Fünfundzwanzig Jahre später, Teil 11a (Mellrichstadt, 24 B.) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 05.12.2015, 16:59 (vor 3808 Tagen)
bearbeitet von Sören Heise, Samstag, 05.12.2015, 17:00

Grüß Gott,

herzlich willkommen zu einem bayrisch-quadratischen Doppelportrait von der innerdeutschen Grenze, die schon lange Geschichte ist, aber nicht vergessen.


------------


Am 15. Dezember 1874 fand die Eröffnung der Bahnstrecke von Ebenhausen über Bad Neustadt und Ritschenhausen nach Meiningen statt. Der Bau wurde von den jeweiligen Staatsbahnen durchgeführt, der Betrieb auf gesamter Linie von der in München domizilierten Bahngesellschaft. Per Staatsvertrag vom 30. Mai 1895 ging auch das sachsen-meiningische Teilstück in bayrischen Besitz über. Mit der Zeit erhielt die Strecke eine gewisse Bedeutung, so verkehrte hier 1939 u. a. ein Kurswagen von Berlin über Schaffhausen nach Neapel. Der Zugverkehr endete vorerst am 8. April 1945 durch die Sprengung diverser Brücken durch die Wehrmacht, kürzere Teilstrecken blieben befahrbar. Und so verkehrte der letzte Zug über die spätere innerdeutsche Grenze am 15. Juli 1945. Am 23. Oktober 1945 wurde der Zugverkehr von Schweinfurt nach Mellrichstadt wieder aufgenommen, erst am 4. August 1947 wurde auch Mühlfeld wieder bedient, das war der letzte Bahnhof vor der Grenze. Dorthin fuhr im Winterfahrplan 1965/66 zuletzt ein Zug, zurück ging es als Leerzug.

Von Ritschenhausen aus bestand eine Verbindungskurve nach Grimmenthal. Sie ermöglichte seit dem 1. August 1884 direkte Züge zwischen Erfurt und Schweinfurt, in Ritschenhausen fand der Lokwechsel zwischen Preußen und Bayern statt. 1945/46 wurde diese Verbindung abgebaut, durch die Grenzziehung hatte sie ihre Aufgabe verloren. 1961 wurde sie wieder aufgebaut, direkte Züge von und nach Suhl fuhren nur kurzzeitig, so daß hier nur selten etwas fuhr. Seit dem 23. Mai 1993 ist sie nach der Sanierung wieder in Betrieb, hier verkehren die zweistündlichen RE-Züge Erfurt - Würzburg, durch die DB mit der Baureihe 612 gefahren. Die Regioshuttles der Erfurter Bahn sind ebenfalls zweistündlich, aber zwischen Schweinfurt und Meiningen, unterwegs, in Bayern verkehren zusätzliche Züge. In Ebenhausen werden viele Züge mit einem Teil aus Bad Kissingen verstärkt. Die einstige Zweigleisigkeit besteht schon lange nicht mehr.
Trotz der Wiedereröffnung der Strecke nach Thüringen wurde zwischen Ebenhausen und Mellrichstadt im September 1994 der signalisierte Zugleitbetrieb aufgenommen. Hierdurch sank die Leistungsfähigkeit, dank veränderter Signalstandorte war ein Verkehren längerer Güterzüge nicht mehr möglich. Die Technik hielt sich nicht lange, seit 2004 wird der Abschnitt vom ESTW in Bad Neustadt ferngesteuert. Rentwertshausen und Ritschenhausen werden seit 2008 vom ESTW Arnstadt gesteuert.
Wie auch der Zugleitbetrieb gab nach der Wende auch der Fernverkehr nur ein kurzes Gastspiel auf der Strecke.

Am 25. November 1893 fuhr der erste Zug zwischen Rentwertshausen und Römhild, etwa elf Kilometer südöstlich. Am 29. September 1968 endete der Reiseverkehr. Nach der Einstellung des Güterverkehrs wurde die kurze Strecke 1972/1973 abgebaut. Somit war in Rentwertshausen im Jahresfahrplan 1986/1987 die Eisenbahnwelt zu Ende. Die kurze Kursbuchstrecke 627 befindet sich ganz unten auf der Seite.

