Sizilien an Ostern, Teil 3 - Catania (Reiseberichte)

Taurus83, Nürnberg, Samstag, 18.06.2016, 10:19 (vor 3607 Tagen)

Am nächsten Tag geht's nach Catania. Ziel ist eine kurze Stadtbesichtigung und eine Fahrt mit der Ferrovia Circumetnea. Von Syrakus nach Catania geht's selbstverständlich mit der Bahn. Zeitlich war grad ein InterCity am besten, kostet zwar geringfügig mehr aber der Preis für eine einfache Fahrt war immer noch unter 10 €, also nicht der Rede wert. Dafür fährt man in den gleichen Abteilwagen wie bei bei der Fahrt auf die Insel.

Es war im Vorfeld gar nicht leicht, die Fahrzeiten der FCE herauszufinden. Auf der offiziellen Internetseite wurde ich nicht fündig, irgendwo fand ich dann einen Scan des Fahrplans in einem Eisenbahnforum. Zwar nicht mehr ganz aktuell, aber meine Hoffnung war, dass sich da soviel nicht ändert. Immerhin, in der Touristeninformation von Catania bekam ich sofort ein Examplar ausgehändigt. Leider war es so oft kopiert dass ich die Zahlen nur mit Mühe entziffern konnte. Ansonsten hätte ich es abfotografiert und für andere ins Internet gestellt, aufgrund des schlechten Qualität war das dann leider nicht möglich.

Zunächst geht's in die Stadt. Vom Bahnhof zur Innenstadt durchquert man zunächst einen Markt, der jetzt optisch nicht grad ein Aushängeschild ist. Also jetzt nicht der Markt selbst sondern auch die Umgebung.

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Weiter findet man die Reste eines Amphitheaters aus der Antike, mit 7000 Sitzplätzen eines der größten auf Sizilien.

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Der Blick zum Etna darf natürlich auch nicht fehlen. Es war etwas diesig an dem Tag.

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In der Stadt sticht die Kathedrale Sant’Agata ins Auge. Auf dem Platz davor der bekannte Elefantenbrunnen. Viele Gebäude sind übrigens deshalb so dunkel, weil es sich um Lavagestein handelt.

Elefantenbrunnen
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Kathedrale
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Hinter der Eisenbahnbrücke befindet sich ein kleiner Park. Hier ein Foto mit dem für Sizilien typischen Triebwagen »Jazz« von Alstom.

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Ansonsten fand ich Catania ganz nett aber nicht so schön wie Syrakus. Die Lage zwischen Etna und Meer ist halt genial! Nun aber zur FCE. Um überhaupt dorthin zu gelangen muss man erst die U-Bahn nehmen um bis Catania Borgo zu gelangen. Ich stieg wieder im Hauptbahnhof zu.

Die U-Bahn
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Dort heißt es dann erstmal: Ticket kaufen und warten. Währenddessen sehe ich mich etwas am Bahnhof um.

Fahrdienstleiter als »Dirigent der Bewegung« - schön :-)
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Stellwerkstechnik
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Blick in Fahrtrichtung
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Die Fahrgäste lassen sich sofort in zwei Gruppen einteilen: Einheimische, die die Bahn benutzen um von A nach B zu kommen (hauptsächlich Jugendliche) und Touristen, die die Bahn wegen der Bahn benutzen. Endlich fährt der Zug ein:

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Schön alt, mit Fenster zum Öffnen. Weil im anderen Bericht nach Klimaanlagen gefragt wurde: Ich persönlich mag die ja eher nicht weil die Luft so künstlich und meistens übertrieben kalt (Wozu muss ich im Sommer auf 20 Grad kühlen wenn im Winter die Leute jammern dass 20 Grad zu kalt seien und auf 25 Grad heizen? An die Umwelt denkt eh niemand mehr..) ist. Okay, im Hochsommmer wäre mir das auch zu heiß, aber da wäre Sizilien ohnehin nichts für mich.

Der erste Teil der Fahrt ist wenig spektakulär. Auch mit unterirdischen Bahnhöfen. Ich dachte mir eigentlich schon „das hättest Du Dir sparen können“, aber nach einiger Zeit hat sich das geändert! Schöner Ausblick auf eine schöne Landschaft.

Landschaft
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... und weil diese Tierchen den Bahnübergang nicht benutzt haben, mussten wir kurz anhalten
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In Randazzo (glaub ich zumindest dass es dort war) war die Fahrt dann zu Ende. Schienenersatzverkehr. Der Schaffner hat extra noch jemand dazugeholt, der den Touristen auf Englisch erklärt hat, dass sie in den Bus umsteigen müssen. Ich hätte das auch so kapiert ;-). Die Busfahrt war dann auch ein Erlebnis für sich. Die Straße ist sehr kurvenreich. Statt ganz langsam zu fahren entschied sich der Busfahrer - wir sind schließlich in Italien - an jeder Kurve einfach zu hupen. Ob das gutgeht? Fast. An einer Kreuzung kam es dann tatsächlich zu einem leichten Zusammenstoß seitlich mit einem Pkw. Es wurde die Polizei geholt, was die Weiterfahrt dann eine halbe Stunde verzögerte. Dort sprach mich dann auch eine Gruppe von Schülerinnen an, die erst ihre Englisch- und dann ihre Deutschkenntnisse (sie lernten tatächlich Deutsch am Gymnasium) ausprobieren wollten. Ich musste unbedingt was für ihre Lehrerin aufs Handy sprechen. Hach, früher wäre das nicht passiert, schließlich hatte da nicht jeder ein Diktiergerät dabei. ;-)

Von Riposto - mittlerweile war es Abend - fuhr ich dann zurück nach Catania und schließlich nach Syrakus.

