Auf zum Sylt-Shuttle-Plus! Etappe 2 (Reiseberichte)
Hallo!
Eigentlich - mein Lieblingswort -, eigentlich wollte ich von Hamburg Hbf mit der S-Bahn nach Altona fahren, um dort die Wanderdüne zu entern.
Nun hatte ich aber irgendwie immer die Grundangst in mir drin, dass der Zug ausfallen könnte. Dann stünde ich um morgens um 4 in Altona und die Welt wäre nicht in Ordnung (weil sie das ja auch immer erst um 7 ist).
Es gab dazu die Alternative, mit dem Kieler RE bis Elmshorn zu reisen. Und dort den Sylt-Shuttle-Plus besteigen oder mit der NBE bis Itzehoe zu fahren. Bei Ausfall des Fernzuges ließe sich von Itzehoe nach etwas Warten die NOB bis Husum nehmen und wieder nach etwas warten die NOB bis Niebüll oder Westerland. Womit ich noch immer eine Stunde früher wäre als bei sonst notwendiger zweier Stunden Wartezeit in Altona. Nebenbei ließe sich so die NBE in das Erlebnis einbauen, könnte man den Programmpunkt auch gleich mit abhaken. Also beschloss ich, den Plan auch so umzusetzen.
Der Wagenstandanzeiger für den Kiel-RE verrät, dass da ein Überraschungs-Ei-Mitarbeiter bei der Umsetzung der Wagenreihung mitgewirkt hat. Nur dass es statt "in jedem 7. Ei steckt ein kleiner Schlumpf" hier heißen muß: "in jedem 2. Dosto steckt eine 1. Klasse oben!". Auch ein interessante Zusammenstellung, muß der gebauchpinselte, vornehme Hanseat bei der Zugeinfahrt nicht auf dem Bahnsteig umherirren, um nicht allzuviel Kontakt mit Plebs und Pöbel zu haben.
Pünktlich kam der RE aus Kiel auch an, der nach der Wendezeit als RE wieder nach Kiel fahren sollte. Ihr lest, dass es schon hier eine ganz besondere Fahrt war: so oft, wie hier das Wort "pünktlich" schon auftauchte...
Wir fuhren los, mein Motto war wieder: "Lieber aquarisch statt antiquarisch" und so nahm ich wieder im Blaulicht Platz. Halt im Dammtor. Verbindungsbahn, rechts ab, Stop in Pinneberg und dann sind wir auch schon in Elmshorn. 03:43 Uhr los, 04:12 Uhr muß ich schon wieder raus. In Elmshorn stehe ich auf Gleis 1 direkt an dem Abgang im Wartehäuschen. 04:19 Uhr soll die NBE fahren, 04:23 Uhr der D 1406. Die NBE fährt auch ein - hält aber nicht etwa bei uns vorne in Höhe des Abgangs, sondern weiter hinten in einem erhöhten Bereich des Bahnsteiges. Die Info habe ich da aber nirgends gefunden, auch eine Familie, die mit will, weiß davon nichts. Ist das doch wieder ein Heindidelkram! Und so sprinteten wir der Bahn entgegen. Rein ins Gefährt, Türen zu, auf geht's. Sieht noch schön neu aus. Fährt man gut drin. Toilette okay, die Haltestellenansagen etwas schnell gesprochen. Schicke Monitore in den Eingangsbereichen, die man aber nur sieht, wenn man quasi danebensteht.
Dann folgte der absolute Kracher dieser Fahrt: Mausi kam zur Fahrscheinkontrolle. Bei meinen miteingestiegenen Mitreisenden hatte sie was zu quäken - ich bekam aber nicht mit, was. Dann hielt ich ihr mein SWT unter die Nase. Sie meinte nur "Jaaaaaaaa!". Ich sag: "Jaaaaaaaaaaaaa!". Sie: "Das ist jetzt eigentlich ein Problem! Wann haben Sie den Fahrschein gekauft?". Ich weiß nicht so richtig, was sie jetzt von mir will und antworte, "heute nacht". "Eben", meint sie, "deswegen ist der jetzt nicht mehr gültig! Der gilt nur bis 3 Uhr!".
