CH: Ceneri-Basistunnel ist durchschlagen (Allgemeines Forum)
Mit dem Gotthard-Basistunnel kommt man südwärts erst mal nur bis Bellinzona. Von dort gibt es zwei Linien nach Italien: Südwestwärts, flach und einspurig entlang des Lago Maggiore via Luino, oder südwärts doppelspurig via Lugano und Chiasso, aber mit Steigungen von bis zu 26 Promille.
Der heute durchschlagene 15 km lange und zweiröhrige Ceneri-Basistunnel eliminiert nun die Steigungen zwischen Bellinzona und Lugano. Es verbleiben allerdings immer noch Steigungen von bis zu 17 Promille zwischen Lugano und Chiasso, sodass sehr schwere Güterzüge immer noch doppelt bespannt werden müssen. Dieser schwierige Abschnitt wird aber wohl frühestens nach 2030 in Angriff genommen - wenn überhaupt.
Die Bilanz des NEAT-Projekts ist durchwachsen - siehe Fahrplankonzept 2025, viertletzte Seite. Negativ:
- Der Tunnel wird aufgrund eines Rechtsstreits mit einem unterlegenen Bieter mit einem Jahr Verspätung fertig
- Die angestrebte Fahrzeit von 2h40 auf Zürich-Mailand wird nicht erreicht - man wollte von xx:10 bis xx:50 fahren, um die beiten Vollknoten miteinander zu verbinden. Jetzt fährt man xx:32 bis xx:35, wodurch man bei Umsteigeverbindungen in Mailand eine halbe Stunde verliert.
- Die Güterkapazität wird niedriger als geplant, weil man einen Personen-Halbstundentakt fahren will und im Tunnel keine Überholmöglichkeit hat - sie wurde nicht mal vorbereitet
- Für die alte Bergstrecke existiert bisher kein touristisches Konzept - es sollen nur S-Bahnen mit Umsteig fahren. Wäre schade. Klar, es darf nicht teuer sein, aber die BLS zeigt mit ihrem RE "Lötschberger" über die Bergstrecke, wie's geht.
- Locarno, die touristisch wichtige drittgrösste Stadt im Tessin, verliert ihre Direktverbindung in die Deutschweiz
- Der Katonshauptort Altdorf an der Gotthardstrecke hat einen glaube ich zweistündlichen Halt der IC-Züge durchgesetzt. Deswegen muss im Tunnel mit hohem Energieaufwand sowie Trassenverlust Tempo 230 gefahren werden, um rechtzeitig in Lugano zu sein.
Es gibt aber auch Positives:
- Als Nebeneffekt des Ceneritunnels sinkt die Reisezeit zwischen Lugano und Locarno (grösste und drittgrösste Stadt im Tessin) dank Direktverbindung im Halbstundentakt von 54 auf hervorragende 21 Minuten.
- Die längere Fahrzeit nach Mailand erlaubt wenigstens perfekte ITF-Knoten in Lugano und Bellinzona
- Der Halbstundentakt für Personen ist natürlich komfortabel
- Die längere Umsteigezeit in Mailand sichert immerhin die Anschlüsse - mit der Pünktlichkeit im Gotthardverkehr hat man ja schlechte Erfahrungen gemacht, inbesondere rund um Mailand.