Immer derselbe Bahnhof, Teil 13.1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 29.03.2016, 13:52 (vor 3689 Tagen)

Grüß Gott,

der Umzugswagen ist längst wieder weg. Wobei es vermutlich doch eher keinen gegeben hat, denn aus dem Bahnhof Neustadt (Waldnaab) ist ein kleiner Haltepunkt geworden. Das freut die Neustädter, denn sie haben es nun weniger weit zum Zug. Und das freut auch die Einwohner von Altenstadt (Waldnaab), den sie haben jetzt einen eigenen Haltepunkt. Im Vergleich mit Neustadt mit doppelt so vielen Bahnsteigen und dreimal so vielen Nachbarstationen.


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Die auf Bahndeutsch Neustadt (Waldnaab) heißende Stadt ist Neustadt an der Waldnaab, das amtlich angeblich Neustadt a.d.Waldnaab (mit nur einem Leerzeichen!) heißen soll. Ich kann das weder bestätigen noch demontieren und werde den Ort fortan Neustadt nennen. Es ist die flächenmäßig kleinste Kreisstadt in Bayern, hat auf knapp 10 Quadratkilometern zwischen 5700 und 5800 Einwohnern. Die Altstadt besteht aus wenig mehr als einer Straße, der Kirche und zwei Schlössern. Sie liegt auf einem Hügel zwischen der Waldnaab und der Floß. Erstmals erwähnt wurde der Ort anno 1217, als die uns schon aus Neustadt am Kulm bekannten Leuchtenberger neben anderen Ländereien auch Neustadt an Heinrich I. von Ortenberg verpfändeten. 1329 kam es zum Pfalzgrafen bei Rhein, 1353 wurde es an den König von Böhmen verkauft. Da blieb es einige Generationen, 1558 ging es als Pfand ans Haus Popel von Lobkowitz, 1575 wurde es zum Erblehen. 1641 fusionierten Neustadt und Störnstein zur Gefürsteten Grafschaft Störnstein. Nach der Mediatisierung wurde diese 1807 an Bayern verkauft. Das ist ganz praktisch, denn so kann ich die Eisenbahngeschichte separat abhandeln.


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Am 15. August 1864 wurde die Bahnstrecke von Weiden über Windischeschenbach und Wiesau nach Waldsassen eröffnet. Am 15. Oktober 1865 folgte die Fortsetzung nach Eger und am 1. November 1865 war die Verbindung von Regensburg nach Hof komplett. Die Bahnstrecke Wiesau - Eger wurde 1945 unterbrochen, die Züge nach Hof nutzen heute die komplett in Deutschland liegende Strecke über Marktredwitz. Regensburg - Hof ist durchgehend zweigleisig und nicht elektrifiziert. Neustadts Bahnhof lag jenseits der Waldnaab auf dem Gebiet der Gemeinde Altenstadt. Er wurde am 18. Oktober 1886 zum Abzweigbahnhof, als die Bayrischen Staatsbahnen die Lokalbahn von Neustadt nach Vohenstrauß eröffnete. Sie wurde in zwei Etappen verlängert: Am 16. August 1900 nach Waidhaus und am 1. Oktober 1908 nach Eslarn, knapp 50 Schienenkilometer von Neustadt entfernt. Ab 1. Juni 1975 endete der Reiseverkehr in Floß (Kilometer 9,9), am 29. Mai 1992 auch auf dem Restabschnitt. Der Güterverkehr in der strukturschwachen Grenzgegend endete in den Folgejahren: Hinter Vohenstrauß am 22. Mai 1993. Am 28. Mai 1995 war bis auf die Bedienung einer Fabrik in Neustadt Schluß, diese Verkehre endeten am Jahresende 2001.
Wie erwähnt, lag der Bahnhof Neustadt außerhalb. Das Eslarner Bockl führte dichter am Zentrum vorbei, der Haltepunkt dort hieß St. Felix. Zwei Bahnübergänge vor diesem wurde am 9. Dezember 2007 der neue Haltepunkt Neustadt (Waldnaab) eröffnet, die stündlichen RE-Züge von Nürnberg nach Weiden wurden zum selben Tag dorthin verlängert. Der Bahnhof Neustadt wurde für den Personenverkehr geschlossen, südlich von ihm wurde an der Hauptstrecke am selben Tag als weiterer Ersatz der Haltepunkt Altenstadt (Waldnaab) in Betrieb genommen.

Ich fuhr am 8. September 2015 bis Altenstadt. Von dort ging es zu Fuß zunächst zum Bahnhof Neustadt, dann rüber in Neustadts Altstadt und über den Hp. St. Felix zum Haltepunkt Neustadt. Wer möchte, darf im zweiten Teil auf diesen kleinen Spaziergang mitkommen.

Immer derselbe Bahnhof, Teil 13.2 (40 Bilder

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 29.03.2016, 13:52 (vor 3689 Tagen) @ Sören Heise

Und los.


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1 Lassen wir 612 489 nach Neustadt fahren.


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2 Blick von oben. Freundlicherweise schützt man den Haltepunkt vorm Lärm im entstehenden Neubaugebiet.


