Winter zw. Schwarzwald und Appenzeller Vorderland 1/2 | 48B (Reiseberichte)

TD, Samstag, 12.03.2016, 18:34 (vor 3668 Tagen)

Hallo zusammen,

ich möchte heute mal wieder einen kleinen Reisebericht einstellen, wobei es sich genau genommen eigentlich um einen Ausflugsbericht handelt. Geplant hatte ich ursprünglich eine schöne winterliche Rundfahrt; während ich mich anfangs noch über den schneereichen Tag gefreut hatte, war mir der Schnee später zum Verhängnis geworden. Die Tour fand schon im Januar statt; ich hatte bisher noch die Hoffnung, dass der Winter noch einmal zurückkehrt und ich die Rundfahrt vollenden kann, aber ich fürchte das wird diese Saison nichts mehr.

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Die Tour beginnt an einem Sonntagmorgen in Konstanz, mit der Schwarzwaldbahn will ich bis Hausach oder Haslach fahren, dann auf der Kinzigtalbahn hinauf nach Freudenstadt und über die Gäubahn zurück an den Bodensee. Wie Ihr auf der Karte seht, ist die Tour dann allerdings etwas anders verlaufen. Wenige Tage später hat mich der Wetterbericht nochmals zu einer kleinen halbtägigen Runde zur Rorschach-Heiden-Bergbahn motiviert, bei der ich auch erstmals die neue Direktverbindung St.Gallen – Konstanz nutzen konnte.

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Aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse bin ich vorsorglich mit einem Bus früher zum Bahnhof gefahren und habe jetzt noch Zeit für eine Runde zum See, an der Hafeneinfahrt dreht sich die Imperia-Statue im Schnee.

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Auch das Konzilgebäude ist leicht eingepudert, in dem damaligen Kaufhaus fand im Jahr 1417 die einzige Papstwahl nördlich der Alpen statt. Zu jener Zeit war Konstanz ein Handelsknotenpunkt und verkehrsgünstig gelegen – das kann man heute nicht mehr unbedingt sagen. Für die fünf Jahre des Konstanzer Konzils war die Stadt der Nabel der Welt.

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So, jetzt wird es aber langsam Zeit für den Zug, eine Doppelstockgarnitur der Schwarzwaldbahn steht als RE zur Fahrt nach Offenburg bereit.

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In der ersten Klasse gibt es noch eine weitgehend freie Sitzplatzwahl, hier lässt sich die winterliche Fahrt genießen.

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Am linken Zugfenster zieht die Insel Reichenau vorbei, weiter geht es am Untersee nach Radolfzell. Beim Verlassen des Bahnsteigs von Radolfzell sehe ich im Augenwinkel noch den berüchtigten weißen Balken mit einer Laufschrift auf dem Fahrzielanzeiger, kann den Text aber nicht mehr lesen. Komisch, in Konstanz stand da noch nichts. Beim nächsten Halt in Singen kann ich den Text dann entziffern „Zug endet in Triberg“. Hmm, und nun?

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Während wir durch den Hegau fahren, kommt die erwartete Durchsage: Die Schwarzwaldbahn ist wegen umgestürzter Bäume unterbrochen, der Zug fährt nur bis Triberg, Reisende in Richtung Offenburg und Karlsruhe mögen bitte in Engen umsteigen und via Stuttgart fahren. Von diesem Vorschlag sehe ich jedoch ab, denn ich will ja eigentlich eine Rundfahrt machen und wenn ich dann irgendwo in einer Sackgasse festsitze, ist das auch ungeschickt.

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Und so genieße ich erstmal die weitere Fahrt, hier die pittoreske Altstadt von Engen, dann geht es hinauf auf die Hegaualb nach Hattingen.

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Auf der anderen Seite geht es dann hinunter ins Donautal und über die Baar weiter nach Villingen. Meine Hoffnung, vielleicht mit einem SEV die ursprüngliche Rundfahrt doch noch zustande zu bringen, hat sich mittlerweile zerschlagen, denn es wurde durchgesagt, dass wegen der winterlichen Straßenverhältnisse kein SEV fährt.

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Und so steige ich nun in Villingen aus. Villingen ist eine dieser Städte, durch die ich schon zig Mal durchgefahren bin, aber noch nie besucht habe. Na, das ist ja nun eine gute Gelegenheit, das heute mal nachzuholen.

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Im dichten Schneetreiben stapfe ich durch die Fußgängerzone. Villingen ist der badische Teil der Doppelstadt Villingen-Schwenningen, Schwenningen gehört historisch zum württembergischen Landesteil. Bekannt ist Villingen für einen mittelalterlichen Stadtkern mit dem Münster und den Türmen der Stadtmauer.

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Das frühgotische Münster Unserer Lieben Frau wurde zwischen 1130 und 1284 erbaut, die zwei Türme kamen im 15. und 16. Jahrhundert hinzu.

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Von der Stadtbefestigung sind noch weite Teile der Stadtmauer und mehrere Türme und Tore erhalten, hier der Blick auf das Riettor.

