Von TGV bis Inselbahn – Reisebericht 1/4 mit 41 B. (Reiseberichte)

TD, Samstag, 14.02.2015, 14:26 (vor 4138 Tagen)

Hallo zusammen,

der Schwarzwald und die Nordseeküste gehören zu den klassischen Urlaubszielen in Deutschland. Wenn man die Frage nach dem Reiseziel aber mit „Schwarzwald UND Nordseeküste“ beantwortet, kann man sich kritischen Blicken gewiss sein – insbesondere dann, wenn die eigentliche Intention der Reise eine Fahrt in eine französische Kleinstadt war. Um zu erklären, wie das alles zusammenhängt, muss ich wohl etwas ausholen.

[image]

Teilweise findet man an den Ortseingängen meiner Heimatstadt Konstanz Hinweistafeln auf die vier Partnerstädte

Drei der vier Städte habe ich schon besucht (die Links führen zu den jeweiligen Reiseberichten), so dass jetzt nur noch Fontainebleau südlich von Paris fehlt.

Die Tafel am Ortseingang ist übrigens schon etwas älter, denn im Jahr 2007 kam noch Suzhou (China) hinzu. Es kommt mir allerdings nicht ungelegen, dass Suzhou auf der Tafel fehlt, denn im Gegensatz zu den europäischen Partnerstädten sind meine Ambitionen auf eine Bahnreise nach China eher gering. Falls aber jemandem hier im Forum langweilig sein sollte, kann er ja mal den besten Reiseweg bzw. Fahrplan von Konstanz nach Suzhou recherchieren – im Moment aber nur aus reiner Neugierde und ohne ernsthafte Reiseabsicht meinerseits.

Aber zurück zur Frankreich-Reise. Wir wollen also nach Fontainebleau fahren, das geht am besten über Paris. Das wäre doch mal eine Gelegenheit für die Nutzung des TGV ab Freiburg. Nur müssen wir dafür schon am Vortag nach Freiburg fahren und haben somit einen ganzen Tag Zeit für den überschaubaren Weg durch Südbaden. Und welchen Rückweg wollen wir ab Paris wählen, ICE, TGV oder Thalys? Moment, lässt sich das nicht mit einer Abschiedsfahrt mit dem Mosel-IC verbinden? Und wenn schon eine Abschiedsfahrt, dann richtig, also auf dem gesamten Laufweg bis nach Norddeich? Könnten wir dann nicht gleich den IC „Bodensee“ auch mitnehmen? Und wenn wir ohnehin schon an der Küste sind, wollen wir dann nicht einen Ausflug auf eine Insel einplanen?

[image]

Und so ergibt sich eine fünftägige Reise: Wir fahren von Konstanz über Basel nach Mulhouse, weiter zur Münstertalbahn und drehen eine Runde um den Kaiserstuhl. Am zweiten Tag geht es von Freiburg über Paris nach Fontainebleau und schließlich nach Luxemburg. Von dort reisen wir mit dem IC „Ostfriesland“ nach Norddeich. Am vierten Tag gibt es einen Ausflug auf Borkum zur dortigen Kleinbahn und zum Abschluss nutzen wir den IC „Bodensee“ auf dem kompletten Laufweg von Emden bis Konstanz. Die erstklassige Tour fand im August u.a. mit dem Deutschland-Pass statt.


Tag 1: Konstanz – Basel – Mulhouse – Münstertal – Staufen – Breisach – Freiburg

[image]

Wir beginnen unsere Reise am Haltepunkt Konstanz-Wollmatingen mit dem seehas (SBB Flirt) nach Singen. Der graue Himmel lässt noch keine richtige Urlaubsstimmung aufkommen, aber im Laufe des Tages wird sich das noch ändern.

[image]

In Singen wechseln wir auf einen Dieseltriebwagen der Baureihe 611 zur Fahrt nach Basel. Die Hauptzeit des Berufsverkehrs ist schon vorüber und die Auslastung überschaubar.

[image]

[image]

Via Schaffhausen und entlang des Hochrheins fahren wir dem Endbahnhof Basel Badischer Bahnhof entgegen, während Regentropfen an die Scheibe klopfen – und damit Streckenbilder dieses Abschnitts ausfallen.

[image]

Vom Badischen Bahnhof geht es mit dem Tram durch die Stadt und über den Rhein in Richtung des Bahnhofs Basel SBB, wobei unser eigentliches Ziel der Bahnhof Basel SNCF ist.

