Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig (Reiseberichte)

ICE 1517, Mittwoch, 27.01.2016, 18:59 (vor 3825 Tagen)

Hallo zusammen,

ich darf mich heute als Neuling hier vorstellen. Ich lebe und arbeite in Leipzig und pendle am ein oder anderen Wochenende mit der Bahn ins oberfränkische Forchheim. Seit der Sperrung der Strecke Bamberg-Lichtenfels ist die Reise ein wenig komplizierter geworden. Allgemein konnte man seitdem noch gar nicht soviel lesen, wie die verschiedenen Umleitungsverkehre zu dieser Sperre laufen oder angenommen werden. Insofern nutze ich die Chance heute, von meinen Erfahrungen zu berichten, als ich vor fast zwei Wochen von Leipzig nach Forchheim und wieder zurück gefahren bin.

Für meine Strecke kommen prinzipiell drei Fahrtmöglichkeiten während der Bauarbeiten in Frage:

a) die große Runde außenrum mit dem ICE über Erfurt-Fulda-Würzburg
b) ICE bis Erfurt, IC-Bus nach Bamberg, dann Nahverkehr
c) Franken-Thüringen-Express und Schienenersatzverkehr

Mir gefällt eigentlich keine Möglichkeit so richtig gut, weil’s entweder länger dauert, kritische Anschlüsse dabei sind oder der Komfort schlechter ist. Und bei allen drei Fahrtmöglichkeiten hab ich befürchtet, dass sie gnadenlos überfüllt sein werden.

Geplant waren folgende Verbindungen für meine Reise:

Freitag, 15. Januar (Leipzig – Forchheim)

17:48 Uhr ICE 1685 bis Erfurt, Ankunft 18:32 Uhr
18:45 Uhr IC-Bus bis Bamberg, Ankunft 20:45 Uhr
21:12 Uhr S1 bis Forchheim, Ankunft 21:30 Uhr

Sonntag, 17. Januar (Forchheim – Leipzig)

17:08 Uhr RE bis Würzburg, Ankunft 18:20 Uhr
18:36 Uhr ICE 1694 bis Leipzig, Ankunft 21:22 Uhr

Es sollte am Freitag bereits anders beginnen als geplant. ICE 1685 hatte bereits genug Verspätungsminuten auf dem Konto, um den Anschluss zum IC-Bus platzen zu lassen. Die Liveauskunft hat glücklicherweise mit ICE 1554/1594 wenige Minuten früher eine Alternative nach Erfurt parat gehabt, die ich so vorher gar nicht auf dem Schirm hatte.

In Erfurt dann der Umstieg zum IC-Bus. Hinweis für alle, die nicht ortskundig sind und auch die Haltestelle suchen: Die Haltestelle ist in der Kurt-Schumacher-Straße, nicht am großen Busbahnhof. Bereit stand ein doppelstöckiger IC-Bus, der noch so frisch war, dass er gerade mal 5000km auf dem Buckel hatte. Snack-/Getränke-/Kaffeeautomat sind an Bord und es gibt Steckdosen, WLAN und auch Vis-a-vis-Tischplätze. Statt Großraumbeleuchtung gibt’s Notlicht und Leselampen. Die Sitzabstände sind nicht überwältigend.

Was wurde nun aus meiner Befürchtung, dass der Bus gnadenlos überfüllt sein wird? Auf die 72 Sitzplätze kamen gerade mal 3 (!) Reisende. An den Tagen zuvor sollen auch schon mal 10 erreicht worden sein.

Die Fahrt verlief dann etwas langsamer, als es der Fahrplan wollte. Genug Schnee – auch auf der Fahrbahn – sorgte dafür, dass der Bus auf der A71 nur mit reduzierter Geschwindigkeit im übrigen Verkehr mitschwimmen konnte. Vor Coburg sorgte eine kleine Sperre dann noch für 10-15 Minuten Stillstand. Endgültige Verspätung bis Bamberg waren dann etwa 40 Minuten, so dass es hier ein Anschlusszug später wurde. Insgesamt war’s mit dem IC-Bus eine komfortable und (trotz schwieriger Straßenverhältnisse) sichere Fahrt. Solange die Auslastung niedrig bleibt, sind auch die Sitzabstände unkritisch.