Mit vielem hatte ich nun gerechnet, aber nicht damit. Ich verlor kurzzeitig den Verstand. Das war nun derart abstrus, dass selbst mir dazu nichts mehr einfiel auf die Schnelle. Ich japste also ein paar Mal nach Luft, sortierte die Zellen im Gehirn wieder in die richtige Reihenfolge und erklärte ihr, dass ich seit 0 Uhr damit rumfahre und das Ding bis MORGEN um 3 Uhr gilt. Und dass ich das gestern - ein Freitag! - gar nicht benutzt haben kann, weil das SWT nur Samstags oder Sonntags gilt und ich bei einer Fahrt gestern - zwar Feiertag, aber trotzdem Freitag! - ein QdL bekommen hätte. Mausi focht das alles nicht an, ihr Totschlagargument: Sie wisse das genau, sie habe sich erkundigt! Offensichtlich ist sie tatsächlich der Auffassung, dass das SWT-Ticket dann nur die drei Stunden von 0 Uhr bis 3 Uhr gilt.
ÄRGERLICHERWEISE ließ sie mich aber - nach ihrer Auffassung großzügig! - auf Kulanz mitfahren. Ich hätte sehr gerne eskaliert. Denn soviel Unsinn ist mir in all den Jahren überhaupt noch nie untergekommen. Ich habe wirklich großes, sehr großes Verständnis dafür, dass ein Schaffner nicht alles wissen kann und er sich mal verheddert in Waben, Zonen und Ringen, bei erlaubten Strecken und Zeiten und ob der Hund nun nur mit dem Fahrrad mit darf oder doch erst ab 19 Uhr, dann aber mit separatem Fahrradschein für den Hund. Dass da kein Schaffner dieser Welt ALLE Feinheiten durchblickt, das sehe ich ein. Und dass da mancher auch mal den Tarif falsch interpretiert. Aber solch grundlegenden Dinge wie die Gültigkeit über Mitternacht hinaus dann derart falsch aufzufassen, dazu gehört aber schon eine gewaltige Menge Unvernunft. Ich wünschte ihr, zumal sie auch sonst kein Hort der Freundlichkeit war, die baldige Entlassung. Sie machte es sich mangels weiterer Arbeit - aus Herzhorn, Glückstadt, Krempe und Kremperheide wollte niemand weg so früh - wieder beim Lokführer bequem. Da haben sie bestimmt über die doofen Reisenden, die von nichts 'ne Ahnung haben, genörgelt.
Vorm Erreichen Itzehoes verkündet die innerbetriebliche Blechelse sogar den Anschlußzug "1406" nach Westerland. Witzig ist aber, dass er auch auf dem Monitor nicht mit einer Bahnsteigangabe versehen ist. War er in Elmshorn auch nicht! Soll wohl offensichtlich dispositiv disponiert werden können die Fuhre; hochflexibel.
In Itzehoe fand ich aber problemlos den Bahnsteig, auf dem der Schnellzug eintrudeln sollte. Witzigerweise wurde er übrigens auf der Anzeigetafel, wie auf allen anderen, die ich sah, auch, als Zuggattung "SSP" angezeigt "SSP 1406" soll die Fuhre lauten. Entweder ist da jemandem das "D" für "D-Zug" für "Schnellzug" peinlich. Oder es hat jemand Angst, dass man das "D" für eine "LÜ Dora" halten könnte (das ist es nur, und zwar gewichtstechnich, wenn ich drin sitze).
Dann taucht zur angegebenen Ankunftszeit ein Spitzenlicht auf - und es fährt tatsächlich ein: Der Sylt-Shuttle plus nach Westerland! In Form einer Einheit Blechspielzeug. Ein Kracher folgt hier aber dem nächsten: Mit mir auf dem Bahnsteig steht ein Mütterchen etwas älteren Jahrgangs. Bei der Zielbeschilderung muß die Bahn noch arbeiten, es stand nur "www.bahn.de" auf dem Zugzielanzeiger. Was Muttchen verwirrte: "Der Zug fährt doch nach Westerland oder?". Jau, soll er. Und so steigen Mutti und ich vorne ein. Der Lokführer hat den Vorhang zugezogen. Ich gehe durch den "Zug" und bin entzückt: Sitzt, bzw. liegt, doch eine gute Handvoll Leutchen im Zug! Ich bin also nicht allein! Ein Verkehrsbedürfnis wird gestillt! Bzw. überhaupt erstmal bedient. Es fahren Reisende mit! Ganz offensichtlich ein paar Nachtschwärmer, die von Hamburg jetzt zurück wollen ins Heimatkaff. Selbst in Heide, Husum und Bredstedt gibt es - zwar bescheidenen, aber immerhin! - Fahrgastwechsel!!!
Ich bin derweil schon wieder auf 180. Das WC ist defekt! Das war so nicht eingeplant. Ich war beim 628 davon ausgegangen, dass man die Toilette in Betrieb hat. Doch bei DB Fernverkehr denkt man immer richtig, wenn man erstmal schlechtes denkt und so denke ich: Das machen die doch extra! Wollen sich die Wartungskosten für's WC auch noch sparen. Bestimmt ist das dauerverschlossen. Später erfahre ich dann, dass ich da falsch liege: Es handelt sich um einen temporären Defekt (evtl. sogar wörtlich, wenn da wieder einer mit ebensolchen zu Werke war...). Das war aber nicht alles: Der linke Außenspiegel klappt nicht ein bzw. aus. Und die mittlere (Doppel-)Tür rechts schließt nicht automatisch, sondern muß manuell zugezogen werden. So viele Defekte bei einem Fahrzeug, dass frisch revisioniert wurde (4.12.15 laut Anschrift, Fz 628 495). In den Werken ist wohl auch die Lust abhanden gekommen, vernünftig zu arbeiten; na ja, wen wundert's... Dafür hat man die große Uhr auf dem Armaturenbrett ausgebaut. Hehe, ich kann mich auch nicht dran erinnern, dass da mal eine die Zeit anzeigte, die außerhalb des DB-Reiches gerade aktuell war.
Jedenfalls war mir klar: Zwischen 4:51 Uhr und 7:30 Uhr wird defintiv ein Toilettengang erforderlich sein - die ganze hineingespülte Cola muß zumindest zu einem Teil wieder raus. Mir kam erst in den Sinn, bei einem Unterwegshalt eben zu fragen, ob da 30 Sek. gewartet werden kann. Haben wir zu Zählerzeiten mit bei der NWB in Vlotho mal so gemacht, Weihnachtsmarkt und beide WC hinüber und die Damenwelt zickte. Hier nun war es aber so, dass es sich beim Fahrplan wohl um einen Hochgeschwindigkeitsfahrplan handelt. Jedenfalls kamen wir nirgends zu früh an. Immer hieß es: Anhalten, ein oder zwei Leute raus, einer rein und dann "Abfahrt Enno". Dann kam mir in den Sinn, in Bredstedt auf die hinter uns fahrende NOB umzusteigen, dort das Geschäft zu erledigen und dann in Niebüll, wo sie den SSP überholt, wieder zurück zu wechseln. Andererseits wollte ich aber auch nicht verpassen, was in Niebüll alles passieren würde. Dann kamen mir die planmäßig 11 Minuten Aufenthalt in Niebüll in den Sinn. Da würde ich eben in den Bahnhof gehen bzw. eben davor und auf einer Grünfläche diese bewässern. Bei dem Regen, der vom Himmel kam, würde das nicht auffallen.
Weiter geht's im nächsten Teil... ;-)
Schöne Grüße von
jörg
Etappe 2(mB)
Hallo,
Nun hatte ich aber irgendwie immer die Grundangst in mir drin, dass der Zug ausfallen könnte. Dann stünde ich um morgens um 4 in Altona und die Welt wäre nicht in Ordnung (weil sie das ja auch immer erst um 7 ist).
Ich dachte immer, du bist ein Optimist, doch sieht das gerade ganz anders aus;-)
Der Wagenstandanzeiger für den Kiel-RE verrät, dass da ein Überraschungs-Ei-Mitarbeiter bei der Umsetzung der Wagenreihung mitgewirkt hat. Nur dass es statt "in jedem 7. Ei steckt ein kleiner Schlumpf" hier heißen muß: "in jedem 2. Dosto steckt eine 1. Klasse oben!". Auch ein interessante Zusammenstellung, muß der gebauchpinselte, vornehme Hanseat bei der Zugeinfahrt nicht auf dem Bahnsteig umherirren, um nicht allzuviel Kontakt mit Plebs und Pöbel zu haben.
Ja, das hat was. Da muss der 1.Klasse Reisende net lang suchen, sondern hat immer eine zur Hand:))
Dann folgte der absolute Kracher dieser Fahrt: Mausi kam zur Fahrscheinkontrolle. Bei meinen miteingestiegenen Mitreisenden hatte sie was zu quäken - ich bekam aber nicht mit, was. Dann hielt ich ihr mein SWT unter die Nase. Sie meinte nur "Jaaaaaaaa!". Ich sag: "Jaaaaaaaaaaaaa!". Sie: "Das ist jetzt eigentlich ein Problem! Wann haben Sie den Fahrschein gekauft?". Ich weiß nicht so richtig, was sie jetzt von mir will und antworte, "heute nacht". "Eben", meint sie, "deswegen ist der jetzt nicht mehr gültig! Der gilt nur bis 3 Uhr!".
Zum Glück war es kein DB-Personal, das würde ja wieder rund gehen.
Mit vielem hatte ich nun gerechnet, aber nicht damit. Ich verlor kurzzeitig den Verstand. Das war nun derart abstrus, dass selbst mir dazu nichts mehr einfiel auf die Schnelle. Ich japste also ein paar Mal nach Luft, sortierte die Zellen im Gehirn wieder in die richtige Reihenfolge und erklärte ihr, dass ich seit 0 Uhr damit rumfahre und das Ding bis MORGEN um 3 Uhr gilt. Und dass ich das gestern - ein Freitag! - gar nicht benutzt haben kann, weil das SWT nur Samstags oder Sonntags gilt und ich bei einer Fahrt gestern - zwar Feiertag, aber trotzdem Freitag! - ein QdL bekommen hätte. Mausi focht das alles nicht an, ihr Totschlagargument: Sie wisse das genau, sie habe sich erkundigt! Offensichtlich ist sie tatsächlich der Auffassung, dass das SWT-Ticket dann nur die drei Stunden von 0 Uhr bis 3 Uhr gilt.
Vlt. sollte die gute erstmal lernen Kalender und ne uhr zu lesen^^
ÄRGERLICHERWEISE ließ sie mich aber - nach ihrer Auffassung großzügig! - auf Kulanz mitfahren. Ich hätte sehr gerne eskaliert. Denn soviel Unsinn ist mir in all den Jahren überhaupt noch nie untergekommen.
Schade, ich bin auch einer der sich auf eine Eskalation freut.
Sie machte es sich mangels weiterer Arbeit - aus Herzhorn, Glückstadt, Krempe und Kremperheide wollte niemand weg so früh - wieder beim Lokführer bequem. Da haben sie bestimmt über die doofen Reisenden, die von nichts 'ne Ahnung haben, genörgelt.
Und die Reisenden haben im Gegenzug über die doofen Bahnmitarbeiter genörgelt, die von nichts ´ne Ahnung haben^^
In Itzehoe fand ich aber problemlos den Bahnsteig, auf dem der Schnellzug eintrudeln sollte. Witzigerweise wurde er übrigens auf der Anzeigetafel, wie auf allen anderen, die ich sah, auch, als Zuggattung "SSP" angezeigt "SSP 1406" soll die Fuhre lauten. Entweder ist da jemandem das "D" für "D-Zug" für "Schnellzug" peinlich. Oder es hat jemand Angst, dass man das "D" für eine "LÜ Dora" halten könnte (das ist es nur, und zwar gewichtstechnich, wenn ich drin sitze).
Am 14.12. stand in Altona ganz schlicht "RE" 1406.
Dann taucht zur angegebenen Ankunftszeit ein Spitzenlicht auf - und es fährt tatsächlich ein: Der Sylt-Shuttle plus nach Westerland! In Form einer Einheit Blechspielzeug. Ein Kracher folgt hier aber dem nächsten: Mit mir auf dem Bahnsteig steht ein Mütterchen etwas älteren Jahrgangs. Bei der Zielbeschilderung muß die Bahn noch arbeiten, es stand nur "www.bahn.de" auf dem Zugzielanzeiger. Was Muttchen verwirrte: "Der Zug fährt doch nach Westerland oder?". Jau, soll er. Und so steigen Mutti und ich vorne ein. Der Lokführer hat den Vorhang zugezogen. Ich gehe durch den "Zug" und bin entzückt: Sitzt, bzw. liegt, doch eine gute Handvoll Leutchen im Zug! Ich bin also nicht allein! Ein Verkehrsbedürfnis wird gestillt! Bzw. überhaupt erstmal bedient. Es fahren Reisende mit! Ganz offensichtlich ein paar Nachtschwärmer, die von Hamburg jetzt zurück wollen ins Heimatkaff. Selbst in Heide, Husum und Bredstedt gibt es - zwar bescheidenen, aber immerhin! - Fahrgastwechsel!!!
Am 14.12. habe ich ihn ja in Altona gesichet(Sogar mit dem Ziel "Westerland" geschieldert), damals ohne Fahrgäste. Hier nochmal das Bild zur Erinnerung:
![[image]](http://abload.de/img/1412-00195shp.jpg)
So viele Defekte bei einem Fahrzeug, dass frisch revisioniert wurde (4.12.15 laut Anschrift, Fz 628 495). In den Werken ist wohl auch die Lust abhanden gekommen, vernünftig zu arbeiten; na ja, wen wundert's...
Oder die Abnahme ist "getürkt"?
Gruß aus dem Taunus
--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717
Stand: 20.02.2026