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3 Den Schuß in die Gegenrichtung habe ich grandios versemmelt. Das ist mit meiner kleinen Knipskamera schon ein Kunststück. So nutzte ich am 11. September die Chance, diese Abbildung nachzuholen. Wir sehen den Abzweig der Nebenbahn und weiter hinten das alte Empfangsgebäude.


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4 Die Weiche war schon gestellt. 612 093 fädelt sich auf die Hauptstrecke ein.


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5 Zurück zum Thema, folgen wir dem Wegweiser.


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6 Die beiden Stellwerke in Neustadt wurden im April 2008 außer Betrieb genommen, seitdem wird der Bahnhof aus Weiden ferngesteuert.


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7 Der Bahnparallelweg. Früher war wohl mal mehr Eisenbahn.


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8 Der Nebenbahn Waldnaabrücke.


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9 Der Bahnhof.


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10 Hinweisschild.


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11 Die Eslarner Züge hielten auf dem Bahnhofsplatz.


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12 In der Gegenrichtung geht der Blick hin zum Güterschuppen.


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13 Der heute einzige Weg in die weite Welt.


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14 Der Schienenweg von Neustadt (Waldnaab) nach Neustadt (Waldnaab).


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15 Ansicht im Gegenlicht.


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16 An der Bushaltestelle Altenstadt Waldnaabbrücke sehen wir unser Ziel vor Augen. Die Firma Eska hat übrigens einen netten Hinweis auf ihrer Internetseite: ab 14.2015 - Achtung! Samstagsbus fährt früh später.


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17 Jan aus Pomuk.


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18 Schilderwald.


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19 In der Vorstadt.


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20 Hoch zur Altstadt. Das Rathaus steht gleichzeitig am Stadtrand und (mit dem anderen Ende) mittendrin. So etwas heißt dann Kleinstadt.


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21 Der Stadtplatz. Er wird hinten vom Neuen Schloß (1698 - 1720) begrenzt.


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22 Wo Schatten ist, da ist auch Sonne.


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23 Gesamtansicht bergab. St. Georg wurde um 1689 erbaut.


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24 Die 1662 erbaute Friedhofskirche steht schon jenseits der Altstadt.


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25 Der Südhang der Stadt. Rechts das Alte Schloß (1532 - 1620).


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26 Springbrunnen am Rathaus.


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27 Neustadt (Waldnaab).


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28 Auf dem Nachbarhügel das Anschlußgleis zur Glasfabrik.


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29 Nebenan der einstige Haltepunkt St. Felix. Die Bahnstrecke nach Eslarn dient nicht mehr fauchenden und pfeifenden, sondern schwitzenden und klingelnden Ungetümen.


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30 Sie ist Teil eines Radweges von Prag nach Paris, vielleicht via Plochingen?


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31 Hier muß diese Route den Bahndamm verlassen.


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32 Es bestehen Busanschlüsse.


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33 Der Bahnsteig führt direkt auf die Straße.


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34 Das ist er.


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35 Kurvenlage.


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36 Modern ausgestattet.


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37 Es war noch Zeit bis zur Zugabfahrt. Wir sind runter zum Fluß gegangen und blicken über den alten Bahnhof hin zur alten (vor 1200) Pfarrkirche von Altenstadt. Nach Weihung der neuen Kirche verfiel sie ab 1962, wurde 1991 wieder geweiht.


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38 Da fehlt was.


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39 Fast abfahrtbereit.


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40 Das soll es gewesen sein.


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Auf Wiedersehen in Neustadt!

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
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Hui, da ist es aber schön

462 001, Taunus, Dienstag, 29.03.2016, 19:40 (vor 3689 Tagen) @ Sören Heise

Nabend Sören,

an der Waldnaab ist es schön, das kann ich genau wie du mit den eigenen Augen bestätigen. Vor etwa 5 Jahren war ich mal dort, warum weiß ich gar nicht mehr, aber ich war da;-)-)

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32 Es bestehen Busanschlüsse.

Schöne Verbindungen, nur blöd wer in den Ferien oder am Wochenende mit dem Bus fahren möchte...

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39 Fast abfahrtbereit.

Damals war ich nicht mit dem Zug dort, sondern mit dem Auto. Aber allein wegen des schönen 612er werde ich dort wohl noch mal hinfahren:)


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40 Das soll es gewesen sein.

Zum Glück war da noch die Spiegelung, sonst hätteste anbauen müssen^^


Gruß aus dem Taunus von Marcel

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Kleinstadt zwar, aber ...

Blaschke, Dienstag, 29.03.2016, 19:45 (vor 3689 Tagen) @ Sören Heise

Hallo!

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22 Wo Schatten ist, da ist auch Sonne.


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23 Gesamtansicht bergab.

Wie wir sehen, gibt es gleich ZWEI Apotheken! Auf dem unteren Bild ist die vom oberen Bild hinten am Schild schwach zu erkennen.


Die Löwen-Apotheke residiert am Stadtplatz 41, die andere, St. Georgs-Apotheke, am Stadtplatz 21-23.