[image]


Ich besuchte Mellrichstadt am 30. Juli, begab mich ohne Bild gleich in den Ort. Da kann ich euch also noch von der Bahnstrecke Mellrichstadt - Fladungen erzählen. Sie wurde am 20. Dezember 1898 eröffnet. Im Winterfahrplan 1975/1976 tauchte sie letztmals im Kursbuch auf, elf Jahre später endete auch der Güterverkehr. Im Gegensatz zu den anderen Nebenstrecken der Region wurde sie jedoch nicht abgebaut. 1996 wurde zunächst zwischen Fladungen und Ostheim ein Museumsbahnbetrieb eröffnet, dieser 2000 bis Mellrichstadt verlängert. An einigen Tagen verkehren statt des Dampfzuges Regioshuttles, direkt ab Schweinfurt. Am Endbahnhof Fladungen befindet sich das Fränkische Freilandmuseum, das sicher einen Besuch wert ist.
Rentwertshausen war am 3. August mein erstes Ziel. Aufgrund des Zweistundentakts verließ ich den Ort im Bus, war für 16 Kilometer der einzige Reisende der Linie 405. Für 2,40 Euro brachten mich die Meininger Busbetriebe in ebenjene Stadt.


------------


[image]

1 Der Fußweg vom Bahnhof in den karolingischen Königshof Madalrichestat führt an einer stillgelegten Gärtnerei vorbei. Kurz nach 1230 erfolgte die Erhebung zur Stadt. Kurz zuvor kam Mellrichstadt zum Hochstift Würzburg, über dessen säkularisierten Nachfolger wurde es 1814 ein Teil Bayerns.


[image]

2 Wir nähern uns der Stadt, deren Silhouette von der Kilianskirche bestimmt wird (Übrigens: In dieser Serie zeige ich keine Innenaufnahmen von Kirchen mehr.)


[image]

3 Der Marktplatz. Mellrichstadt zieht keine Touristenmassen an.


[image]

4 Kaum hat sie angefangen, ist die Altstadt auch schon wieder zu Ende.


[image]

5 Am Steilhang zur im Westen fließenden Streu hat sich die mittelalterliche Stadtbefestigung erhalten.


[image]

6 Ein Blick zurück.


[image]

7 Nochmal der Marktplatz.


[image]

8 Kurz vorm Bahnhof die Gustav-Adolf-Kirche.


[image]

9 Ebenjener in all seiner frischrenovierten Pracht.


[image]

10 Blick zurück auf Kirche und das ehemalige Postamt.


[image]

11 Jetzt aber.


[image]

12 Wir haben wohl einen anderen Weg eingeschlagen.


[image]

13 Sitzgelegenheiten in der Bäckereifiliale.


[image]

14 Draußen: Fahrkartenautomat und Gleisbereich.


[image]

15 Bahnsteigzugang. An Gleis 1 hält nichts mehr.


[image]

16 Signal, Stellwerk und Empfangsgebäude.


[image]

17 Am Busbahnhof der Bahnsteig der Museumsbahn.


[image]

18 Nullpunkt an der Verladerampe.


[image]

19 Ausfahrsignal vorm Bahnsteigzugang und weit weg vom Weichenbereich.


[image]

20 Die Züge halten normalerweise auf Gleis 3.


[image]

21 Man sollte Gulldeckel auf Bahnsteigen komplett weiß anmalen.


[image]

22 VT 014 erreicht vorbei am Landhandel den Bahnsteig.


[image]

23 Reger Fahrgastwechsel.


[image]

24 Und zum Schluß die nicht mehr ganz so fast schon obligatorische kleine Spiegelei.


------------


Geht gleich weiter.

Später, Teil 11b (Rentwertshausen, 26 B.)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 05.12.2015, 17:00 (vor 3808 Tagen) @ Sören Heise

[image]

25 Rentwertshausen ist ein kleines Dorf mit etwa 321 Einwohnern, es wurde 1310 erstmals erwähnt.


[image]

26 Bahnsteigbild.


[image]

27 VT 005 dieselt davon.


[image]

28 Bahnsteigende. Meine etwas zu knapp bemessene Zeit reichte zu keinem Besuch der beiden die Bahnhofsenden querenden Brücken.


