Bahnfahren in Nordafrika: Marrakech nach Rabat (15 Bilder) (Reiseberichte)

Mike65, Sonntag, 18.10.2015, 02:25 (vor 3858 Tagen)

Marokko besitzt neben Südafrika das modernste Bahnnetz auf dem afrikanischen Kontinent. Mit knapp 2000km Streckenlänge ist es allerdings nicht sehr ausgedehnt. Passagierzüge verkehren im Wesentlichen auf einer Y-förmigen Hauptlinie, von der mehrere Nebenlinien abzweigen. Südlichster Punkt ist Marrakech, von dort führen die Gleise über Casablanca, die Hauptstadt Rabat bis nach Kenitra, wo sich die Strecke teilt. Ein Ast führt weiter nach Norden bis nach Tanger, der andere in östlicher Richtung über die Königsstädte Meknes und Fes nach Oujda an der algerischen Grenze. Bis auf das Teilstück Fes-Oujda und einige nur von Güterzügen befahrene Abschnitte ist das Netz vollständig elektrifiziert.

Bahnfahren ist die bequemste und sicherste Art der Fortbewegung im Land. Letzten September fuhr ich mit dem Schnellzug von Marrakech bis in die Hauptstadt Rabat.
Das Ticket für die einfache Fahrt in der 1. Klasse kostet 185DH, was etwa 16€ entspricht.

Startpunkt der Reise war der imposante, allerdings etwas protzig wirkende Kopfbahnhof von Marrakech:

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Auch im Inneren glänzt er durch eine edle Ausstattung mit viel Marmor und Granit. Neben den Ticketschaltern gibt es mehrere Cafés, ein italienisches Restaurant, eine Filiale einer amerikanischen Fastfood-Kette und viele kleinere Geschäfte.

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Da ich mein Ticket schon im Voraus gekauft hatte, ging es gleich durch die Sperre. Anders als in Deutschland kommt man in Marokko nur mit gültiger Fahrkarte auf den Bahnsteig.

Besonders hat mir die Begrünung der Bahnsteige gefallen; tatsächlich waren fast alle Bahnhöfe in Marokko in irgendeiner Weise bepflanzt, sei es mit Palmen wie hier, kleinen Bäumchen und Büschen in Rabat oder zumindest kleinen Blumenrabatten.

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Mein Zug sollte vom Gleis 5 abfahren, laut Fahrplan würde er für die 420km lange Strecke 4:45h benötigen.

Tatsächlich traf der Zug dann auch pünktlich am vorgesehenen Gleis ein. Die erste Klasse befand sich am hinteren Ende, so dass ich nicht weit laufen musste.

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Allerdings dauerte es noch ein wenig bis zur Abfahrt, denn die Strecke vor Marrakech ist eingleisig und der Gegenzug war noch nicht eingetroffen. Hier kommt er:

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Mein Zug war wie dieser mit einer modernen Lok vom Typ Alstom Prima II bespannt.
Nun konnten wir losfahren.
Nach Verlassen der Stadt folgte eine öde, staubtrockene Ebene:

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Zwischendurch immer wieder Zwangshalte in kleineren Bahnhöfen, um auf den jeweiligen Gegenzug zu warten.

Weiter ging es durch eine hügelige, aber ebenso trockene Landschaft. Trotzdem wird hier anscheinend Getreide angebaut:

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Nur wo ein Fluss Wasser spendet, gedeiht etwas Grün:

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Ansonsten allenfalls einige Eukalyptusbäume:

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Erst in der Küstenebene um Casablanca ändert sich das Bild, durch die Nähe zum Meer ist es deutlich feuchter und grüner:

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Sechsachsig im Passagierbetrieb... eine alte Lok von Hitachi. Solide aber veraltet ist diese Baureihe heute kaum noch zu sehen. Sie wurde inzwischen fast vollständig durch die bereits erwähnten Alstom Prima ersetzt. Auffällig ist der gewaltige Kuhfänger.

Nach Casablanca schwenken wir auf die vielbefahrene, zweigleisig ausgebaute Hauptstrecke nach Rabat ein, wo der Zug bis auf 160 km/h beschleunigt. Die ca. 120km werden mit zwei Zwischenhalten in einer knappen Stunde durchfahren.

In Rabat treffen wir dennoch mit 40 min. Verspätung ein:
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Der ausfahrende Zug ist ein TNR (train navette rapide), eine Art Regionalexpress, der alle 15-30 Minuten von Kenitra über Rabat nach Casablanca fährt und vor allem von Pendlern benutzt wird. Trotzdem ist hier - vor allem in der Hauptverkehrszeit - die Nachfrage höher als das Angebot, so dass die Doppelstocktriebwagen den Spitznamen "Sardinendose" tragen.

Die Innenstadt von Rabat unterquert die Bahnlinie in einem Tunnel, lediglich der Bahnhof selbst liegt unter freiem Himmel. Auch hier wieder eine freundliche Begrünung.

Wie alle marokkanischen Städte ist auch Rabat geprägt durch starke Kontraste. Nicht weit von der modernen Marina

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liegen alte Fischerboote:

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Den Nahverkehr übernimmt hier eine moderne Strassenbahn (Alstom Citadis):

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Im Hintergrund das Mausoleum der Könige mit grünem Dach. Zum Schluss noch ein auffälliges, surrealistisches Wandgemälde, das ich zufällig an einer Hausfassade entdeckte:

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