Mit Panorama- & Wellblechschlafwagen nach Slowenien 4/4 |44B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum letzten Teil unserer kleinen Rundreise im slowenisch-österreichischen Grenzgebiet. Im dritten Teil waren wir mit der Graz-Köflacher Bahn nach Wies-Eibiswald gefahren und waren von der Endstation zurückgelaufen ins Zentrum von Wies.
Vom Haltepunkt Wies Markt aus treten wir nun die Rückfahrt an. Auf der Strecke besteht tagsüber ein Stundentakt der S 6 (über die Koralmbahn), der in der Hauptverkehrszeit verdichtet wird durch Züge der S 61 (über die alte Strecke).
Nach der Fahrt durch das Sulmtal steigen wir diesmal in Wettmannstätten aus, denn wir wollen auch noch die anderen Strecken der GKB befahren. Seit der Eröffnung des ersten Abschnitts der Koralmbahn ist dieser Weg eine Viertelstunde kürzer als die alte Strecke der Wieserbahn. Mit einem 3-Minuten-Übergang wechseln wir auf die S 61, die die alte Strecke befährt.
Auch hier hat der Bau der Koralmbahn Spuren hinterlassen, in Sichtweite liegt das Bohrgutzentrum.
Zwanzig Minuten dauert die Fahrt durch das Weststeirische Hügelland, dann ist Lieboch erreicht. Hier trifft die Wieserbahn auf die Köflacherbahn.
Bei einem planmäßigen 1-Minuten-Übergang ist das ein ganz schöner Stress, erst noch ein Bild des Zugs mit dem wir angekommen sind (diesmal eine weiß-blaue Variante eines GTW-Triebwagens)...
...dann gleich rüber wo schon der Zug nach Köflach einrollt - und dann läuft mir auch noch ein Fahrradfahrer ins Bild. Aber immerhin: der Fahrzeugsammler in mir freut sich über die Doppelstockgarnitur.
Nun einige Bilder der Köflacherbahn. Die eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke von Graz nach Köflach wurde 1859 eröffnet, sie diente ursprünglich dem Kohletransport aus dem Braunkohlerevier bei Köflach.
Die Bahnhofsgebäude entlang der Strecken der GKB präsentieren sich einheitlich in einem orangen Farbton mit weißen Akzenten, hier in Söding-Mooskirchen.
Auch Haltepunkte jüngeren Datums orientieren sich an dem Farbschema. Die 40 Kilometer lange Strecke hat 16 Bahnhöfe bzw. Haltepunkte.
Zwei Tunnel gibt es auf der Strecke, hier fahren wir gleich in den Kremser Tunnel ein.
Voitsberg ist ein Kreuzungsbahnhof, als Gegenzug ist wieder ein GTW unterwegs.
Nach der Ankunft in Köflach werfen wir nochmals einen Blick auf den Zug, das Design des hinteren Wagens ist ein Relikt des GKB-Kunstzugs. Als Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas war, lies die GKB fünf Doppelstockwagen durch Künstler gestalten.
Wir drehen nun eine kleine Runde durch Köflach. Die 10.000-Einwohnerstadt war früher eine Bergbaugemeinde, heute ist Köflach durch das Lipizzanergestüt im Ortsteil Piber überregional bekannt. Aber Pferdezucht ist nicht meine Welt und so verzichten wir auf dieses Touri-Pflichtprogramm.
Der Bahnhof – ach, lest selbst:
Wir treten nun die Rückfahrt nach Graz an, auch dies wieder ein GTW.
Von der Rückfahrt habe ich nun nicht mehr viele Bilder, denn die Strecke haben wir ja auf der Hinfahrt schon ausreichend dokumentiert und auf dem Streckenabschnitt von Lieboch nach Graz, den wir nun das erste Mal befahren, verhindert die einsetzende Dämmerung weitere Bilder.
Am Grazer Hauptbahnhof verabschieden wir uns von der GKB. Bis zur Abfahrt des Nachtzugs bleibt noch etwas Zeit, und so fahren wir nochmals mit der Straßenbahn in die Innenstadt.
Eigentlich dient die abendliche Tour in die Innenstadt der Nahrungsaufnahme, aber ein Abstecher zur Mariahilferkirche ist auch noch drin.
Doch zurück an den Bahnhof, jetzt wartet der letzte große Programmpunkt unserer Reise...
...nämlich der EN 464 „Zürichsee“. Immer wieder wenn ich Bilder und Reiseberichte mit dem blauen „Wellblechschlafwagen“ gesehen habe, hatte ich mir vorgenommen, auch mal mitzufahren und heute soll es endlich klappen.
Schon von der Optik wirkt der Wagen herrlich aus der Zeit gefallen. Die damaligen Wagen vom Typ P wurden ab 1954 für die Schlafwagengesellschaft Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) gebaut, sie wurden später von den ÖBB umgebaut und heißen nun AB30. Erstaunlich, dass die rund 60 Jahre alten Oldtimer noch heute unterwegs sind.
Wie beziehen nun unser Abteil. Das Rollo am rechten Fenster wird uns unterwegs noch einige Freude bereiten, denn wenn man versehentlich dagegen stößt, was sich im oberen Bett liegend nicht immer vermeiden lässt, knallt das Rollo nach oben. Jetzt schauen wir mal, was sich so in den bereitstehenden Beuteln befindet...
...dann stellen wir noch das Frühstück zusammen.
Jetzt gibt es noch ein Betthupferl, dann wird es Zeit für die Abendtoilette. Und wir sind damit am Ende des dritten Reisetags angelangt.
Tag 4: Zürich – Konstanz
Wir sind über Nacht quer durch Österreich gefahren. Als ich beim Aufenthalt in Feldkirch das erste Mal hinauslinse, regnet es. Puh, da hatten wir ja Glück mit dem Wetter auf der Tour.
In Buchs schauen die schweizerischen Grenzkontrolleure kurz in unser Abteil, wobei sich das auf ein „Guten Morgen“ und die Frage nach der Anzahl der Reisenden beschränkt. Jetzt wird das Abteil in Tagesstellung gebracht...
...denn es wird Zeit für das Frühstück. Bei der Fahrt am Zürichsee präsentiert sich das Wetter schon wieder freundlicher.
Hier der Wagen nach der Ankunft in Zürich. Nach knapp 11-stündiger Fahrt endet damit das Abenteuer „Wellblechschlafwagen“, wobei diese despektierliche Bezeichnung der soliden Stahlkonstruktion sicher nicht gerecht wird.
Für die letzte Etappe unserer Reise besteigen wir den Interregio von Zürich nach Konstanz. Mit diesem Blick aus dem Zug auf den heimischen Bodensee beenden wir die kleine Rundreise.
Ich bedanke mich herzlich für das Interesse und die Kommentare zu den bisherigen Teilen.
Ich muss mal schauen, wie es jetzt weitergeht. Auf meiner Festplatte harren noch Bilder von zwei Sommertouren und von einem Herbstausflug der Aufarbeitung. Und eigentlich warte ich darauf, dass der Winter nochmals zurückkehrt, denn ein Winterausflug harrt ebenfalls der Vollendung. Nachdem ich den ersten Versuch unterwegs wegen zu viel Schnees abbrechen musste, fehlt jetzt der Schnee, um die Rundfahrt mit passenden Winterbildern zu vollenden.
Viele Grüße vom Bodensee
und ein schönes Wochenende
Tobias
PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
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