Reisebericht: Mit dem Eurostar nach London (Reiseberichte)

Hauke, Montag, 20.10.2014, 01:33 (vor 4221 Tagen)

Vor einigen Monaten wurden von der Bahn die Punkteschwellen im bahn.bonus-Programm „angepasst“, einzelne Fahrten wurden günstiger, viele Prämien jedoch teurer. Kurz vor Umstellung des Prämienkatalogs orderten wir noch schnell für je 4000 Punkten die Prämie „Hin- und Rückfahrt International“. Klar war: Es soll sich richtig lohnen, als Ziel wurde schnell London auserkoren. Der Umtausch des Gutscheins im Reisezentrum gestaltete sich als sehr Zeitaufwendig, wir benötigten knapp eine Stunde, hatten jedoch auch einige Sonderwünsche.

Am Freitag ging es nun in grausiger Frühe mit dem ICE 1644 nach Frankfurt Flughafen Fernbahnhof. Irgendwie gefällt mir der ICE-T nicht besonders gut, schon gar nicht auf dieser Strecke. Es geht nur sehr langsam voran, Dörfer wie Naumburg und Eisenach gepaart mit sehr langsamer Geschwindigkeit in einem Zug mit, im Verlgeich zum ICE-A doch eher eingeschränktem Raumgefühl, sorgten für eine lange, aber doch sehr unspektakuläre Fahrt. Die Landschaft ist nun nicht die schlimmste, wird jedoch nach so zahlreichen Fahrten auch nicht spannender. Ich kann nur verstehen, dass auf dieser Strecke viele, die aus Sachsen kommen und es eilig haben auf das Flugzeug ausweichen. In Frankfurt hatten wir etwa 40 Minuten Zeit, viel zu wenig um noch ein wenig durchs Terminal zu schlendern oder gar zur Aussichtsterasse zu fahren, zu viel um am Bahnsteig zu warten. Also besuchten wie die DB-Lounge. Positiv zu berichten ist, dass sie eine schöne Aussicht auf die Gleise bietet, ansonsten ist sie halt so unspektakulär wie eine DB-Lounge halt ist. Im hinterem Bereich waren einige Sessel beiseite geräumt worden, es gab wohl eine Wasserschaden durch von oben eindringendes Wasser. Mit dem leicht verspätetem ICE 16 ging es nun weiter nach Brüssel. Im ICE 3 über die KRM zu heizen macht auch immer wieder spaß, leider war die erste Klasse hinten und so genossen wir den Blick auf die Strecke nun rückwärts aus der Panoramalounge und sahen auch noch einige Flieger im Landeanflug unter anderem von Lufthansa einen A380, sowie die wesentlich schönere neue 747-8I.
Die rasante Fahrt wurde jedoch leider durch so furchtbar wichtige Unterwegshalte wie Limburg Süd, Montabaur und Köln Flughafen, wo man nur ein paar A319 und A320 von 4U fliegen sah, unterbrochen. Nun ging es weiter über Aachen und eine Schnellfahrstrecke in Belgien nach Brüssel. Hier begann nur der spannende Teil der Reise, für mich sollte es zum ersten mal mit dem Eurostar durch den Eurotunnel gehen, nach Fähre und Flugzeug nun noch der fehlende Verkehrsträger zur Insel.
Wir freuten uns schon auf die Eurostar-Lounge, und gingen zügig zum Eursostar-Terminal im doch eher hässlichen Bahnhof Midi, und passierten Fahrkartenkontrolle, eine Sicherheitskontrolle sowie zwei Passkontrollen. Nun waren wir im Wartebereich, die Lounge war leider wegen Umbaus geschlossen, als Ersatz erhält man Magazine, Zeitungen, kostenloses W-Lan sowie eine Voucher für ein Getränk im dort angesiedelten Store. Nach einiger Zeit wurde unser Zug aufgerufen, wir konnten zum Bahnsteig gehen. Dort blickte wartendes Personal noch einmal kurz auf unser Ticket und bot uns unaufgefordert an, auf nebeneinander liegende Plätze zu wechseln. Der Zug war sehr leer, wir hatten einen vierer für uns. Gebucht wird man mit einem 1.-Klasse-Ticket auf die „Standard Premier“-Klasse, mit bequemer 2+1-Bestuhlung. Der Sitz war sehr bequem, negativ war jedoch der wirklich unterirdische Sitzabstand, sowie die etwas antiqierte Retro-Optik, die wohl in den achzigern mal modern war. Direkt nach der Abfahrt wurde uns ein Tablett mit einem Snack gereicht, wahlweise Bohnen mit Huhn oder eine Käseplatte. Dazu gab es Wein und Softdrinks. Der Snack war schmackhaft, jedoch sehr klein. Der Service war sehr aufmerksam, nach dem Essen gab es mehrere Servicerunden mit Kaffe oder Tee. Die Fahrt durch den Tunnel empfand ich als unspektakulär, auch wenn es durchaus ein cooles Gefühl ist 25 Minuten im Hochgeschwindigkeitszug in einer dunklen Röhre unterhalb des rauschenden Meeres zu sitzen. Der Zug hielt auf englischer Seite noch in Ebbsfleet und erreichte London St.-Pancras pünktlich. Hier wird man nun, für Bahnhöfe ungewöhnlich, wie an manchen Flughäfen, separiert von den Departure-Kunden aus dem Sicherheitsbereich geleitet. Es ist somit nicht möglich, die Lounge in London als Arrival-Lounge zu nutzen.
Nach einigen sehr schönen Tagen in London ging es abends zurück mit dem Eurostar nach Brüssel. Der Check-In ging sehr schnell, der französische Grenzbeamte warf nur einen schnellen Blick auf unsere Ausweise und schon waren wir wieder im Wartebereich, vom Business-Premier-Eingang steht man quasi direkt neben dem Loungeeingang. Mit Prämien oder Sparpreisen kann man die Eurostar-Lounges nicht nutzen, zutrittsberechtigt sind nur Inhaber einer flexiblen Fahrkarte (Business Premier) sowie Railteam-Statuskunden. Der Loungedrache wollte uns den Zutritt zunächst verwehren, da in ihrer Liste nur rot-silberne Bahncard als zutrittsberechtigt eingetragen waren. Als wir ihr erklärten, dass diese nun grün-silber seien ließ sie uns doch passieren. (Frage: Was sollen bloß Inhaber einer statusbehafteten bonuscard.business mit blauem Streifen machen?) Die Eurostarlounge ist für mich zusammen mit der SJ-Lounge in Stockholm die beste Bahnlounge Europas. Die Einrichtung ist geschmackvoll, leichter Prunk, sehr viel Personal, dazu gibt es Süßes, Salziges und etwas Gebäck, sowie Getränke, Wein und Hochprozentiges. Auffällig war ein sehr großer Anteil an Frauenzeitschriften bei gleichzeitiger Abwesenheit selbiger. Wer ruhe sucht sollte die Treppe nach oben benutzen, unten war jedoch eine etwas größere Snackauswahl. Zum Satt werden reicht es jedoch nicht, verglichen mit Lufthansa Businesslounges ist die Auswahl doch eher gering, dafür sind die Zutrittsvoraussetzungen im Normalfall geringer. Nach einer knappen Stunde Wartezeit ging es mit dem Eurostar nach Brüssel, auffällig war jedoch das schlechte Englisch eines französischen Servicemitarbeiters. In Brüssel konnte man die Thalys-Lounge nutzen, diese ist jedoch eher ein Loch, damit passt sie jedoch wunderbar zum Umfeld um Midi. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, die Innenstadt ist wunderschön.
In Brüssel übernachteten wir eine Nacht und fuhren am nächstem Tag mit dem ICE über Köln zurück mit dem ICE 102, die einzige Möglichkeit über Hamm hinaus mit dem ICE 3 zu fahren.
Alles in allem kann man sagen, dass die Reise per Bahn nach London gerade aus den östlichen Teilen Deutschlands doch eher etwas für Enthusiasten ist. Als Bahnfan würde ich diesen Weg natürlich sofort wieder wählen, für den Normalverbraucher ist aber ein Flug zeitlich und preislich sicher attraktiver

