Auf zum Sylt-Shuttle-Plus! Etappe 1 ;-) (Reiseberichte)
Hallihallöchen liebe Fangemeinde!
DAS Bahnthema des Fahrplanwechsels: Die rollende Wanderdüne als Sylt-Shuttle-Plus unterwegs! Viel haben wir geschrieben, viel spekuliert, viel geschimpft, viel gelacht und oft genug hieß es: Da muß ich hin.
Ich hatte es ja schon "angedroht", dass das an den Weihnachtsfeiertagen zeitlich für mich umsetzbar ist, die 4-Uhr-ab-Altona-Wanderdüne zu nutzen. Und man dank Wochenend-Nacht-RE-Verbindungen auch ganz gut nach Hamburg kommt.
Am 1. Weihnachtstag abends um 23 Uhr machte ich mich also auf dem Weg. Erstmal mit dem Bus zum zentralen Umsteigepunkt Neumarkt. Sonntagabends sind die Busse in der Regel extrem leer, am 2. Weihnachtstag ist es dann meistens noch leerer als leer. Aber das hielt die Bahn-Tochter "Weser-Ems-Bus" nicht davon ab, auf einer Linie in die Nachbargemeinde mit einem GELENKZUG herumzugondeln. So transportiert man eben ein paar Kubikdezimeter mehr gewärmte Luft durch die Lande. Hat aber, wir sind ja bei der DB, bestimmt alles seinen Sinn. Am Hauptbahnhof angekommen, zupfte ich dann am Blechtrottel mein "Schönes-Wochenende-Ticket" für eine Person für den Folgetag. Weil Papier billig ist und der Programmierer auch nicht zuviel Arbeit haben will, gibt's dann neben der Linie für meinen Namen in Druckbuchstaben noch 4 weitere Linien, auf denen "Bitte alle Mitreisenden ein(zu)tragen" sind.
Die Abfahrt des Regionalexpresses nach Bremen soll um 23:52 Uhr sein. Erster Halt nach Mitternacht ist Bohmte um 00:05 Uhr. Nun wollte ich auch mal ein Gutmensch sein. Außerdem wußte ich ja schon, dass ich über die Fahrt hier im Forum berichten werde - und wenn ich dann schreibe, dass die Schaffermaus mich auf Kulanz fahren ließ bis Bohmte, dann würde das wieder für Aufregung sorgen; hier im Forum und in den gelangweilen Plüschetagen der mittleren Ebene, wo dann einer wieder petzen geht zu Cheffe. Und dann muß Mausi antanzen und dann gibt's Ärger und anschließend einen neuen Erlaß "Aus gegebenem Anlaß weisen wir darauf hin, dass ...." und dann steht der Zug und sein Personal unter Beobachtung. Und als Konsequenz wird auf der europäischen internationalen Fahrplankonferenz entschieden, dass ab 2019 der Zug 8 Min. später verkehrt. Wo dann aber die LNVG noch zustimmen muß. Während ProBahn erstmal eine Petition gegen die Verschiebung ins Leben ruft.
Also animierte ich den Blechtrottel zu einer weiteren Handlung: "Einfache Fahrt Niedersachsentarif 2. Klasse Osnabrück Bohmte". Der Automat zauberte mir dann sogar noch so einen QR-Code mit auf's Ticket. 5,70 Euro wollte er für seine Arbeit haben - auch kein schlechter Stundenlohn. Ich überlegte derweil, was passieren würde, wenn Mausi mich jetzt doch gratis mitnähme und ich das Ticket erstatten lasse. Kostet ab dem 1. Geltungstag 15 Euro. Würde ich dann 9,30 Euro nachzahlen müssen bei der Erstattung?
Nach getaner Reisevorbereitung habe ich die leere Bahnhofshalle verlassen und es ging auf zum Bahnsteig für Gleis 4. Der RE aus Bremen, Ankunft 23:26 Uhr, soll 5 Min Verspätung haben, verkündet Blechelse. Dann gibt sie bekannt, dass er jetzt eintrudelt der RE. Dann trudelt der RE ein. "Bremen" steht als Ziel schon dran; der Lokführer arbeitet also vorausschauend und das nicht nur beim Blick aus dem Frontfenster. Die Kunden verlassen den Zug. Die Anzeige auf dem Bahnsteig erwacht auch zu neuem Leben und verkündet jetzt den RE nach Bremen, Abfahrt 23:52 Uhr. Das nimmt Blechelse zum Anschluß, zu verkünden, dass gleich der RE nach Bremen EINFAHRE! Gut, der steht da schon längst, aber egal. Oder eben nicht egal, den prompt führt die Ansage zu Irritationen bei einigen der Reisenden, die ihres Zeichens keine Landsleute sind. Wie überhaupt ich der so ziemlich einzige einheimische Reisende bin. Also gebe ich Auskunft, dass das tatsächlich schon der Zug nach Bremen ist und da bis zur Abfahrt gar nichts mehr einfährt.
Ich mache es mir sodann im neu dazugekommenen Dosto-Wägelchen bequem. Ich mag die Aquarien. Auch und gerade das Licht gefällt mir. Es ist schön hell - aber nicht grell! Das ist jetzt mein Motto, wenn es um die Aquarien-Beleuchtung geht: "HELL ABER NICHT GRELL"!
Außerdem gibt's in der Dunkelheit draußen jetzt ohnehin nicht Weltbewegendes zu sehen, insofern stört Licht sowieso nicht.
Pünktlich machen wir uns auf dem Weg. Und die Schaffnermaus ist hoch motiviert, alle Fahrgäste noch vor Mitternacht persönlich begrüßt und kontrolliert zu haben. Ich zeige ihr meine beiden Fahrscheine. Sie ist hocherfreut ob soviel Ehrlichkeit und setzt auf beide Tickets ihren Stempel. Da die Abfahrt des Zuges noch am 25.12. erfolgt, bekommt mein 26.12.15-SWT nun einen 25.12.15-Zangenabdruck.
Unterwegs passiert nichts außergewöhnliches, pünktlich erreichen wir Bremen um 01:07 Uhr. Der Metronom nach Hamburg soll um 01:15 Uhr verkehren. Warum man den Umstieg nicht mitten in der Nacht bahnsteiggleich hinbekommt, ist eines der vielen Rätsel, die manche Bahnfahrt so aufwirft. Also Treppe runter, rechts rüber, Treppe wieder hoch und ab in den Metronom. Dass man ohne Ausschreibungswahn auch gleich einen durchgängigen Zug daraus machen könnte, soweit will ich schon gar nicht erst denken. Dabei gab es sowas mal. Durchgehende Züge Hamburg - Osnabrück (und noch weiter). Ja wirklich! Bevor jetzt aber der "Meister des sinnfreien Einzeilers" wieder eingreift, ergänze ich: Durchgehende NAHVERKEHRSzüge sind gemeint!
Ich mache es mir im Metronom oben am Aufgang im Ruhewagen gemütlich. Wirkliche Ruhe herrscht da nicht. Allein schon, weil die Kundschaft mit Freuden jedesmal die WC-Tür zuknallt, als gäbe es einen Preis für den, der die Tür am stärksten malträtiert. In Zeiten, wo man sonst nichts mehr zuknallen kann dank dieser ganzen Automatiktüren, muß die Möglichkeit, es hier bei der Klotür eben doch noch zu können, wohl irgendwelche urinstinktlichen Reize auslösen. BAMM!
Ein paar Mitreisende unterhalten sich, nebenan gibbet Döner. Dass die Dostowagen-Verbindungstür sich bei jeder kleinsten Kurve von selbst öffnet (sofern es in die richtige Kurvenrichtung geht), ist man ja gewohnt. Kurzum: "Ruhe" ist was anderes, aber wenigstens telefoniert niemand, randaliert niemand und es passiert auch sonst nicht schlimmes im schummrigen Licht der Halb-Beleuchtung des Dostos. Die Ansagen des Lokführers zur Ausstiegsseite sind nicht zu verstehen, weil sie so leise sind. Mausi schaut mit dem Sicherheitsmensch im Schlepp einmal durch; alles gut.
Pünktlich erreichen wir um 02:41 Uhr den Hamburger Hauptbahnhof, sogar auf dem vorgesehenen Gleis. Unser Zug soll um 03:12 Uhr nach Lüneburg verkehren, weiter hinten im Gleis soll um 03:15 Uhr der ME nach Bremen abfahren. Den aber verplant man nun für Gleis 13 statt 12 C-F. Das beschert Blechelse mittnächtliche Maloche, denn das muß natürlich frühzeitig ausgiebig kundgetan werden.
Währenddessen schlendere ich doch den völlig menschenleeren Bahnhof, McDonalds hat geöffnet in den Wandelhallen und drüben auf dem Südsteg LeCrobag und eine Bäckerei. Sogar in der DB-Information steckt Leben. Was könnte man jetzt alles in Ruhe nachfragen. Auf dem Bahnhofsvorplatz wird durch die Lautsprecher Musikgedudel eingespielt. Das klingt einem nachts nun natürlich recht markant in den Ohren angesichts sontiger fehlender lärmtechnischer Reize. Auf mich wirkte es zum einen nach akustischer Umweltverschmutzung und zum anderen wohl so, wie es sollte: Ich machte mich vom Acker und ging wieder in die geheiligte Bahnhofshalle. Was ich dann sah, machte mich allerdings gleich drauf auch wieder fassungslos: Die DB stellte den Zug nach Lübeck bereit, Abfahrt 02:55 Uhr. Wenn ich's richtig sah, als Sandwich. Und: Mit 3 DDR-Dosto-Wägelchen vorne dran! Ich stellte mal wieder fest, dass ich nicht auf dem Laufenden bin. Ich dachte immer, Hamburg - Lübeck, das wäre so eine Paradestrecke, eine Vorzeigestrecke, wo demzufolge nur das neuste vom Feinsten verkehrt. Stattdessen sehe ich da Wägelchen aus dem besseren deutschen Staat; ein Anblick, bei dem ich immer Mitleid mit Genosse Erich (welchen, das könnt ihr Euch aussuchen) bekomme. Hätte der nämlich geahnt, dass sein Krempel noch 25 Jahre nach dem Ende seines Staates dem bösen Klassenfeind dienlich sein wird - und zwar zwangsweise, weil der nicht genug eigenen Krempel hat! -: Er wäre wohl zufriedener und glücklicher gestorben. Offensichtlich aber scheint sich der Durchhaltewillen dieser Wägelchen wenigstens bis ins ferne Chile herumzusprechen, so dass Margot noch immer in voller Inbrust auf all die schimpfen kann, die früher aufgegeben haben. Und wir freuen uns, dass hier die Bahn die Nase vorn hat: Mit dem IKARUS gondelt in Deutschland keiner mehr im Linienverkehr herum - im DBuz aber kann der Bahnfahrer noch immer gemütlich reisen!
Noch irrer kam übrigens der 03:07-Uhr-Zug aus Lübeck angerauscht. Mit Wittenberger Steuerwagen, also einstöckig und einem folgenden Sammelsurium an diversen Bauarten von Dosto-Wagen. Machte optisch so den Anschein, als sei das letzte Aufgebot unterwegs; oder um den Herrn Kaleun aus "Das Boot" etwas abzuwandeln: "Alles was da ist, LI, alles was da ist!" - und dann schwärmt man im AW/BW aus und macht eine ganze eigene Art von Crowdfunding: man findet hier ein Wagen und da noch einen und irgendwann hat man soviel zusammen, dass man sie zusammenbinden kann und ein Zug entsteht.
Ich verschaffte derweil LeCrobag etwas Umsatz. Und begab mich hinab zum Bahnsteig für Gleis 6, wo der Kieler abfahren sollte. Denn ich hatte mir eine kleine Programmänderung überlegt...
Das gibt's dann im nächsten Teil...
Schöne Grüße von
jörg
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Blaschke,
27.12.2015, 14:09
- Etappe 1 - 462 001, 27.12.2015, 15:45