Hitachi einziger Kandidat zur Übernahme von AnsaldoBreda (Allgemeines Forum)

L.Willms, Mittwoch, 26.11.2014, 20:19 (vor 4149 Tagen)

Die italienische Industrieholding Finmeccanica hat bestätigt, daß die japanische Firma Hitachi am 17.11.14 ein Angebot zur Übernahme der Eisenbahnsparte von Finmeccanica, d.h. von AnsaldoBreda abgegeben hat. Die Signal-Sparte Ansaldo STS soll ebenfalls betroffen sein, obwohl deren Aktienbesitz weiter gestreut ist.

http://www.finmeccanica.com/-/finmeccanica-offerta-offer-hitachi-ansaldobreda
http://www.ville-rail-transports.com/content/20811-Hitachi-seul-candidat-au-rachat-dAns...

Die chinesische Firma CNR, die auch als Übernehmer gehandelt worden war, habe sich in letzter Minute zurückgezogen, schreibt die Presse, z.B. hier:
http://www.ville-rail-transports.com/content/20804-Hitachi-seul-en-lice-pour-reprendre-...

AnsaldoBreda baut zusammen mit Bombardier die 380 km/h schnellen ETR1000 für die italienische Bahn. Die Firma ist aber auch für die Desaster der IC4 für Dänemark und der Hochgeschwindigkeitszüge für die belgisch-niederländische HSL Zuid berüchtigt.

Hitachi Rail baut Hochgeschwindigkeits- und sonstige Züge für den Bahnverkehr in Japan, und verschiedene andere Schienenverkehrsmittel (z.B. Einschienenbahnen).

Für Großbritannien hat Hitachi Rail die schnellen Regionalzüge Class 395 (auch "Javelin" - Speer genannt) geliefert, die einen Teil ihrer Routen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Ebbsfleet bis London-St.Pancras fahren, und liefert die neuen Triebzüge für den britischen Langstreckenverkehr, v.a. auf der East Coast Main Line. Dafür will Hitachie Produktionskapazitäten auf der Insel schaffen.

Mit der Übernahme von AnsaldoBreda würde Hitachi Rail zu einem noch ernsteren Konkurrenten für die drei bis fünf großen europäischen Bahnproduzenten werden, als es sowieso schon ist.

Wieso?

regiobaden, Mittwoch, 26.11.2014, 21:17 (vor 4149 Tagen) @ L.Willms

Ich wüsste jetzt nicht, was AnsaldoBreda Hitachi zu bieten hätte außer einem großen Imageschaden...

Wieso?

br752, Mittwoch, 26.11.2014, 21:45 (vor 4149 Tagen) @ regiobaden

Ich wüsste jetzt nicht, was AnsaldoBreda Hitachi zu bieten hätte außer einem großen Imageschaden...

Man koennte einen (nervigen) Mitbewerber "loswerden"? ;-)


BR752

Wieso?

Steffen, Donnerstag, 27.11.2014, 03:36 (vor 4149 Tagen) @ br752

Mit so einer Übernahme fassen sie in Europa weiter Boden. Der Kaufpreis dürfte sehr niedrig sein und der Imageschaden überschaubar, wenn man "eigene" Produkte anbietet (so wie in England). Das Desaster waren ja hauptsächlich Eigenkonstruktionen, während die Kooperation mit Bombardier anscheinend gut funktioniert. Darauf kann man aufbauen.

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In der Tat

Frankfurt (Main) Süd, Donnerstag, 27.11.2014, 10:19 (vor 4148 Tagen) @ Steffen

Es dürfte ihnen vor allem um Kundenbestände, Marktzugänge etc. gehen. Wie sattsam bekannt, spielen auf dem Markt für Rollmaterial nicht nur der Preis und die Qualität des Angebots eine Rolle. Und wenn Hitachi sich den europäischen Markt erschließen will, kann es sehr hilfreich sein, über einen etablierten europäischen Hersteller, der von der Regierung eines großen und verkehrstechnisch wichtigen europäischen Staates protegiert wird, einen privilegierten Zugang zu bekommen.

Und was die Qualität betrifft, kann es eh nur besser werden.

In der Tat

MartinN, Fricktal, Schweiz, Freitag, 28.11.2014, 10:12 (vor 4147 Tagen) @ Frankfurt (Main) Süd

Hallo zusammen

Und was die Qualität betrifft, kann es eh nur besser werden.

Alöso um die Qualität bei Hitachi mache ich mir keine all zu grossen Sorgen, dann eher schon die Harmonie zwischen Japaner und Italiener.

In der Tat

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Freitag, 28.11.2014, 10:17 (vor 4147 Tagen) @ MartinN

dann eher schon die Harmonie zwischen Japaner und Italiener.

Oh ja, da werden doch recht verschiedene Mentalitäten aufeinander treffen. Ohne eine der beiden Mentalitäten gegenüber der anderen zu bevorzugen, sage ich mal, da besteht Konfliktpotential.

Auf die Zukunft gespannte Grüße
der Colaholiker

In der Tat

GibmirZucker, Freitag, 28.11.2014, 11:22 (vor 4147 Tagen) @ Colaholiker

Oh ja, da werden doch recht verschiedene Mentalitäten aufeinander treffen. Ohne eine der beiden Mentalitäten gegenüber der anderen zu bevorzugen, sage ich mal, da besteht Konfliktpotential.

Die Japaner beginnen ja nicht bei Null, japanksche Firmen, ich denke da an Hitachi, hatten durchaus schon vor Jahrzehnten Erfahrungen auf dem italienischen Arbeits- und Auftragsmarkt gemacht. Sicher ist es im Schienenverkehr noch eine Spur komplizierter, aber sie werden schon eine mögliche Herangehensweise finden. Primär muss man in Italien eben den Überblick finden, wer der wirklich wichtige Ansprechspartner ist.