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Die Schneewolken sind unbemerkt verschwunden und plötzlich tauchen Sonnenstrahlen die Altstadt in ein völlig anderes Licht.

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Der Rückweg zum Bahnhof führt mich durch den Kaiserturm, dieser wurde 1372 an der Stadtmauer errichtet.

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Der Bahnhof Villingen (bahnamtlich Villingen (Schwarzw)) wurde 1869 eröffnet, damals von den Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen.
Vielleicht noch ein Hinweis für die Zugteams der wenigen Fernverkehrszüge, die noch durch Villingen fahren und die mit der Aussprache manchmal etwas daneben liegen: Der Ort wird nicht wie Willingen ausgesprochen, sondern wie Fillingen, das kann man übrigens auch beim Duden anhören.

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Die Schwarzwaldbahn wurde ab 1972 elektrifiziert, im Jahr 1975 erreichte die Oberleitung Villingen. Eine Gedenktafel am Bahnhof erinnert daran, dass mit Villingen 10.000 Kilometer der Bundesbahn elektrifiziert waren.

Es geht gleich weiter...

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Winter zw. Schwarzwald und Appenzeller Vorderland 1/2 Forts.

TD, Samstag, 12.03.2016, 18:42 (vor 3668 Tagen) @ TD

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Ihr kennt das vielleicht auch, dass es Bahnstrecken gibt, die eigentlich gar nicht weit von zu Hause entfernt sind, die man aber noch nie befahren hat, weil sie völlig entgegen der eigenen Reiserichtungen liegen. So ist es mir bisher mit der Strecke von Villingen nach Rottweil ergangen; entweder ich fahre von Singen aus über die Schwarzwaldbahn Richtung Villingen oder über die Gäubahn Richtung Rottweil, da taucht die Querverbindung zwischen beiden Städten in keinem Reiseplan auf. Und so mache ich das Beste aus der Situation und nutze die Gelegenheit, diese Lücke in meiner Streckensammlung zu schließen. Die Strecke ist Teil des 3er-Ringzugs.

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Mit einem Regio-Shuttle der HzL geht es nun auf die Strecke. Dabei muss ich mich erstmal mit den Spielregeln vertraut machen. Wer kennt noch mehr Wortspiele?

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Die Strecke führt landschaftlich unspektakulär am Rande der Baar in Richtung Trossingen und Rottweil. Kurze sonnige Abschnitte wechseln sich weiterhin ab mit Schneewolken.

Und da ich gerade auf Streckenerkundungstour bin, steige ich an der Station Trossingen Bahnhof um und nehme auch noch die kurze Stichstrecke der Trossinger Eisenbahn mit.

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Nach knapp 4 Kilometern ist dann die Endstation Trossingen Stadt erreicht. Die Stichstrecke gehört heute ebenfalls zum Netz des 3er-Ringzugs und wird mit Dieseltriebwagen bedient. Dabei ist die Strecke mit Gleichstrom elektrifiziert. Da die Bahnstrecke Rottweil-Villingen die Stadt Trossingen nicht anbindet, hatten die Trossinger im Jahr 1896 eine Privatbahn gegründet und eine Bahnstrecke von der Stadt zum „Staatsbahnhof“ gebaut und diese auch gleich elektrifiziert, wobei der Abschnitt bis heute ein elektrischer Inselbetrieb ist.

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Ein Teil des historischen Fahrzeugparks blieb erhalten und wird heute im Museumsbetrieb eingesetzt. Der Triebwagen T 6 ist mit Baujahr 1968 das jüngste Fahrzeug der Trossinger Eisenbahn, er hat ein Plätzchen vor dem Museum gefunden.

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Ich drehe nun noch eine kleine Runde durch die 16.000-Einwohner-Stadt, die sich aufgrund ihrer Musikinstrumentenindustrie und der Musikhochschule als Musikstadt bezeichnet. Am bekanntesten dürfte die Firma Hohner mit ihren Mundharmonikas und Akkordeons sein.

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Am stattlichen Rathaus vorbei...

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...geht es dann wieder zurück an den Bahnhof, wo der Zug noch auf die Rückfahrt wartet. Die elektrifizieren Gleise links führen zum Museumsbahnsteig.

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Von der Hochebene der Baar geht es nun um 66 Höhenmeter hinunter zurück zur Station Trossingen Bahnhof, die schon auf der Gemarkung einer Nachbargemeinde liegt.

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Als ich auf dem Bahnsteig auf den Anschlusszug Richtung Rottweil warte, kommt für einen kurzen Moment die Sonne heraus. Der Bahnhof besteht eigentlich nur aus einem Mittelbahnsteig am Rande eines Gewerbegebiets.

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Außer von der HzL wird Trossingen Bahnhof zweistündlich auch von der DB angefahren vom Regional-Express Neustadt-Rottweil. Neben der Baureihe 611 sind auf der Linie auch lokbespannte Züge anzutreffen, so wie jetzt.

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Und so lässt sich die Fahrt nun am offenen Fenster genießen, wobei sich auch hier Sonnenschein und Schneegestöber wieder in kurzer Folge abwechseln.

