Hauptbahnhofsdoppel dank Lokalbahn (45 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 14.02.2015, 18:13 (vor 4113 Tagen)

Hochverehrte Leserschaft!

Herzlich willkommen zum heutigen Bahnhofsportrait. Aus dem Programm stehen zwei Stationen, die vor achtundachtzig Jahren den Hauptbahnhofstitel führten. Das verdanken sie einer original bayrischen Lokalbahn. Der Grund dafür liegt im Jahr 1816, damals trat Österreich die gerade erst auf dem Wiener Kongreß erhaltene linksrheinische Pfalz an Bayern ab. Dort regierten wie einstmals in der Kurpfalz die Wittelsbacher. Das führe ich jetzt nicht weiter aus, wende mich lieber der Eisenbahngeschichte zu. Die Akteure sind die Hauptstrecke von Mannheim nach Saarbrücken und die Lokalbahn von Ludwigshafen nach Meckenheim (das ist ein kleines Dorf in der Verbandsgemeinde Deidesheim und hat etwa 3333 Einwohner).


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Kern der Hauptstrecke Mannheim - Saarbrücken ist die Pfälzische Ludwigsbahn von der Rheinschanze (das ist das heutige Ludwigshafen) nach Bexbach. Der unterste Abschnitt bis Neustadt wurde am 11. Juni 1847 eröffnet. Bereits 1856 war die Gesamtstrecke zweigleisig, anno 1900 erfolgte der viergleisige Ausbau zwischen Ludwigshafen und Schifferstadt, wie hier nachzulesen ist. Wann die Gleise drei und vier abgebaut wurden, weiß ich leider nicht. Der elektrische Betrieb wurde am 15. März 1964 eingeführt, bis durch den Wald nach Kaiserslautern. Anno 2003 wurde die Strecke um die sogenannte Schifferstädter Kurve ergänzt, die dem Fern- und Güterverkehr eine Umfahrung des Bahnhofs Schifferstadt und seiner engen Kurve ermöglicht. Die Strecke wird von einzelnen Fernzügen der Relation Frankfurt - Paris sowie weiteren Fernzügen mit Endpunkt Saarbrücken bedient, auf der anderen Seite werden z. B. Graz und Dresden erreicht. Diese Züge halten wie auch die neu eingeführten RE-Züge Mannheim - Koblenz nicht in den beiden uns interessierenden Stationen. In Mundenheim und Limburgerhof halten nur die roten Triebwagen der S-Bahn Rhein/Neckar (Linien 1 und 2 Osterburken - Homburg; 3 und 4 Karlsruhe - Germersheim - Bruchsal) sowie einzelne mit Dieseltriebwagen gefahrende Züge zur Badischen Anillin- und Soda-Fabrik. Mundenheim hat hierbei weniger Halte zu verzeichnen als Limburgerhof, als Ausgleich gibt es dort mehr durchfahrende Züge.


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Nun begab es sich, daß die Eisenbahn nicht jedes Dorf erschloß. So verabschiedete Bayern im April 1882 sein Lokalbahngesetz, das die Anforderungen an Bau und Betrieb gegenüber den Hauptbahnen herunterschraubte. Schon zuvor gab es Bestrebungen für den Bau einer Straßenbahn von Ludwigshafen nach Dürkheim am Fuß der Berge. Daraus wurde so nichts (nach Dürkheim sollte später die RHB führen), aber am 20. Januar 1890 begannen die Arbeiten für die meterspurige Lokalbahn von Ludwigshafen zur Dannstadter Höhe, am 15. Oktober wurde sie eröffnet, ebenso die Strecke von Ludwigshafen nach Frankenthal, die ich neulich mal erwähnte. Mitte 1908 wurde die Verlängerung von Dannstadt nach Meckesheim genehmigt, die Betriebsaufnahme erfolgte aber erst am 1. März 1911. Bereits 18 Jahre später stand es nicht gut für die Strecke. Während die Reichsbahn als Betreiberin die Stillegung wünschte (ebenso die Stadt Ludwigshafen), waren die Anliegerkommunen für die Elektrifizierung. Am 12. Juni 1933 wurde schließlich der Verkehr zwischen dem Ludwigshafener Lokalbahnhof (er lag im Stadtzentrum) und dem Lokalbahnhof in Mundenheim eingestellt, schon seit 1930 waren auf dieser Strecke nur noch wenige Züge unterwegs gewesen.

