[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona (Allgemeines Forum)

caboruivo, CH, Sonntag, 12.10.2014, 21:07 (vor 4259 Tagen)

Hallo zusammen

Nun melde ich mich auch mal mit einem Reisebericht zu Wort. Seit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Barcelona–Figueras Vilafant hegte in mir der Wunsch, die Verbindung mal auszuprobieren. Ein guter Freund und meine Wenigkeit wagten uns daraufhin an die Herausforderung.

Am ersten Tag fuhren wir im Duplex von TGV Lyria nach Paris Gare de Lyon. Weil eine Buchung der grenzüberschreitenden Verbindungen Frankreich-Spanien von der Schweiz aus nicht möglich ist, wurde der Rest der Reise nach einer einstündigen Wartezeit am Schalter des Gare de Lyon gebucht.

Paris ist an allen Bahnhöfen reich an schönen Zügen:
[image]
Ein PBKA-Thalys in der Gare du Nord

[image]
Ein TGV Duplex und ein ICE 3 in trauter Eintracht in der Gare de l'Est

[image]
BB 17103 in der Gare de l'Est. Die Lok stellte den CNL nach München/Hamburg/Berlin Südkreuz bereit.

[image]
Ein Eurostar-Triebzug, just aus London eingetroffen, in der Gare du Nord

[image]
Die BB 27358 in der Gare St-Lazare

[image]
Ein TGV Atlantique in der Gare de Montparnasse

Nach guten 1.25 Tagen in Paris ging es dann in aller Herrgottesfrühe vom Gare de Lyon los in Richtung Barcelona. Wieder stand ein TGV Duplex bereit, die Lautsprecheransagen im Zug wurden ausnahmslos in Französisch und Spanisch gehalten, freilich in einem solchen Rattertempo, so dass ein linguistisch Ungeübter kein Wort verstand.

Spannend waren die Fahrten via LGV Sud-Est, LGV Rhône-Alpes und LGV Méditerranée waren interessant, ebenso die Fahrt über die neue Schnellfahrstrecke Perpignan-Barcelona, obwohl die Tunnelbeleuchtung auf dem spanischen Abschnitt eher irritierte. Sehr bemerkenswert war auch, dass der Zug den Bahnhof Montpellier-Saint Roch mit einer viertelstündigen Verspätung, die er sich mit längeren Aufenthalten auf den Bahnhöfen Montpellier und Nîmes sowie auf der knapp dreistündigen Nonstop-Fahrt Paris–Nîmes eingefahren hatte, verliess, in Barcelona-Sants aber pünktlich eintraf.

Auch in Barcelona gab es ferrotechnisch einiges zu sehen:

[image]
Der 103 608-6 (Velaro E) der renfe wurde gerade als AVE nach Madrid-Atocha in Barcelona-Sants bereitgestellt.

Die meiste Zeit in punkto Eisenbahn verbrachten wir aber in der Estació de França, da diese sich in unmittelbarer Nähe unseres Hotels befand. Leider steht dieser schöne Kopfbahnhof mittelfristig auf dem Abstellgleis, spätestens dann, wenn im Osten Barcelonas der Bahnhof Sagrera eröffnet wird. Jahrelang war Barcelona-França Endbahnhof der Talgo-Trenotel nach Paris, Mailand und Zürich. Nach deren Einstellung im Dezember 2012 war sie ein Jahr lang ohne Fernverkehr, ehe Ende 2013 der bisher in Sants endende breitspurige Fernverkehr der renfe nach França verlängert wurde. Aus diesem Grund konnten wir auch folgende Fotos schiessen:

[image]
252 056-7 mit dem kurz zuvor aus Sevilla Santa Justa eingetroffenen Talgo. Zu diesem Talgo gibt es noch eine Anekdote zu erzählen: Meine Reisebegleitung und ich, beide passionierte Eisenbahnfilmer und -fotografen, nahmen mit dem Ziel, diesen Zug zu filmen, unsere Filmkameras in den Bahnhof mit. Leider fuhr der Talgo eine Verspätung ein, so dass wir allerhand Züge filmen konnten, nur unser Objekt der Begierde nicht. Wenige Minuten vor der Einfahrt des Talgos wurden wir unter freundlicher Aufforderung eines spanischen Ordnungshüters des Bahnhofs verwiesen, da Filmen nicht erlaubt sei. Jedoch hielt uns dieses Gewitter von katalanischen Sprachfetzen nicht davon av, noch ein Foto des angekommenen Zuges zu schiessen.

