[IT] Sizilien an Ostern, Teil 1 (Reiseberichte)

Taurus83, Nürnberg, Montag, 13.06.2016, 21:19 (vor 3612 Tagen)
bearbeitet von Taurus83, Montag, 13.06.2016, 21:20

Hallo,

ein paar Tage Resturlaub vom letzten Jahr waren noch übrig und mussten verplant werden. Ich bin kein Wintersportler und mag die kurzen Tage nicht, daher wollte ich die Tage soweit es geht in das Jahr reinschieben. Und das hieß: Bis Ende März die Woche nach Ostern.

Obwohl ich kein Flugfreund bin ist Sizilien dann schon ein Ziel, bei dem auch ich an ein Flugzeug als ein geeignetes Mittel denke, um dorthin zu kommen. Aber wäre ich geflogen, hätte ich keinen Bericht für ice-treff verfasst, zumal die Bahn-Bilder auch bei meinem zweiten Bericht hier eher die Ausnahme darstellen werden.

Da ich am Karfreitag noch was zu erledigen hatte, startete die eigentliche Reise dann erst am Abend in München (im Übrigen auch cool dass das Buchungssystem der Bahn die Strecke Nürnberg - Regensburg - Landshut - München als kostenlosen NV-Vorlauf akzeptiert).


   München Hbf     ab 21:02      CNL 485 »Lupus«
   Roma Termini    an 09:22
   
   Roma Termini    ab 11:26      IC 727
   Siracusa        an 22:45

Die Tickets waren (schon um die Neujahrswende) gekauft, sehr günstig: 61 € bis Rom im Liegewagen von der DB, 20 € dann noch bis Siracusa von der Trenitalia. Und das ganz regulär ohne Tricks (okay, Stückeln). Ich bin sicher, mit einem schottischen Billigflieger zur Unzeit wäre es noch billiger geworden, aber das war nicht das Kriterium. Die neue 5er-Regelung im Abteil finde ich eigentlich sehr praktisch, da dann genug Platz für's Gepäck da ist. Ich finde es nur etwas komisch dass nicht die mittlere Liege dafür vorgesehen ist sondern die obere, da man in der Mitte wohl doch am unbequemsten liegt (hab's aber noch nie probiert, hatte immer unten oder oben).

Der Zug fuhr (wie eigentlich immer wenn ich mit einem Nachtzug fahre) verspätet ab, wegen Wartens auf Anschlussreisende. Bei den üppigen Fahrzeitreserven aber auch kein Problem. Meine letzte Fahrt nach Rom hatte ich in etwas schlechter Erinnerung. Ganz einfach deswegen weil die Fahrt in Bologna wegen einer mehrstündigen Verspätung des EN aus Wien endete und alle dann in den italienischen Schnellzug umsteigen musste. Was zwar zur Folge hatte, dass wir eher in Rom waren, aber eben auch, dass ich nicht ausschlafen konnte und die fehlende Sitzplatzreservierung dann auch zu einem mehrmaligen Umsitzen geführt hat (italienische Züge sind reservierungspflichtig, daher werden eigentlich freie Sitzplätze nicht angezeigt und bei jeder Station kann jemand kommen).

Der Zug war praktisch ausgebucht und das Abteil war auch in München schon voll. Der Schaffner ist mir noch in positiver Erinnerung geblieben. Sehr freundlich, sprach fließend italienisch und hat auch versucht jeden Reisenden in seiner Sprache anzusprechen. Ja, ich weiß, offiziell gibt es keine Schaffner. Aber da ich nicht bei der Bahn arbeite darf ich das sagen. Insgesamt jedenfalls eine sehr angenehme Fahrt! Irgendwo in Italien um knapp 7 Uhr wurde ich dann dennoch wach. Laut der DB-App knapp eine halbe Stunde Verspätung, aber dank Schnellfahrstrecke wurde die dann wieder reingefahren. Dass die doch recht alten Wagen 200 km/h (laut GPS auf meinem Schlaufon) fahren dürfen hätte ich gar nicht gedacht! Der Zugteil aus Wien scheint auch drangekoppelt worden zu sein, denn die Durchsagen kurz vor Rom kamen nicht mehr von CNL sondern von „Newrest Wagon Lits“. Sehr gut, pünktlich um 9:22 Uhr in Roma Termini!