[image]

Der Bahnhof Basel SNCF ist angegliedert an den Bahnhof Basel SBB, besitzt aber eine getrennte Bahnsteighalle mit eigenen Gleisen. Vom Hauptgebäude führt ein Gang zum französischen Bahnhof. Während der deutsch-schweizerische Grenzübergang am Badischen Bahnhof offen und transparent ist, flößt die blickdichte Tür und die hermetische Abriegelung doch etwas Respekt ein, eine Grenzkontrolle findet aber nicht statt. Nach dem Passieren der Tür sind wir auf französischem Zollgebiet.

[image]

Auf Wikipedia ist zu lesen, dass die SNCF kein Interesse an einer Weiterführung des eigenen Bahnhofs hat und sich aus dem Betrieb zurückzieht. Auch eine geplante Erneuerung des Bahnhofs kam nicht zustande. Und so fühlt man sich fast etwas in eine andere Welt versetzt, zumal im schweizerischen Teil ein reges Treiben herrschte und der französische Bahnhof - hier der Wartesaal – wie ausgestorben wirkt.

[image]

Mit einem TER-200-Wendezug von TER Alsace fahren wir nun nach Mulhouse. Der Zug steht allerdings sehr unfotogen in der Kurve, so dass außer der BB 26000-Lok nicht viel vom Zug selbst zu sehen ist.

[image]

Aber egal, dann werfen wir eben zunächst einen Blick in den modernisierten Corail-Wagen der ersten Klasse. Für einen Regionalzug reist es sich hier außerordentlich bequem.

[image]

Die Fahrt durch die Rheinebene dauert nur gut 20 Minuten, dann sind wir schon in Mulhouse angekommen. Hier noch ein Blick von außen auf den farbenfrohen Wagen, grün steht für Wald und Weinberge, gelb für die Landwirtschaft, rosé für den Sandstein der Vogesen und braun für die elsässische Erde.

[image]

Es bleibt nun Zeit für einen kleinen Spaziergang in die Altstadt von Mulhouse, hier das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert an der Place de la Réunion.

[image]

Dann treten wir die Weiterfahrt an, mit einem Dieseltriebwagen vom Typ X 73900 wollen wir über den Rhein nach Deutschland fahren. Auch der „Baleine“ (Blauwal) trägt die Farbgebung von TER Alsace.

[image]

Im stehenden Zug findet eine Fahrkartenkontrolle durch französisches Personal statt, dieses verlässt den Zug vor der Abfahrt und unbegleitet fahren wir erst über den Rhein-Rhône-Kanal, danach bei Neuenburg über den Rhein und erreichen schließlich Müllheim.

[image]

[image]

Der 4-Minuten-Übergang in Müllheim ist recht sportlich, wir müssen noch durch die Unterführung und gleichzeitig mit dem RE von Basel nach Offenburg kommen wir an Gleis 1 an. Auf dem Bild sitzen wir schon im Oberdeck des Doppelstockwagens.

[image]

Neun Minuten fahren wir nun auf der Rheintalbahn nach Norden, links die oberrheinische Tiefebene, rechts ein Blick auf den wolkenverhangenen Schwarzwald. In Bad Krozingen verlassen wir den Regional-Express...

[image]

...und wechseln zur SWEG auf die Münstertalbahn. Die Strecke wurde in den Jahren 2012/2013 elektrifiziert, seither verkehren dort Talent 2-Triebzüge. Beim Anblick des gelben 1.Klasse-Streifens über dem Fenster des Endwagens bin ich etwas irritiert, steht in meinem Fahrplanausdruck doch „nur 2. Klasse“. Komisch, innen gibt es eine großzügige 2+1 Bestuhlung, dennoch ist dieser Bereich als 2. Klasse ausgewiesen.

[image]

Beim Aufbereiten des Reiseberichts lese ich dann, dass man quasi aus Versehen das erste Fahrzeug in der Standardausfertigung mit 1. Klasse bestellt und danach bemerkt hat, dass S-Bahnen eigentlich nur mit 2. Klasse verkehren. Daraufhin wurde das Abteil deklassiert. Das zweite Fahrzeug wurde dann gleich ohne 1. Klasse ausgeliefert. Das ganze klingt etwas sonderbar, falls es jemanden interessiert hier ein Bericht der Badischen Zeitung.

[image]

Die eingleisige Nebenbahn ist im Eigentum der Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG). Die Strecke führt zunächst bis Staufen durch die Rheinebene und dann ins Münstertal. Nach knapp 20 Minuten Fahrzeit und 11 Kilometern ist der Endbahnhof Münstertal erreicht.

