CH: Verschleissgerechte Trassenpreise (Video) (Allgemeines Forum)
Alphorn (CH), Donnerstag, 19.02.2015, 23:50 (vor 4065 Tagen)
In der Schweiz sollen Trassenpreise eingeführt werden, welche die Abnützung der Fahrbahn durch verschiedene Fahrzeuge besser abbilden.
Ich begrüsse dieses Vorgehen. Bisher hatten die EVU keine Motivation, gleisfressende Antriebe (z.B. Tatzlager) zu vermeiden; die Zeche in Form von abgenutzten Gleisen übernahm der Steuerzahler. Und die Abnützung der Gleise in der Schweiz ist enorm; erst kürzlich musste der Staat die jährlichen Unterhaltsbeiträge um 500 Millionen CHF anheben - viel Geld in einem kleinen Land.
Vielleicht bedeutet die Änderung, dass die bestellten Twindexx Swiss doch noch ARS (Aktive Radiale Radsatzsteuerung) bekommen: Die stellt die Räder passend zum Kurvenradius ein und schont so die Schienen.
CH: Verschleissgerechte Trassenpreise (Video)
guru61, Arolfingen, Freitag, 20.02.2015, 07:58 (vor 4065 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von guru61, Freitag, 20.02.2015, 07:58
Vielleicht bedeutet die Änderung, dass die bestellten Twindexx Swiss doch noch ARS (Aktive Radiale Radsatzsteuerung) bekommen: Die stellt die Räder passend zum Kurvenradius ein und schont so die Schienen.
Das einzig richtige Vorgehen:
Schliesslich hat die Schweiz seit Jahrzehnten immer hohe Priorität auf die Kurvengängigkeit und Gleisschonung gelegt. Zuletzt mit den 460 und 465. Und sie ist nicht schlecht damit gefahren.
Insofern war das europäische Gleichmachermischmasch mit Tramanteieb ein technischer Rückschritt.
AAber: Dem Weibel ist auch anzulasten, dass er zuviel am Unterhalt gespart hat! Dass man sich wundert, dass nach nicht mal 10 Jahren die Schienen auf der Neubaustrecke schon gewechselt werden mussten, ist dem vernachlässigten Unterhalt anzurechnen, und nicht den Fahrzeugen!
Man hat sich das Schleifen gespart, und dafür musste man die Schienen nach einem Drittel der Liegedauer auswechseln.
Schienenschleifen ist wichtig!
http://www.speno.ch/pdf/0507.pdf
Uebrigens auch beschrieben im "Praxisbuch Fahrban"
Gruss Guru
CH: Verschleissgerechte Trassenpreise (Video)
Frank Augsburg, Ansbach, Freitag, 20.02.2015, 08:09 (vor 4065 Tagen) @ Alphorn (CH)
Gumoing,
interessant, aber nicht neu. Ob ein Tatzlagerantrieb für sich genommen ein "Gleisfresser" ist, möchte ich stark anzweifeln. Da gibt es noch ein paar mehr Parameter, die man positiv oder negativ beeinflussen kann, um letztlich eines zu erreichen: die quasistatische Führungskraft im Referenzbogen 350 m auf 60 kN zu begrenzen. Unterhalb des Referenzbogens gelten höhere Grenzwerte, das steht so in der EN 14363, an der meines Wissens auch Schweizer Fachleute beteiligt waren/ sind. Deswegen kann ich das Stirnrunzeln außerhalb der Schweiz ob der recht einseitigen Grenzwert- Interpretation sehr gut nachvollziehen.
Der Ausweg, die Fahrwerke mit Radialeinstellung auszurüsten, funktioniert wunderbar in der Schweiz, verlagert aber auf Relationen mit hohem "Geradeaus- Anteil" das Problem von der Schiene ins Radprofil. Gut, dem kann man entgegen wirken, indem man wieder an Parametern dreht oder die Radialeinstellung schaltbar ausführt. Ob das letztlich billiger wird? Und ob das die EVU akzeptieren (auch die in der Schweiz) bleibt abzuwarten, denn schließlich bleiben sie dann allein auf den Mehrkosten hocken bzw. geben sie an die Kunden weiter, was wiederum die Kosten erhöht.
Die Diskussion geht schon ein paar Jahre. Um das verschleißabhängige Trassenpreissystem richtig durchzuziehen, müßte man fahrzeugbezogene Verschleißmessungen veranstalten, die allerdings auch nicht ganz billig sind, aber deren Resultate sicher mit einigen Vorurteilen gegenüber Tatzlager, Radialeinstellung & co. aufräumen könnten.
Beste Grüße
Frank
--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."
(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)
Frage dazu
Chrispy, Freitag, 20.02.2015, 11:16 (vor 4065 Tagen) @ Frank Augsburg
Ob das letztlich billiger wird? Und ob das die EVU akzeptieren (auch die in der Schweiz) bleibt abzuwarten, denn schließlich bleiben sie dann allein auf den Mehrkosten hocken bzw. geben sie an die Kunden weiter, was wiederum die Kosten erhöht.
Werden diese Werte denn nicht schon bei der Fahrzeugzulassung ermittelt?
Antwort dazu
Frank Augsburg, Ansbach, Freitag, 20.02.2015, 12:04 (vor 4065 Tagen) @ Chrispy
Werden diese Werte denn nicht schon bei der Fahrzeugzulassung ermittelt?
Servus,
man muß immer schön auseinander halten zwischen Zulassung und Netzzugang. Wer die Zulassung (Abnahme, Inbetriebnahmegenehmigung - wie das heute so schön heißt) in der Hand hält, darf damit nicht zwangsläufig in das Netz z. B. der DB Netz. In der Schweiz dürfte das analog laufen, denn das BAV hat sich an diesem speziellen Detail nicht gestört, im Gegensatz zu SBB Infra. So können DB Netz und/ oder SBB Infra den Netzzugang eines Fahrzeugs entweder verweigern oder unter Auflagen gestatten. Eine Auflage kann z. B. die Entrichtung eines höheren Trassenentgeldes sein.
Der klitzekleine Punkt, um den sich alles dreht, ist folgender: Konventionelle Lokomotiven - also vierachsige Loks mit einer Masse > 83 t (unterhalb 83 t existiert das Problem überhaupt nicht bzw. nur marginal, wenn man sonst alles richtig macht) und ohne Radialeinstellung der Radsätze reißen in den Referenzfällen das Y_qst- Kriterium 60 kN nicht, unterhalb der Referenzbögen schon. Nach Norm ist das zulässig, nach Schienennutzungsbedingungen SBB Infra aber nicht bzw. mit Auflagen. Begründet wird dies mit erhöhtem Schienenverschleiß, hervorgerufen durch "Tatzlager" (dem ich sogar widersprechen würde, ohne Fahrtechniker zu sein), in Wahrheit steckt das große Thema Fahrtechnik dahinter, und der Antrieb ist wie die Führungskraft nur ein Teilgebiet davon.
Fatalerweise ist ein direkter Zusammenhang zwischen höherer quasistatischer Führungskraft und Schienenverschleiß so eindeutig wie behauptet nicht existent. Nicht weil ich das so sage, sondern die Mehrheit der Fachkräfte, übrigens auch von Schweizer Schienenfahrzeugherstellern. Die aber sehen das vollkommen entspannt, da sie als Nicht- Lokomotiven- Hersteller von dem Problem nicht betroffen sind.
Man wird wohl weiter miteinander sprechen müssen.
Schöne Grüße aus dem sonnigen Nürnberg
Frank
--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."
(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)
Danke für die Erläuterung!