[image]

29 Außer der ein wenig schiefen weißen Linie bietet der Bahnsteig nichts, was ich anmerken könnte.


[image]

30 Oder?


[image]

31 Der das Empfangsgebäude verdeckende Baum.


[image]

32 Die Wartehalle.


[image]

33 Gegenlicht.


[image]

34 Fast schon großstädtisch.


[image]

35 Tunnelkunst.


[image]

36 Bahnhofsgebäude.


[image]

37 Bahnsteigzugang.


[image]

38 Blick zum Bahnhof.


[image]

39 Die Bahnstrecke nach Römhild.


[image]

40 Der Abzweig der Bahnhofstraße.


[image]

41 Wegweiser.


[image]

42 Strommast mit Lautsprecher für den Dorffunk. Ich weiß nicht, ob er in Rentwertshausen noch in Betrieb ist.


[image]

43 Die Gemeindeverwaltung.


[image]

44 Straßenszene.


[image]

45 Am Dorfrand die kleine Kirche. Sie wurde um 1600 gebaut.


[image]

46 Der Bäcker machte zu, als ich fast bei ihm war, und fuhr weg.


[image]

47 Die Feuerwehr.


[image]

48 Blick hin zur Bahnstrecke.


[image]

49 Bushaltestelle.


[image]

50 Und ein letztes Bild.


------------


Nächstes Wochenende der vorletzte Teil dieser Serie, aber schon der letzte mit Oberleitung. Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für die letzte Woche des alten Fahrplans.

Euer Sören

--
[image]

Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Unglaubliche Sachen passieren immer mal wieder...

462 001, Taunus, Sonntag, 06.12.2015, 12:37 (vor 3807 Tagen) @ Sören Heise

Moinsen Sören,

recht vielen Dank, ist ein schönes Portrait geworden:)

[image]

4 Kaum hat sie angefangen, ist die Altstadt auch schon wieder zu Ende.

Reicht doch. In Limburg gibts aber einiges mehr an Altstadt zu erkunden:)


[image]

7 Nochmal der Marktplatz.

...sogar mit Schleckerschild, aber wohl ohne Schleckerladen.


[image]

9 Ebenjener in all seiner frischrenovierten Pracht.

Sieht irgendwie hässlich aus;-)


[image]

13 Sitzgelegenheiten in der Bäckereifiliale.

Oh, da muss ich hin. Originale Silberling-Sitzgelegenheiten. Geil:))))


[image]

21 Man sollte Gulldeckel auf Bahnsteigen komplett weiß anmalen.

Um es frei nach Obelix zu sagen: Die saufen bei der Bahn^^


[image]

23 Reger Fahrgastwechsel.

Wow, Sören hat Fahrgastwechsel beobachtet. Das ist ja beinahe unglaublich:)


[image]

24 Und zum Schluß die nicht mehr ganz so fast schon obligatorische kleine Spiegelei.

Aber sie gehört nunmal dazu.

[image]

29 Außer der ein wenig schiefen weißen Linie bietet der Bahnsteig nichts, was ich anmerken könnte.

Ich hatte es ja schonmal geschrieben: Die trinken bei der Bahn...


[image]

40 Der Abzweig der Bahnhofstraße.

Da sind ja schon fast zwei Hunde begraben^^


[image]

46 Der Bäcker machte zu, als ich fast bei ihm war, und fuhr weg.

Auch wenns gemein ist: Er hat dich gesehen und dachte sich: Hilfe ein möglicher Kunde. Nein, ich muss hier sofort weg!


Und zum Abschlussnoch die Auflösung vom letzen Mal:

Ihr habt noch drei Portraits vor euch, ehe diese Serie vorbei ist. Auf Wiedersehen in Mellrichstadt und Rentwertshausen!

Na endlich...^^

ICE1223: Wieso liegt Dir denn so viel an der Ecke? Antwort hat Zeit bis nächste Woche.