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Etwas unmotiviert stehe ich schließlich auf dem Bahnsteig von Rottweil. Am Nachbargleis fährt gleich der RE nach Singen ein, aber so schnell will ich eigentlich auch nicht wieder nach Hause. Die ursprünglich geplante Rundfahrt passt aber auch nicht mehr, und so steige ich gleich wieder in den n-Wagen-Zug und fahre über Villingen nach Hause. Die Strecke kennen wir nun ja schon, deshalb gibt es von der Rückfahrt keine weiteren Bilder mehr und der Reisebericht endet an dieser Stelle.

Aber halt, ich habe noch eine Zugabe.

Vier Wochen später war ich an einem Freitagabend nochmals in Trossingen. Der Freundeskreis der Trossinger Eisenbahn e. V. unternimmt regelmäßig Bewegungsfahrten der historischen Fahrzeuge, die sogenannten Mondscheinfahrten ersetzen dabei reguläre HzL-Fahrten.

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Ich muss mir zuhause zwar etwas Spott anhören, dass ich gut 5 Stunden für An- und Abreise sowie den Preis eines Baden-Württemberg-Tickets investiere für eine 7-minütige-Bahnfahrt, aber was tut man nicht alles, um einen dünnen Reisebericht etwas aufzupeppen. Nach der Anreise mit einem Regio-Shuttle weist ein Schild am regulären Bahnsteig darauf hin, dass bestimmte Züge am Museumsbahnsteig abfahren. Und dort wartet schon der Triebwagen T 5, der die Leistung des HzL86260 übernehmen wird.

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Der Triebwagen T 5 wurde am 27.06.1956 in Dienst gestellt, er ist heute das jüngste betriebsfähige Fahrzeug bei der Trossinger Eisenbahn.

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Tja, und dann ist die Fahrt an der Station Trossingen Bahnhof auch schon wieder zu Ende. Auf dem Nachbargleis fährt gleich der RE nach Rottweil ein (diesmal BR 611), mit dem es dann wieder heimwärts geht.

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Während in meinem Rücken schon der RE einfährt, gibt es im letzten Moment noch ein Bild vom Triebwagen T 3, der ebenfalls bei der Bewegungsfahrt dabei ist. Der Triebwagen wurde 1938 in der Maschinenfabrik Esslingen gebaut.

So, damit sind wir nun am Ende des ersten Reiseberichtsteils angelangt. In den nächsten Tagen folgt Teil 2, dort geht es dann von Konstanz aus in die andere Richtung in den Schnee.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag


Tobias


PS: Ok, wer den Scrollbalken im Blick hat, hat schon gemerkt, da kommt noch was. Als Ersatz für die durch die Streckenunterbrechung entfallenen Bilder habe ich jetzt noch einige Winterbilder von der Schwarzwaldbahn zwischen Villingen und Hornberg. Die Bilder entstanden letzte Woche, als ich aus anderen Gründen auf der Schwarzwaldbahn unterwegs war.

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Wir sind gerade auf dem interessantesten Streckenabschnitt der badischen Schwarzwaldbahn unterwegs, die Gebirgsbahn überwindet hier in zahlreichen Kehrschleifen und durch zahlreiche Tunnel den mittleren Schwarzwald.

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Und hier gibt es sogar noch einen kurzen Blick auf die weltgrößte Kuckucksuhr unten im Tal, die im Maßstab 60:1 nachgebaut wurde.

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Und damit es jetzt aber wirklich für heute Schluss.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Winter zw. Schwarzwald und Appenzeller Vorderland 1/2 Forts.

agw, NRW, Sonntag, 13.03.2016, 10:30 (vor 3667 Tagen) @ TD

Danke für deinen Bericht.

Mit einem Regio-Shuttle der HzL geht es nun auf die Strecke. Dabei muss ich mich erstmal mit den Spielregeln vertraut machen. Wer kennt noch mehr Wortspiele?

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Vielleicht hat man es hier etwas übertrieben. Aber grundsätzlich finde ich das nicht schlecht, wenn man Benimmregeln etwas "aufgelockert" an den Mann bringt.
Wer betrunken ist oder einfach asozial, dem werden diese Regeln vermutlich so oder so egal sein. Aber wenn vielleicht nur dachte "aber das und das darf ich doch sicher und ist nicht schlimm", der wird hier schmunzelnd merken, was er nicht darf und sich hoffentlich dran halten.
Besser als ein Plakat mit "Folgendes ist verboten: 1)... 2)...".

Ich glaube auf Wyk auf Föhr habe ich vor 30 Jahren mal das Schild gelesen "Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad, den anderen ist es verboten."

Winter zw. Schwarzwald und Appenzeller Vorderland 1/2 Forts.

moonglum, Hagen, Sonntag, 13.03.2016, 12:45 (vor 3667 Tagen) @ TD

superschön

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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

Danke

462 001, Taunus, Sonntag, 13.03.2016, 13:07 (vor 3667 Tagen) @ TD

Hallo,

vielen Dak für die schönen Bahn- und Schneebilder:))

Gruß von ICE1223,
der den Winter sehr vermisst

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Stand: 20.02.2026

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