In der Tat

L.Willms, Freitag, 28.11.2014, 11:00 (vor 4147 Tagen) @ Frankfurt (Main) Süd

Es dürfte ihnen vor allem um Kundenbestände, Marktzugänge etc. gehen.

und natürlich die Produktionskapazitäten und das ganze in der Firma konzentrierte Fachwissen.

Wieso auf AnsaldoBreda rumhacken?

L.Willms, Freitag, 28.11.2014, 10:58 (vor 4147 Tagen) @ Steffen
bearbeitet von L.Willms, Freitag, 28.11.2014, 10:59

Mit so einer Übernahme fassen sie in Europa weiter Boden. Der Kaufpreis dürfte sehr niedrig sein und der Imageschaden überschaubar, wenn man "eigene" Produkte anbietet (so wie in England). Das Desaster waren ja hauptsächlich Eigenkonstruktionen,

Aber nur für solche ausländischen Auftraggeber, die vermutlich einfach nur sehr viel billiger einkaufen wollten, als ihre Nachbarn.

Beispiel Fyra250 -- warum haben die NS (Niederländische Staatsbahnen) nicht einfach weitere ICE-3 (BR 406) bestellt, um diese auf der HSL Zuid einzusetzen? Zu teuer? Oder TGVs von Alstom, die bereits für die angedachten Verkehre erprobt waren? Wer billig kauft, kauft viel...

Allerdings ist auch wie bei ICE-3 etc die Privatisierung und Deregulierung der Eisenbahnen in ganz Europa ein Faktor, wodurch die führende Rolle der eigentlichen Eisenbahngesellschaft in der Entwicklung von neuem Rollmaterial auf eine Industrie verschoben wurde, die darauf nicht vorbereitet war.

AnsaldoBreda blickt auf eine mehr als 150-jährige Geschichte im Bau von Eisenbahnfahrzeugen zurück, Fyra V250 und IC4 sind Ausreißer, für die man mal die Rolle der Besteller untersuchen sollte.

AnsaldoBreda liefert u.a. die automatische Metro für Kopenhagen und ein paar andere Städte.

Beste Übersicht findet sich natürlich in dem italienischen Wikipedia-Artikel

Wieso auf AnsaldoBreda rumhacken?

thelasse, Utrecht(NL), Freitag, 28.11.2014, 12:32 (vor 4147 Tagen) @ L.Willms

Beispiel Fyra250 -- warum haben die NS (Niederländische Staatsbahnen) nicht einfach weitere ICE-3 (BR 406) bestellt, um diese auf der HSL Zuid einzusetzen? Zu teuer? Oder TGVs von Alstom, die bereits für die angedachten Verkehre erprobt waren? Wer billig kauft, kauft viel...

Der Grund ist relativ einfach. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke iwar ein Prestigprojekt für die Niederlande und man wollte deshalb einen eigenen Zug der deutlich erkennbar ist und den die Leute dann mit NL verbinden. Ist mit dem ICE und TGV ja auch nicht anders, denn verbindest du ja auch mit Deutschland und Frankreich.Man wollte eben sagen:Seht her die Niederlande betreiben jetzt auch Hochgeschindigkeitsverkehr. Hinzukommt das die NS so gut wie nie Material von der Stange kauft(VIRM,Koploper).
Das erklärt natürlich nicht warum man bei Ansaldo Breda die Züge bestellte denn auch Alstom hatte ein Angebot eingereicht um den Fyra V250 zu bauen. Um das zu verstehen muss man sich die HSL selbst anschauen. NS war beim Bau davon ausgegangen das man auf der Strecke fährt,dann aber wurde die Strecke ausgeschriebenen. Die NS musste die Strecke aber unbedingt haben denn ein anderes Unternehmen könnte über die HSL natürlich Fuß in den Niederlanden fassen. Also haben NS und KLM(High Speed Alliance) einviel zu hohen Angebot(doppelt so hoch wie der nächste Interessent und auch doppelt so hoch wie die Summe die das Verkehrsministerium errechnet hatte mit der ein Unternehmen die Strecke rentabel betreiben kann) für die Nutzung der Strecke ab. Man bekam den Zuschlag musste nun aber irgentwoandes Geld einsparen also wurde der billigste Produzent für die Züge genommen:Ansaldo Breda.


Allerdings ist auch wie bei ICE-3 etc die Privatisierung und Deregulierung der Eisenbahnen in ganz Europa ein Faktor, wodurch die führende Rolle der eigentlichen Eisenbahngesellschaft in der Entwicklung von neuem Rollmaterial auf eine Industrie verschoben wurde, die darauf nicht vorbereitet war.

In NL nicht unbedingt schließlich entwirft man das meiste Material selbst und lässt es dann von irgendeinem Hersteller bauen.


AnsaldoBreda blickt auf eine mehr als 150-jährige Geschichte im Bau von Eisenbahnfahrzeugen zurück, Fyra V250 und IC4 sind Ausreißer, für die man mal die Rolle der Besteller untersuchen sollte.

AnsaldoBreda liefert u.a. die automatische Metro für Kopenhagen und ein paar andere Städte.

Beste Übersicht findet sich natürlich in dem italienischen Wikipedia-Artikel

[DK] Urteil über IC4 nächste Woche

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 28.11.2014, 11:27 (vor 4147 Tagen) @ L.Willms

Und heute in einer Woche ist der Bericht über den IC4 zu erwarten, schreibt der Inschenjör. Beauftragt waren Prose/SBB.

Viele Grüße
Sören

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