Du hattest die gut verpackte Ironie übersehen. Denn ich bin "froh" das die Serie nun bald ihr Ende findet^^ Die Markierung hab ich jetzt mal gesetzt, da ich sie damals vergessen hatte...

Die Kombination Adventskranz und Streichhölzer klingt gefährlich.

Da das Haus noch steht, ist die Kombi wohl doch ungefährlich;-)

Ich wünsche dir einen ruhigen und besinnlichen 2.Advent.

Gruß
Marcel

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1627
- Euro. Ausland: 717

Antwort ohne Sammel

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 06.12.2015, 17:56 (vor 3807 Tagen) @ 462 001

Du willst einerseits, daß die Serie zu Ende ist, andererseits kommentierst Du sie doch? Das ist unlogisch und mir gerade zu sehr philosophisch als daß ich mich damit näher auseinandersetzen möchte.

Schlecker habe ich beim nächsten Mal auch wieder im Sortiment, Bild 6. In Nossen habe ich ihn nicht fotografiert - in einer Ecke am Netto-Markt an der Ecke, der leider nur zwei Sorten Hallorenkugeln hatte. Aber über 30 Cent pro Packung billiger als hier.

Das Empfangsgebäude ist von außen keine Schönheit, da zustimme ich. Andererseits ist es nicht vergammelt und verrammelt, so gesehen...

Die Sitze habe ich nicht ausprobiert, da muß man sich so von oben reinfallen lassen, daß man entweder einen blauen Hintern bekommt oder zurückfedert. Das geht mit dem Tisch da nicht. Dem Tisch, denn obwohl es drei sind kannst Du Dich nicht an mehrere gleichzeitig setzen.

Da in Rentwertshausen war sogar die Polizei. An der Nachbarkreuzung hatten zwei Autos zu engen Kontakt miteinander oder was auch immer es war, also kein toter Hund.


Dann bis heute in einer Woche in Erfurt!

Viele Grüße
Sören

Antwort ohne Sammel

462 001, Taunus, Sonntag, 06.12.2015, 18:58 (vor 3807 Tagen) @ Sören Heise

Hey,

Du willst einerseits, daß die Serie zu Ende ist, andererseits kommentierst Du sie doch? Das ist unlogisch und mir gerade zu sehr philosophisch als daß ich mich damit näher auseinandersetzen möchte.

ach Sören, das ist schon logisch. Da war so viel Ironie drin das es schon triefte^^ Denn die Serie ist schön und es ist schade das sie zu ende geht.

Da in Rentwertshausen war sogar die Polizei. An der Nachbarkreuzung hatten zwei Autos zu engen Kontakt miteinander oder was auch immer es war, also kein toter Hund.

Okay, dann halt ohne Hund^^

Dann bis heute in einer Woche in Erfurt!

Genau, bis nächsten Sonntag.

Übrignes: Auch heute, nach anzünden der 2. Kerze, ist das Haus stehengeblieben:)

Gruß aus dem Taunus

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1627
- Euro. Ausland: 717

Jedes Ende ist auch ein Anfang. ;-)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 06.12.2015, 19:25 (vor 3807 Tagen) @ 462 001

ach Sören, das ist schon logisch. Da war so viel Ironie drin das es schon triefte^^ Denn die Serie ist schön und es ist schade das sie zu ende geht.

Wieder toller Beitrag

DR2771, Sonntag, 06.12.2015, 18:34 (vor 3807 Tagen) @ Sören Heise

Bin selbst noch mit dem letzten FV-Zug dort langgefahren - und kaum zu glauben, dass hier einmal die D-Züge von Berlin auf dem kürzesten Weg bis in die Schweiz entlanggefahren sind. Heute eben nur noch der Regionalverkehr - aber besser als gar nichts mehr. Nette Begebenheit am Rande: Die Stichstrecke Schweinfurt-Mellrichstadt sollte ja auch Mitte der 80-er Jahre zumindest nörlich von Bad Neustadt stillgelegt werden und diverse Häuslebauer an der Strecke hatten sich auf Honeckers Rede von der Mauer, die auch noch in 100 Jahren steht etwas zu sehr verlassen... Als es nun zum Lückenschluss kam, waren sie "not amused"...

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum