Immer derselbe Bahnhof, Teil 19 (25 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 17.05.2016, 18:26 (vor 3611 Tagen)

Liebe Leser,

Kabel jeder Art gelten unter Baggern als Leckerbissen. Und doch war es trotz der Bauarbeiten vor der Haustür eine Störung in einem Verteilerkasten, die mich am letzten Dienstag von der Einstellung des Portraits abhielt. Da mir viel an einem pünktlichen Ende dieser Serie gelegen ist, gibt es daher heute eine ungeplante Doppelfolge. Aber das paßt ja gut zum grünen Ländle.


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Die Flachlandbewohner satteln bitte die Sauerstoffflaschen. Hoch hinaus geht es, denn der Bahnhof von Neustadt (Schwarzwald) liegt 805 Meter über dem Nullpunkt (NHN), dessen maßgeblicher Nivellementpunkt sich an der Neuen St.-Alexander-Kirche Kirche in Wallenhorst befindet. Das ist kein Schreibfehler, die Alte St.-Alexander-Kirche gibt es auch. Wallenhorst aber hat keinen Bahnhof, es liegt etwa mittig in der Luftlinie zwischen Bramsche und Osnabrück Hasetor.


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Neustadt im Schwarzwald ist heute ein Stadtteil von Titisee-Neustadt. Die Stadt wurde um 1250 durch die Fürsten zu Fürstenberg (heute in Donaueschingen ansässig, Begründer der dortigen Musiktage und der nach der Familie benannten Biersorte) gegründet. Die Stadt wurde 1803 badisch. Am 1. Juli 1971 wurden Titisee und Rudenberg eingemeindet, die neue Kommune erhielt den Namen Titisee-Neustadt. Sie gehört heute dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald an.

Der Bahnhof mit seinen drei Bahnsteiggleisen liegt südwestlich der Altstadt mit ihrer markanten, 1897 - 1901 errichteten und als Münster bezeichneten Pfarrkirche. Er ist heute Endpunkt der sündlichen Regionalbahnen aus Freiburg (noch BR 143, gerne mit DBuz) sowie der beiden zweistündlichen Eilzuglinien aus Rottweil und Ulm (noch BR 611). Einige wenige Leistungen von und nach Donaueschingen werden durch die Hohenzollerische Landesbahn (BR 650) gefahren, zweimal wöchentlich kommt ein Dieselzugpaar sogar bis Titisee.
Der Bahnhof ist somit aus verkehrlicher Sicht quasi ein doppelter Endbahnhof. Aus historischer Sicht ist er ein Zwischenbahnhof an der Höllentalbahn. Auch wenn sie dieses nur auf wenigen Kilometern befährt, so wird die Gesamtstrecke von Freiburg bis Donaueschingen so bezeichnet. Der Abschnitt im Höllental ist die steilste Hauptstrecke Deutschlands, hier lag anfänglich eine Zahnstange.
Am 18. Juni 1936 wurde der elektrische Betrieb zwischen Freiburg und Neustadt aufgenommen. Bis 1960 war das ein Versuchsbetrieb mit 20 kV 50 Hz ~, damals wurde - wie auch auf der Dreiseenbahn - aufs normale System umgestellt. In den nächsten Jahren soll die Fahrdrahtlücke zwischen Neustadt und Donaueschingen geschlossen werden.

Daneben war Neustadt Endstation vieler Züge von und nach Bonndorf. Sie fuhren ostwärts auf der hinteren Höllentalbahn, bogen dann in Kappel Gutachbrücke auf die Nebenbahn nach Bonndorf mit Spitzkehre in Lenzkirch ab. Diese Strecke wurde am 26. Mai 1907 eröffnet, am Jahresende 1976 endete der Gesamtverkehr.

Die Bahnstrecke Freiburg - Neustadt war am 21. Mai 1887 eröffnet worden, sie war ein Werk Robert Gerbigs. Am 20. August 1901 wurde die Verlängerung nach Donaueschingen eröffnet, diese macht zur besseren Erschließung einiger Orte einen Schwenker nach Süden. Die kurze Strecke zwischen Hüfingen und Donaueschingen wurde bereits am 20. Oktober 1892 eröffnet und diente anfangs den Zügen der privaten Bregtalbahn.
In den 1920ern und 1930ern wurde der Abschnitt Freiburg - Titisee umgebaut. Im oberen Abschnitt entstand das neue Ravennaviadukt (1927), im Stadtgebiet Freiburg entstand eine neue Linienführung. Diese verläuft nicht mehr auf Straßenniveau, es waren zwei Tunnel und der Neubau des Bahnhofs Wiehre erforderlich. Nach Ankunft der Dampfloks der Baureihe 85 konnte 1933 auf die Zahnstange verzichtet werden. Auf dem elektrischen Abschnitt gab es bis zur Umelektrifizierung einen Mischbetrieb Elektro/Dampf.


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1 14. Juli 2015, kurz nach halb. 143 350 ist schon bereit zur Rückfahrt ins noch heißere Rheintal, 611 549 fährt gleich gen Donaueschingen.


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2 Da der Bahn die umsteigende Kundschaft wichtiger ist als die örtliche, halten die Züge normalerweise am Mittelbahnsteig.


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3 Das Stellwerk ist außer Betrieb. Oft schon habe ich mich gefragt, warum man bahnamtl. Abk. wie Hess-Nass, Han, b o. a. Schwarzw nicht ausschreibt.

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4 Hinterm Bahnhof führt die Umgehungsstraße entlang. Sie ist Teil der Bundesstraße 31, die vom Rhein über die Donau zum Rhein verläuft.


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5 ...und tschüß.


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6 Empfangsgebäude.


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7 Blick rüber zur Kirche.


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8 Der Bahnhof verfügt über Blumenkübel und Schließfächer.


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9 Ob die Fenster zwischenzeitlich mal geputzt worden sind?


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10 Eine jener Aufnahmen, die ich üblicherweise Tunnelbild zu betiteln pflege. Also: Tunnelbild.


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11 Holzdach.


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12 Mittelbahnsteig.


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13 Das Münster dominiert die Szene.


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14 Bahnhofsbild.


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15 Wegweiser im Heimatstil.


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16 Das Rathaus von Neustadt.


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17 Zurück im Empfangsgebäude.


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18 Der Kiosk sieht ein wenig altmodisch aus.


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19 Blick zur Gleisseite.


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20 Der Busbahnhof liegt direkt am Bahnhof.


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21 Bahnsteigenden.


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22 Übersichtsbild.


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23 Treppenabgang.


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24 Für den nächsten Zug runter ins Tal ist 143 042 verantwortlich.


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25 Und zur anderen Seite 611 014.


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Uns zieht es im Finale dieser Serie stetig und unaufhaltsam nordwärts, nach dem badischen folgt nun der württembergische Landesteil.
Geht gleich weiter.


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