Eisenach ist kein Dorf. ;)

ICE-T-Fan, Montag, 20.10.2014, 01:34 (vor 4221 Tagen) @ Hauke

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Danke für den Bericht!

GUM, Montag, 20.10.2014, 10:44 (vor 4220 Tagen) @ Hauke

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Auch von mir danke!

JanZ, HB, Montag, 20.10.2014, 11:15 (vor 4220 Tagen) @ Hauke

Danke für den Bericht! Bei mir steht Anfang Januar mal wieder eine Fahrt nach London an, ich hoffe dann auch die Eurostar-Lounge in Brüssel nutzen zu können. Beim letzten Mal wusste ich nicht, dass ich rein darf ;-).

Der Sitz war sehr bequem, negativ war jedoch der wirklich unterirdische Sitzabstand, sowie die etwas antiqierte Retro-Optik, die wohl in den achzigern mal modern war.

Dabei haben sie die Züge doch schon renoviert :).

Der Loungedrache wollte uns den Zutritt zunächst verwehren, da in ihrer Liste nur rot-silberne Bahncard als zutrittsberechtigt eingetragen waren. Als wir ihr erklärten, dass diese nun grün-silber seien ließ sie uns doch passieren.

Genau das Problem hatte ich im Mai in Brüssel auch, vielleicht sollte die DB daran denken, bei Änderungen des BahnCard-Designs auch die Railteam-Mitarbeiter entsprechend zu informieren.

Danke

462 001, Taunus, Montag, 20.10.2014, 19:21 (vor 4220 Tagen) @ Hauke

Danke für den Bericht, aber eine Sache wäre da noch...

Die rasante Fahrt wurde jedoch leider durch so furchtbar wichtige Unterwegshalte wie Limburg Süd, Montabaur und Köln Flughafen, wo man nur ein paar A319 und A320 von 4U fliegen sah, unterbrochen

Na ja, ich find sie wichtig.

Gruß
ICE1223

Reisebericht: Mit dem Eurostar nach London

rtwflyer, Freitag, 02.01.2015, 20:21 (vor 4146 Tagen) @ Hauke

Danke für den Bericht! So wird mir klarer, was ich am Montag erwarten kann und darf.

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