„Zentrum des Nirgendwo” (50 Bilder), Teil 2 (Reiseberichte)
Pech gehabt, heute sind die Bilder am Anfang. ;-)
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Wann genau Hohenwulsch gegründet wurde, liegt im Dunkel der Geschichte. Es waren jedenfalls Wenden, die sich dort ansiedelten. Der Ortsname nimmt Bezug aufs wendische Wort für Wolf. Im deutsch besiedelten Dorf wurde ein Gutshof errichtet, der wechselte oft den Besitzer, ehe er 1945 volkseigen wurde. Das Gutshaus wurde 1993 verkauft. Es macht keinen guten Eindruck.
Anno 2010, als der Ort 215 Einwohner hatte, wurde Hohenwulsch wie auch 18 weitere Gemeinden der weiteren Umgebung in die Stadt Bismark (nur echt ohne c!) eingemeindet.
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Dann ist da noch die Eisenbahn. Sie machte den Ort DDR-weit bekannt, spielt der Name doch in der Reisebekanntschaft von Hans-Joachim Preil und Rolf Herricht eine gewisse Rolle.
Daneben war Hohenwulsch einer von vielen maximal regional bedeutenden Eisenbahnknoten. Am 15. März 1870 ging die Strecke von Stendal nach Salzwedel in Betrieb, Teil der sogenannten Amerikalinie nach Bremen. Dort bestand Umsteigemöglichkeit nach Ellis Island. Der Reiseverkehr zwischen Salz- und Langwedel wurde dann am 15. Mai 1873 aufgenommen. Am 19. Dezember 1999 folgte der elektrische Lückenschluß (die Weiterführung nach Uelzen war unterbrochen), Stendal - Salzwedel wird schon seit dem 18. Dezember 1997 elektrisch befahren.
Hohenwulsch war allerdings so unbedeutend, daß die Bahnstation anfangs nach dem zweieinhalb Kilometer entfernten Kleinstadt Bismark benannt wurde. Fehlt noch der Knoten. Für den sorgte die AG Kleinbahn Bismark-Calbe-Beetzendorf-Diesdorf. Die wurde am 8. Dezember 1899 zwischen Hohenwulsch, Calbe und Beetzendorf eröffnet. Nach der Fusion mit zwei weiteren Betrieben firmierte sie als Altmärkische Kleinbahn AG, bevor sie nach dem Krieg verstaatlicht wurde. Die Strecke erlebte noch die Wiedervereinigung, aber am 10. März 1991 endete der Reiseverkehr zwischen Kalbe (jetzt mit k) und Beetzendorf. Die Reststrecke von Hohenwulsch bis Kalbe (Milde) konnte sich sogar noch bis zum 9. Juni 2001 halten.
Noch unbedeutender war die Bahnstrecke, die Hohenwulsch in 21,7 Kilometern mit Peulingen verband. Ihr Bauherr war die Stendaler Kleinbahn-AG. Am 23. Oktober 1916 wurde der Abschnitt Peulingen - Darnewitz eröffnet, am 18. Oktober 1921 die Teilstrecke von Darnewitz nach Hohenwulsch. Ihren 30. Geburtstag sollte sie um 15 Tage verfehlen: Am 3. Oktober 1951 fuhr der letzte Zug, am 15. November 1951 war der Abbau vollendet. Sie läßt sich im Luftbild noch mehr oder minder gut verfolgen: Am Bahnübergang der Kalber Strecke gleich westlich des Bahnhofes Hohenwulsch zweigt sie von dieser Ab und kreuzt die Hauptbahn, ehe sie dann nördlich nach Dobberkau führt.
Am 4. Oktober 1953 wurden Bismarks Bahnhöfe umbenannt: Aus dem Bahnhof Bismark (Altm.) Stadt der Kleinbahn wurde der Bahnhof Bismark (Altm.), während der bisherige Staatsbahnhof Bismark (Altm.) den neuen Namen Hohenwulsch erhielt, ebenso der zuletzt Bismark (Altm.) Ost genannte Anschlußbahnhof eher südlich als östlich der Staatsbahn.
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Was noch zu sagen wäre:
- Bahnstern Thomas hatte den Bahnhof vor ein paar Tagen schon vorgestellt; an dem Tag, als ich dieses Portrait mit Aufnahmen vom 20. August schreiben wollte, um genau zu sein. Obwohl er immer noch kein Beitragsverzeichnis hat, kann ich seinen Beitrag verlinken.
- Quellenhinweis: Das einleitende Zitat schrieb Nutzer „Der Zeuge Desiros” am 16. August 2009. Der gesamte Beitrag findet sich hier.
- Daneben nutzte ich die beiden Stendal-Bücher sowie jenes über die Altmärkische Kleinbahn AG von Wolfgang List.
Viele Grüße
Sören
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![[image]](https://up.picr.de/48317654tz.jpg)
Verstehen Sie Bahnhof!
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- „Zentrum des Nirgendwo” (50 Bilder), Teil 1 -
Sören Heise,
23.10.2015, 19:40
- „Zentrum des Nirgendwo” (50 Bilder), Teil 2 -
Sören Heise,
23.10.2015, 19:40
- Das Nirgendwo sieht anders aus... - 462 001, 23.10.2015, 22:14
- „Zentrum des Nirgendwo” (50 Bilder), Teil 2 -
Sören Heise,
23.10.2015, 19:40