Die Rückreise am Sonntag dann ganz klassisch mit dem ICE, allerdings auf der großen Runde außenrum über Würzburg-Fulda-Erfurt. Zwei Dinge dazu: Die Auslastung war schlechter als sonst im ICE auf der Frankenwaldbahn in ähnlicher Zeitlage. Und bei der Verbindungsauswahl fällt auf, dass es nicht so viele Verbindungen am Tag gibt, die via Würzburg sauber funktionieren. Meistens ist die Übergangszeit zwischen dem Franken-Thüringen-Express und dem Berlin-ICE in Würzburg zu knapp, stattdessen kriegt man einen Zusatzumstieg in Fulda verordnet.

Abschließend stelle ich noch ein paar Fragen in den Raum, die für mich offen geblieben sind:

1. Der Übergang zwischen ICE und IC-Bus wäre ja bei mir mit dem regulären Zug geplatzt. Findet da eine Kommunikation zwischen Bahn und Bus statt, dass ggf. bei kleineren Verspätungen gewartet wird? Würde das Zugpersonal im ICE dann auch diese Information haben, dass der IC-Bus kurz wartet?

2. Wo sind die Reisenden dieser ICE-Linie alle hin? Ist stattdessen mehr im RE Lichtenfels-Leipzig los?

Ich wünsche noch einen schönen Abend und allzeit gute Fahrt.

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

ICETreffErfurt, Eisenach, Mittwoch, 27.01.2016, 19:20 (vor 3825 Tagen) @ ICE 1517

2. Wo sind die Reisenden dieser ICE-Linie alle hin? Ist stattdessen mehr im RE Lichtenfels-Leipzig los?

Auto?

Die Abellio-SE15 zwischen Leipzig und Saalfeld ist aber auch nicht stärker ausgelastet als zuvor. Wobei ich bisher nur am Wochenende auf dieser Linie unterwegs war.

Mit den RE bin ich noch nicht mitgefahren, aber der eine, der uns in Saalfeld entgegen kam, war durchaus nicht gerade leer.

Unverbindlich schätze ich, dass von den ICE-Fahrgästen der Linie 28 es sich so verteilt:

30% verbleiben in den Umleiter-ICE oder alternative Umsteigeverbindungen in Fulda oder Göttingen/Hannover, wobei das genau das Drittel ist, welches auch schon früher München/Nürnberg-Leipzig-Berlin durch gefahren ist. Für diese Fahrgäste verändern sich die Fahrzeiten ja kaum, da die Umleiter fast genauso schnell von Leipzig in Nürnberg sind wie über die Frankenwaldbahn. Nur die Zugdichte der Direktverbindungen ist auf einen 2h-Takt geschrumpft.

Weitere 25% der Fahrgäste dürften jetzt die RE zwischen Lichtenfels und Leipzig nutzen, wobei das hauptsächlich die früheren Zusteiger aus Lichtenfels, Saalfeld, Jena und Naumburg sind, die meiner Erfahrung früher etwa 1/3 bis 1/2 aller Fahrgäste auf der Linie 28 zwischen Nürnberg und Leipzig ausgemacht hatten.

Ich schätze etwa 10-15% der ehemaligen ICE-Fahrgäste nimmt den neuen IC-Bus oder den SEV, wobei das hauptsächlich Reisende aus Erlangen, Bamberg und Lichtenfels sind, die entweder nach Norden oder Richtung München fahren.

Von den restlichen 30% sind die allermeisten wohl auf Auto und Fernbus umgestiegen oder vermeiden ganz einfach Fernfahrten durch andere Regulierung ihrer Arbeitszeiten / Arbeitsorte.

Grob gesagt:

1/3 in den Umleitern
1/3 im Nahverkehr und SEV
1/3 Umstieg zu Auto, Fernbus oder schlicht Fahrtvermeidung

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

CNL484, Mittwoch, 27.01.2016, 23:22 (vor 3825 Tagen) @ ICETreffErfurt

Fakt ist die Leute sind abgewandert aufs Auto oder Bus. Hat nix mit kalter Jahreszeit oder Januar zu tun. ICE sind für ein 2 Stunden Takt schlecht ausgelastet. Man sagt die Bahn kann die Umleitung als Test sehen für 2018.Leute wollen direkt fahren und hassen am meisten Anschlussverlust. Busse können ihnen direkt Verbindungen anbieten. Soll eben doch nicht nur der Preis ein Rolle spielen warum man Bus fährt.

