Hauptbahnhofsdoppel dank Lokalbahn (45 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)
Hochverehrte Leserschaft!
Herzlich willkommen zum heutigen Bahnhofsportrait. Aus dem Programm stehen zwei Stationen, die vor achtundachtzig Jahren den Hauptbahnhofstitel führten. Das verdanken sie einer original bayrischen Lokalbahn. Der Grund dafür liegt im Jahr 1816, damals trat Österreich die gerade erst auf dem Wiener Kongreß erhaltene linksrheinische Pfalz an Bayern ab. Dort regierten wie einstmals in der Kurpfalz die Wittelsbacher. Das führe ich jetzt nicht weiter aus, wende mich lieber der Eisenbahngeschichte zu. Die Akteure sind die Hauptstrecke von Mannheim nach Saarbrücken und die Lokalbahn von Ludwigshafen nach Meckenheim (das ist ein kleines Dorf in der Verbandsgemeinde Deidesheim und hat etwa 3333 Einwohner).
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Kern der Hauptstrecke Mannheim - Saarbrücken ist die Pfälzische Ludwigsbahn von der Rheinschanze (das ist das heutige Ludwigshafen) nach Bexbach. Der unterste Abschnitt bis Neustadt wurde am 11. Juni 1847 eröffnet. Bereits 1856 war die Gesamtstrecke zweigleisig, anno 1900 erfolgte der viergleisige Ausbau zwischen Ludwigshafen und Schifferstadt, wie hier nachzulesen ist. Wann die Gleise drei und vier abgebaut wurden, weiß ich leider nicht. Der elektrische Betrieb wurde am 15. März 1964 eingeführt, bis durch den Wald nach Kaiserslautern. Anno 2003 wurde die Strecke um die sogenannte Schifferstädter Kurve ergänzt, die dem Fern- und Güterverkehr eine Umfahrung des Bahnhofs Schifferstadt und seiner engen Kurve ermöglicht. Die Strecke wird von einzelnen Fernzügen der Relation Frankfurt - Paris sowie weiteren Fernzügen mit Endpunkt Saarbrücken bedient, auf der anderen Seite werden z. B. Graz und Dresden erreicht. Diese Züge halten wie auch die neu eingeführten RE-Züge Mannheim - Koblenz nicht in den beiden uns interessierenden Stationen. In Mundenheim und Limburgerhof halten nur die roten Triebwagen der S-Bahn Rhein/Neckar (Linien 1 und 2 Osterburken - Homburg; 3 und 4 Karlsruhe - Germersheim - Bruchsal) sowie einzelne mit Dieseltriebwagen gefahrende Züge zur Badischen Anillin- und Soda-Fabrik. Mundenheim hat hierbei weniger Halte zu verzeichnen als Limburgerhof, als Ausgleich gibt es dort mehr durchfahrende Züge.
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Nun begab es sich, daß die Eisenbahn nicht jedes Dorf erschloß. So verabschiedete Bayern im April 1882 sein Lokalbahngesetz, das die Anforderungen an Bau und Betrieb gegenüber den Hauptbahnen herunterschraubte. Schon zuvor gab es Bestrebungen für den Bau einer Straßenbahn von Ludwigshafen nach Dürkheim am Fuß der Berge. Daraus wurde so nichts (nach Dürkheim sollte später die RHB führen), aber am 20. Januar 1890 begannen die Arbeiten für die meterspurige Lokalbahn von Ludwigshafen zur Dannstadter Höhe, am 15. Oktober wurde sie eröffnet, ebenso die Strecke von Ludwigshafen nach Frankenthal, die ich neulich mal erwähnte. Mitte 1908 wurde die Verlängerung von Dannstadt nach Meckesheim genehmigt, die Betriebsaufnahme erfolgte aber erst am 1. März 1911. Bereits 18 Jahre später stand es nicht gut für die Strecke. Während die Reichsbahn als Betreiberin die Stillegung wünschte (ebenso die Stadt Ludwigshafen), waren die Anliegerkommunen für die Elektrifizierung. Am 12. Juni 1933 wurde schließlich der Verkehr zwischen dem Ludwigshafener Lokalbahnhof (er lag im Stadtzentrum) und dem Lokalbahnhof in Mundenheim eingestellt, schon seit 1930 waren auf dieser Strecke nur noch wenige Züge unterwegs gewesen.
Noch 1951 erklärte die Bundesbahn die Strecke für unverzichtbar, 1952 kamen drei Dieselloks (Baureihe V 29). Schon am 17. Mai 1954 aber fällte dieselbe Bundesbahn das Todesurteil und am 1. Oktober fuhren die letzten Personenzüge, Güterverkehr bestand noch bis Heiligabend. Im Frühjahr 1956 wurde die Strecke abgebaut.
Die Lokalbahn hatte natürlich ihre eigenen Bahnhöfe. In den Orten, die auch von der Hauptbahn bedient wurden, gab es also den Lokalbahnhof und den Hauptbahnhof. In Mundenheim lagen sie direkt nebeneinander, in Mutterstadt aber lag der Lokalbahnhof mitten im Ort, während die Hauptbahn etwa drei Kilometer vom Ortszentrum enfernt vorbeiführt. Um den Mutterstädter Hauptbahnhof entstanden ab 1900 Wohnhäuser für Arbeiter der BASF. Diese Siedlung bildete neben einigen Einzelhöfen (darunter der nach dem oberhalb von Bad Dürkheim gelegenen einstigen Kloster Limburg benannten Limburger Hof) die Keimzelle der Gemeinde Limburgerhof, die am 1. Januar 1930 aus Teilen der vier Nachbargemeinden entstand, der Bahnhof Mutterstadt wurde dementsprechend in Limburgerhof umbenannt.
Teil 2 folgt sogleich.
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Sören Heise,
14.02.2015, 18:13
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Sören Heise,
14.02.2015, 18:13
- Hauptbahnhofsdoppel -
462 001,
14.02.2015, 18:41
- Hauptbahnhofsdoppel -
thelasse,
14.02.2015, 23:27
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- Hauptbahnhofsdoppel -
thelasse,
14.02.2015, 23:27
- Hauptbahnhofsdoppel -
462 001,
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Sören Heise,
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