Chrispy, Freitag, 20.02.2015, 12:13 (vor 4065 Tagen) @ Frank Augsburg
- kein Text -
Antwort dazu
guru61, Arolfingen, Freitag, 20.02.2015, 14:39 (vor 4065 Tagen) @ Frank Augsburg
bearbeitet von guru61, Freitag, 20.02.2015, 14:40
Fatalerweise ist ein direkter Zusammenhang zwischen höherer quasistatischer Führungskraft und Schienenverschleiß so eindeutig wie behauptet nicht existent. Nicht weil ich das so sage, sondern die Mehrheit der Fachkräfte, übrigens auch von Schweizer Schienenfahrzeugherstellern. Die aber sehen das vollkommen entspannt, da sie als Nicht- Lokomotiven- Hersteller von dem Problem nicht betroffen sind.
Man wird wohl weiter miteinander sprechen müssen.Schöne Grüße aus dem sonnigen Nürnberg
Frank
Sorry, aber du blendest da noch einiges aus, dass auch auf den Verschleiss einwirkt:
Traktionskräfte: Seit etwa 30 Jahren geht man, weil man den höheren Adhäsionskoeffizienten ausnützen will, in den Bereich des Makroschlupfs hinen. Erkennbar am schrillen Pfeiffen, das sich im Grenzbereich einstellt.
http://retro.seals.ch/digbib/view?pid=sbz-002:1965:83::783
Wie heir schön bschrieben und im Diagram auf Seite 883 gezeigt, wächst die Zugkraft mit dem Makroschlupf, bis er ins Schleudern übergeht. Nur dank der Ausnützung dieser Breiche ziehen heute 4 achsige Lokomotiben soviel, wie früher sechsachsige. Nun ist Makroschlupf nichts anderes, wie spanabhebendes Bearbeiten der Schienen.
Dann kommt die Beschleunigung:
![[image]](https://farm9.staticflickr.com/8609/16564293786_1fed0d37cc_o.png)
das Xi ist der Zuschlag für rotierende massen. Lassen wir das mal weg und rechnen mit der Beschleunigung von 1.1m/s der bei bei der SBB KISSte (RABe511) angegeben ist:
Da kommen wir auf einen Beschleunigungswiderstand von 112 N/KN Zugkraft pro Kilonewton.
Zum Vergleich: Der Steigungswiderstand am Gotthard beträgt 26 N/KN.
Wenn man das rechnet, wundert es nicht, dass gerade die S- Bahnen regelmässig in den Makroschlupfbereich kommt.
Dann haben wir die Neigezüge: die fahren schneller durch die Kurven, Die Seitenkräfte werden zwar gelindert, aber die Rückwirkungen aufs Gleis werden grösser. Auch hier macht sich das in erhöhtem Verschleiss bemerkbar.
Güterzüge sind heute schneller unterwegs: Währed früher bei 80 weithegend Schluss war, ist heute 90 die Botmgeschwindigkeit und 100 und 120 kommen immer mehr.
Es wird auch stärker gebremst. Im Genesatz zu früher nicht mehr mechanisch sondern zuerst elektrisch und dann erst in 2. Priorität mit der Luftbremse. Somit ist die Bremserei auf die länger Antriebsachsen konzentriert, was auch wieder erhöhte Kräfte erzeugt.
Und und und.
Gruss Guru
CH: Verschleissgerechte Trassenpreise (Video)
guru61, Arolfingen, Freitag, 20.02.2015, 12:19 (vor 4065 Tagen) @ Frank Augsburg
Gumoing,
interessant, aber nicht neu. Ob ein Tatzlagerantrieb für sich genommen ein "Gleisfresser" ist, möchte ich stark anzweifeln.
Hallo
Ich nicht, und die Literatur auch nicht:
http://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&frm=1&source=web&...
Nachdem bei Untersuchungen, warum die Sander an der Re4/4II sich so gerne Selbständig machten in den 70er Jahren, festgestellt wurde, dass am Radsatz Beschleunigungen bis 100G auftreten, und beim Tatzlagerantrieb das halbe Motorgewicht unabgefedert auf dem Radsatz lagert, muss man nicht soviel von Physik verstehen, dass hier die unabgefederte Masse, ausschlaggebend für die dynamische Beanspruchung ist. Klar ist heute, mit den kleichten Drehstrommotoren das Problem nicht mehr so gross, aber jedes Kilo mehr Masse, drückt dann mit 9810N dynamisch mehr.
