Fünfundzwanzig Jahre später, Teil 12.1 (Ludwigsstadt) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 12.12.2015, 16:32 (vor 3801 Tagen)

Moin!


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Gemütlich ist es, das ICE-Tempo zwischen Lichtenfels und Saalfeld. In zahlreichen Kurven schlängelt sich die Bahnstrecke und auf ihr der Zug über den Frankenwald. Genug Zeit, die Bahnhofsnamen zu lesen. In Hochstadt-Marktzeuln zweigt die zweigleisige Dieselstrecke gen Neuenmarkt-Wirsberg ab. Auf der in Neuses abzweigenden Strecke nach Weißenbrunn fuhren von 1916 bis 1954 Reisezüge, zum 30. September 1994 wurde den (oder dem?) Güterkunden gekündigt. Kronach mit seiner Festung war Beginn der Nebenbahn nach Nordhalben (Personenverkehr 1900 - 1976, der obere Teil ist als Museumsinselbahn erhalten). Nur wenig später folgt Stockheim, hier zweigte einst eine Verbindung nach Sonneberg ab.
Nächste Station ist Pressig-Rothenkirchen. Von hier aus führte mal eine Bahnstrecke nach Tettau. Diese wurde am 24. Juni 1902 von den Bayrischen Staatseisenbahnen eröffnet. Von Bedeutung war sie in erster Linie für die Industrie in Alexanderhütte und Tettau, die Glas und Porzellan fabriziert. 1945 sollte die Linienführung der Strecke zum Problem werden: Sie lief mal in Franken, mal in Thüringen. Auf dringenden Wunsch von Industrie und Handwerk konnte sie nach der Beseitigung von Kriegszerstörungen am 16. Oktober 1946 wieder in Betrieb genommen werden. Zunächst fuhren nur Güterzüge, ab dem 14. April 1947 war auch wieder Personenverkehr möglich.
Am 28. Mai 1952 war es damit vorbei, die DDR teilte vormittags mit, mit Ablauf des Tages den Verkehr auf ihrem Gebiet zu unterbinden. Die Fahrzeuge konnten aus Tettau abgezogen werden, die von der Bundesbahn neu verlegte Infrastruktur fand bei der Reichsbahn sicherlich eine neue Verwendung. Die DB richtete schnell zwei Bahnbuslinien ein und seit dem 1. Juli bestand auch für den Güterverkehr ein Schienenersatzverkehr: Culemeyer-Straßenroller beförderten die Güterwagen zwischen Steinbach am Wald und Alexanderhütte, von dort bis Tettau verkehrten Züge im Inselbetrieb. Dampfgerd und Stefan Motz berichten im Hifo. Ende 1983 wurde der Verkehr zwischen Alexanderhütte und Tettau eingestellt, in Alexanderhütte wurde noch fünf Jahre lang eine Rangierlok vorgehalten. Bis zur Stillegung des seit 1987 von einem Privatunternehmen durchgeführten Straßenrollerbetriebes im Juni 1996 wurden 81364 Wagen in den Tettaugrund gebracht.

Von Pressig aus geht es über Förtschendorf nach Steinbach am Wald. Der Bahnhof liegt auf fünfhundertdreiundneunzig Metern über dem Meeresspiegel. Von jetzt an geht es bergab. Ludwigsstadt ist der letzte Bahnhof in Franken. Er war Ausgangspunkt für die nur siebeneinhalb Kilometer lange Strecke nach Lehesten, berühmt für seine Schieferbrüche. Am 1. Dezember 1885 fuhr der erste Zug, am 12. Juli 1951 der letzte.

Gleich hinterm Falkenstein wird Thüringen erreicht, wenig später Probstzella passiert. Hier begann die Strecke nach Ernsthal, die nicht durch die Grenze unterbrochen wurde. Sie wurde zwischen 1898 und 1913 in Etappen eröffnet, am 22. Januar 1997 erfolgte die Einstellung wegen Oberbaumängeln. Von 1961 bis 1993 gab es in Probstzella eine Verbindungskurve mit Haltepunkt für Züge Saalfeld - Sonneberg. Man sparte somit einen Fahrtrichtungswechsel im Grenzbahnhof. Zum Bahnhof Probstzella in der DDR-Zeit gibt es übrigens ein hochinteressantetes Buch mit zahlreichen seltenen Bildern. Der einleitende Text ist jedoch mit Vorsich zu genießen, wie die Diskussion im Link zeigt.

