Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 6/8 (m 47 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
im letzten Teil hatten wir nach einer Umrundung des Ätna mit der Ferrovia Circumetnea Catania erreicht. Hier starten wir nun in den fünften Reisetag.
Tag 5: Catania – Caltanissetta - Palermo
Heute wollen wir von der Ostküste Siziliens an die Nordküste nach Palermo wechseln. Wenn man aktuell den Fahrplan zwischen den beiden größten Städten Siziliens anschaut, gibt es dort Direktzüge im Zweistundentakt. Dieser Fahrplan ist allerdings der Sperrung der Autobahn wegen Brückenschäden geschuldet, während unserer Reise war der Fahrplan noch um einiges dünner und an Direktverbindungen kann ich mich auch nicht erinnern. Ohnehin haben wir noch einen Zwischenstopp in Caltanissetta eingeplant.
Mit leichter Verspätung kommt ein einzelner Aln 668 in den Bahnhof Catania Centrale eingefahren, dessen Fahrtziel Caltanissetta Centrale ist. Wie auch schon bei unseren bisherigen Fahrten im sizilianischen Regionalverkehr werden unsere Onlinetickets erstmal eingesammelt. Entweder sind Onlinetickets hier noch nicht so verbreitet und das Zugpersonal unsicher oder die Gerätschaften zum Einlesen sind gut verstaut, jedenfalls verschwindet auch hier der Zugbegleiter mit den Tickets und bringt sie erst eine ganze Weile später zurück.
Wir fahren nun quer über die Insel, auch hier ist der Ätna wieder in Blickweite, die Strecke ist aber bei weitem nicht so spektakulär wie die gestrige Fahrt mit der Circumetnea.
Die Strecke führt von der Küste hinauf in die Monti Erei, ein Gebirge in Zentralsizilien. Der höchste Punkt liegt bei Enna auf rund 580 Höhenmetern. Gebaut wurde die Strecke zwischen den Jahren 1870 und 1880, um die sizilianischen Schwefelbergbaugebiete mit den Häfen an der Küste zu verbinden.
Bahnfreunden ist vielleicht der Ort Villarosa ein Begriff, denn hier hat der frühere Bahnhofsvorsteher das Treno Mueso aufgebaut, ein Museum zur Eisenbahn- und Ortsgeschichte. Als Denkmal ist am Bahnhof Villarosa auch ein Triebwagen der Reihe RALn 60 abgestellt. Die Schmalspur-Verbrennungstriebwagen waren zwischen 1949 und 1985 auf Sizilien unterwegs, RALn 60.12 ist das letzte erhaltene Exemplar.
Die Region um Caltanissetta war zwischen 1720 und 1920 ein Bergwerksgebiet, von dem aus Schwefel in die ganze Welt geliefert wurde als Rohstoff für Schießpulver und die chemische Industrie. Heute ist die Gegend zwischen Hügeln und Bergketten landwirtschaftlich geprägt.
Etwa sieben Kilometer vor dem Bahnhof Caltanissetta Centrale liegt der Bahnhof Caltanissetta Xirbi, wo die Strecke nach Palermo abzweigt. Für Reisende in Richtung Palermo ist in der Fahrplanauskunft deshalb hier ein Umstieg ausgewiesen, während unser Zug weiterfährt nach Caltanissetta Centrale – dort wendet der Zug und fährt unter anderer Zugnummer über Xirbi in Richtung Palermo. Den einheimischen Fahrgästen ist dies wohl bekannt, und so steigt niemand in Xirbi aus, stattdessen bleiben die Leute sitzen und nehmen die Stichstrecke nach Caltanissetta Centrale mit.
Wir gehören zu den wenigen Fahrgästen, die an der fahrplanmäßigen Endstation in Caltanissetta Centrale aussteigen. Mit rund 63.000 Einwohnern ist Caltanissetta die größte Stadt Siziliens im Landesinneren. Entsprechend wichtig war die Bahn einstmals um Güter an die Häfen zu transportieren. Heute findet nur noch spärlicher Personenverkehr statt.
Nun wollen wir uns aber in der Provinzhauptstadt umsehen, hier die Kathedrale Santa Maria la Nova auf der zentralen Piazza Garibaldi.
Auch hier gibt es auf engstem Raum zahlreiche Kirchen, in Sichtweite von der Kathedrale die Chiesa di Sant'Agata al Collegio.
Auch das eng bebaute Altstadtviertel, in dem noch die Wäsche über den Gassen hängt, ist einen Besuch wert.
Es geht gleich weiter...
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Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 6/8 Fortsetzung
Schließlich machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, er wurde 1876 eröffnet. Unser nächstes Zwischenziel heißt Roccapalumba-Alia, auch dorthin verkehrt wieder ein ALn 668.
Wir fahren nun zunächst zurück nach Caltanissetta Xirbi, dort wechseln wir die Fahrtrichtung und fahren dann durch das Hügelland Richtung Palermo.
Durch den über 6 Kilometer langen Marianopoli-Tunnel unterqueren wir eine Hügelkette, dann müssen wir auf der eingleisigen Strecke einen Gegenzug abwarten.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/062-Sizilien/62-217Fahrt-Caltanissetta-Roccapalumba.jpg)
Hier im hügeligen, wasserarmen Landesinneren wird überwiegend Landwirtschaft betrieben. Entlang der Strecke werden die unterschiedlichsten Kulturen angebaut – nur ist das nicht unbedingt mein Spezialthema. Vielleicht könnt Ihr mir beim Beschriften der Bilder behilflich sein: Oliven und Trauben?
Mandeln?
Feigenkaktus?
In Roccapalumba-Alia trifft die Strecke aus Caltanissetta Xirbi auf die Bahnstrecke Agrigent-Palermo, hier endet unsere Zugfahrt und wir müssen umsteigen. Für die Grobplanung der Tour hatte ich die DB-Fahrplanauskunft verwendet und war erschrocken über einen Aufenthalt von über einer Stunde an diesem Bahnhof, der laut Google Earth ziemlich im Nichts liegt. Bei der Fahrkartenbuchung über die Trenitalia-Seite stelle ich dann fest, dass bei der DB wohl die Mindestübergangszeit nicht angepasst ist und hier ein schlanker 8-Minuten-Übergang angeboten wird.
Und so kommt auch wenig später unser Anschlusszug eingefahren, diesmal in Form eines Minuetto-Triebzugs.
Die Strecke Agrigent-Palermo ist die älteste Bahnstrecke Siziliens, wir fahren nun weiter durch das Hügelland um etwa 350 Höhenmeter hinab ans Meer.
Bei Fiumetorto ist dann die Küste erreicht, hier die trifft die Bahnlinie auf die Strecke Palermo-Messina.
Die Strecke führt nun entlang der Küste nach Palermo, hier der Blick zum Capo Zafferano. Nach 15 Uhr treffen wir dann in Palermo ein, wo unsere im Vergleich zu den letzten Tagen doch recht kurze Bahnfahrt endet.
Den Nachmittag und Abend verbringen wir nun in der Hauptstadt Siziliens und der fünftgrößten Stadt Italiens. Wenn Ihr möchtet nehme ich Euch noch auf einen kleinen Stadtrundgang mit, wir beginnen am Stadthafen La Cala.
Das Teatro Massimo gilt als das größte Opernhaus Europas.
Die zentrale gelegene Via Maqueda ist tagsüber für den Verkehr gesperrt, zu einer richtigen Fußgängerzone konnte man sich aber offenbar nicht durchringen, am Abend rollt auch hier wieder der für Fußgänger nicht ungefährliche sizilianische Straßenverkehr.
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Palermos gehört die Kathedrale Maria Santissima Assunta, deren Wurzeln in das Jahr 1185 reichen.
Nur über eine Spitzbogenarkade mit der eigentlichen Kathedrale verbunden befindet sich vor der Westfassade ein weiterer Turm.
Etwas Ruhe von der doch recht lauten Stadt findet man im Palmengarten Villa Bonanno, der 1905 angelegt wurde.
An der Quatto Canti, einer belebten Kreuzung zweier Verkehrsachsen, steht an jeder der vier Ecken ein Palast mit barocker Fassade. Die vier Paläste wurden zwischen 1608 und 1620 errichtet, wobei jeder Palast zu einem anderen Stadtviertel gehört. Bei diesem Bild sieht man zudem, warum der Platz auch Teatro del Sole genannt wird, denn den ganzen Tag fällt das Sonnenlicht auf eine der Eckfassaden. Jede der Fassaden steht für eine Jahreszeit und einen Schutzheiligen. Mit der Orientierung in Palermo ist es so eine Sache, aber ich denke das Bild zeigt den Winter-Palast der heiligen Agatha.
Die Fontana Pretoria vor dem Rathaus hat ganz ordentliche Ausmaße, der Brunnen hat einen Umfang von 133 Metern.
Nach einer Pause drehen wir die ganze Runde noch einmal im Abendlicht, wir beginnen an der Küste des Tyrrhenischen Meers...
...wieder vorbei an der Innenstadtbucht La Cala...
...zum Teatro Massimo...
...zur Kathedrale. Damit ist es jetzt aber wirklich genug und mit schmerzenden Füßen humpeln wir zum Hotel.
Am nächsten Reisetag treten wir die Rückreise in Richtung Bodensee an, aber dazu in den nächsten Tagen mehr im Teil 7.
Viele Grüße
Tobias
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Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 6/8
Hey Tobias,
schon wieder ein Dank:) Sehr schöner Teil, kann man nicht anders sagen.
Gruß von ICE1223,
der sich gerade bei Schlag den Rabb köstlich amüsiert;-)
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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1627
- Euro. Ausland: 717
OT:
Gruß von ICE1223,
der sich gerade bei Schlag den Rabb köstlich amüsiert;-)
Ja, Raab ist mal wieder genial