele Grüße und ein schönes Wochenende


Tobias

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Danke

462 001, Taunus, Freitag, 29.07.2016, 21:21 (vor 3524 Tagen) @ TD

Hallo,

auch hiermal wieder vielen Dank für den Bericht. Rügen für mich noch ein weißer Fleck, denn weiter als Bergen(und dort nur der Bahnhof) hab ichs noch nicht geschaft.

Der CNL hat dieses Jahr so schreckliche Fahrzeiten, das ein Besuch erstmal warten muss.


Gruß von ICE1223,
der gleich nach langer Zeit einen Anschlussverlust erleidet

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel - Danke - Binz

RhBDirk, Freitag, 29.07.2016, 19:57 (vor 3524 Tagen) @ TD

In Binz DB scheint man ja mittlerweile auch die Bahnhofsvorfahrt erneuert zu haben.

Ich war bestimmt vor mehr als zwei Jahren das letzte Mal dort und da sah es vor dem Bahnhof noch aus wie Kraut und Rüben. Da hatte man wohl seit dem Ende der DDR nix gemacht.

Also Sassnitz kommt mir irgendwie bekannt vor...

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 07.08.2016, 21:56 (vor 3515 Tagen) @ TD

Hab schon fast gedacht, du hättest meine Bilder genommen :-P

Aber trotzdem wirklich schicke Bilder. Und dazu noch mit historischem Hintergrund, auch was ^^

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Vielleicht sollte ich auch noch einen Reisebericht erstellen

safe go, Chemnitz, Sonntag, 07.08.2016, 22:23 (vor 3515 Tagen) @ J-C
bearbeitet von safe go, Sonntag, 07.08.2016, 22:24

Wenn ich von meiner Heimfahrt Heringsdorf - Rambin - Sassnitz - Rostock - Chemnitz noch einen Bericht erstelle, haben wir die Sassnitzbilder zum dritten Mal. ;-)

Jene Reise hat mich aber eines gelehrt: Niemals mit (großem) Gepäck den Warnemünde-Express nutzen!

Also Sassnitz kommt mir irgendwie bekannt vor...

TD, Montag, 08.08.2016, 17:19 (vor 3515 Tagen) @ J-C

Ja, und ich bin etwas neidisch auf Deine Bilder, denn Du hattest eindeutig das bessere Wetter...

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...und du hast es versäumt, im Café eine Kutterstulle...

J-C, In meiner Welt, Montag, 08.08.2016, 17:24 (vor 3515 Tagen) @ TD
bearbeitet von J-C, Montag, 08.08.2016, 17:24

...zu essen. Denn wenn man was leckeres fischiges zum Mittag will, ist das die beste Wahl ;-)

Aber mich hat das fotogene Wetter auch überrascht. Und das gerade in der maritimen Gegend...

soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es recht kalt war an jenem Tag.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

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