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

Christian_S, Donnerstag, 28.01.2016, 00:00 (vor 3825 Tagen) @ CNL484

Fakt ist die Leute sind abgewandert aufs Auto oder Bus. Hat nix mit kalter Jahreszeit oder Januar zu tun. ICE sind für ein 2 Stunden Takt schlecht ausgelastet. Man sagt die Bahn kann die Umleitung als Test sehen für 2018.Leute wollen direkt fahren und hassen am meisten Anschlussverlust. Busse können ihnen direkt Verbindungen anbieten. Soll eben doch nicht nur der Preis ein Rolle spielen warum man Bus fährt.

Na so schwarz ist es nicht. Für Reisende aus München und Nürnberg nach Leipzig und darüber hinaus hat sich ja nicht viel verändert, nur sind es halt derzeit weniger Verbindungen als bisher. Die Reisezeit ist ja gleich geblieben. Schlecht ausgelastet ist die Linie 28 auch wahrlich nicht, aber man merkt schon, dass die Reisenden von den Unterwegshalten fehlen. Städte wie Erlangen, Bamberg und Jena haben halt regelmäßig pro Zug zwischen 20 und 40 Ein- und Aussteiger gehabt. Das reicht nicht, um einen Zug zu füllen, aber für einen sinnvollen Unterwegshalt auf einer Linie auf jeden Fall. Das Potential fehlt nun natürlich größtenteils, Erfurt selbst "wirft" meinen Beobachtungen nach für die Linie 28 von/nach Süden nicht sonderlich viel Fahrgastpotential ab.

Was die Franken-Thüringen-Express betrifft: Bin nun schon mehrmals damit gefahren, auch heute wieder. Der 3-teiler nach Leipzig war fast bis auf den letzten Platz voll, die meisten Leute fahren entweder direkt nach Leipzig oder steigen dort zur Linie 28 nach Berlin um. Diese Variante wird also durchaus genutzt, vor allem aber wohl von Reisenden aus/nach Jena, Südthüringen und der oberfränkischen Region.

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

ICE 1517, Donnerstag, 28.01.2016, 02:58 (vor 3825 Tagen) @ Christian_S

Was die Franken-Thüringen-Express betrifft: Bin nun schon mehrmals damit gefahren, auch heute wieder. Der 3-teiler nach Leipzig war fast bis auf den letzten Platz voll, die meisten Leute fahren entweder direkt nach Leipzig oder steigen dort zur Linie 28 nach Berlin um. Diese Variante wird also durchaus genutzt, vor allem aber wohl von Reisenden aus/nach Jena, Südthüringen und der oberfränkischen Region.

Die Auslastung scheint also betriebswirtschaftlich optimal zu sein, wie's so schön heißt. Im Prinzip hat man ja mit der Verlängerung des Franken-Thüringen-Express nach Leipzig wirklich ein sehr attraktives Angebot geschaffen. Zumindest bis Leipzig ist es in vielen Fällen die schnellste Verbindung und eben auch preislich die günstigste. Mich hat da ja die Ankündigung überrascht, dass man nur mit Einzeltraktion bis Leipzig fährt. Aber es scheint ja momentan genau aufzugehen.

Wenn's geht, werde ich vom Franken-Thüringen-Express dennoch eher Abstand halten.

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

ICE 1517, Donnerstag, 28.01.2016, 03:22 (vor 3825 Tagen) @ ICETreffErfurt

Von den restlichen 30% sind die allermeisten wohl auf Auto und Fernbus umgestiegen oder vermeiden ganz einfach Fernfahrten durch andere Regulierung ihrer Arbeitszeiten / Arbeitsorte.

Ehrlicherweise hab ich letztes Jahr ebenfalls diese Überlegung getätigt, ob ich mich während der Bauarbeiten von der Bahn abwende. Insofern schließe ich mich da an, dass einige Leute auf den Asphalt gewechselt sind. Da dürfte es auch mehr das Auto sein, das gewinnt.

Bei den Fernbussen bräuchte es mehr Verbindungen. Bamberg-Leipzig beispielsweise funktioniert mit dem Fernbus nicht, nach Berlin käme man hingegen problemlos.