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Das Ziel ist ja nicht Rom sondern Sizilien, also zwei Stunden Wartezeit. Ich mag Bahnhöfe eigentlich ganz gern, aber nicht Roma Termini. Weiß auch nicht warum, wenig Sitzgelegenheiten, teure Geschäfte, unschöne Umgebung, keine Schließfächer aber trotzdem hektisches Gewusel. Die zwei Stunden gingen mit passenden Podcasts und einem Einkauf in einem Supermarkt im Untergeschoss dann auch rum und irgendwann wurde der IC auch bereitgestellt.

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Italienische Abteilwagen durch und durch, zwar alt aber gemütlich. Das Wetter war nicht besonders schön, so konnte man die Ausblick der doch teilweise landschaftlich angenehmen Strecke am Mittelmeer nicht genießen wie es bei schönem Wetter gewesen wäre. Zunächst wechselte die Abteilbelegung öfter - nicht jeder ist so verrückt, die ganze Strecke durchzufahren -, dann stiegen irgendwann eine ältere Frau mit ihrem Sohn zu. Sie hatten viel Gepäck und noch mehr zu essen dabei und ließen es sich nicht nehmen, mir etwas davon anzubieten. War mir zwar irgendwie unangenehm, da ich nichts dabei hatte, was ich im Gegenzug anbieten konnte, aber letztlich griff ich dann doch zu. Schon alleine deshalb weil ich für die lange Fahrt etwas zu wenig gekauft habe und dann irgendwann Hunger bekam. Leider konnte ich mich mit ihnen wegen fehlender Italienischkennisse meinerseits und fehlender Englischkenntnisse ihrerseits nicht wirklich unterhalten.

In Villa San Giovanni stiegen dann die meisten Fahrgäste aus, so auch meine Mitreisenden im Abteil. Ich vermute mal es gibt effizientere Wege auf die Insel zu kommen, weil der Ort selbst hat mir jetzt nicht den Eindruck gemacht dass dort alle hinwollen. Wie auch immer, für mich begann nun der eigentlich spannende Teil der Zugfahrt: Die Verladung auf das Schiff. Zeitdruck herrscht jedenfalls nicht, für die ganze Prozedur der etwa 20-minütigen Überfahrt sind zwei Stunden vorgesehen.

Der Zug passt natürlich nicht als Ganzes auf das Schiff, er wird in zwei Teile zerlegt. Interessanterweise ist das nicht die gleiche Teilung wie hinterher (Zugteil nach Siracusa, der zweite nach Palermo), warum auch immer. Hier zwei Fotos von der Fähre:

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Das Ganze war noch vor der Sommerzeit-Umstellung, es war also schon dunkel. Zum Glück durfte man während der Überfahrt den Zug verlassen, etwas frische Luft und Bewegung tun nach so einer langen Fahrt dann gut. Irgendwann wird dann wieder rangiert was das Zeug hält und der Zug setzt sich letztendlich nach Siracusa in Bewegung. Das Reservierungssystem hat funktioniert und mich in den richtigen Teil gebucht. Perfekt!

Entlang der Küste Siziliens geht es dann im Dunkeln über Catania (wo der Zug dann wieder leerer wird nachdem er sich in Messina wieder gefüllt) hat nach Siracusa. Zum Glück liegt meine Unterkunft nahe des Bahnhofes so dass ich gleich einchecken und schlafen kann. Einen Tag nichts tun ist halt doch anstrengend!

Im zweiten Teil geht's dann nach Catania, im dritten nach Enna, von dort nach Palermo und schließlich die Strecke durch Italien wieder zurück.


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