Im Loquitztal schlängelt sich die Bahnstrecke bergab, in Hockerode kommt die Bahnstrecke aus Blankenstein hinzu, bei Kaulsdorf mündet die Loquitz in die Saale. Zehn Kilometer weiter ist Saalfeld erreicht, das Gebirge ist überquert.

Bleibt die Hauptstrecke: Am 1. Oktober 1885 wurde der durchgehende Verkehr auf der Strecke von Stockheim nach Eichicht (heute Kaulsdorf) aufgenommen, Eichicht - Saalfeld - Gera bereits am 20. Dezember 1871. Sie erlangte im Nord-Süd-Verkehr eine große Bedeutung, am 15. Mai 1939 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen, seit 1941 bestand durchgehender elektrischer Betrieb zwischen dem mitteldeutschen und dem bayrischen Netz. Auf die Demontage der elektrischen Anlagen in der SBZ folgte am 12. Juni 1950 die schnelle Wiederelektrifizierung von Süden her nach Probstzella, die Lüecke bis Camburg sollte erst am 28. Mai 1995 geschlossen werden. Bis dahin hielten alle Fernzüge zum Lokwechsel in Probstzella. Seit dem 30. August 1997 wird der Bahnhof Prostzella ferngesteuert, am Folgetag wurde die örtliche Besetzung von Ludwigsstadt aufgegeben.
Neben dem stündlichen Fernzug fährt auch jede Stunde ein Nahverkehrszug, die Baureihe 442 von DB Regio aus Nürnberg kommt als RE Nürnberg - Jena und auch als RB zwischen Bamberg und Saalfeld zu Einsatz. Mit einem RE nach Jena kam ich am 27. August in Ludwigsstadt an, einige Minuten und zwei Stunden später verließ ich Probstzella in einem solchen.


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Die Bilder dann im zweiten Teil, bis gleich.

Teil 12.2 (Ludwigsstadt, 50 Bilder)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 12.12.2015, 16:32 (vor 3801 Tagen) @ Sören Heise

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1 Ludwigsstadt.


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2 Güterschuppen, Ladestraße, Buswendeschleife und ganz hinten ein altes Stellwerk.


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3 Eingang ins Empfangsgebäude. Das dient aber keinerlei Bahnzwecken mehr.


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4 Der Bahnhof liegt oben am Hang, wir gehen runter in die Stadt.


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5 Die Hauptstraße.


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6 Eine Nebenstraße.


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7 Der Marktplatz.


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8 Die Trogenbachbrücke.


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9 Sie führt mitten durch den Ort. Als vor Jahrzehnten mal ein Zug von ihr stürzte, gingen auch einige Häuser zu Bruch.


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10 Mit Zug.


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11 Bergauf.


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12 Bald ist es geschafft.


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13 Das Empfangsgebäude von der Straßenseite.


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14 Bushaltestelle.


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15 Blick übers Tal.


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16 Bahnsteigbild.


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17 Tunnelbild.


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18 Güterschuppen und Stellwerk.


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19 Bahnhofsbild, beachte die vom Bremssstaub verfärbten Lampenmasten rechts.


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20 Der Ausgang.


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21 442 306 passiert gleich die Brücke.


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22 Schienenersatzverkehrshinweise. Einmal zur Haltestelle vorm Bahnhof, einmal zur Haltestelle Sparkasse unten im Ort, nicht jedoch zur im aushängenden Ersatzbusfahrplan erwähnten Haltestelle Kronacher Straße.


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23 Bahnsteigende.


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24 442 307 als Regionalbahn nach Saalfeld. Wir steigen ein und fahren eine Station.


