Mit besonderen Zügen zur Oberweißbacher Bergbahn 3/4 Forts. (Reiseberichte)
Allerdings rächt sich nun wieder die ICE-Panne auf der Hinfahrt. Wären wir zwei Stunden früher auf dem Rennsteig angekommen, hätte es zumindest für einen kleinen Spaziergang noch gereicht. Doch nun machen sich ein Donnergrollen und dunkle Wolken bemerkbar, so dass wir auf einen längeren Aufenthalt verzichten und mit dem gleichen Zug wieder zurückfahren.
Bis Arnstadt geht es nun auf gleichem Wege zurück, hier wieder der Blick vom Angelrodaer Eisenbahnviadukt, diesmal aber in die andere Blickrichtung.
Weiter geht die Fahrt durch das Thüringer Becken. In Arnstadt steigen wir um auf ein Regioshuttle der Erfurter Bahn der Linie EBx 47 in Richtung Saalfeld.
Viel mehr Bilder als dieses Innenbild mit der farblich abgesetzten ersten Klasse habe ich allerdings nicht, denn nun holt uns das Gewitter ein und weitere Streckenbilder der Fahrt durch das Hügelland der Saale-Ilm-Platte sind somit nicht möglich. Aber immerhin weiß ich nun, warum der Bahnhof Singen aus Teil 1 des Reiseberichts den Zusatz „(Hohentwiel)“ trägt, denn nun fahren wir durch den Ort „Singen(Thür)“.
In Rottenbach steht schon der nächste Umstieg an. Hier beginnt die Schwarzatalbahn. Da im Fahrplan eine Regionalbahn ausgewiesen ist, erwarte ich einen Triebwagen der Baureihe 641 (Wal), stattdessen fährt auch hier ein Regioshuttle der Erfurter Bahn, diesmal jedoch ein jüngeres Exemplar mit modernen Sitzen. Das Gewitter tobt noch kräftig und im Sauseschritt verlassen wir in Ostfelderschmiede den Zug und suchen das schützende Dach der Talstation der Oberweißbacher Bergbahn.
Die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn passt sicherlich sehr gut zum Motto der Reise „Besondere Züge“, denn die Strecken, Fahrzeuge und Bahnhöfe gehören wohl zu den ungewöhnlichsten der Deutschen Bahn. Unter der DB RegioNetz Verkehrs GmbH, Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn sind die Schwarzatalbahn, die Standseilbahn von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain und die „Flachstrecke“ von Lichtenhain nach Cursdorf zusammengefasst. Widmen wir uns nun zunächst der Standseilbahn.
Um die Bergdörfer auf dem Schiefergebirge an die Schwarzatalbahn anzubinden, fiel im Jahr 1919 die Entscheidung zum Bau einer Standseilbahn. Die Strecke ist über Drehscheiben in Tal- und Bergstation mit der Schwarzatalbahn und der Flachstrecke verbunden. Mit Hilfe einer Güterbühne können so normalspurige Fahrzeuge und Wagen über die Standseilbahn transportiert werden.
Für unsere Bergfahrt wartet der aufgearbeitete stufenförmige Personenwagen aus dem Jahr 1923.
Im Moment ist die Bergbahn aber eine „Schönwetterbahn“. Denn heute steht oben in der Bergstation der offene Cabrio-Wagen. Solange noch das Gewitter tobt ist die Fahrt im offenen Wagen zu gefährlich, und so müssen auch wir in der Talstation warten. Nach Abklingen des Gewitters geht die Fahrt dann eine halbe Stunde später los.
Ein Blick zurück zur Talstation: links die Drehscheibe als Verbindung zur Schwarzatalbahn.
Wir nähern uns nun der Ausweiche und der „Gegenzug“ fährt ins Bild. Dieser besteht aus der Gütebühne mit dem offenen Aufsatzwagen. Der Cabriowagen entstand aus einem Bahndienstwagen, er ist erst seit dem Jahr 2008 auf der Strecke unterwegs.
Die Steilstrecke hat eine Spurweite von 1.800 mm, mit einer Steigung von ca. 25 % geht es erst durch den Wald, für den letzten Abschnitt dann durch offene Landschaft.
Die große Spurbreite macht sich auch durch einen geräumigen Innenraum bemerkbar. Nach einer Fahrzeit von 18 Minuten sind wir in der Bergstation Lichtenhain angekommen.
In Lichtenhein beginnt die Flachstrecke nach Cursdorf, auch hier besteht eine Anbindung durch eine Drehscheibe.
Ihr kanntet die Baureihe ET 479 noch nicht? Nun, hier kommen 2 Vertreter der Elektro-Triebwagen angefahren. Ganze 3 Fahrzeuge dieser Baureihe gibt es, sie werden mit 600 Volt Gleichstrom betrieben und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern.
Nun geht es auf die gut 2,5 Kilometer lange Strecke über Oberweißbach nach Cursdorf. Der Lokführer ist hier nicht nur für Fahrkartenverkauf und –kontrolle zuständig, sondern bewirtschaftet auch die Bordgastronomie. Das Angebot ist allerdings überschaubar und besteht nur aus hochprozentigen „Bergbahn-Früchtchen“ und „Bergbahn-Kräutern“. Während bei anderen Bahnen ein Alkoholverbot gilt, fragt hier der Lokführer vor der Abfahrt, ob noch jemand einen Likör kaufen möchte.
Bei der Fahrt auf dem Bergsattel über dem Schwarzatal zeigt sich der Himmel über dem Thüringer Wald noch sehr wolkenverhangen. Ursprünglich wurden Güterwagen, die auf der Güterbühne über die Standseilbahn transportiert wurden von den Triebwagen auf der Flachstrecke weiterbefördert. 1966 wurde der Güterverkehr eingestellt.
Nach acht Minuten ist das Ziel erreicht und wir rollen an den Bahnsteig von Cursdorf. Cursdorf ist mit 678 Höhenmetern der höchste Punkt im Netz der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn.
Ganze 625 Einwohner zählt Cursdorf. Neben Eisenbahninteressierten ist man hier insbesondere auf Wandertouristen eingestellt. Geprägt ist die Region durch Dach- und Fassadenschiefer, wodurch der Ort doch recht grau wirkt.
Langsam hört es nun auf zu regnen und ein Regenbogen stimmt versöhnlich. Da die Wanderung am Rennsteig heute ja ausfallen musste, gibt es nun einen Abendspaziergang ins benachbarte Oberweißbach.
Auch hier begegnen uns die schiefergetäfelten Fassaden. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig.
Und es gibt sogar einen Superlativ: den „Dom von Südthüringen“. Mit 2.000 Sitzplätzen ist die Hoffnungskirche die größte Dorfkirche Thüringens – und hat damit mehr Sitzplätze als der Ort heute Einwohner.
Entlang der Gleise fangen wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages ein und beenden damit Teil 3 des Reiseberichts. Im letzten Teil geht es dann von Cursdorf zurück an den Bodensee.
Viele Grüße
Tobias
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