Und dann jaulen die Leutchen los, wenn vom Apothekensterben die Rede ist. Als ob sich was verschlechtern würde, wenn nur noch eine der beiden Apotheken vor Ort wäre. Aber der Ort ist so groß - oder die Leutchen so krank -, dass es offensichtlich für zwei Apotheken nebeneinander reicht!


Das schicke Sträßchen ist übrigens eine ausgewachsene BUNDESSTRASSE. Die 15. Allerdings hat man dort vor gut 10 Jahren eine Umgehung gebaut, direkt zur Autobahn. Die beinhaltet sogar einen Tunnel. Der Name sagt echten Bahnfreaks auch was: Mühlbergtunnel. Den gibt's nämlich - 13,99 mal so lang - auch als Eisenbahntunnel. Und jetzt schnallt Euch an: Der Eisenbahntunnel hat einen eigenen Wiki-Eintrag, der Straßentunnel aber nicht! Irre - von wegen immer wird das Auto bevorzugt in Deutschland ....

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32 Es bestehen Busanschlüsse.

Besonders nett ist der Hinweis:

"An Wochenfeiertagen Verkehr wie Sonntag"

Also gar keiner!

(Und dass es nur die Buchstaben "S" und "E" gibt und man "A", "K" und "B" in den Erläuterungen auch weglassen könnte, erwähne ich nur beiläufig, weswegen es hier in Klammern steht)

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36 Modern ausgestattet.

Tja, und die Strecke dahinter ist wegen einer Signalstörung, die bis heute nicht behoben werden konnte, abgebaut worden.


Schöne Grüße von

jörg

Oh je, Sören baut ab... Oder auch nicht. Hm...

Blaschke, Dienstag, 29.03.2016, 19:15 (vor 3689 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von Blaschke, Dienstag, 29.03.2016, 19:15

Hallöchen!

Die auf Bahndeutsch Neustadt (Waldnaab) heißende Stadt ist Neustadt an der Waldnaab, das amtlich angeblich Neustadt a.d.Waldnaab (mit nur einem Leerzeichen!) heißen soll.

Jo, so schreibt das Wiki. Ich habe mal kurz versucht, Recherche zu betreiben. Die eigene Homepage der Stadt hat da vieles im Angebot. Mal ist es "Neustadt a.d. Waldnaab", mal "Neustadt a. d. Waldnaab" und mal auch "Neustadt a.d.Waldnaab" wie bei Wiki.

EIN TRAUERSPIEL, DASS ES EINE STADT NICHT MAL AUF DER EIGENEN HOMEPAGE HINBEKOMMT, SICH KORREKT ZU SCHREIBEN!

ARMSELIG SOWAS!
Und ein Grund zum Wegbleiben!

Ich kann das weder bestätigen noch demontieren und werde den Ort fortan Neustadt nennen.


Demontieren? Wen oder was willste denn da auseinandernehmen? ;-)

Schöne Grüße von

jörg


der jetzt erstmal weiter alles lesen und anschauen muß. Denn bislang ist er erst bis zum oben zitierten Satz von Sören gekommen... ;-)

Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 30.03.2016, 16:59 (vor 3688 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von Sören Heise, Mittwoch, 30.03.2016, 16:59

Moin,

danke für die Kommentare, besonders an Marcel: Das mußt Du nicht immer. Denn ohne Kommentar kann ich mir die Antwort auch sparen. Wobei Jörg freundlicherweise sich selbst zitiert hat, so daß ich als Konter mich selbst zitieren darf. Zuvor noch der Hinweis auf einen hifotauglichen Beitrag im DSO-Hifo, den ich schon im Portrait verlinkt haben wollte. Das hat allerdings nicht geklappt.
Warum Du an der Waldnaab warst, weiß ich natürlich auch nicht. Vielleicht einfach nur, um mal dagewesen zu sein? Die Altstadt ist gerade durch ihre Kleine ganz nett. Zum 612er kann ich mich dann nochmals zitieren (ich habe nämlich die nachfolgenden Antwortsätze an Jörg hier im Schreibfeld schon drinstehen): Am 612 ist wohl nichts positiv, nichtmal, daß ich ihn dieses Jahr wohl noch mehrere Male nutzen werden muß.
Nächstes Mal fällt die Spiegelei übrigens aus. Ich bitte um Verständnis.


Jörg: Die beiden Apotheken sind mir auch aufgefallen. Bei mir um die Ecke gab es mal drei binnen fünf Minuten, jetzt sind es nur noch zwei, wobei nur eine von den dreien dabei ist.
Den Eisenbahnmühlbergtunnel hätte ich aus dem Bauch heras in die Unterstmainmetropole verortet, dabei bin ich durch ihn schon öfter gefahren als durch den Frankfurter S-Bahn-Tunnel (da reicht zum Zählen eine halbe Hand, glaube ich).
Das Demontieren gibt mir immerhin die Gewissheit, daß manch eine Gemeinheit dann doch auffällt. Das freut.
Dein Hinweis zur Signalstellung entbehrt übrigens nicht einer gewissen Unlogik.


Viele Grüße
Sören

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