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Der Jahresfahrplan 1986/1987, neben den beiden täglichen Berliner Zugpaaren (sogar mit nächtlichem Anschlußzugpaar 5001/5002 Saalfeld - Probstzella) verkehrte am Wochenende der kleine Grenzverkehr und an gewissen Tagen ein Zugpaar Nürnberg - Leipzig. Ab und an kam ein weiteres Nachtzugpaar Berlin - München hinzu und der Spree-Alpen-Express mit demselben Laufweg, Autotransportwagen und Kurswagen nach Innsbruck und Villach.
Die Züge des Binnenverkehrs (KBS 566) hielten am Haltepunkt. Der befand sich am anderen Ende des Ortes.


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25 Dieweil haben wir den Zug (weiterfahrend) in Probstzella verlassen. Hier wie auch in Luwigsstadt ist in der Mittagszeit eher wenig los.


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26 Hausbahnsteig.


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27 Die Gebäude der Grenztruppen wurden kürzlich abgerissen und durch einen Parkplatz nebst Supermarkt ersetzt.


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28 Blick südwärts.


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29 Stellwerk und Lokschuppen.


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30 Bahnhofsbild.


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31 Das letzte Tunnelbild dieser Serie.


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32 Der Mittelbahnsteig.


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33 Das Haus des Volkes wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper.


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34 Ein Segment der einstigen Bahnsteigtrennwand ist erhalten. Im Hintergrund der Überweg.


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35 Das Bahnhofsgebäude.


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36 Probstzella Hp. Das Gleis ist ein klein wenig zugewachsen.


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37 Das zuletzt als Getränkemarkt gedient habende Stationsgebäude steht leer.


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38 Vor der Villa die Brücke der Verbindungskurve.


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39 Probstzella.


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40 Ortsbild wie aus dem Bilderbuch.


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41 Haus des Volkes.


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42 Im Bahnhof befindet sich heute ein Museum.


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43 Ansicht von der Straßenseite.


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44 Bahnhofsbild. Da war bestimmt eine hohe Brüstung. ;-)


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45 Das Verkaufsangebot war wohl erfolglos.


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46 Des Bahnhofs Ausgang.


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47 Bahnsteigbild.


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48 442 307 als Regionalbahn nach Nürnberg.


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49 Es war noch ein wenig Zeit übrig, bis mein Zug kommen sollte.


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50 Da schaut man auch mal auf Details.


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Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Teil 12.1+2

462 001, Taunus, Samstag, 12.12.2015, 20:21 (vor 3801 Tagen) @ Sören Heise

Hey Sören,

danke fürs Portrait. Kann es sein, das sich die ganzen Leutchen vor dir verstecken, wenn sie dich mit ner Kamera sehen? Oder ist es dort echt so leer?

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6 Eine Nebenstraße.

Da ist der Schlecker ja;-)

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26 Hausbahnsteig.

Das ist mal ein Bahnsteigdach. Bei modernen Bahnhöfen kann man das, was sich Dach schimpft ja vergessen.

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39 Probstzella.

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40 Ortsbild wie aus dem Bilderbuch.

Schön ists dort, kann man nicht anders sagen.

Gruß von Marcel,
der heute für etwa 30 Minuten die Eidgenossen besucht hat und dabei viele Franken ausgegeben hat.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Bis morgen:-)-)

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1627
- Euro. Ausland: 717

Teil 12.2 (Ludwigsstadt, 50 Bilder)

DR2771, Samstag, 12.12.2015, 23:56 (vor 3801 Tagen) @ Sören Heise

Wieder mal ein toller Bericht - und - schade - der letzte der Serie - vielen Dank!!

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Der Jahresfahrplan 1986/1987, neben den beiden täglichen Berliner Zugpaaren (sogar mit nächtlichem Anschlußzugpaar 5001/5002 Saalfeld - Probstzella) verkehrte am Wochenende der kleine Grenzverkehr und an gewissen Tagen ein Zugpaar Nürnberg - Leipzig. Ab und an kam ein weiteres Nachtzugpaar Berlin - München hinzu und der Spree-Alpen-Express mit demselben Laufweg, Autotransportwagen und Kurswagen nach Innsbruck und Villach.

