Immer derselbe Bahnhof, Teil 15 (30 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 12.04.2016, 17:58 (vor 3646 Tagen)

Moin und willkommen an der Saale hellem Strande. Denn auch dort liegt Neustadt. Sogar mit doppelt gemoppeltem Zusatz: Bad Neustadt an der Saale. Am 30. Juli 2015 war ich dort. Und ehe es gilt, aus 46 Aufnahmen eine Auswahl fürs Forum aufzubereiten, darf ich euch mit Bad Neustadt und seiner Eisenbahn bekannt machen.


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Bad Neustadt liegt im Norden Frankens, es hat mitsamt seiner Stadtteile 11.000 Einwohner. Wann es gegründet wurde, ist nicht bekannt; es ist jedenfalls älter als seine erste Erwähnung 1232. Neustadt gehörte lange Jahre zum Hochstift Würzburg, dessen säkularer Nachfolger wurde nach kurzer Zeit durch Bayern übernommen. Östlich der Saale liegt Neuhaus, 1451 begründet. Dort gab es Heilquellen, die seit 1853 zu Kurzwecken genutzt werden, daher wurde die Gemeinde 1907 in Bad Neuhaus umbenannt. Seit deren Eingemeindung nach Neustadt 1934 heißt Neustadt Bad Neustadt. Oberhalb von Neuhaus befindet sich auf einem Hügelchen die Salzburg, eine in den letzten Jahrzehnten erneuerte Burganlage.


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Am 15. Dezember 1874 fand die Eröffnung der Bahnstrecke von Ebenhausen über Bad Neustadt und Ritschenhausen nach Meiningen statt. Der Bau wurde von den jeweiligen Staatsbahnen durchgeführt, der Betrieb auf gesamter Linie von der in München domizilierten Bahngesellschaft. Per Staatsvertrag vom 30. Mai 1895 ging auch das sachsen-meiningische Teilstück in bayrischen Besitz über. Mit der Zeit erhielt die Strecke eine gewisse Bedeutung, so verkehrte hier 1939 u. a. ein Kurswagen von Berlin nach Neustadt an der Bucht. Der Zugverkehr endete vorerst am 8. April 1945 durch die Sprengung diverser Brücken durch die Wehrmacht, kürzere Teilstrecken blieben befahrbar.
Trotz der Wiedereröffnung der Strecke nach Thüringen am 28. September 1991 wurde zwischen Ebenhausen und Mellrichstadt im September 1994 der signalisierte Zugleitbetrieb aufgenommen. Hierdurch sank die Leistungsfähigkeit, dank veränderter Signalstandorte war ein Verkehren längerer Güterzüge nicht mehr möglich. Die Technik hielt sich nicht lange, seit 2004 wird der Abschnitt vom ESTW in Bad Neustadt ferngesteuert.
Den Zugverkehr teilen sich zwei Unternehmen. DB Regio fährt zweistündlich zwischen Erfurt, Schweinfurt und Würzburg (Baureihe 612). Die Erfurter Bahn (Baureihe 650) ist zweistündlich zwischen Meiningen, Schweinfurt und Schweinfurt Stadt unterwegs, leicht versetzt fahren ebenfalls zweistündlich Verstärker zwischen Schweinfurt Stadt und Bad Neustadt.

Am 15. Oktober 1885 wurde die Bahnstrecke von Neustadt an der Saale nach Bischofsheim eröffnet, am 2. Mai 1989 war es mit ihr vorbei. Die ersten Meter liegen noch als Anschlußgleis, danach kan man Bahntrassenradeln machen, überwiegend direkt neben der Straße.
Etwa acht Jahre jünger ist die Bahnstrecke nach Königshofen im Grabfeld. Am 1. Oktober 1893 fuhr der erste Zug, am 29. Mai 1976 der letzte Reisezug. Ende 1994 hörte der Güterverkehr auf. Wenig später folgte auch hier die Umwandlung für Bahntrassenradler.


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1 Wir begeben uns sofort zum Bahnsteig 4.


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2 Denn von dort läßt sich das Stellwerksgebäude vorm Güterschuppen gut aufnehmen. Links von ihnen zweigt die Bahnstrecke nach Bischofsheim ab.


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3 Wenig später erreicht der Zug nach Schweinfurt den Bahnhof (Puristen dürfen sich gerne aufregen, daß ich den Zug ein Teil vom Güterschuppendach habe anschneiden lassen). VT 004 führt, ...


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4 ...VT 016 läßt sich fahren.


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5 Das grüne Signal deutet auf eine Zugkreuzung hin.


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6 Schon vorm Empfangsgebäude beginnt die Bischofsheimer Strecke ihre Eigenständigkeit.


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7 Nun endlich zeigt sich VT 014. Drei Minuten sind seit der ersten Aufnahme vergangen.


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8 Bahnsteig 4 ist schön modern ausgestattet. Er hat werktags außer samstags vier Abfahrten. Das freut, denn so hält er länger.


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9 Die meisten Züge fahren vom Mittelbahnsteig.


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10 Der ist moderner als der Tunnel.


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11 Das ist der Zugang.


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12 1.2364.0.


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13 Der Ausgang zur Stadt.


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14 Gleis 1.


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15 Im Empfangsgebäude finden sich diverse Firmen...


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16 ...und der Fahrkartenschalter.


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17 So sieht es drinnen aus...


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18 ...und so der Bahnhofsvorplatz. Wer genau hinsieht, erkennt Nessi.


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19 Das Empfangsgebäude.


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20 Wirklich?


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21 Moderner Vorbau. Das ortsbediente Reisezentrum befand sich zuletzt in der (aus dieser Perspektive) kleinen Hütte hinter der Uhr.


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22 Güterverladung.


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23 Nach einem gewissen Fußweg sind wir auf dem Markt angekommen.


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24 Weiter hinten die Stadtkirche.


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25 Blick rüber zur Salzburg. Links von ihr erheben sich Klinikgebäude der Betonära.


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26 Die Altstadt liegt erhöht.


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27 Drunt im Taale die Sale.


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28 Bad Neuhaus.


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29 Bahnbrücke.


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30 Da zu rück am Bahnhof die Sonne weg war, belassen wir es bei diesem Belegbild von 612 024, der gerade den vor sich hinrostenden Rollstuhlhublift passiert.


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Auf Wiedersehen in Neustadt! Aber erst in zwei Wochen, denn den 16. Teil dieser Serie habe ich bereits mit dem achten Teil zusammen gezeigt. Die Übersicht über alle bisher erschienenden Neustadt-Portraits und Links zu den viel zu vielen anderen von mir vorgestellten Bahnhöfen findet ihr in meinem zweiteiligen Beitragsverzeichnis, das ihr über den Link in meiner Signatur erreicht.

Viele Grüße
Sören


Eine kurze Durchsage, bevor es ein anderer tut: Es sei darauf hingewiesen, daß es sich bei der Saale natürlich um die Fränkische und nicht um die Sächsische Saale handelt. Danke. Ende.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Danke

462 001, Taunus, Dienstag, 12.04.2016, 18:37 (vor 3646 Tagen) @ Sören Heise

So, das muss heute reichen:)


Gruß
Marcel

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Stand: 20.02.2026

Immer derselbe Bahnhof, Teil 15 (30 Bilder)

Regiosprinter, Dienstag, 12.04.2016, 20:33 (vor 3646 Tagen) @ Sören Heise

Hallo,

vielen Dank auch für dieses Neustadt-Portrait.
Ich finde es immer wieder faszinierend, welch Kleinstädte auch heute noch einen eigenen Landkreis haben...

Klaus

Sammelantwörtchen

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 13.04.2016, 18:18 (vor 3645 Tagen) @ Regiosprinter

Ich danke euch!

Klaus: Im Gegenzug bin ich auf einen Landkreis gestoßen, in dem man heute sieben Kfz-Kennzeichen zur Auswahl hat. Und das auch nur, weil man für den heutigen Großkreis auf ein Altkennzeichen zurückgegriffen hat...

Im Großkreis Mecklenburg-Vorpommern Ost wird man dann dereinst eine noch größere Auswahl haben, es sei denn, man verbietet weitere Kreisfusionen.


Viele Grüße
Sören

Immer derselbe Bahnhof, Teil 15 (30 Bilder)

DR2771, Mittwoch, 13.04.2016, 21:59 (vor 3645 Tagen) @ Sören Heise

Am 15. Dezember 1874 fand die Eröffnung der Bahnstrecke von Ebenhausen über Bad Neustadt und Ritschenhausen nach Meiningen statt. Der Bau wurde von den jeweiligen Staatsbahnen durchgeführt, der Betrieb auf gesamter Linie von der in München domizilierten Bahngesellschaft. Per Staatsvertrag vom 30. Mai 1895 ging auch das sachsen-meiningische Teilstück in bayrischen Besitz über. Mit der Zeit erhielt die Strecke eine gewisse Bedeutung, so verkehrte hier 1939 u. a. ein Kurswagen von Berlin nach Neustadt an der Bucht. Der Zugverkehr endete vorerst am 8. April 1945 durch die Sprengung diverser Brücken durch die Wehrmacht, kürzere Teilstrecken blieben befahrbar.

