Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI (Allgemeines Forum)

moonglum, Hagen, Samstag, 26.09.2009, 22:09 (vor 6125 Tagen)

Heute morgen im 2331 (haha ich habe ihn also erreicht): Welcher Bhf. ist das noch, wo der Bahnsteig in Nordrichtung derselbe ist wie in Südrichtung... Lingen oder Meppen?


Anyway: Der IC fährt ab, die 101 passiert das HP2 zeigende Signal, und es erfolgt eine Vollbremsung, angeblich wegen Signalstörung. Der Zug bremst natürlich und kommt kurz darauf zum Stehen.
Die 101 steht letztendlich inmitten der Weichen auf das Gleis in Richtung Norden. Unser Zug wäre einem auf dem normalen nach Norden weisenden Gleis durchfahrenden Zug voll in die Seite gefahren...

Ist das so, dass die durch INDUSI ausgelöste Zwangsbremsung den Zug nicht vorher zum Stillstand bekommt?

Ist das hier ggf. ein Einzelfall, oder dient das INDUSI Verfahren "nur" der Schadensminimierung? Eigentlich dachte ich immer, es sollte zB solche möglichen Flankenfahrten beim versehentlichen Überfahren eines Hauptsignals verhindern....

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

chritz, Samstag, 26.09.2009, 22:51 (vor 6125 Tagen) @ moonglum

Der Zug fährt an HP2 vorbei und bekommt eine Zwangsbremsung? Ich nehme an, du meinst HP0.

Flankenfahrten werden eher durch Durchrutschwege verhindert als durch diese Zwangsbremsung. Beim Anfahren gegen Haltzeigende Signale ist ein Zug so langsam (durch die Indusi), dass im Gefahrenbereich hinter dem Signal eigentlich nichts passieren kann.
Ich habe das selbst einmal gesehen, Anfahrt langsam und nach 10 Metern stand der Zug auch schon hinter dem Signal, sogar noch vor der ersten Weiche.

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

Turbonegro, Samstag, 26.09.2009, 23:35 (vor 6125 Tagen) @ moonglum

Anyway: Der IC fährt ab, die 101 passiert das HP2 zeigende Signal, und es erfolgt eine Vollbremsung, angeblich wegen Signalstörung. Der Zug bremst natürlich und kommt kurz darauf zum Stehen.


Wenn ich darauf mal einen Antwortversuch wagen darf.

Der vorliegende Fall hört sich stark nach einer PZB-Zwangsbremsung an einem Fahrtstellung zeigendem Hauptsignal an (Dabei ist es egal ob Hp1, Hp2, Ks1, Ks2, Hl1 bis wasweißichwievieleesvondendingerngibt oder Kennlicht handelt). Das ganze passiert, wenn der 2000Hz PZB-Magnet (der Begriff Indusi ist alt, heißt neu PZB, wird aber noch häufig verwendet) am Hauptsignal gestört ist und damit Dauerhaft wirksam ist. Dies passiert ab und zu, ist einfach Technik.

Der Zug fährt übers Hauptsignal, es macht zisch, die Luft ist weg und für den Fahrgast dauert es gefühlt ewig, bis es weitergeht.

Aus Sicht meiner Berufsgruppe, der allseits geschätzten Fahrdienstleiter, ist dies ein ziemlich lästiges und aufwendiges Verfahren, den Zug wieder weiterfahren zu lassen, wenn alles richtig gemacht werden soll.

(Wen es interessiert, lese bitte in der Fahrdienstleitervorschrift, neudeutsch Ril 408, die Module 0243,0244,0531 und 0651 nach :P)

Die 101 steht letztendlich inmitten der Weichen auf das Gleis in Richtung Norden. Unser Zug wäre einem auf dem normalen nach Norden weisenden Gleis durchfahrenden Zug voll in die Seite gefahren...

Ist das so, dass die durch INDUSI ausgelöste Zwangsbremsung den Zug nicht vorher zum Stillstand bekommt?

Ist das hier ggf. ein Einzelfall, oder dient das INDUSI Verfahren "nur" der Schadensminimierung? Eigentlich dachte ich immer, es sollte zB solche möglichen Flankenfahrten beim versehentlichen Überfahren eines Hauptsignals verhindern....