Mitte der 80-er Jahre gab´s in einem Fahrplanjahr auch mal einen saisonialen D-Zug Erfurt - Weimar - Jena West - Saalfeld - Probstzella - Nürnberg. Morgens ab Erfurt gen Süden fahrend kam selbige Garnitur abends zurück, aber-so weit ich mich erinnern kann-mit DB-Wagen - die Bm234 waren auch dabei.
Der Zug nach/von Leipzig fuhr meiner Erinnerung irgendwann in einem Fahrplanjahr nach sogar täglich - hatte auch Kurswagen nach/von Stuttgart dabei.

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26 Hausbahnsteig.

Noch in den 90-er Jahren,wenn die Züge nach Norden hier Lokwechsel hatten, stürmten die Fahrgäste den Bahnhofskiosk am Hausbahnsteig - es gab leckere Bockwurst - die Mitropa bzw. DSG hatte dann das Nachsehen (einige von den Kellnern sind auch klammheimlich zur Konkurrenz geschlichen...)

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29 Stellwerk und Lokschuppen.

Übrigens hatte die DB der DR vorgeschlagen, die Strecke ab Grenze bis Probstzella wieder elektrisch zu befahren - wegen der Steigungen im Frankenwald. Also der einzige Grenzbahnhof DR-DB mit Fahrleitung und E-Loks der DB....

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34 Ein Segment der einstigen Bahnsteigtrennwand ist erhalten. Im Hintergrund der Überweg.

Ob´s wohl mit Absicht stehengeblieben ist?


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39 Probstzella.


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40 Ortsbild wie aus dem Bilderbuch.

Stimme voll zu...

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49 Es war noch ein wenig Zeit übrig, bis mein Zug kommen sollte.


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50 Da schaut man auch mal auf Details.

Aber sehr gerne...


Viele Grüße
Sören

Gerne zurück und viel Spass in Erfurt

Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 16.12.2015, 14:04 (vor 3797 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

seit dem Fahrplanwechsel scheine ich Antwortprobleme zu haben. Ich bitte dies zu entschuldigen, eine Taskforce hat die Situation bereits analysiert und eine Tagestour am Sonntag als Schuldigen ausgemacht: Die Sammelantwort wird gewöhnlich etwa 24 Stunden (ohne eventuelle Zeitumstellung) nach dem Originalbeitrag verfaßt. Der erschien vorzeitig, die Idealzeit für die Sammelantwort wäre demnach Sonntag um 18 Uhr gewesen. Zu diesem Zeitpunkt weilte ich jedoch wartend auf Bahnsteig 1/2 des halleschen Hauptbahnhofs. Offenbar habe ich mich mit der Situation dort solidarisch gezeigt, da rollt es nicht rund (das Forum diskutiert). Jetzt aber!

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DR2771: Bittesehr, eine Folge kommt noch.
Erfurt - Jena West - Saalfeld ist ungewöhnlich.

Der "Bockwursthalt" in Probstzella ist mir aus der Literatur geläufig (mein derzeitiger Bahnhofsbockwurstfavorit ist übrigens der in Halle und Leipzig vertretene Schlachter vom Ende des ABC), der gezeigte Vorbau schien jedoch Bahnzwecken gedient zu haben, einem Blick ins Innere nach zu urteilen.

Ja, genau, elektrisch bis Probstzella. Einige Jahre ging es zwischendurch mit Dampf eher schlecht als recht.

Das Segment der Trennwand dürfte absichtlich stehengeblieben sein. Alles weitere nach der Bahnsteigsanierung.

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ICE1223-Limburg: Eine größere Anzahl Ortsbewohner weilte in der Kirche, dunkelgekleidet.

Die Bahnsteige sind (ncch) nicht modernisiert, das hat mich auch ein wenig gewundert - die anderen in Thüringen sind es.

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Nächstes Wochenende endet diese Serie, als Vorgeschmack sei Bild 24 gezeigt:

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Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Nachtrag: Schnellzug Nürnberg - Erfurt

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 16.12.2015, 14:38 (vor 3797 Tagen) @ Sören Heise

Erfurt - Jena West - Saalfeld ist ungewöhnlich.

Laut der Antwort von Kai-Uwe bei DSO war es D 1402/1403 Nürnberg - Erfurt, der nur 1988/1989 fuhr.

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