Neue Statistiken zur weltweiten Bahn-Nutzung (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Dienstag, 29.09.2009, 22:35 (vor 6122 Tagen)
bearbeitet von Alphorn (CH), Dienstag, 29.09.2009, 22:37

Der Schweizer Informationsdienst LITRA hat die Statistiken der Internationalen Eisenbahnverbands UIC ausgewertet und weltweit verglichen.

Zurückgelegte Strecke pro Einwohner im Jahr 2008 (inkl. Vorjahresvergleich):

1. Schweiz 2422 km (+319)
2. Japan 2010 km (+34)
3. Frankreich 1377 km (+27)
4. Österreich 1253 km (+163)
5. Dänemark 1065 km (+24)
6. Belgien 1000 km (+63)
Deutschland im Vorjahr: 808 km.

Anzahl Fahrten pro Einwohner im Jahr 2008 (inkl. Vorjahresvergleich):

1. Japan 71 (+1)
2. Schweiz 50 (+3)
3. Luxemburg 36 (+0)
4. Dänemark 30 (+1)
5. Österreich 26 (+0)
6. Deutschland 23 (+1)
7. Vereinigtes Königreich 21 (+1)
8. Belgien 21 (+1)
9. Niederlande 20 (+0)
10. Frankreich 18 (+0)

Die Statistik für Japan ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, weil dort wohl viele Privatbahnen nicht UIC-Mitglied sind und daher keine Zahlen liefern. Aus anderen Quellen (statistische Bundesämter) komme ich für das Jahr 2006 auf 3060 km in Japan und 2208 km in der Schweiz - beides höher als die UIC-Zahlen, aber in Japan deutlich.

Mein Erklärungsversuch für die sehr gute Nutzung der Bahnen in der Schweiz: Die grosse Masse der Kunden holt man sich nicht durch prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitsverkehr (siehe Frankreich) sondern vielmehr durch profanen Nah- und Mittelverkehr mit guter Pünktlichkeit (97% unter 5min), guten Anschlüssen (integraler Taktfahrplan mit Einschluss von Bussen), guten Frequenzen (im Fernverkehr meist Halbstundentakt) und guter Flächendeckung (keinerlei Abbau von Strecken).

Quellen:
http://www.litra.ch/50_mal_pro_Jahr_mit_der_Eisenbahn.html
http://www.litra.ch/47_mal_pro_Jahr_mit_der_Eisenbahn.html
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/11/05/blank/key/verkehrsleistungen/l...
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikati...

Neue Statistiken zur weltweiten Bahn-Nutzung

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 30.09.2009, 08:04 (vor 6121 Tagen) @ Alphorn (CH)

Mein Erklärungsversuch für die sehr gute Nutzung der Bahnen in der Schweiz: Die grosse Masse der Kunden holt man sich nicht durch prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitsverkehr (siehe Frankreich) sondern vielmehr durch profanen Nah- und Mittelverkehr mit guter Pünktlichkeit (97% unter 5min), guten Anschlüssen (integraler Taktfahrplan mit Einschluss von Bussen), guten Frequenzen (im Fernverkehr meist Halbstundentakt) und guter Flächendeckung (keinerlei Abbau von Strecken).

Nicht zu vergessen: Bahn fahren ist in CH noch ein Erlebnis und kein notwendiges Übel für Autolose.
Das System und die Umgebung laden zum Bahn fahren ein.
Vor allem bei den Schmalspurbahnen fahren viele Leute die nicht notwendig von A nach B reisen, sondern eine Urlaubstour machen.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Von hohen Bergen und kleinen Inseln

Benjamin.Keller, Mittwoch, 30.09.2009, 11:13 (vor 6121 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Benjamin.Keller, Mittwoch, 30.09.2009, 11:14

Hi!

Ich finde solche Ländervergleiche einerseits interessant, andererseits sollte man sehr vorsichtig sein, sie im Hinblick auf die Tauglichkeit der Eisenbahnsystems der verschiedenen Länder zu interpretieren.

Wenn man sich die Listen anschaut, muss man einfach zugeben, dass Alpenländer mit ihrer die Verkehrsgeografie erheblich prägenden Topografie ebenso wenig mit Deutschland zu vergleichen sind wie Inselstaaten wie Dänemark und Japan, wo der Verkehr eben sehr linienhaft organisiert ist und es (fast) keine Nachbarstaaten gibt. Das Frankreich mit Deutschland schwer zu vergleichen ist auf Grund seiner vollkommen unterschiedlichen Siedlungstypologie ist ja eine in Eisenbahnforen von verschiedenen Seiten schon öfter geäußerte Meinung. Und wenn man sich die Möglichkeiten japanischer Regionalplaner anschaut, die ohne Proteste im suburbanen Raum deutlich dichtere (Vor-)Städte planen und durchsetzen können, die eben erheblich ÖPNV-affiner sind, dann trägt das eben auch erheblich zu einer gesteigerten Attraktivität der Bahn bei.

Will sagen: sicher wäre es schön, ein so tolles ÖPNV-System zu haben wie in der Schweiz. Aber das allein macht glaube ich auch nicht glücklich, weil Verkehrsverhalten eben von noch viel mehr Faktoren abhängt. An einigen kann man nix machen (Inselstaat, hohe Berge, ...), andere kann man beeinflussen (konzentriertere Siedlungen, Ausweisung haltestellennaher Wohn- und Geschäftsflächen, ...). Wäre natürlich schön, dafür wäre mal politischer Wille da, aber mindestens für die nächsten 4 Jahre zweifel ich da noch dran :D

Danke für die Info! (owT)

Anoj 1, Dresden (D) / Vbg. (A), Mittwoch, 30.09.2009, 15:37 (vor 6121 Tagen) @ Alphorn (CH)

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