Bis 1945 verkehrten hier auch interessante D-Zug-Langläufe wie: D 11/12 und D 13/14 (dieser sogar von Konstanz-)Stuttgart-Würzburg-Erfurt-Halle-Berlin und zurück. Um 1937-1939 sogar Schaffhausen-Stuttgart-Erfurt-Berlin oder Tübingen-Stuttgart-Erfurt-Berlin.Z.t. auch FD-Züge ab/bis Zürich!

Trotz der Wiedereröffnung der Strecke nach Thüringen am 28. September 1991 wurde zwischen Ebenhausen und Mellrichstadt im September 1994 der signalisierte Zugleitbetrieb aufgenommen. Hierdurch sank die Leistungsfähigkeit, dank veränderter Signalstandorte war ein Verkehren längerer Güterzüge nicht mehr möglich. Die Technik hielt sich nicht lange, seit 2004 wird der Abschnitt vom ESTW in Bad Neustadt ferngesteuert.

Der signalisierte Zugleitbetrieb (SZB) war ursprünglich konzipiert und schon vertraglich fixiert für die Rumpfstrecke bis Mellrichstadt bzw. war auch angedacht, nur noch bis Bad Neustadt zu fahren. Dann kam der Herbst 1989 und man baute es eben ein, weil Siemens ansonsten mit Vertragsbruch gedroht hätte und erweiterte den SZB-Betrieb bis Rentwertshausen (ausschließlich).

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5 Das grüne Signal deutet auf eine Zugkreuzung hin.

Rechts vom Streckengleis Richtung Norden verlief die Strecke nach Bad Königshofen(im Grabfeld)


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21 Moderner Vorbau. Das ortsbediente Reisezentrum befand sich zuletzt in der (aus dieser Perspektive) kleinen Hütte hinter der Uhr.

Und ebendort - in dieser kleinen Hütte - in Richtung Bahnsteig war auch das SZB-Stellwerk des Zugleiters


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27 Drunt im Taale die Sale.

Und so lieblich wie sie sich dahinschlängelt - bei Frühjahrshochwasser war es dort weiträumig nass....

Auf Wiedersehen in Neustadt! Aber erst in zwei Wochen, denn den 16. Teil dieser Serie habe ich bereits mit dem achten Teil zusammen gezeigt. Die Übersicht über alle bisher erschienenden Neustadt-Portraits und Links zu den viel zu vielen anderen von mir vorgestellten Bahnhöfen findet ihr in meinem zweiteiligen Beitragsverzeichnis, das ihr über den Link in meiner Signatur erreicht.

Viele Grüße
Sören

Vielen Dank für den - wieder einmal - sehr interessanten Bericht!


Eine kurze Durchsage, bevor es ein anderer tut: Es sei darauf hingewiesen, daß es sich bei der Saale natürlich um die Fränkische und nicht um die Sächsische Saale handelt. Danke. Ende.

Schluss!

Immer derselbe Bahnhof, Teil 15 (30 Bilder)

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 15.04.2016, 11:39 (vor 3643 Tagen) @ DR2771

Moin,

vielen Dank an Dich für die zusätzlichen Informationen. Die Strecke nach Königshofen hätte ich fast vergessen zu erwähnen...


Viele Grüße
Sören

Immer derselbe Bahnhof, Teil 15 (30 Bilder)

DR2771, Freitag, 15.04.2016, 18:35 (vor 3643 Tagen) @ Sören Heise

Du hast sie am Anfang doch erwähnt - ich wollte nur hinweisen, wo die Trasse im Bahnhofsbereich lag....

Immer derselbe Bahnhof, Teil 15 (30 Bilder)

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 15.04.2016, 20:01 (vor 3643 Tagen) @ DR2771

Du hast sie am Anfang doch erwähnt - ich wollte nur hinweisen, wo die Trasse im Bahnhofsbereich lag....

Klar. Es hätte bloß nicht viel gefehlt, und ich hätte die Königshofener Strecke gar nicht erwähnt im Portrait...

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