[image]
130 023-5 (Patito) in der Estació de França.

Die Heimreise aus Spanien begann pünktlich im Bahnhof França. Ein Rodalies-Zug sollte uns nach Barcelona-Sants bringen. Ein Weg vom Bahnhof Sants zum Hotel per Metro, der andere per Bahn. Ich rechnete über 30 Minuten Umsteigezeit ein, was reichen sollte. Ganz witzig wurde es dann bei der Sicherheitskontrolle. Zwischen dem Anstehen in der um mehrere Ecken führenden Warteschlange bis zum Einsteigen in den Zug durften wir unsere Fahrkarten nicht weniger als drei Mal irgendwelchen Aufsichtspersonen vorweisen, natürlich während unser Gepäck durchleuchtet wurde. Ein Wunder, dass mein Stativ nicht den Status einer gefährlichen Waffe erhielt...

Mit "Atemlos in den Zug" würde Helene Fischer wohl unser überhastetes Einsteigen besingen, denn nur wenige Minuten vor Abfahrt konnten wir in den TGV einsteigen, der uns auf der ersten Etappe begleiten durfte. Wir regten uns noch über die Sicherheitskontrolle auf, am Ende des Tages würden wir diese allerdings als Wellnessferien bezeichnen.

Bis Valence TGV (Rhône-Alpes Sud) verlief unserer Reise nach Plan, von da an war ein TER nach Genf angesagt, fahrplanmässige Reisezeit: drei Stunden. Details über die folgenden Ereignisse könnt ihr auf dieser Seite nachlesen, kurzum sei nur gesagt, dass es die SNCF schafften, während dieser dreistündigen Reisezeit eine vierstündige Verspätung auszufahren und natürlich danach das Unschuldslamm zu mimen. Ach ja, als Zahl des Tages figuriert der Betrag von CHF 615.-, den mein Reisebegleiter und ich für eine notwendige Taxifahrt zu entrichten hatten.

In diesem Sinne, gute Nacht

PS: An diejenigen, die DSO gegenüber eher skeptisch eingestellt sind: Bitte nicht erschrecken, aber dieser Beitrag ist in dem mit dem ICE-Treff in einer Art Hassliebe verbundenen Forum im selben Wortlaut zu finden, abgesehen von diesem Postskriptum

--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

moonglum, Hagen, Montag, 13.10.2014, 11:31 (vor 4258 Tagen) @ caboruivo

Super, danke für die schönen Fotos.
Und nun zur Preisfrage: Welcher Zug ist äusserlich am Dreckigsten?

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

JeDi, überall und nirgendwo, Montag, 13.10.2014, 12:09 (vor 4258 Tagen) @ moonglum

Und nun zur Preisfrage: Welcher Zug ist äusserlich am Dreckigsten?

Der 103er.

--
Weg mit dem 4744!

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

Reservierungszettel, KDU, Montag, 13.10.2014, 12:33 (vor 4258 Tagen) @ JeDi

Und nun zur Preisfrage: Welcher Zug ist äusserlich am Dreckigsten?


Der 103er.

Den hätte ich auf Platz zwei gesetzt.

Sorry - für mich ist der Deutsche auf Platz eins.

holistische Herangehensweise an Lack und Dreckschicht

Julian, Wien, Montag, 13.10.2014, 12:25 (vor 4258 Tagen) @ moonglum

Der Thalys natürlich! Allerdings haben die einen klugen Tarnanstrich gewählt, Dreckverstecksilber und Bremsabriebrostrot.
Dass weiß da einfach nicht die beste Wahl ist, vor allem an der Spitze de Zuges, auch wenn man öfter putzt als die DB, sieht man an den RENFE-Garnituren.

Immerhin hat die DB ein kleines bisschen dazugelernt: Frühe Renderings haben den ICx noch mit lichtgrauen Schürzen gezeigt, vollkommen untauglich für den Alltag und die Weißwurst sieht so noch besonders fett aus. Inzwischen wird das dunkelgrau zumindest bis über die Drehgestelle hochgezogen.
Am besten war hier immer noch der 175-Jahre-Eisenbahn-in-Deutschland-beklebte ICE-T: Silberner Wagenkasten mit Verlauf zu goldener Front, das kann auf gewisse Distanz selbst massive Schichten von toten Fliegen kaschieren.