Am nächsten Tag wollte ich nach Enna zu meinem nächsten Quartier. Meine Recherche ergab, dass die Bahn ein wenig geeignetes Verkehrsmittel darstellt weil der Bahnhof ziemlich weit (vor allem höhenmäßig) vom Ort weg ist. Insofern hat mich dann dann dazu bewogen, den Bus einzuplanen. Es gibt keine direkte Busverbindung von Syrakus nach Enna und die Umsteigeverbindungen waren schlecht. Infolge dessen war der Plan, mit dem Zug wieder nach Catania zu fahren und von dort mit dem Bus aus nach Enna. Am Bahnhof hatte ich eine halbe Stunde Zeit, den Bus zu finden.

Leider war das zu wenig. Vor dem Bahnhof befindet sich die Bushaltestelle für die Stadtbusse. Der ZOB (so würde man ihn in Deutschland bezeichnen) war gegenüber. Trotz diverser Rückfragen und trotz vorheriger Recherchen war es mir nicht möglich, den Bus und die passende Fahrkartenverkauffstelle zu erfragen. Ich bin zu blöd für Fernbusse in Italien. Gut, bevor ich jetzt zwei Stunden auf den nächsten Bus warte dachte ich, „fährst Du halt doch mit dem Zug“. Gesagt. Getan.

Es war eine schöne Bahnfahrt mit einem modernen Triebwagen. Das Wetter war immer noch sonnig. Ich hatte vor mir alle möglichen elektronischen Geräte ausgebreitet, um sie mit Strom zu füttern. Plötzlich kommt die Ansage „Enna“. In Deutschland kämen jetzt die Umsteigeverbindungen, man würde gesänkt bekommen mit der Bahn geträwelt zu haben, kurz, noch jede Menge Zeit, seine sieben Sachen zu packen. In Sizilien hingegen musste ich innerhalb von 30 Sekunden alles irgendwie reinstopfen und abstecken. Ein Ladegerät für 15 € blieb dabei zurück, aber es hätte schlimmer kommen können.

Wie bereits erwähnt befindet sich zwischen Enna und Enna Bahnhof eine Höhendistanz von ungefähr 200 m. Ich hatte auf einen Bus gehofft, meine Hoffnung blieb unerfüllt. Später werde ich erfahren dass es mal einen Bus gab, die Stadt sich aber mit dem Busunternehmen nicht einigen konnte und es seitdem keinen Bus mehr gibt. Jetzt weiß ich das noch nicht, und die Erkenntnis würde mir bei der Bewältigung der Distanz auch nicht helfen. Also mache ich mich mit meinem Rucksack auf den Weg. Der erste Teil lässt sich abseits der Hauptstraße auf einem Feldweg bewältigen (eine Offline-Variante von OpenStreetMap ist schon was praktisches).

Der Ausblick entschädigt einen aber für die Mühen. Ohne Gepäck wär's eh kein Thema gewesen.

Enna
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Calascibetta (der Bahnhof liegt zwischen Enna und Calascibetta)
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Weiter auf der vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße kamen dann zwei doch relativ agressive Straßenhunde auf mich zu, die sich auch von den ganzen Autos nicht abhalten ließen, die Straße zu überqueren. Etwas Panik machte sich in mir breit, doch noch bevor ich einen Plan B überlegen konnte, hielt ein Auto an. Die Italienerin fragte mich, ob sie mir helfen könnte und wo ich hinmüsse, und obwohl sie eigentlich in die andere Richtung nach Calascibetta fuhr, nahm sie mich mit, drehte um und fuhr mich den Berg hoch. Solche Hilfsbereitschaft habe ich hierzulande auch noch nicht erlebt. Obwohl die Kriminalität auf Sizilien sicher objektiv höher ist als in Deutschland hat man offenbar weniger Angst davor.

Erleichtert in Enna angekommen beziehe ich als erstes meine Unterkunft. Gebucht hatte ich ein Bett im Mehrbettzimmer in einem Hostel, faktisch war ich der einzige Gast an diesem Werktag. Die Saison hat noch nicht begonnen, zumal Enna nicht so touristisch ist wie Palermo und auch wegen der Höhe etwas kühler.

Weiter geht's dann im nächsten Teil mit Enna und der Weiterfahrt nach Palermo.

Ich hoffe mal die Bilder gefallen etwas, ich bin leider kein Nachbearbeitungsspezialist und nehme sie so wie sie der Bildprozessor der Kamera hinterlässt. :-)

Sizilien an Ostern, Teil 3 - Catania

JeDi, überall und nirgendwo, Samstag, 18.06.2016, 11:38 (vor 3607 Tagen) @ Taurus83

Danke auch für den ditten Teil!

Zum Thema FCE-Fahrplan: Ich kann ja nun überhaupt kein Italienisch, aber auf http://www.circumetnea.it einfach auf "Linee e Orari" und dann auf "orario ferrovia" ergibt dieses PDF ;)

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Weg mit dem 4744!

FCE Fahrplan

Taurus83, Nürnberg, Samstag, 18.06.2016, 12:01 (vor 3607 Tagen) @ JeDi

Hi JeDi,

Zum Thema FCE-Fahrplan: Ich kann ja nun überhaupt kein Italienisch, aber auf http://www.circumetnea.it einfach auf "Linee e Orari" und dann auf "orario ferrovia" ergibt dieses PDF ;)

tja, was soll ich sagen. Ich könnte jetzt behaupten, dass das damals noch nicht existiert hat. *rausred* :)


Viele Grüße,
Bernhard

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