[image]

Das Bahnhofsgebäude von Münstertal hat keinen direkten Gleisanschluss mehr und präsentiert sich als Baustelle. Das rund 100 Jahre alte Gebäude steht unter Denkmalschutz und soll saniert werden.

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Von TGV bis Inselbahn – Fortsetzung Teil 1

TD, Samstag, 14.02.2015, 14:30 (vor 4138 Tagen) @ TD

[image]

Deutlich repräsentativer als der Bahnhof hingegen ist das Rathaus von Münstertal, das in den Jahren 1925/26 im damals neu um den Bahnhof herum entstehenden Ortszentrum errichtet wurde.

[image]

Hier nochmals ein Blick auf das historische Bahnhofsgebäude und daneben der moderne Bahnsteig. Der Talent 2 wartet bereits zur Rückfahrt, diesmal fahren wir aber nur ein Teilstück bis nach Staufen.

[image]

Die Einzelsitze wirken fast etwas verloren. Ich habe schon ein paar DB-Talente in unterschiedlichen Netzen gesehen, aber diese großzügige Version der Inneneinrichtung ist mir bisher noch nicht begegnet.

[image]

Und hier sind wir auch schon in Staufen angekommen, in der Kleinstadt im Breisgau haben wir einen kleinen Zwischenstopp eingeplant.

[image]

Auf dem Weg in die Altstadt geht der Blick hinauf zur Burgruine Staufen, die wird dann später unser nächstes Ziel sein.

[image]

[image]

Wir spazieren zunächst durch die schmucke mittelalterliche Altstadt, hier das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Im Zuge der Renovierung des Rathauses in den Jahren 2006 und 2007 wurden für eine neue Heizung Geothermiebohrungen durchgeführt. In der Folge kam es zu einer Hebung der Altstadt von vielen Zentimetern, die Risse in den Gebäuden verursachten. Teilweise mussten aufgrund der Rissbildung auch schon Gebäude abgerissen werden. Ein solcher Riss ist auch zwischen Rathaus-Café und Rathaus zu sehen.

[image]

Auch hier wieder ein Riss, der versehen ist mit einem symbolischen roten Klebeband als Rissverschluss mit der Aufschrift „Staufen darf nicht zerbrechen“.

[image]

Nun wollen wir uns aber auf den Weg machen hinauf zur Burgruine. Im Vordergrund der „Bacchus“ des Bildhauers Kurt Lehmann. Die Ruine einer Burg aus dem 12. Jahrhundert liegt auf einem Hügel über der Stadt und ist von Weinbergen umgeben.

[image]

Staufen liegt direkt am Übergang zwischen Schwarzwald und Rheinebene, hier ein Blick Richtung Schwarzwald...

[image]

...und von der Burgruine aus über die Dächer der Stadt.

[image]

In der anderen Blickrichtung hingegen dominiert die flache Landschaft der Rheinebene. Wer genau hinsieht, erkennt auch einen Triebzug, der aus Bad Krozingen Richtung Staufen fährt.

[image]

Hier treffen sich die beiden Triebwagen im Bahnhof Staufen...

[image]

...und dann fährt unser Exemplar weiter ins Münstertal. So, jetzt machen wir uns aber auf den Rückweg vom Schlossberg wieder hinab, denn bis der Triebwagen wieder zurückkommt, wollen wir am Bahnhof sein.

[image]

Geschafft, wir sind rechtzeitig am Bahnhof angekommen und fahren nun wieder durch die Rheinebene nach Bad Krozingen.

[image]

[image]

[image]

Die SWEG bezeichnet die Münstertalbahn als eine der landschaftlich schönsten Strecken in Deutschland und als malerische Route. Hässlich ist die Strecke wahrlich nicht, aber da hat man vielleicht doch etwas arg dick aufgetragen.

[image]

In Bad Krozingen gibt es einen kurzen Übergang auf den nordfahrenden Regional-Express nach Freiburg. Eine Viertelstunde dauert die Fahrt am Rande des Schwarzwalds, dann ist Freiburg erreicht.

Wir bringen nun das Gepäck ins Hotel und wollen später nochmals zu einer kleinen Runde aufbrechen. Auch wenn der Reisetag somit noch nicht zu Ende ist, ist hier nach 40 Bildern doch eine gute Länge erreicht. Deshalb machen wir jetzt einen Schnitt, in den nächsten Tagen gibt es dann Teil 2 mit einem Abstecher nach Breisach und der anschließenden Fahrt mit dem TGV.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Tobias

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Vielen Dank!