Noch 1951 erklärte die Bundesbahn die Strecke für unverzichtbar, 1952 kamen drei Dieselloks (Baureihe V 29). Schon am 17. Mai 1954 aber fällte dieselbe Bundesbahn das Todesurteil und am 1. Oktober fuhren die letzten Personenzüge, Güterverkehr bestand noch bis Heiligabend. Im Frühjahr 1956 wurde die Strecke abgebaut.


Die Lokalbahn hatte natürlich ihre eigenen Bahnhöfe. In den Orten, die auch von der Hauptbahn bedient wurden, gab es also den Lokalbahnhof und den Hauptbahnhof. In Mundenheim lagen sie direkt nebeneinander, in Mutterstadt aber lag der Lokalbahnhof mitten im Ort, während die Hauptbahn etwa drei Kilometer vom Ortszentrum enfernt vorbeiführt. Um den Mutterstädter Hauptbahnhof entstanden ab 1900 Wohnhäuser für Arbeiter der BASF. Diese Siedlung bildete neben einigen Einzelhöfen (darunter der nach dem oberhalb von Bad Dürkheim gelegenen einstigen Kloster Limburg benannten Limburger Hof) die Keimzelle der Gemeinde Limburgerhof, die am 1. Januar 1930 aus Teilen der vier Nachbargemeinden entstand, der Bahnhof Mutterstadt wurde dementsprechend in Limburgerhof umbenannt.

Teil 2 folgt sogleich.

Hauptbahnhofsdoppel dank Lokalbahn (45 Bilder), Teil 2

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 14.02.2015, 18:13 (vor 4113 Tagen) @ Sören Heise

Wir schauen uns nun die beiden ehemaligen Hauptbahnhöfe an, am 11. August 2014 besuchte ich sie. Limburgerhof hatte ich am 30. Juli schon aufgesucht. Damit fangen wir auch an, leider war die Sonne gerade anderswo unterwegs. Das ist nicht allzu übel, denn so kommen die Fotogenitätsdefizite besser zur Geltung.


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1 425 224 verläßt Limburgerhof mit Fahrtziel Mosbach. In der linken Brückenhälfte die Schifferstädter Kurve.


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2 Der Südeingang zum Bahnhof.


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3 Das einstige Empfangsgebäude.


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4 Die Bushaltestelle.


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5 Das neue Empfangsgebäude steht nördlich der Gleise.


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6 Richtung Schifferstadt, rechts die Schifferstädter Umgehungsbahn.


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7 Zugang zum Tunnel.


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8 Der Tunnel.


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9 Und wieder oben.


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10 Das alte Empfangsgebäude.


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11 Der neuere Hausbahnsteig.


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12 Limburgerhof.


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13 Das Empfangsgebäude.


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14 Durchblick.


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15 Das Empfangsgebäude.


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16 Die einstige Hauptstraße...


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17 ...setzt sich jenseits der Gleise fort.


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18 Das Empfangsgebäude.


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19 Der Fahrplan.


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20 Bahnsteigbild.


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21 Bahnhofsbild.


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22 Die kleine Spiegelei zwischendurch.


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23 Liegesessel in der Lounge.


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24 Am 11. August schien die Sonne. Die Schrift ist ein wenig schief.


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25 Mit 425 238 nehmen wir Abschied.


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26 Ludwigshafen-Mundenheim.


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27 Der Südeingang. Nördlich der Gleise ein ziemlich massiver Mobilfunkantennenhalter.


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28 Die Bushaltestelle am Südausgang. Benötigt man für einen 20-Minuten-Takt wirklich solche tollen Anzeiger?


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29 Der Personentunnel. Auch er ist erfreulicherweise farbloser als erwartet.


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30 Noch nicht.


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31 Die nehmen wir. Beachte die beiden Hinweise auf Gleis 1.


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32 Von dort kamen wir. Gleis 1 ist nicht nutzbar, beachte aber bitte die beiden Hinweise auf die Gleise 2 und 4.


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33 Empfangsgebäude, ein Versuch.


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34 Seitenstraße.


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35 Der einstige Hauptbahnhof vom Bahnübergang gesehen.


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36 Der Bahnübergang existiert nicht mehr. Hier querte bis zur Stillegung 1933 die Lokalbahn niveaugleich die Hauptstrecke.


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37 Ein asiatischer Tempel sorgt für einen Farbtupfer.
Wer das Buch hat, vergleiche diese und die Voraufnahme mit der Seite 57 in Distler/Glatt, Die Lokalbahnen der Vorderpfalz. Ludwigshafen 2010.


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38 Links der Straße lag einstmals der Lokalbahnhof.


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39 Vorm Empfangsgebäude.


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40 Es ist von der Gleisseite her ohne störendes Grünzeug lichtbildnerisch festhaltbar.


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41 Güterschuppen mit alter Aufschrift.


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42 Der Blick Richtung Limburgerhof. Rechts der Rest von Bahnsteig 1, links das Anschlußgleis Richtung Giulini und weiteren Anschließern.


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43 Bahnsteigbild.


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44 In Richtung Hauptbahnhof.


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45 Im Hintergrund das DB-Werk Ludwigshafen. Hinter ihm, unter der weißen Brücke, liegt Ludwigshafens Hauptbahnhof.


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Dort nahm diese Serie über Deutschlands Hauptbahnhof einstmals ihren Anfang (das wußte ich damals bloß noch nicht, was vielleicht auch gut so war) und dort wird sie auch enden. Zuvor gibt es nächste Woche ein Doppelpack ehemalige Hauptbahnhöfe. Im März verbreitet ein Hauptbahnhof Endzeitstimmung und wir müssen noch einmal bei A und einmal bei Z vorbeischauen, bevor sich trotz aller Irrwege der Kreis schließt.

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
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Hauptbahnhofsdoppel

462 001, Taunus, Samstag, 14.02.2015, 18:41 (vor 4113 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von 462 001, Samstag, 14.02.2015, 18:41

Guten Abend Sören,

danke für das portraitierte Doppel.

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23 Liegesessel in der Lounge.

Nicht mal eine Kaffemaschine, das ist ja blöd:)

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28 Die Bushaltestelle am Südausgang. Benötigt man für einen 20-Minuten-Takt wirklich solche tollen Anzeiger?

Ja, braucht man. Warum kann ich nicht sagen, aber es muss halt sein.

Gruß
ICE1223

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Hauptbahnhofsdoppel

thelasse, Utrecht(NL), Samstag, 14.02.2015, 23:27 (vor 4113 Tagen) @ 462 001

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28 Die Bushaltestelle am Südausgang. Benötigt man für einen 20-Minuten-Takt wirklich solche tollen Anzeiger?

Ja, braucht man. Warum kann ich nicht sagen, aber es muss halt sein.

Weil es einfach praktisch ist:)
Ich verstehe aber nicht warum sich hier über zu viel Informationen für Reisende beschwert wird. Auch oder gerade wenn nur alle 20 Minuten ein Bus kommt ist so was nützlich. Denn wenn alle 5 Minuten ein Bus kommt brauche ich keine Info dann merkt man relativ schnell wenn kein Bus kommt(Störung/Baustelle) aber wenn ich erst 20 Minuten an der Haltestelle stehe ist es vorallem im Winter praktisch wenn ich sofort auf der Anzeigetafel sehe das der Bus ausfällt.

Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 15.02.2015, 16:45 (vor 4112 Tagen) @ thelasse
bearbeitet von Sören Heise, Sonntag, 15.02.2015, 16:46

Nun, ich komme auch ohne die Dinger klar. Daß der Bus Verspätung hat, merke ich ja, wenn er zur Planzeit nicht kommt. ;-)

Ansonsten danke für die Kommentare und bis zum nächsten Wochenende
Sören


Und als PS ein kleiner Vorgeschmack:

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PPS: Kaffeemaschine darf man sicher selber mitbringen. Steckdose auch.

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