Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM) (Allgemeines Forum)

ICE-T-Fan, Donnerstag, 29.10.2009, 16:12 (vor 6098 Tagen)

-> http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2255027_0_9223_-deutsche-bahn-neigetechnik-i...

Interessanterweise fahren offiziell in Deutschland nur noch die BR 610, also die ältesten NT-Triebwagen, mit aktiver Neigetechnik.

Wobei es auch hier wohl nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Mangel entdeckt wird, der dies in Frage stellt.

Ich als bekennender NT-Fan finde diese Entwicklung sehr bedauerlich, aber langfristig dürfte wohl die Abkehr von der Neigetechnik die bessere Lösung sein.

Im FV wird sie ohnehin nach 2017 kaum noch benötigt.

Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM)

Alphorn (CH), Donnerstag, 29.10.2009, 20:35 (vor 6098 Tagen) @ ICE-T-Fan

Bei der Neigetechnik haben fast nur die Deutschen Pech gehabt. ICE-T (Fiat-Neigetechnik) wegen Radsatzwellen nicht bogenschnell, ICE-TD (Fiat) abgestellt, BR 611/612 (Adtranz) wegen Radsätzen und später Spindeln nicht bogenschnell.

Weitere mir bekannte Problemzüge sind nur noch die italienisch/schweizerischen ETR 470, der aber einfach allgemein von lausiger Qualität ist, und ETR 610, der wegen Übergewicht am Gotthard (für den er vorgesehen war) nicht bogenschnell fahren darf und daher an den Lötschberg abkommandiert wurde.

Aber ansonsten? Alle anderen Neigezüge scheinen problemlos zu funktionieren, zumindest habe ich nie etwas von Neigetechnik-Problemen zu hören gekriegt: Der italienische Pendolino, der schwedische X2000, der schweizerische ICN, die englischen 390er... sie alle haben aktive Neigetechnik und verrichten ihren Dienst klaglos.

Nicht wegzudiskutieren ist der höhere Sitzplatzpreis von Neigetechnik-Fahrzeugen (Streckenneubauten sind allerdings auch nicht billig...). Zumindest in der Schweiz aber ist eine Abkehr von der Neigetechnik undenkbar: Verlängert man z.B. die Fahrzeit Biel-Lausanne von 58 auf 68 Minuten, werden wegen des integralen Taktfahrplans nicht bloss EINIGE, sondern gleich ALLE Anschlüsse verpasst.

Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM)

ICE-T-Fan, Donnerstag, 29.10.2009, 21:06 (vor 6098 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von ICE-T-Fan, Donnerstag, 29.10.2009, 21:09

Nicht wegzudiskutieren ist der höhere Sitzplatzpreis von Neigetechnik-Fahrzeugen (Streckenneubauten sind allerdings auch nicht billig...). Zumindest in der Schweiz aber ist eine Abkehr von der Neigetechnik undenkbar: Verlängert man z.B. die Fahrzeit Biel-Lausanne von 58 auf 68 Minuten, werden wegen des integralen Taktfahrplans nicht bloss EINIGE, sondern gleich ALLE Anschlüsse verpasst.

Für NT-Züge müssen die Strecken trotzdem ertüchtigt werden. Allerdings nützt das dann nur den Neigezügen und nicht den konventionellen Zügen.

Ein klassischer Streckenausbau nützt allen dort verkehrenden Zügen.

Es ist also die Frage was nun langfristig wirtschaftlicher ist:

NT-Ausbau der Strecke + Anschaffung und Unterhalt von NT-Fahrzeugen

ODER

Konventioneller Streckenausbau mit +30% Streckengeschwindigkeit + normale Anschaffung und Unterhalt von konventionellen Fahrzeugen

Anschaffung und Unterhalt von NT-Fahrzeugen ist etwas teurer als die Anschaffung und der Unterhalt adäquater konventioneller Fahrzeuge mit gleicher Höchstgeschwindigkeit, dafür ist der konventionelle Streckenausbau mit +30% teurer als der NT-Ausbau.

Allerdings muss man bei diesem Vergleich auch die Zuverlässigkeitsrate beider Systeme vergleichen und die Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Kunden und der Verluste durch Strafzahlungen im NV aufgrund permanenter Verspätungen.


Zudem nur einmal eine einfache Rechnung:

Wenn ich eine 100 km lange Strecke von 120 auf 160 km/h mit NT ertüchtige, kann ich die theoretische Fahrzeit von 50 auf 37,5 also um 12,5 Minuten senken.

Wenn ich auf dieser Strecke insgesamt 20 km La oder permanente Geschwindigkeitsbegrenzungen von durchschnittlichen 70 km/h habe, kann ich mit der Beseitigung dieser (d.h. Anhebung auf 120 km/h) um über 7 Minuten verringern, d.h. schon fast die Hälfte des Wertes des NT-Gewinn.

Hebe ich dann gleichzeitig durch konventionellen Ausbau die Geschwindigkeit auf 140 km/h, verringere ich zusammen mit der Beseitigung der La die Fahrzeit um 14 Minuten.

Es muss nicht einmal eine NBS sein, man kann auf einem Streckennetz durch viele kleine Anpassungen mehr erreichen als durch technische "Tricks" wie NT oder eingeschobene SFS-Abschnitte.

Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM)

Steffen, Donnerstag, 29.10.2009, 21:17 (vor 6098 Tagen) @ ICE-T-Fan

Wenn man davon ausgeht, dass zukünftig mehr Verkehr auf den Schienen stattfinden wird, tippe ich darauf, dass NT weniger verfolgt wird, weil es ja ein Trassenkiller ist (deutlich unterschiedliche Geschwindigkeiten zum Restverkehr).

Auf den Strecken, wo langsame und schnelle Züge getrennt werden, wird die HG so hoch sein, dass NT keine Vorteile bringt.

So zumindest sehe ich die aktuellen Tendenzen. Allerdings kann ich mir NT für einzelne Strecken durchaus vorstellen.

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Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM)

ICE-T-Fan, Donnerstag, 29.10.2009, 21:24 (vor 6098 Tagen) @ Steffen

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man im FV die NT nur als Übergangslösung bis zum Bau einer SFS sieht.

Einzig im NV lohnt sich die NT auf einigen isolierten Nebenstrecken, deren weiter Ausbau im Vergleich zum Nutzen zu teuer ist, da nur wenige Züge dort verkehren.

Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM)

Steffen, Donnerstag, 29.10.2009, 21:28 (vor 6098 Tagen) @ ICE-T-Fan

Einzig im NV lohnt sich die NT auf einigen isolierten Nebenstrecken, deren weiter Ausbau im Vergleich zum Nutzen zu teuer ist, da nur wenige Züge dort verkehren.

Ja, so meinte ich das. Quasi als NT-Indelbetrieb.

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Definitiv ja, weil...

heinz11, Donnerstag, 29.10.2009, 21:52 (vor 6098 Tagen) @ ICE-T-Fan

die Bahn das Ganze schlicht und einfach wie bisher mit Fahrzeitreserven lösen wird. Auch auf normalen Strecken genehmigt man sich immer mehr Fahrzeitreserven.

Beispiel: Am letzten Sonntag auf der Strecke Leipzig-Dresden (ich weiß, keine NT-Strecke) mit dem ICE 16xx in Leipzig mit +12 Min abgefahren und in Dresden-Neustadt mit -3 angekommen und ab Coswig gebummelt wie nur was. Da komme ich mir mehr als vera....vor, vor allem wenn ich lese, Fahrzeitverlängerungen bis 15 Min möglich. Haha!

Ich denke, so wird man auch die NT überall mehr oder weniger geräuschlos beerdigen.

heinz

Definitiv ja, weil...

Matze86, München, Donnerstag, 29.10.2009, 22:00 (vor 6098 Tagen) @ heinz11
bearbeitet von Matze86, Donnerstag, 29.10.2009, 22:00

die Bahn das Ganze schlicht und einfach wie bisher mit Fahrzeitreserven lösen wird. Auch auf normalen Strecken genehmigt man sich immer mehr Fahrzeitreserven.

Beispiel: Am letzten Sonntag auf der Strecke Leipzig-Dresden (ich weiß, keine NT-Strecke) mit dem ICE 16xx in Leipzig mit +12 Min abgefahren und in Dresden-Neustadt mit -3 angekommen und ab Coswig gebummelt wie nur was. Da komme ich mir mehr als vera....vor, vor allem wenn ich lese, Fahrzeitverlängerungen bis 15 Min möglich. Haha!

Du hast wohl den 10min.-Alibi-Zuschlag zwischen Leipzig und Dresden (nur in Richtung Dresden!) vergessen, der genauso sinnlos ist wie zwischen Ingolstadt und München ;)

Neuer Aspekt: Trassen

ICE-T-Fan, Samstag, 31.10.2009, 16:51 (vor 6096 Tagen) @ ICE-T-Fan

Wie ein User im BF angesprochen hat -> http://bahnerforum.de/forum/showpost.php?p=251164&postcount=18 folgt mit der fehlenden Neigetechnik das nächste Problem.

Da die DB Netz die Trassen immer für längere Zeit festlegt (-> http://ice-fanforum.de/index.php?id=42702) und sie nicht für immer und ewig diesen Sonderstatus der ICE-T bei der Trassenvergabe aufrecht erhalten wird (Trasse zu GNT-Konditionen aber mit der Möglichkeit einer dauerhaften Abweichung wegen temporär nicht benutzbarer NT.), kann es schnell passieren, dass die DB FV für die ICE-T-Linien nur noch konventionelle und damit langsamere Trassen bekommt.

Das heißt, dass irgendwann in paar Jahren, wenn denn die Achsen getauscht sind, sie trotz benutzbarer NT in konventionellen Trassen fahren muss, bis der Trassenvertrag abgelaufen ist und die Trassen neu vergeben werden.

Neigt sich die Neigetechnik ihrem Ende zu? (PM)

Ludo, Niedersachsen, Sonntag, 01.11.2009, 16:40 (vor 6095 Tagen) @ ICE-T-Fan

Ja, das tut sie wahrscheinlich.
Bei den Fahrten in meine Heimat Oberfranken verbringe ich insgesamt 3 Stunden in 612ern, u.a. auf der Frankenwaldbahn. Insofern musste ich mich mit der NT anfreunden, und meistens kamen wir auch ganz gut miteinander klar. An das laute Motorengeräusch hat man sich inzwischen schon gewöhnt, aber ich empfinde es immer noch als störend. Man darf aber auch nicht vergessen, dass viele Leute die NT nicht vertragen und deshalb bewusst auf andere Züge ausweichen.

Man möchte meinen, dass auf besonders kurvigen Strecken (Frankenwaldbahn Saalfeld-Lichtenfels) nicht auf die NT verzichtet werden kann. Doch ab Dezember 2011 wird man sich auf dieser Strecke endgültig von der NT verabschieden und dort keine 612er mehr einsetzen.

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