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Samstag, 14.02.2015, 15:09 (vor 4138 Tagen) @ TD

- kein Text -

Von TGV bis Inselbahn

462 001, Taunus, Samstag, 14.02.2015, 19:22 (vor 4138 Tagen) @ TD
bearbeitet von 462 001, Samstag, 14.02.2015, 19:23

Hallo Tobias,

vielen Dank für den Bericht. Ich bin immer wieder erstaunt, wie du auf die Routen für deine Reisen kommst. Hut ab!

[image]
Die Einzelsitze wirken fast etwas verloren. Ich habe schon ein paar DB-Talente in unterschiedlichen Netzen gesehen, aber diese großzügige Version der Inneneinrichtung ist mir bisher noch nicht begegnet.

Bin letztens in Leipzig gewesen. Die Hamster der S-Bahn Mitteldeutschland haben genau die gleiche Aufteilung in der 1.Klasse.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Tobias

Wünsch ich dir auch noch,
Gruß
ICE1223

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1627
- Euro. Ausland: 717

Am Rande: Staufen hebt sich wohl noch immer.

Blaschke, Samstag, 14.02.2015, 20:02 (vor 4138 Tagen) @ TD

Hallo!

Wir spazieren zunächst durch die schmucke mittelalterliche Altstadt, hier das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Im Zuge der Renovierung des Rathauses in den Jahren 2006 und 2007 wurden für eine neue Heizung Geothermiebohrungen durchgeführt. In der Folge kam es zu einer Hebung der Altstadt von vielen Zentimetern, die Risse in den Gebäuden verursachten. Teilweise mussten aufgrund der Rissbildung auch schon Gebäude abgerissen werden.

Das klingt so ein bißchen nach Vergangenheit. Einem recht aktuellen Zeitungsartikel zufolge hebt sich Staufen allerdings noch immer. "Nur" nicht mehr so stark wie noch vor einiger Zeit; es seien jetzt 2,5 Millimeter pro Monat, gleichbleibend und nicht weiter sinkend. Deswegen arbeite man noch immer an einer Lösung, auch diese Hebung nun zu beenden.


http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/immer-neue-risse-in-staufens-haeusern--992736...

Besten Dank für Deinen Bericht, ich freue mich schon auf die Fortsetzungen!!!!!!


Schöne Grüße von

jörg

Von TGV bis Inselbahn – Fortsetzung Teil 1

Splittergattung, Samstag, 14.02.2015, 23:37 (vor 4138 Tagen) @ TD

Mal wieder ganz großes Kino, danke!

Die stehende Fahrkartenkontrolle ist mir auch schon mal passiert, auch im Blauwal, allerdings im roten der Schwarzatalbahn. Da ist ein paar Minuten vor Abfahrt in Rottenbach der Tf aus seinem Führerstand gekommen, einmal durchgegangen, dann zurück in den Führerstand und dann war Abfahrt. Kam mir seltsam vor...

Die Elbe-Elster-Hamster haben auch eine ähnliche erste Klasse, allerdings mit grauen Kunstlederimitatsitzen.

Vielen Dank!

Freifahrtensammler, Sonntag, 15.02.2015, 00:36 (vor 4138 Tagen) @ TD

Vielen Dank für den ersten Teil dieser ungewöhnlichen Rundreise! Vor allem, da ich eventuell bald selbst einmal von Basel SNCF nach Mulhouse fahren werde. Vielleicht nehme ich dann die auch die 1.Klasse um diese interessante Wageneinteilung live zu erleben.

Auf Borkum war ich in meinem Leben schon unzählige Male, denn ich stamme aus Ostfriesland. Freue mich schon auf Deine Bilder von der Borkumer Kleinbahn. Auf Borkum gibt es übrigens einen sehr speziellen Brauch: In der Nacht vom 5. auf den 6.Dezember jeden Jahres verbreiten die sogenannten Klaasohms "Angst und Schrecken" unter den jungen Frauen der Insel.

Danke!

kaythxbye, Berlin, Sonntag, 15.02.2015, 23:06 (vor 4137 Tagen) @ TD

Hallo Tobias!

Danke für den tollen Bericht (und danke auch für dein Buch das ich mir vor kurzem zugelegt habe, ich konnte es bereits ausprobieren).
Bei dem Grenzübergang von Basel SNCF fiel mir auf, dass das Wort "FRANCE" mit sehr seltsamen und ungleichen Abständen gesetzt ist. Die Franzosen sind doch sonst so feinsinnig und nun fällt ihnen dieses Kerning (zu deutsch: Unterschneidung) nicht auf...

Viele Grüße,
Samuel

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum