Von Kiruna zurück: Stockhom südwärts... (Reiseberichte)

Blaschke, Freitag, 25.12.2015, 02:47 (vor 3739 Tagen), gefällt einem Benutzer

Hallo!


In Stockholm pünktlich angekommen, habe ich eine gute Stunde Aufenthalt. Also erstmal ab in den coop-Laden vom Hinweg, den Rucksack wieder vollmachen. Dann schaue ich mich ein bißchen im Bahnhof um und zähle das letzte schwedische Geld, was ich noch habe. Dann erinnere ich mich, dass ich las, dass diese Geldwechselbank den 20-Kronen-Schein nicht zurückwechselt. Dabei will ich gerade mal erwähnen, dass mich diese blöde, mickrige 10-Kronen-MÜNZE doch beim ersten Mal verwirrt hat. Die bekam ich in der Kirunaschen Touristenberatung als Wechselgeld und ich dachte erst, dass das 10 Oere (also quasi Pfennige) seien. Bis auch ich dann die Sache mit den Oere und den Kronen checkte, dauerte es zwar eine Weile, aber irgendwann ging dann auch in meinem Hirn eine Art Mitternachtssonne auf...

Nun, 20 Kronen hatte ich noch. Da bin ich mal in so einen Süßigkeiten-/Zeitungsladen marschiert. Und habe mir für 18 SEK eine BILD gekauft. Die verdarb mir dann gleich die Laune, weil ich las, dass Philipp Mißfelder verstorben war. Den mochte ich noch nicht besonders und hielt ihn für ein Ar...loch, aber sterben so jung ist trotzdem nicht schön. Eigentlich genieße ich es bei solchen Fahrten ja immer, mal eben nicht auf dem Laufenden zu sein. Da passieren Dinge auf der Welt, die man nicht mitbekommt und das ist manchmal auch ganz schön. Der Kauf war also ein Fehler und ich schmiss die Zeitung gleich wieder weg.

Auf dem Bahnsteig angekommen ist dort richtig gut was los. Auch hier gibt's keine Papierfahrpläne auf dem Bahnsteig - zumindest finde ich keine. Nebenan kommt ein X2000 mit einem Wagen mit der Wagennummer 2, dafür fehlt die Wagennummer 3. Unser Zug fährt wieder ohne Wagen 2, dafür mit Wagen 3. Komisches System. Eine Dauerdurchsage mit irgendeiner Fahrplanänderung, so klingt es zumindest, ist derart penetrant, dass sie in Deutschland schon zu einer Forendiskussion hier geführt hätte. Dafür wird die Zugsbereitstellung nicht angekündigt. 6 Minuten vor Abfahrt trudelt er ein. Dann fahren wir ab. Auf dieser Fahrt fallen mir an den Stellen, wo ein paar Felsen die Strecke begrenzen, diverse Zäune und Zäunchen auf, die man um diese Felsen gezogen hat. Muß man auch in Schweden Oberleitungssüchtige von ihrer Sucht abhalten? Dafür sehen mir auf einigen Teilen der Strecke die Oberleitungsmasten recht primitiv, prähistorisch und verrostet aus. Da muß eigentlich auch mal was neues her.

Der Schaffner trudelt ein und will, im Gegensatz zum Kollegen auf der Hinfahrt, auch den "Hauptfahrschein" sehen. Der bekommt von ihm ein Loch verpaßt. Und er fragt mich, welchen Anschluß ich in Kobenhagen bekommen wolle. Dafür stelle ich fest, dass in diesem Zug das Personal ein gewisses Eigenleben führt. Den ganzen englischen Klimbim handelt man mit einer Durchsage ab: "If you want any information in English, ask the train-team!". Mausi hält sich übrigens nicht dran, "we will arrive in Norrköping". In Linköping darf ich dann dem seltenen Erlebnis eine entgegengesetzten Paralleleinfahrt beiwohnen. Fans der Symmetrieminute würden ausrasten vor Begeisterung, na nicht ganz, weil's nicht ganz paßt, aber dafür ist die Einfahrt symmetrisch. Wir sollen 11:58 Uhr eintrudeln und 12:00 Uhr abfahren und der Gegenzug soll es auch. Und da beide aber sowas von pünktlich sind, klappt das ganz wunderbar.

Beim Gang auf's WC stelle ich mit Freuden fest, dass die Türverrieglung ein einfacher, primitiver Hebel ist. Kein hochtechnisches Brimborium wie in unseren supidupitollen ICE. Wenn keine Hochtechnologie vorhanden ist, kann auch keine kaputtgehen.

Und dann folgt wieder so ein magischer Moment: Hinter Linköping begehrt eine FAHRGASTBEFRAGERIN meine Auskünfte. Hehe, sonst war's oft genug umgekehrt, nur dass ich nur im Nahverkehr die Kundschaft interviewte. Ich sage ihr, dass ich nur bruchstückhaft englisch spreche und eben deutsch, beides versteht sie nicht und somit nimmt das Ganze leider ein schnelles Ende. Ob sie auch ein Feld "Verständigungsschwierigkeiten/Verweigerer" hat auf ihrem Formular und ob sie auch weiß, dass jeder Strich mehr in dem Feld Punktabzüge im Ranking gibt?

Vor Mjölby kommt mir ein kunterbunter Personenzug entgegen mit einer Hectorrail-Zuglok. Vor Alvesta überholen wir fliegend einen Hectorrail-Güterzug. Dabei fällt mir auf, dass ich verdammt wenig Güterverkehr auf der Strecke gesehen habe. Ist da tagsüber auch kein Platz? Ein Nahverkehrszug in Alvesta zeigt mir dann, dass auch Schweden Graffitiidioten beherbergt. Dafür macht das alte Bahnhofsgebäude durchaus was her. Zwischendurch schaue ich dann mal aus Neugier in das Bistro im X2000 rein. Ist die Mikrowelle da eigentlich für den Eigenbedarf? Schön viel Platz hat man jedenfalls. Ich brauchte nun nichts mehr zu kaufen, also ging ich wieder auf meinen Sitzplatz. Der Zug war ordentlich gefüllt. Hässleholm hat wohl in Hagen (Westf) abgeschaut, jedenfalls sah ich da auch so einen "geteilten" Bahnsteig wie in Hagen, Bahnsteig 5 hier. Und: Es gab Aushangfahrpläne! Auch in Lund fielen mir diese ins Auge. Mit der Aufschrift "Skanetrafiken". Da scheint es wohl regional auch Unterschiede zu geben.

In Malmö gab's dann wie schon erwähnt Personalwechsel. Vor der Einfahrt Kastrup mußten wir dann warten, wie bei meiner anderen erwähnten Fahrt auch schon. Muß 'ne Art Hohenzollernbrücke-Gedächtnishalt sein. Bei der Einfahrt in Kobenhagens Hauptbahnhof bekommen wir zweimal mächtig "einen gewischt": roch verdächtig nach 2 Zwangsbremsungen oder wie der korrekte Fachausdruck dann heißen mag. Was mich erstaunte: Dass zweimal ausdrücklich auf den erst in 1:50 Std. verkehrenden Anschlußzug nach Hamburg hingewiesen wurde. Den Zusammenhang erkannte ich erst später: Als ich auf dem Bahnsteig in Kopenhagen ein paar nörgelnde Deutsche traf. Deutsche im Ausland erkennt man ja sofort: Sie nörgeln.

Warum, das gibt's im letzten Bericht zu lesen.


Schöne Grüße von

jörg


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