Wenn ein Zug über ein Hp0 zeigendes Signal fährt, ist die PZB natürlich nicht nur zur Schadensbegrenzung da. Denn hinter dem Zielsignal baut sich bei jeder Fahrstraße ein D-Weg, für die Nichtexperten Durchrutschweg auf. Die Länge des D-Wegs hängt von der Einfahrgeschwindigkeit ab.

Fährt ein Zug also mit Hp1 und einer Streckengeschwindigkeit von 160 auf ein Signal Hp0 zu, ist der D-Weg natürlich viel länger und kann unter umständen noch die ganze Ausfahrweichen "blockieren". Eine Ausfahrt über die durch den D-Weg beanspruchten Weichen ist von anderen Zügen nicht möglich.
Bei entsprechender Projektierung im Stellwerk, kann es aber auch kurze D-Wege geben. Hierbei wird die Geschwindigkeit durch z.B. Hp2 oder Ks2,Kz4 schon am vorgelegenen Signal reduziert. Der Zug kann also nicht mehr so weit drüber rutschen und Ausfahrweichen für andere Zugfahrten zur Verfügung stehen.

Auf einen D-Weg verzichtet werden darf nur, wenn der Zug mit höchstens 30 km/h einfährt (vgl. Einfahrt in ein Einfahrstumpfgleis)

Der D-Weg ist Teil der Fahrstraße und muss frei sein.
(auch hier darf ich auf die Ril 408.0231 aufmerksam machen)

Ich hoffe das halbwegs verständlich und trotz Vereinfachung betrieblich fehlerfrei hingeschrieben zu haben.

...alles wird gut...

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

liebe70, Sonntag, 27.09.2009, 00:47 (vor 6125 Tagen) @ Turbonegro

(Wen es interessiert, lese bitte in der Fahrdienstleitervorschrift, neudeutsch Ril 408, die Module 0243,0244,0531 und 0651 nach :P)

Die "Fahrdienstleitervorschrift" hieß früher Fahrdienstvorschrift, da es neben dem Fahrdienstleiter noch weitere Personengruppen wie Tf, Zf, Rangierleiter usw. gab, die diese Vorschrift wenigstens teilweise kennen mußten. Neudeutsch heißt sie jetzt "Züge fahren und Rangieren". Früher war es die DS 408 bei der Bundesbahn und DV 408 bei der Reichsbahn; jetzt ist es die RiL 408.

Das nur mal so nebenbei.

Gruß, Ralf

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

cyberle, Düsseldorf, Sonntag, 27.09.2009, 04:30 (vor 6125 Tagen) @ liebe70

(Wen es interessiert, lese bitte in der Fahrdienstleitervorschrift, neudeutsch Ril 408, die Module 0243,0244,0531 und 0651 nach :P)


Die "Fahrdienstleitervorschrift" hieß früher Fahrdienstvorschrift, da es neben dem Fahrdienstleiter noch weitere Personengruppen wie Tf, Zf, Rangierleiter usw. gab, die diese Vorschrift wenigstens teilweise kennen mußten. Neudeutsch heißt sie jetzt "Züge fahren und Rangieren". Früher war es die DS 408 bei der Bundesbahn und DV 408 bei der Reichsbahn; jetzt ist es die RiL 408.

Das nur mal so nebenbei.

Gruß, Ralf

Dann musst du der Vollständigkeithalber aber noch sagen, dass es bis vor 2 Jahren noch die KoRil also Konzernrichtlinie 408 war.

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

moonglum, Hagen, Sonntag, 27.09.2009, 08:45 (vor 6125 Tagen) @ Turbonegro

Aha das ist interessant, ja es war auffallend, wie lange wir so gestanden haben. Die Radlfahrer am beschranken geschlossenen Bahnübergang sind samt und sonders nach ein paar Minuten irgendwoanders hergeradelt ;=))

Wir hatten dann +10, und waren ab Emden wieder pünktlich.

Ach ja, das Signal stand auf Hp2.

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Markus-P, Sonntag, 27.09.2009, 10:47 (vor 6125 Tagen) @ moonglum

Aha das ist interessant, ja es war auffallend, wie lange wir so gestanden haben. Die Radlfahrer am beschranken geschlossenen Bahnübergang sind samt und sonders nach ein paar Minuten irgendwoanders hergeradelt ;=))

Würde ich auch machen. Die Unterführung ist nicht weit weg.

Ist auch nicht so ein dunkles und enges Loch wie z.T. in anderen Städten.
Bahnunterführung Lingen

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

fabs, Braunschweig, Sonntag, 27.09.2009, 09:44 (vor 6125 Tagen) @ Turbonegro

Aus Sicht meiner Berufsgruppe, der allseits geschätzten Fahrdienstleiter [...]

:-)))) Der ist gut!

ICH weiß, daß ihr mich teilweise sicherungstechnisch bedingt nicht fahren lassen KÖNNT (z.B. wegen Fahrstraßenausschluß), da ich mich - zumindest ansatzweise - mit der Materie beschäftige. Aber wenn ich da an so manche Kollegen denke...

Viele Grüße
fabs

--
Es gibt Dinge im Leben, die dich schnell aus der Bahn werfen können!
Zugbegleiter zum Beispiel...

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

Markus-P, Sonntag, 27.09.2009, 01:07 (vor 6125 Tagen) @ moonglum

Heute morgen im 2331 (haha ich habe ihn also erreicht): Welcher Bhf. ist das noch, wo der Bahnsteig in Nordrichtung derselbe ist wie in Südrichtung... Lingen oder Meppen?

Das ist Lingen!

Aber nicht mehr lange.

Es wird ein neuer Mittelbahnsteig errichtet.

Die Unterführung ist schon seit fast zwei Jahren fertig.

Mal eine grundsätzliche Frage zur INDUSI

Jan aus MD, Mittwoch, 30.09.2009, 19:34 (vor 6121 Tagen) @ moonglum

Heute morgen im 2331 (haha ich habe ihn also erreicht): Welcher Bhf. ist das noch, wo der Bahnsteig in Nordrichtung derselbe ist wie in Südrichtung... Lingen oder Meppen?


Anyway: Der IC fährt ab, die 101 passiert das HP2 zeigende Signal, und es erfolgt eine Vollbremsung, angeblich wegen Signalstörung. Der Zug bremst natürlich und kommt kurz darauf zum Stehen.
Die 101 steht letztendlich inmitten der Weichen auf das Gleis in Richtung Norden. Unser Zug wäre einem auf dem normalen nach Norden weisenden Gleis durchfahrenden Zug voll in die Seite gefahren...

Ist das so, dass die durch INDUSI ausgelöste Zwangsbremsung den Zug nicht vorher zum Stillstand bekommt?

Ist das hier ggf. ein Einzelfall, oder dient das INDUSI Verfahren "nur" der Schadensminimierung? Eigentlich dachte ich immer, es sollte zB solche möglichen Flankenfahrten beim versehentlichen Überfahren eines Hauptsignals verhindern....

Servus,

also bei dem Bahnhof handelt es sich um Lingen, wie Markus-P schon geschrieben hat. Der zweite Bahnsteig ist auch fast fertig, also mit nen bissel Glück halte ich da vielleicht sogar mal noch :-D

Aber jetzt mal ne doofe Frage (oder auch zwei): bist du dir sicher, dass das Hauptsignal Hp2 gezeigt hat und nicht Hp1 und die Lok stand im Weichenbereich, so das es zu ner Flnakenfahrt gekommen wäre???
Wenn ich mich jetzt nämlich nicht täusche, denn bekommt man bei der normalen Ausfahrt in Lingen Richtung Süden (Leschede) Hp1 und wenn man Hp2 bekommt, denn spricht es eigentlich fast dafür, dass man aufs Gegengleis fährt *grübel*

Aber was auf alle Fälle sehr wahrscheinlich ist, dass der 2000Hz Magnet noch scharf war, obwohl das Signal fahrt zeigt - passiert manchmal, auch wenns eigentlich nich passieren soll.

Soweit von mir

Grüßel aus Altgarbsen
Jan aus MD

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