Klar, mit dem Lenk- Schieblagerantrieb hat man bei den 450ern, die Beansprucheungen erreicht, die die fast 30 jahre älteren BoBos haben, die allerdings schneller leistungsfähiger und schwerer sind.
Dasss die Synthese zwischen Schnell- und KurvenEinstellbar gelungen ist, zeigt die 460.
Nur das Lokomotivchen ist auch teurer gewesen, als der Einheitsmischmasch.
Heute wo es fast normal ist, dass 22.5 tonnen Achslast angestrebt wird, ist das Problem nicht einfacher geworden.
Im übrigen ist hier unter 3.3.2 die genaue Berechnung erklärt:
http://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&frm=1&source=web&...
Der erste Term gilt der Verschlechterung der Gleislage und wird mit der P2-Kraft aus
dem Railway Group Standard TT 0088 Permissible Track Forces als Beanspruchungsgrösse
bewertet. Somit sind statische Achslast, ungefederte Massen und Geschwindigkeit
berücksichtigt. Der Exponent m ist 3. Die Schädigungswirkung nimmt also mit der
dritten Potenz zu.
Die Terme 2 und 3 betreffen die Schienenoberflächenfehler in "geraden" Abschnitten.
64% der Schädigung wird dabei wie im ersten Term der vertikalen Beanspruchung zugeordnet
(P2-Kraft, mit n ist 1,2); 36% wird der aufgebrachten Traktionsenergie
(Traction Power Value) zugeordnet. In Bogenabschnitten entfallen diese beiden Terme.
Term 4 ist zweigeteilt, wobei die Tgamma-Funktion (Wb; Reibarbeit) zum einen Schienenoberflächenfehler
im Bogen (Head Checks), zum anderen Schienenverschleiss im
Bogen abdeckt.
Der letzte Term gilt der Schädigung der Weichenteile. Sie wird durch das Kräfteniveau
einer Fahrt mit 40 km/h durch eine Weiche mit 185 m Abzweigradius ermittelt. Hierbei
kommt wieder die P2-Kraft zum Tragen; die laterale Beanspruchung wird aus der Summe
der Y2-Kraft (ebenfalls nach Railway Group Standard) und quasistatischer Y-Kraft
bestimmt.
Ich nehme an, dass so ein System die gleiche Auswirkung haben wird, wie die Lärmtaxen in der Luftfahrt:
Plötzlich werden un teurere Lokokomotiven (und Wagen) mit oberbauschoneneden Komponetnen interessant. http://www.drehgestelle.de/6/leila.html
Den Unterschied erlebe ich jeden Tag in Olten am Morgen zwichen 05.45 und 05.59, wenn ich auf den ICE nach Bern warte:
Da fahren jeweils Güterzüge un die Rola durch. manchmal mit 465 und machmal mit 485 der BLS. Zugleich werden verschiedene Züge mit 460er bereitgestellt und er erste IC Bern Zürich hält. Die Unterschiede in der Quitscherei über die Wie^chenstrasse sin beträchtlich. Und es sind nicht die SLM Loks die quitschen!
Gruss Guru
Freut mich. Bisher subventioniert SPNV den SGV.
maxiboy, IBNR: 7006966, Sonntag, 22.02.2015, 12:43 (vor 4063 Tagen) @ Alphorn (CH)
Wobei sich die Frage stellt, ob der SGV dann nicht komplett wettbewerbsunfähig wird. Die LKW-Maut zu erhöhen dürfte an der Wegekostenrichtlinie der EU scheitern.
Interessant ist dieser Bericht der pteg, 'A heavy load to bear' – von der BAG-SPNV hat man Ähnliches bisher leider nicht vernommen!