Von Dirndln, Linzer Torte und Moselwein 4/4 (39 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
auf unserer wild zusammengewürfelten Tour waren wir zuletzt in Karlsruhe angekommen, von dort aus starten wir nun zum letzten Teil.
Tag 4: Karlsruhe – Frankfurt – Koblenz – Traben-Trarbach – Saarbrücken – Mannheim – Stuttgart - Konstanz
Im ersten Teil des Reiseberichts hatte ich erwähnt, dass heute noch eine bahn.bonus-Tageskarte 1. Klasse abgefahren werden will, deren Gültigkeit am nächsten Tag abläuft. Ich habe daher eine Möglichkeit gesucht, den IC 2284 irgendwie sinnvoll in eine Tagestour einzubauen und kam dann auf eine Runde entlang von Rhein, Mosel und Saar.
Erste Pendler bevölkern schon den Karlsruher Hauptbahnhof, ansonsten geht es aber um Viertel vor sechs noch sehr ruhig zu.
IC 2284 klingt zunächst nach einer banalen Intercity-Verbindung von Karlsruhe nach Frankfurt, beim genaueren Hinsehen fällt jedoch der ungewöhnliche Laufweg über Wörth und Speyer auf. Das Zugpaar 2284/2285 wurde 2011 eingeführt und befährt als einziger Fernverkehrszug diese Strecke.
Allerdings steht zum Zeitpunkt meiner Reise schon fest, dass der Zug den Fahrplanwechsel im Dezember 2014 nicht überleben wird, deshalb war dieser Exot auf meiner to-do-Liste in der Dringlichkeit nach oben gewandert.
Bei der Abfahrt in Karlsruhe bin ich der einzige Fahrgast im ganzen Wagen, auf der weiteren Fahrt nimmt die Besetzung aber deutlich zu und ich bekomme sogar Gesellschaft im Abteil. Für Streckensammler ist Ende September allerdings ein äußerst ungünstiger Reisezeitpunkt, denn auf dem ersten Abschnitt, der sonst fernverkehrsfrei ist, herrscht noch Dunkelheit und die Fahrt über den Rhein lässt sich nur erahnen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/054-Mariazell-Mosel/54-107Fahrt-Pfalz.jpg)
Irgendwo in der Pfalz fange ich dann vom letzten Wagen aus die Morgenstimmung ein. Nach dem Halt in Worms geht es über den Rhein nach Biblis und auf der Riedbahn nach Frankfurt. Dort endet die unspektakuläre Fahrt und ich kann einen weiteren Punkt auf meiner Liste abhaken, nachdem ich im Sommer auch schon Abschiedsfahrten mit dem Luxemburg-IC, dem IC Schwarzwald und dem IC Rottaler Land absolviert hatte.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/054-Mariazell-Mosel/54-108Icmod-Abteil-ARkimbz.jpg)
Von Frankfurt geht es weiter nach Mainz, diesmal in einem Abteil im Bistrowagen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/054-Mariazell-Mosel/54-109Reiseplan-IC2158.jpg)
„Karriereplan statt Reiseplan“ – anstelle von belangloser Reklame hat sich hier doch tatsächlich jemand Gedanken über Medium und Ansprache gemacht, das gefällt mir.
Ab Mainz geht es im nächsten Intercity durch das Rheintal nordwärts, allerdings vertragen sich die schmutzigen Fensterscheiben nicht mit dem Gegenlicht, deshalb hier nur noch ein Beweisbild.
In Koblenz heißt es umsteigen, ein Regional-Express wartet zur Fahrt auf der Moselstrecke. Auch dieses Bild mit der Dosto-Garnitur ist mittlerweile schon historisch, denn zwischenzeitlich verkehren hier Flirt 3.