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

moonglum, Hagen, Montag, 13.10.2014, 11:57 (vor 4258 Tagen) @ caboruivo

Nachtrag:
in der letzten Zeit wurde in div. Postings auf besondere Verspätungen bzw. Servicewüsten der DB damit gekontert, es sei ja in FR nicht anders bzw. gar noch schlimmer... Insofern guter Artikel, die SNCF macht wahrlich keinen guten Eindruck mehr...

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

GibmirZucker, Montag, 13.10.2014, 12:38 (vor 4258 Tagen) @ moonglum

in der letzten Zeit wurde in div. Postings auf besondere Verspätungen bzw. Servicewüsten der DB damit gekontert, es sei ja in FR nicht anders bzw. gar noch schlimmer... Insofern guter Artikel, die SNCF macht wahrlich keinen guten Eindruck mehr...

Das ist natürlich ein Problem der selektiven Wahrnehmung, klar dass die lokale Presse lokalen Ereignissen mehr Raum einräumt. Deshalb nicht "keinen guten Eindruck mehr", sondern: Das Krisenmanagement der SNCF machte nie einen guten Eindruck. Die Mitarbeiter auf dem Zug erkennen keine Verpflichtigung, die Fahrgäste möglichst schnell an ihr Ziel bei Störungen zu bringen, sondern handeln auf eine für mich nicht nachvollziehbare Weise (da lege ich lieber Eigeninitiative an den Tag, wenn möglich). Komisch ist, dass das Personal bei Störungen, wenn man dessen Ratschläge ignoriert und mitteilt, auf eigene Faust andere Züge zu nutzen als empfohlen, auf einmal unfreundlich wird. Die Eingeborenen dagegen lassen das über sich ergehen. Man steckt drei Stunden mit kaum funktionsfähiger Klima irgendwo in der Pampa fest und kein Mensch ärgert sich darüber.Als wäre das ein Naturereignis wie ein unerwarteter Sonnensturm.

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

bendo, Montag, 13.10.2014, 21:40 (vor 4258 Tagen) @ caboruivo

Hallo,

danke für den schönen Bilderbericht! Da geht dem HGV-Fan das Herz auf!

Keine Zeit mehr für die Verlängerung mit dem S103 nach Madrid? ;)

Grüße, bendo

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

MartinN, Fricktal, Schweiz, Dienstag, 14.10.2014, 12:52 (vor 4257 Tagen) @ bendo

Hallo zusammen
Ja toller Bericht vielen Dank. Werd ich auch irgendwann mal machen.
Nun habe ich noch ne Frage. Die spanischen Hochgeschwindigkeitszügen sind normalerweise weiss mit einem dunkelrot leicht violetten Streifen. Ab und zu sieht man aber auch solche mit blauem Streifen. Ist das eine alte oder die neue Farbgebung oder ist das je nach Strecke der Fall, dass man unterschiedliche Züge hat?

blau/weiß ist die alte Farbgebung

Julian, Wien, Dienstag, 14.10.2014, 19:19 (vor 4257 Tagen) @ MartinN

Das weiß des neuen Lacks (mit violetten Streifen) ist übrigens leicht cremebeige.
Media Distancia und Avant-Züge (genau das, was hier oft "RE 250" genannt wird) haben einen violetten und einen orangen Streifen.

blau/weiß ist die alte Farbgebung

MartinN, Fricktal, Schweiz, Mittwoch, 15.10.2014, 07:21 (vor 4257 Tagen) @ Julian

Hallo Julian
Danke für die Aufklärung.

[FR]/[ES]: In sechs Tagen nach Paris und Barcelona

caboruivo, CH, Freitag, 17.10.2014, 21:50 (vor 4254 Tagen) @ bendo

Hallo

danke für den schönen Bilderbericht! Da geht dem HGV-Fan das Herz auf!

Danke!


Keine Zeit mehr für die Verlängerung mit dem S103 nach Madrid? ;)

War ursprünglich geplant. Nur scheiterte es an der Zeitplanung, die wir ja erst in Paris absolvieren konnten. Und die gute Dame dort am Schalter konnte oder wollte uns keine AVE-Reservationen verkaufen, selbst nicht für Barcelona-Girona zur Heimfahrt.

Gruss

--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum