Von Kiruna zurück: Kobenhagen - dahoam... ;-) (Reiseberichte)
Hallöchen!
In Kobenhagen angekommen waren also nun gut 1,5 Std. Zeit. Die vertrieb ich mir mit dem Ausgeben der dänischen Kronen für 2 leckere Pizzen. Und dem Sitzen auf den Stufen vor dem Bahnhofseingang. Ich analysierte, welche Buslinie dort am häufigsten verkehrt. Ich würde nach meiner Recherche auf die "5A" setzen. Irgendwie war die jeweilige Linie auch auf den Bussen auflackiert, wenn ich das richtig sah. Ob das bezüglich eines freizügigen Einsatzes sehr sinnvoll ist?
Dann las ich etwas in einer mitgenommenen Werbebroschüre. Wobei "lesen" übertrieben ist, denn ich verstand ja nichts. Dafür gab's wieder ein schönes Wort: "Maxhastighet". Wenn's hier manchmal Max auch mal hastig hätte; aber wir entwickeln uns ja zurück...
Dann gehe ich auf den Bahnsteig, gebe meine letzten Kronen jemanden, der sie gerne hätte, warte so auf den Zug und höre eine vertraute Sprache. Deutsche. Die ausgiebig nörgeln.
Und dann verstehe ich auch, warum mich der schwedische Schaffner so merkwürdig nach meinem Fahrtwunsch ab Kopenhagen gefragt hat und warum im X2000 so ausdrücklich der späte Anschluß nach Hamburg durchgesagt wurde:
Offensichtlich handelte es sich bei den aktuellen Zeiten um geänderte Zeiten wegen Bauarbeiten. Davon wußte ich nichts, fehlenden Kursbüchern sei dank!!! In meiner Buchung war die Abfahrtzeit 17:13 Uhr schon vorgegeben. Planmäßig verkehrte der Zug aber wohl 30 Minuten später um 17:43 Uhr. Das heißt: Der Zug davor wäre planmäßig um 15:43 Uhr gefahren, also mit dem um 15:23 Uhr ankommenden X2000 auch erreicht worden. Durch die Bauarbeiten fuhr der aber schon um 15:13 Uhr. Da die Nörgler aber wohl schon früher gebucht hatten als ich, stand bei ihnen noch die ursprüngliche Zeit im Reiseplan, 15:43 Uhr. Und sie haben, wie ich mitbekam, erst im X2000 erfahren, dass ihr Plan ein Fall für den Müll ist.
Die Welt ist klein, den dänischen Schaffner der Hinfahrt traf ich tatsächlich auch wieder (wie auch, wie erwähnt, die schwedische(?) Mausi im X2000), diesmal mit einem Regionalzug unterwegs. Und noch ein Ausdruck, der mir zusage: der "Perronmanager", der auf dem Bahnsteig sein Unwesen trieb... Gut, dass ich nie Bahnchef werde, die ersten 100 Tage meiner Amtszeit wäre ich nur mit Umbenennungen beschäftigt. Kostet nur Geld und deswegen fährt kein Zug pünktlicher. Oder: Ich wäre auch nicht besser als die, die derzeit da rumwerkeln.
Unsere dänische Gumminase traf dann so um 16:53 Uhr ein. Rappelvoll, alles mußte erstmal raus. Dann wir alle rein. Der Zug sah aus wie eine fahrende Müllkippe. Der Schaffner erklärte einigen Reisenden, dass die Futterautomaten mittlerweile nicht mehr bestückt würden. Überhaupt war der Schaffner klasse. Gelassen, locker flockig, aber durchaus mit Ernst bei der Sache, sehr engagiert, freundlich. Wir saßen mit unseren Reservierungen in Wagen 82 nun wie die Hühner auf der Stange. Der nette Mensch meinte dann, Wagen 81 sei fast leer, wir könnten doch zum Teil auch da hin gehen. Zunächst sitze ich allein am 4er, dann steigen in Hoje Taastrup 2 dänische Bauarbeiter ein. Pilsken in der Hand, dreckig wie ein Bahnfuzzy am Bahndamm und brummeliger als jeder Deutsche. Ab Roskilde fahren wir Umleitung über Koge nach Naestved. Ich weiß davon nichts und blamiere mich bis auf die Knochen, als ich erzähle, dass es gar keine Umleitungsstrecke geben kann. Zum Glück haben die, die es verstanden, also sprachlich, das geglaubt. Die Zuckelei ist jedenfalls ein Elend, es geht überhaupt nicht voran. Die Bauarbeiter, die in Nykobing raus müssen, können das kaum erwarten, nervös spielen sie an ihren Zigaretten herum. Nun, die Umleitung erklärt dann natürlich auch die längeree Fahrzeit. Der Schaffner begrüßt derweil zwei junge spanische Küken per Handschlag. "Welcome in Danmark". Die waren mit Interrail unterwegs; dass sie Spanierinnen waren, bekamen wir mit, weil der Schaffner sie eben darauf ansprach, "ui, you are from Spain??!!" Faszinierend auch, was für Kontrollgeräte der Mann alles bei sich hatte.
Naestved erreichten wir pünktlich. Dann ging's weiter Richtung Fähre. Als die Durchsagen erst auf dänisch und dann auf deutsch erklangen bzgl. des Verlassens des Zuges während der Fährüberfahrt, da interessierten sich die beiden spanischen Mädels nicht sonderlich dafür. Dann ging's auf englisch weiter und man merkte, wie sie immer ernster und ruhiger wurden und man sah ihnen an: "Das ist jetzt auch was für uns! Aber was wollen die jetzt?". Fragende Blicke, ein leicht ängstlicher Gesichtsausdruck, "was passiert hier jetzt?". Wir haben's ihnen dann erklärt. Ja, mit solch einem Erlebnis hatten sie ganz sicher nicht gerechnet; der Hinweg verlief wohl über eine andere Strecke.
Roedby kam, wir fahren auf die Fähre, nebenan der Brummifahrer schaut etwas verduzt, was da neben ihm verladen wird. Dann geht's wieder ratzfatz. Bis man aus dem Zug ist und oben auf dem Deck, ist die Fähre schon fast raus aus dem Hafen. Wieder ist es Abend, der Sonnenuntergang zwar nicht ganz so schön, aber trotzdem alles toll, ein paar Möwen begleiten uns über die Grenze. Dann wieder ab in den Zug, wir setzen uns mit ein paar Leuten in den leeren Wagen 81. Der deutsche Schaffner übernimmt. Ich gebe ihm den Fahrschein, er schaut ihn sich an "Osnabrück - Kiruna, Kiruna - Osnabrück" und grinst nur: "Und? War's denn schön?" Ja, war es! Mit der Gruppe am Nachbartisch komme ich ins Gespräch, dort ist einer dabei, der auch etwas eisenbahnverrückt ist und so unterhalten und fachsimpeln wir über dies und das. Allerdings sind wir dabei wieder zu laut. Nur dass der typische Deutsche das nicht direkt sofort als vernünftige Kritik anbringt, sondern die ganze Fahrt schweigt und dann zum Schluß beim Aussteigen blöde rumpöbelt: "Die ganze Fahrt mußte ich mir ihren Schwachsinn anhören!". Wir gaben ihm die passende Antwort und dann schob er noch muffiger ab als ohnehin schon. Auf die Minute pünktlich erreichten wir um 22:16 Uhr den Hamburger Hauptbahnhof.
Ein wenig umschauen, etwas essen fassen und dann kam auch schon pünktlich IC 2021 angerauscht. Auf meine Platzreservierung verzichtete ich wieder, im Bimz war noch ein Abteil frei und so ging's dann müde, aber glücklich entspannt bis Osnabrück, wo ich um 0:35 Uhr auch pünktlich eintrudelte. Und wo sich eine perfekte, geniale Fahrt dann dem Ende neigte. Die paar Meterchen nach Hause waren schnell absolviert. Momente, die das Leben lebenswert machen und einfach nur toll sind.
Schöne Grüße von
jörg
der jetzt auch geschafft ist von der ganzen Schreiberei ;-)))