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

ACS64, Donnerstag, 28.01.2016, 08:58 (vor 3825 Tagen) @ CNL484

Fakt ist die Leute sind abgewandert aufs Auto oder Bus. Hat nix mit kalter Jahreszeit oder Januar zu tun. ICE sind für ein 2 Stunden Takt schlecht ausgelastet. Man sagt die Bahn kann die Umleitung als Test sehen für 2018.Leute wollen direkt fahren und hassen am meisten Anschlussverlust. Busse können ihnen direkt Verbindungen anbieten. Soll eben doch nicht nur der Preis ein Rolle spielen warum man Bus fährt.

Also, da ich täglich L28 nutze zwischen Würzburg und Nürnberg (in der Taktlage fährt normalerweise ein Zug aus Hamburg/Bremen, der ist aktuell aber auf Augsburg geklappt), kann ich sagen, dass zumindest mein Stammzug (NWH ab 16:34) sicher nicht schlecht ausgelastet ist. Gerade in der 1. Klasse ist an vielen Tagen es nicht ganz einfach ohne Reservierung einen Sitzplatz zu finden (gerade, wenn man einen Tisch möchte). Hier schlägt der ICE-T Faktor mit der zu kleinen 1. Klasse zu. Auch die 2. ist ganz gut ausgelastet.

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Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

Mario-ICE, Donnerstag, 28.01.2016, 13:55 (vor 3825 Tagen) @ Christian_S

Fakt ist die Leute sind abgewandert aufs Auto oder Bus. Hat nix mit kalter Jahreszeit oder Januar zu tun. ICE sind für ein 2 Stunden Takt schlecht ausgelastet. Man sagt die Bahn kann die Umleitung als Test sehen für 2018.Leute wollen direkt fahren und hassen am meisten Anschlussverlust. Busse können ihnen direkt Verbindungen anbieten. Soll eben doch nicht nur der Preis ein Rolle spielen warum man Bus fährt.


Na so schwarz ist es nicht. Für Reisende aus München und Nürnberg nach Leipzig und darüber hinaus hat sich ja nicht viel verändert, nur sind es halt derzeit weniger Verbindungen als bisher. Die Reisezeit ist ja gleich geblieben. Schlecht ausgelastet ist die Linie 28 auch wahrlich nicht, aber man merkt schon, dass die Reisenden von den Unterwegshalten fehlen. Städte wie Erlangen, Bamberg und Jena haben halt regelmäßig pro Zug zwischen 20 und 40 Ein- und Aussteiger gehabt. Das reicht nicht, um einen Zug zu füllen, aber für einen sinnvollen Unterwegshalt auf einer Linie auf jeden Fall. Das Potential fehlt nun natürlich größtenteils, Erfurt selbst "wirft" meinen Beobachtungen nach für die Linie 28 von/nach Süden nicht sonderlich viel Fahrgastpotential ab.

Was die Franken-Thüringen-Express betrifft: Bin nun schon mehrmals damit gefahren, auch heute wieder. Der 3-teiler nach Leipzig war fast bis auf den letzten Platz voll, die meisten Leute fahren entweder direkt nach Leipzig oder steigen dort zur Linie 28 nach Berlin um. Diese Variante wird also durchaus genutzt, vor allem aber wohl von Reisenden aus/nach Jena, Südthüringen und der oberfränkischen Region.

Was wieder einmal zeigt, dass es notwendig ist darüber nachzudenken einen schnelleren und damit attraktiveren Regionalverkehr zu etablieren. Eine attraktive RE-Verbindung lockt halt mehr Fahrgäste als eine RB oder SE mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen, die häufig zusammen nicht das Potenzial an Reisenden aufweisen wie kleinere oder mittlere Städte.

Umleitungsverkehr: Erfahrungen zwischen Bamberg und Leipzig

ICETreffErfurt, Eisenach, Donnerstag, 28.01.2016, 17:59 (vor 3824 Tagen) @ Mario-ICE

Kann ich nur bestätigen. Der SE 15 ist nicht gerade stark ausgelastet. Es gibt einen Peak jeweils in Weißenfels und Jena, dazwischen sind die Züge teilweise ziemlich leer.

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