Reizvoll führt die Strecke nun durch das Moseltal, hier ein Captcha mit dem „Moseldom“ in Karden, richtig eigentlich Stiftskirche St. Castor. Wahrscheinlich werden die meisten hier mit Castor etwas anderes verbinden, aber die Kirche ist dem heiligen Castor von Karden geweiht, der um das Jahr 400 als Priester an der Mosel wirkte.
Der Ort Sankt Aldegund ist immer ein dankbares Fotomotiv, da man auf den meisten anderen Abschnitten der Moselstrecke das Problem hat, dass die Flussseite im Gegenlicht liegt. Auf dem kurzen Abschnitt bei Sankt Aldegund hingegen verläuft die Bahnstrecke am anderen Moselufer und es gelingt auch mal ein Bildchen ohne Spiegelung.
In Bullay steht der nächste Umstieg an, jetzt will ich noch die Moselweinbahn befahren. Auf der nicht elektrifizierten Stichstrecke verkehrt zum Zeitpunkt der Reise noch DB Regio mit Triebwagen der Baureihe 628, heute sind hier Regio-Shuttle von Rhenus Veniro unterwegs.
Bis Pünderich fahren wir noch auf der Moselstrecke und queren den Fluss auf der Doppelstockbrücke Alf-Bullay, dann folgt der Prinzenkopftunnel bevor die Stichstrecke nach Süden abzweigt und weiter parallel zur Mosel verläuft, während die Moselstrecke nach Trier den Fluss verlässt.
Beim Blick zurück ist das Pündericher Hangviadukt zu sehen, welches sowohl von den Zügen der Moselstrecke als auch von der Moselweinbahn befahren wird. Die Strecke heißt eigentlich ganz banal Bahnstrecke Pünderich–Traben-Trarbach, der wohlklingende Begriff der Moselweinbahn wurde zu Werbezwecken geschaffen und hat keinen historischen Ursprung.
Nach einer Fahrzeit von 20 Minuten ist der Endhaltepunkt in Traben-Trarbach erreicht. Am Haltepunkt selbst gibt es nicht viel zu sehen, wer nur an der Bahnstrecke interessiert ist, könnte eigentlich 6 Minuten später gleich wieder zurückfahren. Wenn es der Fahrplan irgendwie zulässt, schaue ich mir aber ganz gerne auch die Orte an. Wie weit schaffe ich es, bis der nächste Zug eine Stunde später fährt?
Die Stadt Traben-Trarbach hat rund 5.500 Einwohner, der Stadtteil Traben, wo sich auch der Haltepunkt befindet, liegt in einer Moselschleife und Trarbach liegt gegenüber am anderen Ufer. Ich hatte bei der Reiseplanung schon ein Ziel ins Auge gefasst, weiß aber nicht, ob die Zeit dafür reicht, und so geht es nun zügig zu Fuß durch Traben und über die Mosel...
...nach Trarbach.
Durch die Weinberge geht es dann nach oben, anfangs überhole ich noch leichtfüßig ein Rentnerpaar mit Wanderstöcken, dann macht sich die schwere Linzer Torte im Rucksack aber doch bemerkbar und ich komme ganz schön ins Schwitzen, noch dazu mit den Rentnern im Nacken.
Eine kurze Verschnaufpause tarne ich als Fotohalt, somit hier also ein Bild über die Dächer von Trarbach mit der Kirche.
Schließlich ist das Ziel erreicht und von der Ruine der Grevenburg aus werde ich mit einem Blick über die Moselschleife belohnt.
Die Höhenburg entstand um das Jahr 1350, überdauert hat nur die westliche Fassade des ehemaligen Kommandantenhauses.
Hier der Blick hinüber nach Traben, rechts der Brücke das historische Postamt.
Und noch ein Blick flussabwärts, links der Bildmitte ist das Gleis der Moselweinbahn zu sehen. Dorthin geht es jetzt zurück, für den Abstieg nutze ich diesmal einen Weg auf der anderen Seite der Burg.
Es geht gleich weiter...
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