Winter zw. Schwarzwald und Appenzeller Vorderland 1/2 | 48B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
ich möchte heute mal wieder einen kleinen Reisebericht einstellen, wobei es sich genau genommen eigentlich um einen Ausflugsbericht handelt. Geplant hatte ich ursprünglich eine schöne winterliche Rundfahrt; während ich mich anfangs noch über den schneereichen Tag gefreut hatte, war mir der Schnee später zum Verhängnis geworden. Die Tour fand schon im Januar statt; ich hatte bisher noch die Hoffnung, dass der Winter noch einmal zurückkehrt und ich die Rundfahrt vollenden kann, aber ich fürchte das wird diese Saison nichts mehr.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/070-Schwarzwald-Heiden/70-00Karte.jpg)
Die Tour beginnt an einem Sonntagmorgen in Konstanz, mit der Schwarzwaldbahn will ich bis Hausach oder Haslach fahren, dann auf der Kinzigtalbahn hinauf nach Freudenstadt und über die Gäubahn zurück an den Bodensee. Wie Ihr auf der Karte seht, ist die Tour dann allerdings etwas anders verlaufen. Wenige Tage später hat mich der Wetterbericht nochmals zu einer kleinen halbtägigen Runde zur Rorschach-Heiden-Bergbahn motiviert, bei der ich auch erstmals die neue Direktverbindung St.Gallen – Konstanz nutzen konnte.
Aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse bin ich vorsorglich mit einem Bus früher zum Bahnhof gefahren und habe jetzt noch Zeit für eine Runde zum See, an der Hafeneinfahrt dreht sich die Imperia-Statue im Schnee.
Auch das Konzilgebäude ist leicht eingepudert, in dem damaligen Kaufhaus fand im Jahr 1417 die einzige Papstwahl nördlich der Alpen statt. Zu jener Zeit war Konstanz ein Handelsknotenpunkt und verkehrsgünstig gelegen – das kann man heute nicht mehr unbedingt sagen. Für die fünf Jahre des Konstanzer Konzils war die Stadt der Nabel der Welt.
So, jetzt wird es aber langsam Zeit für den Zug, eine Doppelstockgarnitur der Schwarzwaldbahn steht als RE zur Fahrt nach Offenburg bereit.
In der ersten Klasse gibt es noch eine weitgehend freie Sitzplatzwahl, hier lässt sich die winterliche Fahrt genießen.
Am linken Zugfenster zieht die Insel Reichenau vorbei, weiter geht es am Untersee nach Radolfzell. Beim Verlassen des Bahnsteigs von Radolfzell sehe ich im Augenwinkel noch den berüchtigten weißen Balken mit einer Laufschrift auf dem Fahrzielanzeiger, kann den Text aber nicht mehr lesen. Komisch, in Konstanz stand da noch nichts. Beim nächsten Halt in Singen kann ich den Text dann entziffern „Zug endet in Triberg“. Hmm, und nun?
Während wir durch den Hegau fahren, kommt die erwartete Durchsage: Die Schwarzwaldbahn ist wegen umgestürzter Bäume unterbrochen, der Zug fährt nur bis Triberg, Reisende in Richtung Offenburg und Karlsruhe mögen bitte in Engen umsteigen und via Stuttgart fahren. Von diesem Vorschlag sehe ich jedoch ab, denn ich will ja eigentlich eine Rundfahrt machen und wenn ich dann irgendwo in einer Sackgasse festsitze, ist das auch ungeschickt.
Und so genieße ich erstmal die weitere Fahrt, hier die pittoreske Altstadt von Engen, dann geht es hinauf auf die Hegaualb nach Hattingen.
Auf der anderen Seite geht es dann hinunter ins Donautal und über die Baar weiter nach Villingen. Meine Hoffnung, vielleicht mit einem SEV die ursprüngliche Rundfahrt doch noch zustande zu bringen, hat sich mittlerweile zerschlagen, denn es wurde durchgesagt, dass wegen der winterlichen Straßenverhältnisse kein SEV fährt.
Und so steige ich nun in Villingen aus. Villingen ist eine dieser Städte, durch die ich schon zig Mal durchgefahren bin, aber noch nie besucht habe. Na, das ist ja nun eine gute Gelegenheit, das heute mal nachzuholen.
Im dichten Schneetreiben stapfe ich durch die Fußgängerzone. Villingen ist der badische Teil der Doppelstadt Villingen-Schwenningen, Schwenningen gehört historisch zum württembergischen Landesteil. Bekannt ist Villingen für einen mittelalterlichen Stadtkern mit dem Münster und den Türmen der Stadtmauer.
Das frühgotische Münster Unserer Lieben Frau wurde zwischen 1130 und 1284 erbaut, die zwei Türme kamen im 15. und 16. Jahrhundert hinzu.
Von der Stadtbefestigung sind noch weite Teile der Stadtmauer und mehrere Türme und Tore erhalten, hier der Blick auf das Riettor.
Die Schneewolken sind unbemerkt verschwunden und plötzlich tauchen Sonnenstrahlen die Altstadt in ein völlig anderes Licht.
Der Rückweg zum Bahnhof führt mich durch den Kaiserturm, dieser wurde 1372 an der Stadtmauer errichtet.
Der Bahnhof Villingen (bahnamtlich Villingen (Schwarzw)) wurde 1869 eröffnet, damals von den Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen.
Vielleicht noch ein Hinweis für die Zugteams der wenigen Fernverkehrszüge, die noch durch Villingen fahren und die mit der Aussprache manchmal etwas daneben liegen: Der Ort wird nicht wie Willingen ausgesprochen, sondern wie Fillingen, das kann man übrigens auch beim Duden anhören.
Die Schwarzwaldbahn wurde ab 1972 elektrifiziert, im Jahr 1975 erreichte die Oberleitung Villingen. Eine Gedenktafel am Bahnhof erinnert daran, dass mit Villingen 10.000 Kilometer der Bundesbahn elektrifiziert waren.
Es geht gleich weiter...
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