[HU]/[SK]/[CZ]/[AT]: Vier Städte, zwei Flüsse, ein See (1) (Reiseberichte)

caboruivo, CH, Donnerstag, 21.05.2015, 11:51 (vor 4017 Tagen)

Hallo zusammen

Die letzten Tage ging es für mich wieder einmal auf Reisen. Standen in den letzten Monaten jeweils westeuropäische Ziele auf dem Programm, ging es diesmal in vier Etappen Richtung Osten. Den ersten Abschnitt bis Budapest legten wir zu sechst zurück, danach eroberten noch drei Musketiere die restlichen Gefilden.

An einem Sonntagabend im Mai 2015 standen wir alle brav am Perron des Zürcher Hauptbahnhofs, um in den MAV-Liegewagen einzusteigen. Da nicht alle kleingewachsen sind, stellte sich das Sechsterabteil für manchen als leichte Tortur heraus, die aber problemlos zu bewältigen war.
Am nächsten Morgen trafen wir mit 20-minütiger Verspätung in Budapest keleti pályaudvar ein. Sofort wurden die Tickets für das heutige Tagesprogramm gelöst sowie die Unterkunft bezogen.
90 Minuten später fanden wir uns am Déli pályaudvar ein. Ziel war Siófok am Plattensee.
MAV 418 331 bespannte den Györsvonat nach Tapolca, erste Etappe unserer Reise
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In Székesfehérvár war dann gemäss dem im Vorfeld konsultierten Fahrplan Aussteigen angesagt, da ein Anschluss auf einen Regionalzug nach Siófok bestehen sollte. Jedoch standen am Plattensee Bauarbeiten auf dem Programm und besagter Zug existierte gar nicht. Dank der Hilfe des am Bahnsteig anwesenden Vorstandes nahmen wir dann eine Ersatzverbindung via Lepseny samt Busfahrt nach Siófok.
Dort angekommen startete ein Irrgang durch die Stadt, da wir das Seeufer aufsuchen wollten. War zuerst die Bahnlinie eine nahezu unüberwirdbare Barriere, gestaltete sich danach die Suche nach unbewirtschaftetem Seeufer schwierig. Die Kneipenmeile liess erahnen, dass hier zur Hauptsaison tatsächlich eine Art Ballermann herrscht. Leider waren wir zu früh dran.
Ansonsten gestaltet sich Siófok in meinen Augen ziemlich eigenartig. Mein persönliches Highlight war dieses Haus:
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Nach einem Bad im Plattensee und dem Nachholen von Schlaf an der Sonne ging es via Lepseny zurück nach Budapest Déli.

Budapest hatte sowohl ferrotechnisch als auch architektonisch einiges zu bieten:

CFR 477 753-4 mit einem InterCity nach Brasov:
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CD 380 007-5 mit einem EuroCity nach Berlin Hbf (tief):
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GySEV 470 502:
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MAV 460 032:
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Und noch meine Lieblingsbilder der Stadt:
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Sehr lustig auch dieses amphibisch anmutende Gefährt:
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Nach drei Nächten in Ungarn ging für uns drei die Reise für einen Tag weiter nach Bratislava. Eine typische Oststadt, wo sich die Strassenbahnfahrt als sehr abenteuerlich herausstellt. Highlight war die blitzblank geputzte Burg, leider durch ein komisches Glasfenster verunstaltet.
Sehr imposant war für mich der Ausblick auf die SNP most und den Stadtteil Petrzalka, den einer meiner Mitreisenden zutreffend als Duplostadt bezeichnete.
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Ansonsten hatte Bratislava auch ein wenig Komik zu bieten, am Hauptbahnhof wurde die einzig vorhandene Rolltreppe mangels Funktionstüchtigkeit gleich zur Müllhalde umfunktioniert:
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Gleich geht's weiter...

Gruss

--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive

[HU]/[SK]/[CZ]/[AT]: Vier Städte, zwei Flüsse, ein See (2)

caboruivo, CH, Donnerstag, 21.05.2015, 12:16 (vor 4017 Tagen) @ caboruivo

Auch die Slowakei hatte in Sachen Eisenbahn einiges zu bieten. Bei manchen Fahrzeugen wunderte man sich noch über die Fahrtüchtigkeit:
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Der ZSSK entwuchs in den letzten Jahren Konkurrenz durch RegioJet, die hier ihre InterCity-Dienste mit von der ELL gemieteten Vectron verrichten:
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Auch die ZSSK ist an Traktionsleistungen an den EC Budapest-Prag beteiligt:
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Nach einer sehr amüsanten Nacht ging es per EC 172 weiter nach Prag. Früher als Vindobona bekannt, kurvt dieser Zug seit Dezember 2014 als Porta Bohemica zwischen Budapest und Hamburg.

In Tschechiens Hauptstadt angekommen wurden zunächst unsere Habseligkeiten im Hotel verstaut, ehe wir dann zum ersten Mal einen Erkundungsgang durch die Stare Mesto mit Altstädter Ring und Karlsbrücke unternahmen. Bei der Karlsbrücke liessen wir uns es nicht nehmen, den Turm zu besteigen, um einen ersten Überblick auf die Stadt zu verschaffen.
Währenddessen herrschte unten auf der Brücke ein Volksauflauf wie auf dem Rummelplatz:
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Am nächsten Tag war Kulturtag angesagt: Burg, Kloster Strahov und den Aussichtsturm auf dem Petrin. Dieser bot einen ausgezeichneten Blick auf die Stadt:
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In Sachen Eisenbahn wollen in Tschechien die CD, RegioJet und LEO Express etwas vom Kuchen abhaben. Die Wege, wie man ein möglichst grosses Stück abhaben kann, scheinen für manche fragwürdig zu sein.

Der CD 680 005 wurde noch mit Klebern der zeitgleich stattfindenden Eishockey-WM versehen:
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In Tschechien fährt RegioJet mit Lokomotiven der Baureihe 162:
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Und LEO Express verrichtet ihre Dienste mit schwarz-golden Flirts aus dem Hause Stadler:
[image] (Verzeichung für diesen äusserst dämlichen Masten)

Naja. Nach drei Nächten in Prag stand bereits unsere letzte Station auf dem Programm: Wien. Ursprünglich wollten wir ab Prag mittels CNL wieder in die Schweiz reisen, aber Weselskys Streikandrohung hat uns ein wenig unsicher gemacht, so dass wir uns bereits im Vorfeld der Reise absicherten und eine weitere Station fernab des DB-Hohheitsgebietes (vom Befahren der Korridorstrecke Salzburg–Innsbruck mal abgesehen) anhängten.
Die CD-railjet gestalten sich sehr angenehm, verfügen im Gegensatz zu ihren Brüdern bei der ÖBB allerdings um einen Zweitklasswagen mehr auf Kosten eines Erstklasswagens.
Das Restaurant wartete mit Tortillas zum Mitnehmen auf:
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Zu Beanstanden gab es nichts, aber im Vergleich zur ÖBB zieht die CD diesbezüglich leider immer noch den Kürzeren.

In Wien angekommen, wurde gleich der DonauCity und dem Donauturm die Ehre erwiesen. Beeindruckend für mich war insbesondere der DC Tower 1, der bei meinem letzten Wien-Besuch allerhöchstens in den Köpfen der Architekten existiert hatte. Seine Bar im 58. Stock sollte dann an unserem letzten Ferientag den Abschluss der Reise darstellen.

Typischer Wiener Humor: [image]

Für mich ist die Donau City ein grosses Highlight der Stadt Wien und gefällt mir beispielsweise besser als die Standard-Sehenswürdigkeiten rund um Sissis Häuschen in Schönbrunn:
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Zum ersten Mal unternahm ich eine Fahrt mit der Badner Bahn, wenn auch nur auf dem Strassenbahnabschnitt zwischen der Oper und dem Bahnhof Meidling:
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Für mich als Anwohner der Gotthardbahn war die 182 100 ein oftmals gesehener Gast, damals noch in Diensten der HUPAC. Heute verkehrt die Lok für die Gütersparte der Wiener Lokalbahnen, welche sich ihrerseits aber kaum über die Beklebung/Lackierung der Lok kümmert:
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Schliesslich ging es dann nach 10 ereignisreichen, unterhaltsamen, lustigen und schönen (mit sehr viel Wetterglück!) Tagen zurück in die Schweiz, natürlich nicht ohne im ÖBB-railjet das Restaurant aufzusuchen. Für mich die beste Bahngastronomie im deutschsprachigen Raum. Vor sind alle Gerichte auch im Take-away erhältlich. Die Kalbsbutterschnitzel zu Mittag sowie die Käsekrainer/Bratwürtstel zum "Abendessen" sind echt eine gastronomische Wohltat!

Vielen Dank fürs Lesen und Gruss aus der Schweiz

--
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Vier Städte, zwei Flüsse, ein See (2) - Nochmal Danke

EC 178, Donnerstag, 21.05.2015, 14:33 (vor 4017 Tagen) @ caboruivo

Auch die Slowakei hatte in Sachen Eisenbahn einiges zu bieten. Bei manchen Fahrzeugen wunderte man sich noch über die Fahrtüchtigkeit:
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Es zählen nur die inneren Werte! ;-)

Der ZSSK entwuchs in den letzten Jahren Konkurrenz durch RegioJet, die hier ihre InterCity-Dienste mit von der ELL gemieteten Vectron verrichten:
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Gerüchteweise soll im Dezember schon wieder Schluß sein, weil RJ Zuschüsse vom slowakischen Staat fordert.


Auch die ZSSK ist an Traktionsleistungen an den EC Budapest-Prag beteiligt:
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Die 350 fährt planmäßig von Budapest bis Praha.

In Tschechiens Hauptstadt angekommen wurden zunächst unsere Habseligkeiten im Hotel verstaut, ehe wir dann zum ersten Mal einen Erkundungsgang durch die Stare Mesto mit Altstädter Ring und Karlsbrücke unternahmen. Bei der Karlsbrücke liessen wir uns es nicht nehmen, den Turm zu besteigen, um einen ersten Überblick auf die Stadt zu verschaffen.

Eine sehr gute Entscheidung!

Währenddessen herrschte unten auf der Brücke ein Volksauflauf wie auf dem Rummelplatz:
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Leider ist es dort im Sommer immer so überlaufen.

In Tschechien fährt RegioJet mit Lokomotiven der Baureihe 162:
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Eine Mitfahrt kann uneingeschränkt empfohlen werden.

Und LEO Express verrichtet ihre Dienste mit schwarz-golden Flirts aus dem Hause Stadler:
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Habe ich von Ostrava nach Praha getestet. In der Businessklasse kann man es gut aushalten.

Vielen Dank fürs Lesen und Gruss aus der Schweiz

Danke fürs Mitnehmen.

Viele Grüße
EC 178

Vier Städte, zwei Flüsse, ein See (1) - Danke

EC 178, Donnerstag, 21.05.2015, 14:27 (vor 4017 Tagen) @ caboruivo

Danke für den Bericht. Fast alles kommt mir sehr vertraut vor. ;-)

CD 380 007-5 mit einem EuroCity nach Berlin Hbf (tief):
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Diese Lok bleibt planmäßig bis Praha hl. n. am Zug.


Und noch meine Lieblingsbilder der Stadt:
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Immer wieder schön!

Sehr lustig auch dieses amphibisch anmutende Gefährt:
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Mit diesem Amphibienbus will ich unbedingt mitfahren, wenn ich mal wieder in Budapest bin.

Nach drei Nächten in Ungarn ging für uns drei die Reise für einen Tag weiter nach Bratislava. Eine typische Oststadt,

In wiefern?

wo sich die Strassenbahnfahrt als sehr abenteuerlich herausstellt.

Wieso das?

Highlight war die blitzblank geputzte Burg, leider durch ein komisches Glasfenster verunstaltet.

Ja, ist nett, ich persönlich finde es in der Altstadt aber schöner.

Ansonsten hatte Bratislava auch ein wenig Komik zu bieten, am Hauptbahnhof wurde die einzig vorhandene Rolltreppe mangels Funktionstüchtigkeit gleich zur Müllhalde umfunktioniert:
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Sind die denn grundsätzlich wieder in Betrieb? Ich kenne es noch von vor etlichen Jahren, da funktionierten alle Fahrtreppen, dann waren sie alle außer Betrieb. Nicht erst, als der Straßenbahnbetrieb zum Hauptbahnhof vorübergehend eingestellt wurde, sondern auch schon vorher.


Viele Grüße
EC 178

Vier Städte, zwei Flüsse, ein See (1) - Danke

caboruivo, CH, Donnerstag, 21.05.2015, 14:45 (vor 4017 Tagen) @ EC 178
bearbeitet von caboruivo, Donnerstag, 21.05.2015, 14:45

Danke für den Bericht. Fast alles kommt mir sehr vertraut vor. ;-)

Danke für das Bedanken :) Hat mich sehr gefreut.

Diese Lok bleibt planmäßig bis Praha hl. n. am Zug.

48 Stunden später fuhren wir mit dem abgelichteten Zug. In Prag ist ja ein Fahrtrichtungswechsel, weil man den Zug zweimal über die Nové spojeni führt. Wäre es nicht möglich, von Dolní Počernice über Malešice-nákladové und Vrsovice von Süden her nach Praha hl.n. einzufahren und sich so den Fahrtrichtungswechsel zu sparen?

Nach drei Nächten in Ungarn ging für uns drei die Reise für einen Tag weiter nach Bratislava. Eine typische Oststadt,


In wiefern?

Hier sind die Spuren der sozialistischen Vergangenheit deutlicher spürbar als in Prag oder Budapest.

wo sich die Strassenbahnfahrt als sehr abenteuerlich herausstellt.


Wieso das?

Weil man in jeder Weiche das Gefühl hatte, dass das alte Gefährt aus den Schienen springt.

Sind die denn grundsätzlich wieder in Betrieb? Ich kenne es noch von vor etlichen Jahren, da funktionierten alle Fahrtreppen, dann waren sie alle außer Betrieb. Nicht erst, als der Straßenbahnbetrieb zum Hauptbahnhof vorübergehend eingestellt wurde, sondern auch schon vorher.

Nein, die waren alle ausser Betrieb. Hab auch nur das Pärchen zwischen Strassenbahnhaltestelle und Bahnhofsgebäude finden können. Bei der abgelichteten Rolltreppe fehlten am oberen Ende sogar Teile der Stufen.

Gruss

--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive

Vier Städte, zwei Flüsse, ein See (1) - Danke

EC 178, Donnerstag, 21.05.2015, 15:00 (vor 4017 Tagen) @ caboruivo

Danke für den Bericht. Fast alles kommt mir sehr vertraut vor. ;-)

Danke für das Bedanken :) Hat mich sehr gefreut.

Diese Lok bleibt planmäßig bis Praha hl. n. am Zug.

48 Stunden später fuhren wir mit dem abgelichteten Zug. In Prag ist ja ein Fahrtrichtungswechsel, weil man den Zug zweimal über die Nové spojeni führt. Wäre es nicht möglich, von Dolní Počernice über Malešice-nákladové und Vrsovice von Süden her nach Praha hl.n. einzufahren und sich so den Fahrtrichtungswechsel zu sparen?

Ja, das geht. Dauert aber glaube ich länger, als über Liben und die Nové spojeni. Teilweise haben die EC-Züge auch Verstärkungswagen Budapest-Praha dabei. Diese können bei Fahrt über die Nové spojeni in Praha hl. n. einfach abgekuppelt werden und dann direkt mit der ohnehin abgehenden Lok ohne Rangieren nach Praha ONJ überführt werden. Geht mit einer einzelnen Lok natürlich auch schneller und einfacher, als wenn erst umgesetzt werden muß. Ich vermute, daß das der Hintergrund ist.

Gruß
EC 178

[HU] Budapest - noch ein Eisenbahntipp

RhBDirk, Donnerstag, 21.05.2015, 17:17 (vor 4017 Tagen) @ caboruivo

http://www.miniversum.hu/de

Modellbahnanlage. Noch recht neu. Ich werde im August einen Besuch abstatten ;-)

! zum Balaton

Christian_S, Donnerstag, 21.05.2015, 19:11 (vor 4017 Tagen) @ caboruivo

Dort angekommen startete ein Irrgang durch die Stadt, da wir das Seeufer aufsuchen wollten. War zuerst die Bahnlinie eine nahezu unüberwirdbare Barriere, gestaltete sich danach die Suche nach unbewirtschaftetem Seeufer schwierig. Die Kneipenmeile liess erahnen, dass hier zur Hauptsaison tatsächlich eine Art Ballermann herrscht. Leider waren wir zu früh dran.

Wir waren bis 1998 jedes Jahr im Urlaub am Balaton, danach nochmals 2000, 2001 und 2004. Leider wurde es über die Jahre immer schwieriger, schöne und vor allem kostenlose Badeplätze zu finden, da in den Badeorten am Südufer immer mehr kommerzialisiert wurde. Wir kannten es halt noch aus den 80er und frühen 90er Jahren, da hatte die Balaton-Region viel mehr Flair als seither. Regionale Geschäfte gibt es immer weniger, dafür haufenweise neumodische Boutiquen, Ramschläden etc. Es ist einfach das Urgemütliche etwas verloren gegangen am Balaton.

Danke Dir aber auf jeden Fall für die Bilder und Eindrücke Deiner Reise!

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